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Gerechtigkeit

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Beitragvon Katharina88 » 07.01.2012, 20:20

Der Mandant sucht seinen Anwalt auf und ersucht um Klageerhebung gegen den Nachbarn.Ich will Gerechtigkeit haben,betont er.Der Anwalt sagt ihm,wir werden bestenfalls ein Urteil bekommen.Der Mandant beharrt auf einem gerechten Urteil.Sein Anwalt erklärt,dass Gerechtigkeit mehr ein philosophischer Begriff sei und weniger einer aus der Rechtsprechung. Was ist Gerechtigkeit? Philosophen sprechen von einem Idealzustand des Miteinander in einer Gesellschaft!Praktische Fragen dazu sind z.B.; Ist es gerecht,dass keine Steuer auf Vermögen erhoben wird (Vermögenssteuer)? In der Besteuerung des Einkommens wird höheres Einkommen mehr besteuert als geringes(Progression),ist das gerecht? Kann die Einführung der Verlängerung von Arbeitszeit (67 oder gar 70) als gerecht bezeichnet werden? Sicher gibt es Antworten auf diese und viele andere Fragen. Viel sicherer ist jedoch die Annahme,dass Gerechtigkeit --die gesellschaftlichem Wandel unterworfen ist- eine Utopie bleiben wird. 
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Beitragvon parove » 07.01.2012, 20:50

Der Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders,
der seit bestehen der Menschelt nie erreicht wurde, doch den wir alle anstreben, und doch,
überall auf dieser Welt, täglich dafür sorgen, dass es eine Utopie bleiben wird!
Eine Utopie bleiben wird, gerade und trotz ständigem gesellschaftlichem Wandel
(In längeren, auch mal kürzeren Abständen)…

lg, Roland
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Beitragvon flamme_im_wind » 07.01.2012, 21:13

Gerechtigkeit unterliegt auf jedem Fall dem gesellschaftlichen Wandel. Nur vom Richter kann man keine Gerechtigkeit erfahren. Daran hat er wenig Interesse, er will urteilen und ein Urteil fällen!

Gerechtigkeit ist eine innere Haltung und erzeugt Emotionen. Da sich unsere Gesellschaft immer in einen permanenten Wandel befindet, wie auch das Individuum, wird sich das Gesicht der Gerechtigkeit, der jeweiligen Gesellschaftsform anpassen. Gerechtigkeit ist meines Erachtens die emotionale Summe der Individuen und deren sozialen Vernetzungen.
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Beitragvon bonsaifreak » 14.01.2012, 19:06

@katharina
Guten Abend, liebe Freundin!
Obwohl dieser Dein Beitrag schon etwas länger zurück liegt möchte ich gern darauf eingehen.
Man lernt ja nie aus, so dass ich hier weniger Meinung als vielmehr Fragen stellen möchte.
Für mich, wenn ich das recht sehe, hat Gerechtigkeit zum einen wirklich erst etwas mit Recht (und Gesetz) zu tun. da würde ich dem RA dann doch widersprechen wollen.
Ich habe mich an Gesetze zu halten. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich (so sollte es sein!), also wird jedermann gerecht behandelt, be- oder verurteilt.
Aber dies ist ja ein philosophisches Forum, so dass ich (fragend) zu der Auffassung komme, ob es nicht mehrere Spielarten, oder Facetten von Gerechtigkeit gibt.
Sozial gerecht ist es vielleicht, wenn besser Verdienende mehr Steuern zahlen müssen. ("Stärkere Schultern können mehr tragen.")
International oder gar global ist es wohl gerecht, hungernden Menschen in Entwicklungsländern Hilfe ("Hilfe zur Selbsthilfe") zukommen zu lassen, statt die Bodenschätze in diesen Ländern auszuplündern, sie zu Dumpinglöhnen arbeiten zu lassen usw.
Ein Aspekt wäre auch die "Generationengerechtigkeit" Manchmal sage ich mir schon:" Ich möchte nicht mein Enkel sein!" Es ist ja nicht nur der Generationenegoismus in der Form, dass wir den Nachfolgenden gigantische Schulden hinterlassen, sondern auch strahlende Abfälle für die nächsten 10.000 Jahre hinterlassen und den Planeten ausplündern als hätte die Menschheit noch einen zweiten in Reserve.
Aber womöglich ist es für den einzelnen einfach nur die persönliche Einstellung, Auffassung von Gerechtigkeit - und das daraus resultierende Handeln.
"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu."
Kant hat das natürlich brillanter formuliert. (erspare ich mir aber)
Und da komme ich auf den etwas altmodischen Begriff der "Rechtschaffenheit", der selbst beim "einfachen Volk" über viele Generationen in nicht geringem Maße verankert war.
Nun, vielleicht weil sie, wenn sie im irdischen Leben ungerecht behandelt wurden mit der "göttlichen Gerechtigkeit" in einem späteren Dasein getröstet wurden.
Aber vielleicht gibt es noch viel mehr Gerechtigkeiten?
fragt bonsaifreak
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Beitragvon Knatterton » 14.01.2012, 19:34

Und dann gibt es noch einen anderen Ansatz für empfundene Ungerechtigkeit:

"Was den großen Geistern die Gesellschaft verleitet, ist die Gleichheit der Rechte, folglich der Ansprüche, bei der Ungleichheit der Fähigkeiten, folglich der (gesellschaftlichen) Leistungen der Anderen." (A. Schopenhauer)

Ich meine, selbst wenn man nicht zu den "großen Geistern" gehört, leuchtet der hier begründete Verdruß über das oftmalige Mißverhältnis zwischen gleichem Anspruch und dahinterstehender geringerer Leistung ein wenig ein.

Gruß
Nick Knatterton
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Beitragvon Katharina88 » 14.01.2012, 23:56

bonsaifreak hat geschrieben:@katharina
Guten Abend, liebe Freundin!
Obwohl dieser Dein Beitrag schon etwas länger zurück liegt möchte ich gern darauf eingehen.
Man lernt ja nie aus, so dass ich hier weniger Meinung als vielmehr Fragen stellen möchte.
Für mich, wenn ich das recht sehe, hat Gerechtigkeit zum einen wirklich erst etwas mit Recht (und Gesetz) zu tun. da würde ich dem RA dann doch widersprechen wollen.
Ich habe mich an Gesetze zu halten. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich (so sollte es sein!), also wird jedermann gerecht behandelt, be- oder verurteilt.
Aber dies ist ja ein philosophisches Forum, so dass ich (fragend) zu der Auffassung komme, ob es nicht mehrere Spielarten, oder Facetten von Gerechtigkeit gibt.
Sozial gerecht ist es vielleicht, wenn besser Verdienende mehr Steuern zahlen müssen. ("Stärkere Schultern können mehr tragen.")
International oder gar global ist es wohl gerecht, hungernden Menschen in Entwicklungsländern Hilfe ("Hilfe zur Selbsthilfe") zukommen zu lassen, statt die Bodenschätze in diesen Ländern auszuplündern, sie zu Dumpinglöhnen arbeiten zu lassen usw.
Ein Aspekt wäre auch die "Generationengerechtigkeit" Manchmal sage ich mir schon:" Ich möchte nicht mein Enkel sein!" Es ist ja nicht nur der Generationenegoismus in der Form, dass wir den Nachfolgenden gigantische Schulden hinterlassen, sondern auch strahlende Abfälle für die nächsten 10.000 Jahre hinterlassen und den Planeten ausplündern als hätte die Menschheit noch einen zweiten in Reserve.
Aber womöglich ist es für den einzelnen einfach nur die persönliche Einstellung, Auffassung von Gerechtigkeit - und das daraus resultierende Handeln.
"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu."
Kant hat das natürlich brillanter formuliert. (erspare ich mir aber)
Und da komme ich auf den etwas altmodischen Begriff der "Rechtschaffenheit", der selbst beim "einfachen Volk" über viele Generationen in nicht geringem Maße verankert war.
Nun, vielleicht weil sie, wenn sie im irdischen Leben ungerecht behandelt wurden mit der "göttlichen Gerechtigkeit" in einem späteren Dasein getröstet wurden.
Aber vielleicht gibt es noch viel mehr Gerechtigkeiten?
fragt bonsaifreak

Guten Abend,lieber Freund, wenn wir die Zitate der letzten Tage zu diesem Thema Revue passieren lassen, müssen wir erkennen,dass es sich hierbei nicht nur um ein Wort  (im Sinne der Linguistik also um einen selbständigen Bestandteil der Sprache)  handelt,sondern um einen Begriff  (Anreicherung des Wortes mit Bedeutungsinhalt). Dazu noch um einen sehr abstrakten.So gelangen wir zu dem von Dir erwähnten Facettenreichtum,den Du an vielen Beispielen krasser Ungerechtigkeiten darstellst Es ist angesichts dieser Einsicht leichter, mit dem Wort umzugehen,denn mit Worten kann man fast alles erklären-lies bitte im" Faust" die Szene aus dem Studierzimmer. Dein Vorschlag zur Herstellung einer gerechten Welt über das Gerechtigkeitsempfinden des Einzelnen (und seine Befürchtung,dass ihm das widerfährt,was er anderen antut)  ist illusionär--Du weißt das! In vielen Anwaltskanzleien hängt ein Bild.Ein Hai frisst gerade einen Dorsch,der einen Hering im Maul hat.Der Hai sagt:was für eine schöne und gerechte Welt!"Der Dorsch murmelt; diese Welt ist ungerecht!"Der Hering schreit laut ;das ist eine Scheißwelt!" Guten Abend! Katharina
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Beitragvon lottesprotte » 15.01.2012, 0:10

Eine universelle oder globale Gerechtigkeit kann es nie geben.

Das Empfinden, für das was gerecht ist, ist individuell und nie für eine ganze Gesellschaft oder gar die Menschheit zutreffend.

Man kann versuchen, einen größtmöglichen Konsens in einer Gesellschaft zu finden, aber es wird niemals wirklich gerecht zugehen, das ist eine Utopie.
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Beitragvon parove » 15.01.2012, 10:17

gestern, heute und morgen

Selbst dem Gerechtesten
unter den Gerechten
werden immer Zweifler
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Beitragvon flamme_im_wind » 17.01.2012, 23:00

lottesprotte hat geschrieben:Eine universelle oder globale Gerechtigkeit kann es nie geben.

Das Empfinden, für das was gerecht ist, ist individuell und nie für eine ganze Gesellschaft oder gar die Menschheit zutreffend.

Man kann versuchen, einen größtmöglichen Konsens in einer Gesellschaft zu finden, aber es wird niemals wirklich gerecht zugehen, das ist eine Utopie.



Man sollte niemals, nie sagen.
Was wissen wir schon von der universellen Gerechtigkeit?

Utopie, ist ein zeitliches Phänomen unserer Geschichte. Diese zeigt, dass "früher" vieles Utopie war, was heute alltäglich ist. Hätten wir keine Menschen die sich mit utopischen Ideen auseinander setzen würden, hätten wir auch keine (Weiter)Entwicklung. So ähnlich könnte es sich auch mit der Gerechtigkeit entwickeln.

lg
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Beitragvon Auschra » 21.01.2012, 1:24

meine Überlegungen zum Konstrukt: Gerechtigkeit

Was bezeichnet denn der Begriff Gerechtigkeit wirklich? Ein “ “angeborenes” Gefühl für die Gleichheit des Menschen in der öffentlichen Wahrnehmung und Behandlung ? In etwa das, was Puffendorf und andere Naturrechtler als einen dem Menschen von der Natur mitgegebenen Katalog von unveräußerbaren Rechten sah ? Das ist also etwas, was die Menschen im öffentlichen und privaten Leben bei all ihrem Tun leiten sollte?

Diese große Idee, die ja auch in den Erklärungen der Menschenrechte und in den Präambeln vieler Verfassungen wiederzuerkennen ist, ist sicher aus einer humanen Gesellschaft - einer, die das wenigsten sein will, nicht wegzudenken.

Aber: hart im Raume stoßen sich die Sachen ..

Die konkrete Ausgestaltung der Rechte ist aber keine abstrakte Ableitung aus dem Naturrecht, sondern muss von einem dazu autorisierten Gesetzgeber gesetzt werden. Diese Autorität leitet sich in einer Demokratie vom Willen der Staatsbürger ab und so werden sie als Wille der Allgemeinheit akzeptiert.

Da Legislative auch dem demokratischen Prinzip der Mehrheit unterliegt, kann es in jedem Staat vorkommen, dass Gruppeninteressen, die nicht per Gesetz durchgesetzt werden konnten, auch wenn sie für die “unterlegene” Gruppe durchaus legitim erscheinen, als Ungerechtigkeit empfunden werden.

So sehe ich das moderen Zusammenspiel des Grundwertes Gerechtigkeit und dem legalen von Legislatur und Exekutive gesetztem und ausgeführtem Recht.
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Beitragvon Katharina88 » 21.01.2012, 14:49

Auschra hat geschrieben:meine Überlegungen zum Konstrukt: Gerechtigkeit

Was bezeichnet denn der Begriff Gerechtigkeit wirklich? Ein “ “angeborenes” Gefühl für die Gleichheit des Menschen in der öffentlichen Wahrnehmung und Behandlung ? In etwa das, was Puffendorf und andere Naturrechtler als einen dem Menschen von der Natur mitgegebenen Katalog von unveräußerbaren Rechten sah ? Das ist also etwas, was die Menschen im öffentlichen und privaten Leben bei all ihrem Tun leiten sollte?

Diese große Idee, die ja auch in den Erklärungen der Menschenrechte und in den Präambeln vieler Verfassungen wiederzuerkennen ist, ist sicher aus einer humanen Gesellschaft - einer, die das wenigsten sein will, nicht wegzudenken.

Aber: hart im Raume stoßen sich die Sachen ..

Die konkrete Ausgestaltung der Rechte ist aber keine abstrakte Ableitung aus dem Naturrecht, sondern muss von einem dazu autorisierten Gesetzgeber gesetzt werden. Diese Autorität leitet sich in einer Demokratie vom Willen der Staatsbürger ab und so werden sie als Wille der Allgemeinheit akzeptiert.

Da Legislative auch dem demokratischen Prinzip der Mehrheit unterliegt, kann es in jedem Staat vorkommen, dass Gruppeninteressen, die nicht per Gesetz durchgesetzt werden konnten, auch wenn sie für die “unterlegene” Gruppe durchaus legitim erscheinen, als Ungerechtigkeit empfunden werden.

So sehe ich das moderen Zusammenspiel des Grundwertes Gerechtigkeit und dem legalen von Legislatur und Exekutive gesetztem und ausgeführtem Recht.


Hallo,Auschra,
bin verständlicherweise kein Indikator für  Qualität und Angemessenheit von Einlassungen in diesem Forum. Dennoch sage ich zu Deinem Beitrag;"Chapeau!"
Katharina 
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