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Beitragvon pipapo58 » 08.09.2011, 18:37

Hallo
bin zwar ein wenig spät dran, aber möchte doch noch dazu etwas sagen

bei der Beerdigung meines Mannes wurden unter anderem auch seine negativen Seite angedeutet, ganz nüchtern und ohne Emotion. Und das war richtig so.

Ich war schon mal bei einem Begräbnis wo man nicht mal eine Inschrift machen liess. Es ist zwar ein Gemeinschaftsgrab, aber trotzdem ... es hiess - man wisse ja wo er liegt ... na ja, da hatte ich schon Mühe das zu akzeptieren.

Ich bin auch dran meinen Grabstein und die Musikstücke für die Andacht festzulegen. Und das Blumenarrangement.
Aber die eigene Grabrede zu schreiben ...? wieso eigentlich nicht ...
vielleicht ein paar lustige Anektoden aber auch traurige, einfach so, dass die Leute sagen : ja ... das war ... ich ...

es grüsst
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pipapo58
 

Beitragvon rheinnixe » 11.09.2011, 22:00

pipapo58 , du bist nicht zu spät dran. Es ist ohnehin nicht gerade ein geeignetes Diskussionsthema, wenn aber doch, dann eher ein gewagtes. Nicht jeder möchte öffentlich über seine Erfahrungen berichten, auch nicht unbedingt über das Thema nachdenken; obwohl es heißt, dass der Tod zum Leben gehört.

Die Beisetzung war am Montag, die Trauerfeier war würdig, und hätte der Verstorbene sie erleben können, hätte es ihn vielleicht gefreut, zum Abschluss doch noch so viel Schönes sehen zu können. Ich war in seinem Zuhause, da war leider gar nichts Schönes.
Die Trauerrede hätte ihm auch gefallen, aber nur, wenn er nicht richtig hingehört hätte. In dem Fall wäre sie ihm vorgekommen wie ein Lobgesang.
Wer seine Ohren ausnahmsweise mal nicht auf Durchzug gestellt hat, hat den Abgesang an einen "ausgeprägten Individualisten" richtig zu deuten gewusst.
Die Worte gekonnt gesetzt …. und schon braucht kein verlogenes Bild gezeichnet zu werden.
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rheinnixe
 
Beiträge: 6055

Beitragvon lottesprotte » 31.12.2011, 23:34

Lotte1952 hat geschrieben:Es geht auch anders herum.......

Ich habe mal eine Beerdigung erlebt, die es bestimmt nicht noch mal geben wird.

Der Verstorbene hatte sich selbst umgebracht. Aufgehängt. Jeder der Ortsansässigen wusste warum.

Als die Beerdigung endete, ging jeder an das Grab, verbeugte sich und ging dann an der Witwe wortlos vorbei. Dieses Spiel wiederholte sich ca. dreihundertmal. Nur ein paar Auswärtige, die nichts oder wenig wussten, gaben ihr unsicher die Hand, wohl wissend, dass hier etwas ungeheuerliches vorgefallen sein muss. Das anschließende Essen wurde wieder abgesagt, weil niemand erschien.

Und zum Thema selbst bin ich der Meinung, dass es niemandem hilft, die schlechten Seiten des Verstorbenen gerade bei seiner Beerdigung hervorzuheben. Da, wo er sich nicht mehr wehren kann. Aber man muss auch nicht nur die Guten Seiten hervorheben, man kann es auch neutral halten und das ist ja sowieso oft genug der Fall.


Das finde ich ungeheuerlich. Dieser Mensch hat sich selbst umgebracht, es war seine Entscheidung.
Er wurde doch nicht ermordet von seiner Frau.
Egal, was vorgefallen ist, daß sich ein ganzes Dorf zum Richter über etwas erhebt, in das eigentlich nur 2 Menschen Einblick haben, macht mich sprachlos.
Jeder Ortsansässige weiß also, was in einem/diesem Selbstmörder vor sich geht....unglaublich!

Ich habe gelegentlich mal mit Witwen von Suizidtoten zu tun und beneide diese nun gar nicht. Nicht wenige leben mit dem unausgesprochenen Vorwurf der eigentlichen "Schuld", was ich für unangebracht und unmenschlich halte. Viele haben eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich, die niemand erleben möchte und der Albtraum endet auch mit dem Tod des Partners nicht.
Jeder, der sich selbst das Leben nimmt, tut dies, weil ER es so entscheidet.
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lottesprotte
 

Beitragvon O_Donoghue » 17.01.2012, 11:20

„De mortuis nil nisi bene“ (Über die Toten nur Gutes) – Dieses uralte Prinzip wird in aller Regel auch heute noch beherzigt. Wenn man es überstrapaziert, kann das aber ziemlich peinlich anmuten. Andererseits gibt es durchaus Fälle, in denen die Gratwanderung gelingt.

Ich erinnere mich an eine (atheistische) Trauerfeier. Das Umfeld des Verstorbenen außerhalb seiner Familie kannte ihn als stets freundlichen, hilfsbereiten Menschen – Vereinsmensch und sozial engagiert. Was nur wenige wussten: Seine Familie hatte sehr unter ihm gelitten. Sie erlebte ihn als verschlossen, herrisch und oft verletzend. Die Neigung zum Alkohol tat zuhause ein Übriges. Es war der ausdrückliche Wunsch der Familie, diese Schattenseite bei der Beerdigung nicht zu verschweigen. Dem Trauerredner gelang dies in sensibler und dennoch klarer Weise, mit der er beiden Seiten des Verstorbenen gerecht wurde.

Vor vielen Jahren musste ich als damals junger Vereinsvorstand auf den Friedhof einen Nachruf für einen Mann sprechen, der sich erhängt hatte. Er konnte nicht verwinden, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte. Es war sehr schwer, die richtigen Worte zu finden. Einige Vereinsmitglieder meinten, ich solle der Witwe anschließend nicht die Hand drücken. Doch ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Denn mir war klar, dass sie unter schlimmen Schuldgefühlen gelitten hat. Sie war völlig verzweifelt. Viele Freunde und Bekannte gingen wort- und grußlos an ihr vorbei. Diese „Bestrafung“ empfand ich als sehr ungerecht. Wenn sich jemand zur Trennung entschließt, gibt es dafür meist mehrere Ursachen und Gründe – auf beiden Seiten. Wenn die Witwe später gelegentlich unsere Vereinsveranstaltungen besuchte, habe ich sie stets demonstrativ herzlich begrüßt.
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Beitragvon Marga0902 » 20.01.2012, 11:46

Eine "Abstrafung" einer Witwe, die unter dem Suizid ihres Mannes leidet, empfinde ich als grausam und herzlos. Von Suizid mag man halten, was man will: Es ist seltenst ein einziger Mensch der Auslöser für diese Tat. Wie schwer muss es für einen Menschen sein, den Partner auf diese Weise zu verlieren? Sich immer zu fragen, ob es einen anderen Weg gegeben hat, ob man besser hätte zuhören müssen, ob man mehr hätte tun können? 
Ich danke jedem, der solche Unsitten nicht mitmacht, sondern sich dagegenstellt, von Herzen. 

So, nun habe ich mir etwas Luft gemacht.
Ich muss sagen, die Grabrede selbst zu schreiben, ist eine witzige Idee. Mir ginge es wohl etwas zu weit, denn ich möchte denen, die an meinem Grab trauern, die Möglichkeit geben, zur Sprache zu bringen, was sie sagen möchten. Aber ein paar Anekdoten oder Stichpunkte für sie vorzubereiten erscheint mir auch eine schöne und sinnvolle Idee. Mit einem lieben Brief den Unterlagen beigelegt, die sie nach meinem Tod erhalten, können sie vielleicht noch einmal lachen. Doch, diese Idee gefällt mir. 

Was ist denn eine Trauerrede? Wem dient sie?
Nicht mir, finde ich. Ich erfreue mich zu Lebzeiten daran, dass ich geliebt werde. Das werde ich auch wissen, wenn ich gestorben sein werde. Die Trauerrede soll denen helfen, die trauern. Und um zu trauern, muss man realistisch sein. Jemanden zum Heiligen zu verklären wird nur den Abschied schwerer machen. Jemanden zu verfluchen mag kurzzeitig befriedigen, aber langfristig schmerzen. Ich finde Trauerreden schön, die zeigen, warum man den Verstorbenen vermisst, indem sie die schönen Seiten hervorheben und jeden lächeln lassen. Andererseits sollte eine Trauerrede aber auch Raum für Verständnis schaffen und die Dinge erklären, die zu Lebzeiten vielleicht nie zur Sprache kommen konnten. 

  
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Beitragvon Carolin244 » 07.05.2012, 18:02

Ich habe eine Sterbeversicherung abgeschlossen und schon alles geregelt, allerdings ohne Trauerfeier. Um lange Reden anzuhören, fehlte mir nämlich schon immer die Geduld. :mrgreen:
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Beitragvon lottesprotte » 07.05.2012, 18:27

Eine Trauerrede muss übrigens nicht immer den Verstorbenen zum Inhalt haben.
Oft ist das auch gar nicht wirklich gut möglich, da der Redner den Verstorbenen meist ja nicht (in allen Facetten) kennt.
Bei einem Bekannten wurde so z.B. über das Thema "Sterben als Scheitern" sehr gut gesprochen.
Es sind auch viele weitere Themen denkbar.
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Beitragvon Schwetho » 15.05.2012, 10:06

Ich denke, es ist schon vieles gesagt worden und so hat jeder seine ganz eigene Vorstellung von dem, was nach seinem Ableben getan und gesagt werden sollte. Ich selber habe mit meinen Kindern schon öfter darüber gesprochen, wie es gestaltet werden soll. Dabei habe ich ganz klar und deutlich angesagt, sie sollten bei all der Trauer, die da sein wird ,nicht vergessen, dass ich auch meine Fehler und Schwächen hatte. Ja, jeder kennt die Person auf seine ganz eigene Weise. Die Familie, die Kollegen, die Freunde und bekannten und jeder kennt doch nur ein Stück von mir. Und wenn dann schon ein letztes Mal solch ein Aufwanf um mich betrieben wird, dann dürfen auch andere etwas von dem mitbekommen, wie andere mich erlebt haben. Und dann habe ich noch einen Wunsch geäußert, ich möchte nicht dass sie so entsetzlich trauern, sondern feiern. Feiern sollen sie, dass ich meinen Weg gegangen bin. Es war mein Leben meine Fehler und meine guten Seiten. Was zu sagen ist, will ich sagen wenn ich leben und wenn ich gegangen bin, dann sollte auch Frieden eintreten. Das was von mir bleibt ist nichts materielles, es ist die Art und Weise, wie ich die Menschlichkeit gelebt habe. Was bleibt sind die Gefühle in den Menschen die ich zurücklasse. Und wer sich im Klaren ist, das wir alle nur Menschen und keine Götter sind, der wird in meinem Tod nichts wirklich Schlimmes finden. Trennung ist wie immer ein heftiger Schritt und dieser wird entgültig sein. Deshalb glaube ich, es ist wichtiger zu reden wenn ich lebe und nicht wenn ich nur noch zuhörer sein kann(falls dem so sein sollte). meine grabrede schreiben will ich nicht, denn sie wird dazu anregen, sich noch einmal intensiv mit dem auseinanderzusetzen, wie jeder Einzelne mich erflebt hatte. Also wieder das, was in den Menschen zurück bleibt, nichts als Gefühle und Erinnerungen. Im übrigen habe ich gesagt, die Hinterbliebenen müssen selber entscheiden, wie die Beerdigung aussehen soll. Nicht ich, sondern sie müssen damit leben und zurecht kommen. Die Art der Trauerfeier und auch die Grabstätte und und und, alles müssen sie selber entscheiden und ich vertraue ihnen das an.
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Schwetho
 
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