Chri51 hat geschrieben: Die erwähnte Konsumgesellschaft in unserem Kulturkreis mag viele negative Facetten aufzeigen, aber mitnichten moralische Werte beeinflussen...Es ändern sich höchstens bestimmte Methoden, aber da möchte ich keinesfalls nicht mit den"früheren Zeiten" tauschen.
Liebe Chri! Ich denke was die Begriffe Moral, Anstand und Nächstenliebe angeht
bezieht sich Deine Sichtweise und die daraus resultierende Reaktion ausschließlich auf uns
Menschen, unseren Umgang miteinander, untereinander! Moral, Anstand und Nächstenliebe
beziehe ich aber auf alles „Lebende“ Dieses vorab, und auch zum besseren Verständnis meiner Art und Weise diese Problematik zu sehen.
Moral, Anstand und Nächstenliebe sind nirgends
und überall und das zu allen Zeiten!
Da stimme ich Dir voll zu! Doch was die Werte in einer zivilisierten Gesellschaft angeht,
lege ich meine Meßlatte (Orientierung) nicht so weit zurück um direkte Vergleiche, aus
der jüngeren Geschichte, dem Mittelalter und vor tausenden von Jahren der Menschheitsgeschichte - wie Du es ofensichtlich tust – mit der heutigen Zeit anzustellen.
Meine Meßlatte, diesbezüglich, beginnt ab dem 10. Dezember 1948, nämlich dem
Zeitpunkt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte UNO-Resolution 217 A (III).
Innerhalb der 30 Artikel umfassenden Erklärung wurden unter anderem genau diese Werte,
wie Moral und Anstand – zugegeben, teils im übertragenem Sinne - genannt,
neu definiert und für alle Mitgliedsstaaten „bindend“ festgelegt.
Dass Hass, Neid und Machtstreben zu allen Zeiten der Menschheit immer eine große
Rolle gespielt hat und bis heute spielt, ist dem negativen Anteil menschlicher Gebärden
und Verhaltensweisen zuzuschreiben. Aber genau deshalb ist es mE für jeden einzelnen
wichtig, sich dessen immer mal wieder bewusst zu werden, um diese und einige andere
„Unarten“ im Umgang miteinander, möglichst in Grenzen zu halten, oder besser noch,
wo immer möglich, einfach zu unterlassen.
Die erwähnte Konsumgesellschaft in unserem Kulturkreis
mag viele negative Facetten aufzeigen, aber mitnichten moralische Werte beeinflussen...
Hier ein paar der Beispiele, von denen ich glaube, dass sie diese,
Deine Behauptung widerlegen:
Uns allen bekannte, nationale und internationale Bekleidungsketten, die z.B. in
Bangladesch unter Menschenunwürdigen Verhältnissen große Teile ihres Sortimentes fertigen lassen. Menschenunwürdig, sowohl von den Arbeitsbedingungen her, als auch von
der Bezahlung her gesehen. (Eine Näherin z.B. arbeitet bis zu 16 Stunden am Tag und erhält umgerechnet gerade mal 30 € für einen ganzen Monat Arbeit)
Wie viele Produkte des täglichen Bedarfes, Haushalt, Elektronik etc, werden auch heute
noch, in Ländern des fernen Ostens, unter anderem auch durch Kinderarbeit hergestellt und importiert. Mehrfach offen gelegt und bewiesen und trotzdem, von der Mehrheit der Konsumenten, tagtäglich, überall in unserer GEIZ IST GEIL angesagten Konsumentenwelt einfach ignoriert, hingenommen, um des eigenen Vorteilswillen.
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Meldung in den Nachrichten zu hören
ist, in der vom Befall von Bakterien, Giftstoffen und diversen Krankheitserregern, in, an und um Lebensmittel herum die Rede ist. Hervorgerufen, unter anderem auch durch Massentierhaltung.
Der Einsatz von Chemie in jeglicher Form, an Obst und Gemüse und die immer stärker zunehmende Genmanipulationen an Tieren und Pflanzen tun ihr Weiteres.
Gammelfleischskandal, Dioxinskandal… Skandale über Skandale runden das Bild ab.
Viele der vorgenannten „Produkte“ werden extrem überproduziert, und das einzig und
allein um uns, der Konsumgesellschaft, in ausreichenden Mengen und so billig als
möglich, immer und überall zur Verfügung zu stehen.
Diese Auswüchse könnte man, unter anderem mit einem gesunden Moralverständnis,
mit Anstand (anständigen Verhalten) und letztendlich durch gelebte Nächstenliebe gegenüber
allem Lebenden begegnen und gerecht werden. Wir, die Konsumgesellschaft, befeuern
diesen Wahnsinn mit unserem Kauf- und Verbrauchsverhalten tagtäglich neu. Und nur wir
haben die Macht, durch verändertes Verhalten diesem Irrweg Einhalt zu gebieten, ihn zu
unterbrechen!
Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern (nach 1945 bis Mitte der 60ziger Jahre)
in der ehrliche und anständige Arbeit seinen Preis hatte. In der korrekte Dienstleistungen, gute Produkte gefragt waren und entsprechend bezahlt wurden. In der sowohl bei Produzenten,
als auch bei Händlern, Dienstleistern und Konsumenten gegenseitiger Anstand nicht infrage gestellt war. In der Moral als Verpflichtung dem Gemeinwohl gegenüber eine größere Bedeutung hatte, als es leider heute der Fall ist und somit, letztendlich Werte beeinflussende Wirkung zeigt, die ich in meinem Beitrag aufzeigen wollte.
lg, Roland