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Beitragvon Katharina88 » 08.01.2012, 19:13

Der Ehrbegriff in der Gegenwart. Die erste Strophe in einem Gedicht von T.Fontane lautet; "Es kann die Ehre dieser Welt dir keine Ehre geben.Was dich in Wahrheit hebt und hält,muss in dir selber leben!" Bausteine der Ehre sind primär Würde und Stolz einer Person.Die Achtungswürdigkeit (so wird der Begriff "Ehre" oft erklärt) ist sehr abhängig von der Parteien Gunst und Hass. Das Bestehen vor sich selbst,jene Selbstachtung,die sich vor einem täglichen Blick in den Spiegel nicht zu schämen hat,alles das macht den ehrenwerten Menschen aus. Der im öffentlichen Fokus stehende Mensch,der be- und geachtet werden will, muss aber die von ihm zu Recht erwartete Haltung zeigen,die den Ehrbegriff objektiv kennzeichnet. Wenn er unehrenhaft handelte, dieses Verhalten dann zu vertuschen und zu legalisieren versucht und deswegen den Stolz und die Würde verletzende Demütigungen hinnehmen muss,wenn er letztlich den Gang nach Canossa antritt,dann hat er seine und des Amtes Achtungswürdigkeit stark beschädigt. Es müsste ihm aber auch sein Spiegelbild nicht mehr gefallen,denn Ehre lebt im Menschen. Zur Ehrenrettung bleibt nur der Rücktritt. Katharina     
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Beitragvon cherrycon » 09.01.2012, 10:44

Das Problem ist, dass nicht wenige Menschen um in gewisse Positionen zu kommen,sich auf dem Weg nach oben das Rückgrat verbiegen. Ein klassisches Problem einer Parteidemokratur. Warum war R.v. Weizäcker so gut? Nicht nur aber auch weil er als Quereinsteiger nicht die Parteiochsentour hinter sich bringen musste.
Frau Käßmann hat vorgemacht, wie es richtig geht. Sie machte einen Fehler, zog Konsequenzen und genießt heute ein höheres Ansehen, als je zuvor.
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Beitragvon bonsaifreak » 09.01.2012, 11:16

um erfolgreich einen Beruf ausüben zu können muss man m.E. nicht nur bestimmte Fähigkeiten haben bzw. zunächst erlernen sondern u.a. wohl auch gewisse Charaktereigenschaften.
So sind m.E. erfolgreiche Vertreter in sozialen Berufen, helfend, beratend, pflegend bestimmt etwas anders gepolt als jene z.B. auf wissenschaftlich-technischem Feld. Ich meine das nicht wertend!
Nun ist mittlerweile der Politiker auch ein Beruf geworden, auch wenn ein Großteil von ihnen zuvor Jura oder Politologie studiert haben, oder aus dem Lehrerberuf geflüchtet sind.
(bei letzteren kann man nur sagen: welch ein Glück für ihre Schüler!)
Jede Verallgemeinerung ist falsch und mir ist durchaus bewusst, dass es nicht wenige rühmliche
Ausnahmen gibt, aber ich denke, dass der typische, übliche Politiker, der nach oben kommen und dort bleiben will, einfach einen "miesen Charakter" haben muss.
Und ich glaube kaum, dass er je auf den Gedanken kommt, sich am Morgen, wenn er sich im Spiegel sieht, er müsse sich schämen.
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Beitragvon Katharina88 » 09.01.2012, 12:40

cherrycon hat geschrieben:Das Problem ist, dass nicht wenige Menschen um in gewisse Positionen zu kommen,sich auf dem Weg nach oben das Rückgrat verbiegen. Ein klassisches Problem einer Parteidemokratur. Warum war R.v. Weizäcker so gut? Nicht nur aber auch weil er als Quereinsteiger nicht die Parteiochsentour hinter sich bringen musste.
Frau Käßmann hat vorgemacht, wie es richtig geht. Sie machte einen Fehler, zog Konsequenzen und genießt heute ein höheres Ansehen, als je zuvor.


Guten Tag,cherryrcon,
 Die Dame wird von mir bewundert - fast verehrt-.Sie hat ihr Amt aufgegeben,aber ihre Ehre behalten.
Katharina mit Gruß

 
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Beitragvon Katharina88 » 09.01.2012, 12:50

bonsaifreak hat geschrieben:um erfolgreich einen Beruf ausüben zu können muss man m.E. nicht nur bestimmte Fähigkeiten haben bzw. zunächst erlernen sondern u.a. wohl auch gewisse Charaktereigenschaften.
So sind m.E. erfolgreiche Vertreter in sozialen Berufen, helfend, beratend, pflegend bestimmt etwas anders gepolt als jene z.B. auf wissenschaftlich-technischem Feld. Ich meine das nicht wertend!
Nun ist mittlerweile der Politiker auch ein Beruf geworden, auch wenn ein Großteil von ihnen zuvor Jura oder Politologie studiert haben, oder aus dem Lehrerberuf geflüchtet sind.
(bei letzteren kann man nur sagen: welch ein Glück für ihre Schüler!)
Jede Verallgemeinerung ist falsch und mir ist durchaus bewusst, dass es nicht wenige rühmliche
Ausnahmen gibt, aber ich denke, dass der typische, übliche Politiker, der nach oben kommen und dort bleiben will, einfach einen "miesen Charakter" haben muss.
Und ich glaube kaum, dass er je auf den Gedanken kommt, sich am Morgen, wenn er sich im Spiegel sieht, er müsse sich schämen.
bonsaifreak

Lieber Freund,
es ist eine fast düstere Bestandsaufnahme --aber leider  hast Du Recht.Ich schließe mich Dir an und unzulässige Verallgemeinerungen aus,wie Du es auch getan hast.Was danach verbleibt,ist immer  noch unwürdig genug.
Gruß!
Katharina  
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Beitragvon bonsaifreak » 09.01.2012, 16:54

liebe Katharina,
ich finde es etwas traurig, mich darüber zu freuen, dass Du Dich meiner düsteren Bestandsaufnahme anschließt. Ich hätte eigentlich viel lieber Unrecht.
Komme ich automatisch ein wenig in die Richtung von Platon und seiner idealistischen Auffassung von einem Idealstaat. Aus heutiger Sicht muss es ja recht naiv anmuten, wenn er meint, dass Staaten am besten von Philosophen geleitet werden sollten, oder zumindest Philosophen den Herrschenden sagen sollten, wo es lang geht (oder so ähnlich).
Und nun versuche ich mir einmal einen Parteipolitiker vorzustellen, der einem Philosophen zu hört, wenn der ihm etwas über Ehre, Würde, Moral, Gerechtigkeit erzählt. :D
Der könnte sich nur (selbst) entschuldigen, in dem er erklärt, dass ihn Fraktionszwang und/ oder Parteidisziplin bindet. Und damit meinte er dann wohl moralisch aus dem Schneider zu sein.
Gruß bonsaifreak
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Beitragvon Katharina88 » 09.01.2012, 18:28

bonsaifreak hat geschrieben:liebe Katharina,
ich finde es etwas traurig, mich darüber zu freuen, dass Du Dich meiner düsteren Bestandsaufnahme anschließt. Ich hätte eigentlich viel lieber Unrecht.
Komme ich automatisch ein wenig in die Richtung von Platon und seiner idealistischen Auffassung von einem Idealstaat. Aus heutiger Sicht muss es ja recht naiv anmuten, wenn er meint, dass Staaten am besten von Philosophen geleitet werden sollten, oder zumindest Philosophen den Herrschenden sagen sollten, wo es lang geht (oder so ähnlich).
Und nun versuche ich mir einmal einen Parteipolitiker vorzustellen, der einem Philosophen zu hört, wenn der ihm etwas über Ehre, Würde, Moral, Gerechtigkeit erzählt. :D
Der könnte sich nur (selbst) entschuldigen, in dem er erklärt, dass ihn Fraktionszwang und/ oder Parteidisziplin bindet. Und damit meinte er dann wohl moralisch aus dem Schneider zu sein.
Gruß bonsaifreak

Guten Abend,bonsaifreak, Es würde die Herrschaft der Philosophen auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.Ganz einfach deshalb,weil sie Menschen sind.Menschen,die ihre eigenen Vorstellungen für sakrosankt halten und durchsetzen wollen-- und das sind selten solche,die einem Gemeinwesen förderlich sein können.Plato verbot Schriften (Homer),machte den Bildungsstand zum Einordnungskriterium in verschiedene Klassen,hatte eine deutliche Verbindungsneigung zum Gemeinschaftseigentum und wollte Ausgliederung behinderter Menschen aus dem Sozialverband.Er scheiterte im praktischen Versuch seiner Vorstellungen auf Sizilien. Auch Seneca,der Erzieher von Nero,konnte seine den Herrschenden empfohlene Milde nicht vermitteln und musste auf Befehl seines Schülers sterben-das tat er in stoischer Gelassenheit und in Ehren. Nicht einmal der Rücktritt in Ehren ist heute besonders häufig!!! Gruß! Katharina 
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Beitragvon bonsaifreak » 09.01.2012, 19:10

"Nicht einmal der Rücktritt in ehren ist heute besonders häufig", schreibst Du, liebe Katharina.
Okay, wir sind hier bei der Philosophie und nicht bei der Tagespolitik. Lese aber gerade, dass der Chef der Schweizer Notenbank zurück getreten ist. Seine Frau hätte unlautere Devisengeschäfte gemacht. Zwar hätte er davon nichts gewusst. das könne er aber nicht beweisen.
Hier und da gibt es also noch honorige Gesinnung.
Und der Mann ist noch nicht einmal Politiker, sondern sogar Banker! (was ja heutzutage noch schlimmer ist).
schönen Abend noch
wünscht bonsaifreak
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Beitragvon Oase100 » 09.01.2012, 22:59

Bonsaifreak,

schön, dass du das Thema anschneidest. Es ging dabei um folgendes:   "Allen voran: Was wusste Hildebrand über das Devisengeschäft seiner Frau, das ihm am Ende das Genick brach? Auf der Pressekonferenz versucht der Notenbanker noch einmal eine Ehrenrettung in eigener Sache. „Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich nie gelogen habe in dieser Geschichte“, sagt er. Und muss doch einräumen, „dass es nicht möglich ist, einen abschließenden Beweis zu liefern, dass meine Frau ohne mein Wissen die Transaktionen veranlasst hat“. So bleibt Hildebrand nur der Rücktritt – um Schaden von der Schweizer Zentralbank abzuwenden. Die Entscheidung „erfüllt mich mit Traurigkeit“, sagt er. Er wolle mit dem Schritt aber dafür sorgen, dass die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit aufrechterhalten könne. Erst standhaft, dann defensiv Noch in der vergangenen Woche hatte Hildebrand einen Rücktritt wegen der Devisentransaktionen abgelehnt. „Solange ich das Vertrauen der Behörden, des Bankrates (Aufsichtsbehörde) und des Bundesrates (Regierung) habe, ist Rücktritt für mich kein Thema“, hatte er erklärt. Er räumte aber moralische Fehler ein, weil er es zugelassen habe, dass seine Frau ohne sein explizites Wissen im vergangenen August 500 000 Dollar gekauft hatte.... Dollar-Affäre in der Schweiz: Chefbanker Hildebrand tritt nach Wirtschaftskrimi zurück - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/finanzen/news/phili ... 00860.html




Hier macht es einer dem ...........vor
! , was Ehre heutzutage heissen könnte: ....Rücktritt, um die Glaubwürdigkeit einer Institution aufrecht zu erhalten. (Eigenzensur, um es weniger politisch zu halten :) :D  
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Beitragvon bonsaifreak » 10.01.2012, 17:35

Guten Tag, Katharina! Noch einmal kurz zu den Philosophen und der Politik.
Natürlich können wir heute im Abstand von ca. 2500 Jahren so einiges bei den "alten Griechen" kritisieren. Und das ist dann nicht nur die Wertschätzung der Bürger nach Bildungsstand, Ausgrenzung von Behinderten. Das fängt ja schon damit an, dass man Frauen nicht für voll genommen hat und Sklaven überhaupt keine Menschen waren.
Und bei den negativen bzw. wirkungslosen Einflüssen von Philosophen auf die Politik fällt mir ein, dass Aristoteles als Lehrer von Alexander vielleicht nicht ganz wirkungslos war.
Immerhin war es für einen aggressiven Eroberer recht ungewöhnlich, dass die Bevölkerungen besiegte Länder nicht unterjocht wurden und (aus heutiger Sicht) fast schon eine Politik der Integration und des "Multikulti" betrieben wurde.
Also, wenn Politiker nicht ausschließlich "schmutzige" (ist natürlich übertrieben!) Tagespolitik betreiben würden, sondern hin und wieder auch Philosophisches lesen oder auf Philosophen (meinetwegen auch auf Theologen,Schriftsteller...) hören würden wäre das bestimmt nicht schädlich. Man muss ja nicht jedem Rat "von außen" folgen ebenso wenig wie man nicht jeden Wunsch eines Lobbyisten erfüllt.
meint bonsaifreak
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Beitragvon Katharina88 » 10.01.2012, 19:39

bonsaifreak hat geschrieben:Guten Tag, Katharina! Noch einmal kurz zu den Philosophen und der Politik.
Natürlich können wir heute im Abstand von ca. 2500 Jahren so einiges bei den "alten Griechen" kritisieren. Und das ist dann nicht nur die Wertschätzung der Bürger nach Bildungsstand, Ausgrenzung von Behinderten. Das fängt ja schon damit an, dass man Frauen nicht für voll genommen hat und Sklaven überhaupt keine Menschen waren.
Und bei den negativen bzw. wirkungslosen Einflüssen von Philosophen auf die Politik fällt mir ein, dass Aristoteles als Lehrer von Alexander vielleicht nicht ganz wirkungslos war.
Immerhin war es für einen aggressiven Eroberer recht ungewöhnlich, dass die Bevölkerungen besiegte Länder nicht unterjocht wurden und (aus heutiger Sicht) fast schon eine Politik der Integration und des "Multikulti" betrieben wurde.
Also, wenn Politiker nicht ausschließlich "schmutzige" (ist natürlich übertrieben!) Tagespolitik betreiben würden, sondern hin und wieder auch Philosophisches lesen oder auf Philosophen (meinetwegen auch auf Theologen,Schriftsteller...) hören würden wäre das bestimmt nicht schädlich. Man muss ja nicht jedem Rat "von außen" folgen ebenso wenig wie man nicht jeden Wunsch eines Lobbyisten erfüllt.
meint bonsaifreak

Lieber bonsaifreak, Du hast in Deinem Zitat vom 09.01.15.54 Uhr im letzten Abschnitt schon deutlich beschrieben,wo die Grenzen eines klassischen Moralverhaltens im politischen Raum zu ziehen sind.Deine Stichworte waren Fraktionszwang und Parteidisziplin.Der einzelne Abg. ist nur dem Mandat und seinem Gewissen gegenüber verantwortlich und sollte keinen Bindungen und Weisungen unterworfen sein(Art.38 GG)Sollte ist juristisch kein absolutes "muss" und lässt damit Handlungsermessen zu. Also unterwirft sich der Abg. aus Loyalität dem Fraktionszwang (Loyalität ist nicht immer unmoralisch),er gehorcht den Parteioberen (auch Gehorsam kann eine Tugend sein) und begibt sich damit unter den Schirm der Parteidisziplin (Disziplin ist nicht a tout prix als verwerflich zu betrachten). Sicher opfert er hier und da sein Gewissen auf dem Altar der politischen Gegebenheiten,bricht er seine Versprechen gegen über den Wählern.Sicher denkt er bei diesem Verhalten an die materiellen und manchmal existenziellen Folgen,wenn er seinem Gewissen gehorchen würde. Dennoch ist die Staatsform Demokratie für mich ohne Alternative und zum Menschen sehe ich ebenfalls keine. Grüße! Katharina  
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Beitragvon bonsaifreak » 11.01.2012, 17:35

Guten Tag Katharina,
falls ich missverstanden werden sollte bitte ich schon vorab um Entschuldigung. Denn ich möchte Dich weder ärgern noch provozieren.
Aber Du hast diesen Thread "Der Ehrbegriff in der Gegenwart" aufgemacht! Und da habe ich nochmal gelesen, was Du dazu einleitend geschrieben hast.
Und dann kommt das:

" Sicher opfert er hier und da sein Gewissen auf dem Altar der politischen Gegebenheiten,bricht er seine Versprechen gegen über den Wählern.Sicher denkt er bei diesem Verhalten an die materiellen und manchmal existenziellen Folgen,wenn er seinem Gewissen gehorchen würde. Dennoch ist die Staatsform Demokratie für mich ohne Alternative und zum Menschen sehe ich ebenfalls keine. "
(Zitatende)

Sorry, aber da kann ich dann nicht mehr folgen. War das etwa ein Plädoyer für Parteipolitiker,die eine fast schon perverse Vorstellung davon haben, was sie unter Ehre, Würde und Gewissen verstehen???
Loyalität, Gehorsam, Disziplin, okay diese "Sekundärtugenden" sind auch für mich nicht ausschließlich negativ besetzt. Aber in der "Hierarchie" können sie m.E. doch nicht das Gewissen verdrängen dürfen (mal abgesehen vom Grundgesetz)
Ich fasse mir schon an den Kopf, wenn bei bestimmten Abstimmungen der Fraktionschef den Fraktionszwang aufhebt und dem Abgeordneten "erlaubt", frei nach seinem Gewissen abstimmen zu "dürfen"! Von vorherigen Probeabstimmungen ganz zu schweigen.
Die von Dir so geschätzte Staatsform der Demokratie (eigentlich auch von mir ) scheint mir aber zu verkommen und mir drängt sich schon fast der Vergleich auf, dass der Sozialismus theoretisch eigentlich auch nicht schlecht war. Es wäre mehr als schade, wenn auch die Demokratie diesem Wege folgen würde.
Tut mir Leid, wenn ich wieder etwas ab von der Philosophie und mehr hin zur Politik gedriftet bin. Aber beides lässt sich schwer trennen
denkt bonsaifreak
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Beitragvon bonsaifreak » 11.01.2012, 17:36

Guten Tag Katharina,
falls ich missverstanden werden sollte bitte ich schon vorab um Entschuldigung. Denn ich möchte Dich weder ärgern noch provozieren.
Aber Du hast diesen Thread "Der Ehrbegriff in der Gegenwart" aufgemacht! Und da habe ich nochmal gelesen, was Du dazu einleitend geschrieben hast.
Und dann kommt das:

" Sicher opfert er hier und da sein Gewissen auf dem Altar der politischen Gegebenheiten,bricht er seine Versprechen gegen über den Wählern.Sicher denkt er bei diesem Verhalten an die materiellen und manchmal existenziellen Folgen,wenn er seinem Gewissen gehorchen würde. Dennoch ist die Staatsform Demokratie für mich ohne Alternative und zum Menschen sehe ich ebenfalls keine. "
(Zitatende)

Sorry, aber da kann ich dann nicht mehr folgen. War das etwa ein Plädoyer für Parteipolitiker,die eine fast schon perverse Vorstellung davon haben, was sie unter Ehre, Würde und Gewissen verstehen???
Loyalität, Gehorsam, Disziplin, okay diese "Sekundärtugenden" sind auch für mich nicht ausschließlich negativ besetzt. Aber in der "Hierarchie" können sie m.E. doch nicht das Gewissen verdrängen dürfen (mal abgesehen vom Grundgesetz)
Ich fasse mir schon an den Kopf, wenn bei bestimmten Abstimmungen der Fraktionschef den Fraktionszwang aufhebt und dem Abgeordneten "erlaubt", frei nach seinem Gewissen abstimmen zu "dürfen"! Von vorherigen Probeabstimmungen ganz zu schweigen.
Die von Dir so geschätzte Staatsform der Demokratie (eigentlich auch von mir ) scheint mir aber zu verkommen und mir drängt sich schon fast der Vergleich auf, dass der Sozialismus theoretisch eigentlich auch nicht schlecht war. Es wäre mehr als schade, wenn auch die Demokratie diesem Wege folgen würde.
Tut mir Leid, wenn ich wieder etwas ab von der Philosophie und mehr hin zur Politik gedriftet bin. Aber beides lässt sich schwer trennen
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Beitragvon Katharina88 » 11.01.2012, 19:02

bonsaifreak hat geschrieben:Guten Tag Katharina,
falls ich missverstanden werden sollte bitte ich schon vorab um Entschuldigung. Denn ich möchte Dich weder ärgern noch provozieren.
Aber Du hast diesen Thread "Der Ehrbegriff in der Gegenwart" aufgemacht! Und da habe ich nochmal gelesen, was Du dazu einleitend geschrieben hast.
Und dann kommt das:

" Sicher opfert er hier und da sein Gewissen auf dem Altar der politischen Gegebenheiten,bricht er seine Versprechen gegen über den Wählern.Sicher denkt er bei diesem Verhalten an die materiellen und manchmal existenziellen Folgen,wenn er seinem Gewissen gehorchen würde. Dennoch ist die Staatsform Demokratie für mich ohne Alternative und zum Menschen sehe ich ebenfalls keine. "
(Zitatende)

Sorry, aber da kann ich dann nicht mehr folgen. War das etwa ein Plädoyer für Parteipolitiker,die eine fast schon perverse Vorstellung davon haben, was sie unter Ehre, Würde und Gewissen verstehen???
Loyalität, Gehorsam, Disziplin, okay diese "Sekundärtugenden" sind auch für mich nicht ausschließlich negativ besetzt. Aber in der "Hierarchie" können sie m.E. doch nicht das Gewissen verdrängen dürfen (mal abgesehen vom Grundgesetz)
Ich fasse mir schon an den Kopf, wenn bei bestimmten Abstimmungen der Fraktionschef den Fraktionszwang aufhebt und dem Abgeordneten "erlaubt", frei nach seinem Gewissen abstimmen zu "dürfen"! Von vorherigen Probeabstimmungen ganz zu schweigen.
Die von Dir so geschätzte Staatsform der Demokratie (eigentlich auch von mir ) scheint mir aber zu verkommen und mir drängt sich schon fast der Vergleich auf, dass der Sozialismus theoretisch eigentlich auch nicht schlecht war. Es wäre mehr als schade, wenn auch die Demokratie diesem Wege folgen würde.
Tut mir Leid, wenn ich wieder etwas ab von der Philosophie und mehr hin zur Politik gedriftet bin. Aber beides lässt sich schwer trennen
denkt bonsaifreak

Guten Abend,lieber Freund, wie könnte ich über eine so lebhafte und bereichernde Unterhaltung verärgert sein oder mich provoziert fühlen? In "Ehre und Gewissen in der Gegenwart" habe ich eine sehr allgemein gehaltene Wertung dieser beiden Begriffe versucht.Den Bezug auf die Gegenwart habe ich dann über die Person des Bundespräsidenten hergestellt. Du hast in Deinen Erwiderungen in dankenswerter Weise immer wieder den Ungeist von Verallgemeinerungen vermeiden wollen.Das ist nicht immer gelungen.Beispiele sind der Verweis auf aus dem Lehrerberuf geflüchtete Pädogogen,die damit den Schülern einenGefallen getan haben.Da nennst Du die typischen Politiker,die nach oben wollen , miese Charaktere.Du schreibst von den perversen Vorstellungen,die Politiker von Ehre,Würde und Gewissen haben.Du sprichst von schmutziger Tagespolitik.Sorry,nicht meine Art!! Letztlich ringst Du Dir ein Bekenntnis (eigentlich ganz gut) zur Demokratie ab und schlägst eine bemerkenswerte Volte zum Sozialismus (eigentlich nicht schlecht).Meine Meinung zur Demokratie kennst Du,die zum Sozialismus nicht. Philosophie und Politik lassen sich schwer trennen ,sagst Du abschließend----das mag so sein. Pauschalierungen und reflektionslose Übernahme von Klischees lassen sich aber bestimmt vermeiden. So,lieber bonsaifreak,jetzt haben wir unsere Positionen verdeutlicht. Bis dann! Katharina
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Beitragvon Knatterton » 11.01.2012, 19:42

[quote="bonsaifreakDie von Dir so geschätzte Staatsform der Demokratie (eigentlich auch von mir ) scheint mir aber zu verkommen und mir drängt sich schon fast der Vergleich auf, dass der Sozialismus theoretisch eigentlich auch nicht schlecht war. . Es wäre mehr als schade, wenn auch die Demokratie diesem Wege folgen würde.denkt bonsaifreak[/quote]

(Die Textstellen im eingestellten Zitat wurden von mir gerötet)

Hier stellen sich mir zwei Fragen,

- Inwiefern war der "Sozialismus" (etwa der des DDR-Unrechtsstaates?) eigentlich nicht so schlecht? Wird hier nur auf dessen theoreitsche Ziele einer idealisierten "Gleichheit", und "Gerechtigkeit" aller Menschen abgehoben - ohne Rücksicht darauf, daß alle bislang realisierten sozialistischen Gesellschaftsformen mit einer drastischen Einschränkung von individueller Freiheit, Planwirtschaft, Reglementierung und letztlich einer materiellen und auch geistigen Verarmung aller einhergingen.

-- Inwiefern soll eine Demokratie, iin der ja alle Staatsgewalt von einem freien selbstbestimmten Volk auszugehen hat, mit einer sozialistischen Gesellschaftordnung, die quasi eine von oben verordnete und verwaltete Gleichheit aller zum Ziel hat, vereinbar sein, oder dem Weg eines Sozialismus folgen können?? Wohlgemerkt "Sozialismus" ist nicht mit "sozialer Marktwirtschaft" gleichzusetzen.

Ich will hier beileibe keine politische Diskussion anregen. Aber wenn hier im philosophischen Forum über Begriffe wie "Demokratie" und "Sozialismus" gesprochen wird, dann kann auch dies nicht nur in nebulösen nach allen Richtungen ausdeutbaren Aussagen erfolgen.

Gruß
Nick Knatterton
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