gingin42 hat geschrieben:Leider mußte ich die Erfahrung machen, dass es auch viele Eltern gibt, die sich von ihren Kindern trennen oder sie schlecht behandeln. Sie haben nicht das Recht, soetwas wie Kinderliebe zu erwarten.
Das ist meine Ansicht zu " Entfremdete Kinder". ( Gegenpol)
Es hat immer Gründe, wenn sich Kinder so verhalten. [. . .]
Nein, ich möchte nie wieder etwas mit ihr zu tun haben, weiß garnicht, ob sie noch lebt, aber es ist mir auch egal.
[. . .]
Hallo gingin,
ich finde es großartig von dir, dass du für diesen "Gegenpol" einen eigenen Thread aufgemacht hast. Du hättest all das auch als Antwort in den anderen Thread schreiben können. Der von mir gefärbte Satz ging mir beim Lesen des Threads von Elisabeth natürlich auch sofort durch den Kopf. Und ich hatte auch schon als er das erste Mal zu lesen war Befürchtungen in diese Richtung. Dass derartige -vielleicht immer noch trauer- und hasserfüllte- Antworten kämen. Was bisher kam, war ja -den Schreibenen sei Dank- sehr moderat. Doch all das was du und andere bisher
hier geschrieben haben, ist eben auch da. Ich habe mich in Elisabeths Thread zurückgehalten, auch wenn es mir an dem Punkt "Warum + keiner Schuld bewusst" schwer fiel. Weil ich nicht sicher war, im Laufe des Schreibens nicht doch zu "entgleisen" (das hätte letztlich ja niemanden geholfen) habe ich mir selbst auferlegt "Nein! Schweig!".
Ich hatte auch viele Jahre lang nur sehr seltenen -und eigentlich auch nichtssagenden- Kontakt zu meinen Eltern. Häufig endete der dann auch noch im Streit, oder zumindest in schlechter Stimmung, so dass danach Monate, manchmal auch Jahre, wieder "Funkstille" herrschte. Nach einer letzten Eskalation hatte ich auch beschlossen es zu ganz zu lassen. Und, genau wie du, hatte ich mir vorgenommen, auf den Tod einer der beiden nicht zu reagieren. Sieben Jahre später starb mein Vater, und ich habe es doch nicht durchgehalten, obwohl meine Mutter die Person war, unter der ich mehr gelitten hatte. Eben genau weil damals die Kinderaufzucht noch ausschließlich in den Händen der Mütter lag, besonders in der Arbeiterschicht. @medianne, Nein du täuscht dich nicht.
Mein Vater hat mich nicht massiv verprügelt, auf dem Boden, Teppichkanten oder Reibeisen knien lassen. Warum auch, er musste sich ja nicht den ganzen Tag mit einem widerspenstigem, trotzigem stehlendem und lügendem Kind herumschlagen. Was für eine Wortwahl in diesem Zusammenhang! Er war halt bloß der arme unterdrückte Ehemann, der uns Kinder leider nicht in angemessener Weise schützen konnte, eigentlich müsste es heißen nicht "wollte".
Die Jahre, die meine Mutter noch lebte habe ich einen oberflächlichen versorgenden Kontakt zu ihr gehalten. Während ihrer letzten Jahre im Pflegeheim (Rollstuhl) habe ich dafür gesorgt, dass sie alles bekam was ihr zustand, bzw. was sie brauchte, und sie einmal im Monat zum Einkaufen hinaus begleitet. Bei allen rückschauenden Einsichten, Verständnis dafür, dass sie ein wenig schönes Leben hatte . . . . Intelektuelle Einsichten bleiben eben genau das, sie kehren sich nicht in Zuneigung -gar Liebe- um. Einen Menschen vor dem ich mein Leben lang Angst hatte -eigentlich auch noch als ich schon längst selbständig war, und jeder Zeit gehen konnte, wenn wieder mal "Stimmung war" - kann ich nicht später lieben.
Renate