von Gast » 17.09.2009, 18:47
und wer da denkt, da herrsche eitel Sonnenschein und alle Menschen seien Brüder, möge folgendes bedenken:
Griechenland ist grundsätzlich ein armes und karges Land. Darüber mögen die fassadenhaften touristischen Infrastrukturen und die dünne Schar der Vermögenden auf den ersten Blick hinweg täuschen. Will heissen: die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung führt ein einfaches und recht hartes Leben. Wäre da, wie in manchen anderen südlichen Ländern, nicht die Familie, die sich gegenseitig hilft und zusammenhält, wäre es ein gar trauriges Leben.
Hatte jemand hier schon Gelegenheit, einen Blick in die Wohnung oder das Häuschen von 'Normal'-Griechen zu werfen? Da ist es in der Regel sehr eng, Komfort gibt es kaum, und nicht selten schläft die ganze Familie in einem kleinen Raum. Was oft nach 'Big Business' aussieht, z.B. einer der vielen Inhaber eines Travel Office, müssen in der kurzen Zeit der Saison von frühestens MItte Juni bis spätestens Mitte September ihre Jahreseinkünfte erwirtschaften, ausserhalb dieser Zeit mag zwar die eine oder andere Tätigkeit auf dem Bau etwas Zusatzeinkünfte bringen, aber reich werden kann man im Land der Götter so nicht. Bleibt anzumerken, dass es eine Altersvorsorge, wie wir sie kennen, in Griechenland nur ausnahmsweise gibt, auch da muss wiederum die Familie zum Zuge kommen.
Das Klima ist im Sommerhalbjahr ohne Zweifel freundlicher als in unseren Breitengraden, in den Städten und auf dem Peloponnes ist es mit bis zu 40 Grad im Schatten allerdings oft zu heiss. Im Winterhalbjahr auf den Inseln, bei 12 bis 15 Grad mit Wind, Feuchte und bewölktem Himmel, kann aber sehr bald bei uns Westeuropäern die Sehnsucht nach einem richtigen Winterklima aufkommen.
Krank werden sollte man in Griechenland in der Tat nicht, denn die hygienischen Verhältnisse sind an vielen Orten unzureichend, alles ist improvisiert (Medikamente selber holen, Essen selber bringen, Wäsche selber waschen usw...). Ich meine dies nicht etwa sarkastisch, aber es passt zur griechischen Mentalität und eben zu der starken Integration der Griechen in ihren Familien.
Alles in allem:
Auswandern nach Griechenland finde ich keine so gute Idee, es sei denn, man verfüge über sehr viel Geld, denn damit lässt sich auch in Hellas das materielle Paradies verwirklichen...