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Beitragvon rheinnixe » 31.08.2011, 23:56

Es soll nichts Schlechtes über ihn am Grab gesprochen werden.
Aus einem Menschen, der sich großer Versäumnisse schuldig gemacht hat, sollte nach dem Tod aber auch kein Heiliger werden.
Und erst recht kein treusorgender Vater, wenn er in Wirklichkeit ein ausgeprägter Individualist war. Einer, für den Verantwortung ein Fremdwort bis zum Schluss geblieben ist.

Was mögen Angehörige und Trauergäste lieber hören, Wahrheiten, Lügen oder nichtssagende Gemeinplätze?
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Beitragvon Norweger » 01.09.2011, 0:00

Wer den Toten kannte wird wissen, was die Grabrede wert ist.
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Beitragvon rheinnixe » 01.09.2011, 0:10

Norweger hat geschrieben:Wer den Toten kannte wird wissen, was die Grabrede wert ist.

Viele kannten ihn, aber keiner hat gewusst, wer er war.

Es gibt Menschen, die sich "draußen" sehr gut verkaufen können.
Dann gibt es noch die anderen, die trotz sehender Augen blind bleiben wollen.
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Beitragvon Foxifix » 01.09.2011, 11:03

rheinnixe hat geschrieben:Es soll nichts Schlechtes über ihn am Grab gesprochen werden.
Aus einem Menschen, der sich großer Versäumnisse schuldig gemacht hat, sollte nach dem Tod aber auch kein Heiliger werden.
Und erst recht kein treusorgender Vater, wenn er in Wirklichkeit ein ausgeprägter Individualist war. Einer, für den Verantwortung ein Fremdwort bis zum Schluss geblieben ist.

Was mögen Angehörige und Trauergäste lieber hören, Wahrheiten, Lügen oder nichtssagende Gemeinplätze?



Hallo NIxe,

ich glaube soviele unterschiedliche Menschen wie es gibt genauso unterschiedlich sind auch die "Erwartungshaltungshaltungen" an eine Trauerrede,
und so wie im Leben manch Einer sehend blind daher läuft und die Augen verschließt. so wird er auch am Grab nichts Unangenehmes auch nur ansatzweise über den Toten hören mögen ... was allerdings keinesfalls ausschließt dass er doch schlecht über ihn spricht.

Gute Trauerredner bringen es durchaus fertig feine Nuancen einzubauen in ihre Rede ohne dabei pieätätlos zu wirken, das ist ein Spagat der in der Tat nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist.

Ich persönlich finde Trauerreden wo alles schöngeredet wird ganz fürchterlich, um nicht zu sagen zum Weglaufen, Niemand sollte zum Heiligen hochstilisiert werden wenn er eher ganz das Gegenteil war. Eine milde menschliche Kritik darf durchaus eine Trauerrede auch enthalten, aber dennoch ist kein Mensch insgesamt ja "schlecht" gewesen und hat sicherlich in seinem Leben das eine oder andere geleistet und zustande gebracht - und das sollte in erster Linie auch gewürdigt werden.

Und eine Trauerrede die einzig und allein nur Allgemeinplätze beinhaltet, nun ja, die kann man sich eigentlich, sorry, gänzlich sparen, das meine ich ehrlich.
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Beitragvon Renate17 » 01.09.2011, 14:12

Ich hätte die Trauerrede für meinen Vater gehalten, wenn der Mitarbeiter des Bestattungsinstitutes nicht davon abgeraten hätte. Und da meine Mutter noch lebte, also mehr die "Veranstalterin" war, hatte sie "das sagen", abgesehen von dem Umkehrschluss des Punktes "Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch". Letztlich habe ich aus genau diesem Grunde auch nicht mehr dagegen argumentiert, dass u.a. Freddys "Junge komm bald wieder" gespielt wurde *schauder* ich hätte die Internationale passender gefunden. Sei' s drum, es war Mutterns Veranstaltung und aus Respekt ihr und ihrem Verlust gegenüber habe ich mich zurückgehalten.

Die Tauerrede für meine Mutter habe ich gehalten. Es waren nicht viele Trauergäste anwesend, von denen nur zwei meine Mutter nicht näher kannten. So dass fast alle Anwesenden wussten, dass wir ein äußerst schlechtes Verhältnis zueinander hatten. Als ich hinter das Pult trat, sah ich beinahe wie Einige entsetzt nach Luft schnappten/den Atem anhielten. Nachdem ich -tränenlos- zu Ende war kamen sie alle, ausnahmslos, und sagten mir ich hätte das sehr sehr gut gemacht, und wie es sie erleichtert hätte, als sie im Laufe meiner Rede merkten, das ich diesen Anlass nicht missbrauchen würde Rache zu nehmen.

Ich hatte nichts beschönigt, mich nicht in den grausigen Details ergangen, die Tatsache dass sie auch eine Geschichte hatte und innerhalb der Gegebenheiten ihr Bestes versucht und gegeben hatte, nicht unberücksichtigt gelassen, und sie in Frieden ziehen lassen.

Das alles konnte ich ehrlich und aufrichtig sagen und tun, weil ich das Glück hatte -im Wissen ihres Sterbens- ihre letzte Nacht mit ihr zu verbringen. Nein, es gab keine tränenreiche Verzeihungs- und Verabschiedungsszene. Niemand weiß wirklich wieviel Sterbende noch mitnehmen. Dass sie meine Anwesenheit an ihrem Bett wahrgenommen hat, dessen bin ich sicher. Ob mein Gefühl dass sie hin und wieder meine Hand, die die ihre hielt, etwas fester gedrückt hat, mag meine Einbildung oder mein Wunschdenken sein. Es ist letztlich auch egal. Mir war wichtig, ihr zu zeigen, dass ich sie, wie auch immer unsere Geschichte gewesen ist, in Frieden ziehen lassen konnte.

Viele Dinge der Vergangenheit kann ich ihr nicht verzeihen. Todesängste, die ich als Kind ausgestanden habe, werden durch die inzwischen verflossenen 50 Jahre nicht weniger oder bedeutungslos. Ich konnte im Laufe meines Erwachsenlebens im Nachhinein, vieles erklären, intellektuell verstehen, sogar entschuldigen ... ... ... wirklich verzeihen konnte ich sie nicht.

Und dennoch war es mir wichtig, dass sie wissen/spüren sollte, dass sie nicht geht und nur einen hasserfüllten und verängstigten Scherbenhaufen zurücklässt. Ich bin froh und sehr dankbar (u.a. auch dem Klinkipersonal), dass es möglich war, dies noch zu tun.

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Beitragvon Rangie » 01.09.2011, 20:02

Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall
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Beitragvon rheinnixe » 01.09.2011, 23:14

Ich habe erst wenige Beisetzungen erlebt. Bei nahen Verwandten habe ich kaum wahrgenommen, was gesprochen (gepredigt) wurde. Außer bei meinem Onkel, da haben wir des öfteren laut gelacht, als der Pfarrer von seinen Erlebnissen mit dem ehemals so lebensfrohen Verstorbenen erzählte.

Die unpersönlichsten Worte hat ein Pfarrer in Bremen gesprochen, so als hätte niemand ihm etwas über den Verstorbenen erzählt.

Im vergangenen Jahr fand ein Pfarrer liebevolle Worte für einen bedauernswerten Menschen, dessen Leben durch den Alkohol zur Qual wurde und viel zu früh zu Ende ging.

Dass unangenehme Wahrheiten ausgesprochen wurden, habe ich noch nie gehört. Einer solchen „Peinlichkeit“ will sich auch sicher niemand ausgesetzt wissen; Trauergäste sind ohnehin erleichtert, wenn alles vorüber ist.

Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf und eine Frage, die ich mir stelle, ist, ob man sich nicht als Heuchler vorkommt, wenn man anlässlich des Todes plötzlich einen wunderbaren und liebevollen Menschen entstehen lässt? Oder wird zum allerletzten Schluss einem Wunschbild Gestalt gegeben, indem man den lieben Verstorbenen zu dem macht, was ihm im Leben nicht gegeben war? Dem Toten kann es ja egal sein, ist es ohnehin, und außerdem sind Trauerfeiern für die Lebenden.
Schade, dass uns noch keiner berichten konnte, wie ihm seine Trauerfeier gefallen hat.

Meine eigene Trauerrede werde ich ganz sicher nicht verfassen, aber alles, was sich vorher festlegen lässt, werde ich veranlassen. Nicht mir, aber meinen Kindern soll nicht passieren, was sie jetzt erleben mussten und noch müssen.
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Beitragvon rheinnixe » 02.09.2011, 13:07

Rangie hat geschrieben:Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall

Was meinst du jetzt genau? Der Tag, an dem du deine Grabrede schreibst,
ist der wichtigste in deinem Leben? :roll: :wink:
Das sollte mich aber wundern! :wink: :lol:

Endlich mal jemand, der dich "richtig" sieht? :wink:
Oder willst du ordentlich das Weihrauchfass schwingen? :lol:
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Beitragvon Rangie » 02.09.2011, 13:16

rheinnixe hat geschrieben:
Rangie hat geschrieben:Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall

Was meinst du jetzt genau? Der Tag, an dem du deine Grabrede schreibst,
ist der wichtigste in deinem Leben? :roll: :wink:
Das sollte mich aber wundern! :wink: :lol:

Endlich mal jemand, der dich "richtig" sieht? :wink:
Oder willst du ordentlich das Weihrauchfass schwingen? :lol:



der letzte Tag, ist es
erlebt man ja nur einmal :mrgreen:


eigentlich möchte ich meine Beerdigung schon zu Lebzeiten feiern. Sonst habe ich ja nichts davon.
Aber die Gäste wollen nicht mitmachen :(
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Beitragvon Solist3 » 02.09.2011, 23:54

Rangie hat geschrieben:Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall



Ich kannte einen Lehrer, der hat sich seinen Grabstein auf dem Friedhof schon zu Lebzeiten aufgestellt und seinen Namen ein grafiert. (Die Erben hätten dann nur noch den Todestag
drauf zu schreiben.)
Wie machst du das? Darf man überhaupt so neugierig sein?
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Beitragvon gingin42 » 03.09.2011, 11:50

Da ich nie zu Beerdigungen gehe, habe ich dieses Problem nicht.
Dennoch: ich meine, man sollte bei der Wahrheit bleiben, und nicht ein Bild malen, was es nie gegeben hat. Das ist Heuchelei bis ins Grab in meinen Augen.
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Beitragvon Vivi_01 » 03.09.2011, 12:09

Jeder hat eine andere Wahrheit über den Verstorbenen. Es hat lange gedauert, bis ich das begriffen habe.

Als meine Mutter gestorben ist, waren rund 300 Leute bei der Beerdigung.
Außer dem Pastoren haben noch einige andere Redner das Wort ergriffen.
Die Frau von der da gesprochen wurden kannt ICH nicht. Ich dachte ich sitze auf der falschen Beerdigung und war mehrfach versucht Einspruch zu erheben. Meine Wahrheit war eine andere.
Ich wünschte mir, ich hätte sie auch so gekannt!!!

Liebe Grüße

Vivi
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Beitragvon Lotte1952 » 03.09.2011, 14:18

Es geht auch anders herum.......

Ich habe mal eine Beerdigung erlebt, die es bestimmt nicht noch mal geben wird.

Der Verstorbene hatte sich selbst umgebracht. Aufgehängt. Jeder der Ortsansässigen wusste warum.

Als die Beerdigung endete, ging jeder an das Grab, verbeugte sich und ging dann an der Witwe wortlos vorbei. Dieses Spiel wiederholte sich ca. dreihundertmal. Nur ein paar Auswärtige, die nichts oder wenig wussten, gaben ihr unsicher die Hand, wohl wissend, dass hier etwas ungeheuerliches vorgefallen sein muss. Das anschließende Essen wurde wieder abgesagt, weil niemand erschien.

Und zum Thema selbst bin ich der Meinung, dass es niemandem hilft, die schlechten Seiten des Verstorbenen gerade bei seiner Beerdigung hervorzuheben. Da, wo er sich nicht mehr wehren kann. Aber man muss auch nicht nur die Guten Seiten hervorheben, man kann es auch neutral halten und das ist ja sowieso oft genug der Fall.
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Beitragvon Rangie » 03.09.2011, 14:26

Solist3 hat geschrieben:
Rangie hat geschrieben:Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall



Ich kannte einen Lehrer, der hat sich seinen Grabstein auf dem Friedhof schon zu Lebzeiten aufgestellt und seinen Namen ein grafiert. (Die Erben hätten dann nur noch den Todestag
drauf zu schreiben.)
Wie machst du das? Darf man überhaupt so neugierig sein?

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es stehe Episoden aus meinem Leben drin, es soll kein Trauergast weinen.
Ein Lächeln möchte ich ein letztes Mal auf ihre Gesichter sehen.
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Beitragvon scherzkeks77 » 04.09.2011, 21:54

Rangie hat geschrieben:Ich habe meine Grabrede schon geschrieben.
das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben, also überlasse ich nichts dem Zufall


und ich werd mich dann als Pfarrer verkleiden, den Spaß laß ich mir nich entgehen :lol: :lol:
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