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Halbwahrheiten

15 Beiträge

Beitragvon parove » 12.01.2012, 12:52

Besteht die zweite Hälfte einer Halbwahrheit
aus Lügen, ist der Erzähler ein…

Besteht die zweite Hälfte einer Halbwahrheit
aus Weggelassenem, ist der Erzähler ein…

Ist jemand der die Halbwahrheit erzählt,
indem er die andere Hälfte weglässt,
schon ein Lügner?

Oder ist der Erzähler der die Hälfte
der Wahrheit weglässt, nur ein
vergesslicher Mensch?

Oder ist dieser Mensch, der die Wahrheit
durchs bewusste Weglassen einer Hälfte
der Wahrheit, ein Schön-/Weichzeichner?
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Beitragvon Knatterton » 12.01.2012, 13:42

"Manche Wahrheiten sollen nicht gesagt werden, manche brauchen nicht, manchen müssen es."(W. Busch)

Wobei ich davon ausgehe, daß W. Busch mit dem letzten Teil seines Ausspruchs gemeint hat, daß manche Wahrheiten gesagt werden müssen und nicht, daß sie nicht gesagt werden müssen.

Übrigens die Politik und gesellschaftliche Diskussion ist voller Halbwahrheiten bzw. nicht gesagter Wahrheiten und unliebsame Fakten verschleiernde Tabus.
(Gell bevor wieder übereifrige Zensoren am Werk sind: Mitnichten beabsichtige ich hier eine politische Diskussion anzufeuern! Obgleich diese Thematik sich wunderbar für ein politisches Thema über Pharisäer, Populisten, Moralisten, Gutmenschen und Verschleierungstaktiker eignen würde. Gell)

Diese "Wahrheit" trifft dann z.B. F. Nietzsche, wenn er sagt:
"Wahrheit ist die Art von Irrtum, ohne welche eine bestimmt Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte."

Ist halt alles etwas vielschichtig, komplex und stark subjektiv. Viel Erfolg und Spass beim weiteren Forenregel-adäquaten, Palavern, Schwadronieren und laienhaften (wie auf mich zutreffend) oder professionellen Philosophieren. :D

Es grüßt
Nick Knatterton
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Beitragvon hansolafpaul » 13.01.2012, 1:07

Ein sehr schöner Beitrag von @Knatterton, dem ich mich voll inhaltlich anschliessen könnte - wenn ich wollte.
:mrgreen:
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Beitragvon altwieeinbaum » 13.01.2012, 11:01

...und ich warte,bis aus halben Wahrheiten ganze Wahrheiten werden. :oops:
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Beitragvon parove » 13.01.2012, 12:08

altwieeinbaum hat geschrieben:...und ich warte,bis aus halben Wahrheiten ganze Wahrheiten werden. :oops:


Okay, hier nun eine ganze Wahrheit!

Nichts von dem,
was wir Menschen
im Leben erwerben
gehört uns wirklich,

ganz sicher aber die
Erkenntnis dessen.
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Beitragvon altwieeinbaum » 13.01.2012, 12:52

parove hat geschrieben:
altwieeinbaum hat geschrieben:...und ich warte,bis aus halben Wahrheiten ganze Wahrheiten werden. :oops:


Okay, hier nun eine ganze Wahrheit!

Nichts von dem,
was wir Menschen
im Leben erwerben
gehört uns wirklich,

ganz sicher aber die
Erkenntnis dessen.


@Parove.....ja, Du hast Recht.....alles im Leben ist nur geliehen...,
 wer das verinnerlicht hat, dem fällt das Loslassen von irdischen Gütern nicht schwer.

...aber: an manchen Tagen liegt auch im Wein Wahrheit...das wußten schon die alten Lateiner..und diese Wahrheit läßt sich dann, wenn auch mit einem kleinen "Schwipppppschen", leichter ertragen.
  
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Beitragvon Knatterton » 13.01.2012, 17:51

Eie weitaus spannendere Frage, als die unwiderlegbaren Gesamtwahrheiten über letzte menschliche Erkenntnisse oder über die unbestreitbare Tatsache, daß wir alle eines Tages mit dem Tode konfrontiert werden, wäre für mich, die Haltbarkeitsdauer von echten Halbwahrheiten.

So lehrt uns doch die Geschichte, daß jedes zumeist aus Halbwahrheiten und Täuschung basierende ideologische Konstrukt und Machtgebilde, meist an einen Punkt kommt, wo die propagierten Halbwahrheiten, geschickten Verschleierungen und Täuschungen, der knalllharten Realität weichen müssen.

Denken wir an den Untergang des unseligen Nationalsozialismus, des SED-Unrechtsstaates oder vieler anderer auf sozialistischer und kommunistischer Heilslehre basierender Schreckensherrschaften. Oder um ein ganz anderes Beispiel anzuführen, wie lange mag sich ein Euro mit seinem auf Halbwahrheiten und böllerndem Einführungsjubel basierenden Erfolgspropaganda wohl halten?

Nein, bewahre, ich will jetzt weder einen erneuten Zwergenaufstand entfachen, noch gar das ruhige und tiefgründige Fahrwasser philosophisch abgeklärter Reflexionen trüben. Ich wollte den Laden nur mal wieder mit meinen etwas provokativen Gedanken etwas aufmischen. :wink:

Es grüßt
Nick Knatterton
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Beitragvon Auschra » 13.01.2012, 19:52

Bringt ein Gespräch über "Halbwahrheiten" etwas, wenn wir nicht einmal eine einhellige Definition von Wahrheit erarbeitet haben?


Es gibt ja möglicherweise eine rein faktische Wahrheit, der die Naturwissenschaften und die mathematischen-physikalischen Wissenschaften immer mehr " auf die Pelle rücken"..

Ich bin aber der festen Meinung, dass im humanwissenschaftlichen Bereich Wahrheit immer relativ ist und von sehr vielen Faktoren abhängt.... primitiv gesagt: die Wahrheit hängt vom Standpunkt dessen ab, der sie uns verkündet....


Ich denke, statt des Begiffs Wahrheit können man eher Verifikation oder Falsifikation von behaupteten Thesen benutzen....


nur so mal in den Disput geworfen ---
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Beitragvon kundgeba » 13.01.2012, 20:01

    Also, ich denke auch, jeder hat seine Wahrheit - eben seine Sichtweise der Dinge und die kann aber ganz schön konträr sein. Besonders bei der Religion sieht man es doch, wie unterschiedlich Wahrheiten sein können.

    Es kann mich sogar erheitern, wenn jemand nichts sagt - also gar keine Unwahrheit verkündet hat - der Lüge bezichtigt wird. ;-)
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Beitragvon Katharina88 » 13.01.2012, 20:14

parove hat geschrieben:
altwieeinbaum hat geschrieben:...und ich warte,bis aus halben Wahrheiten ganze Wahrheiten werden. :oops:


Okay, hier nun eine ganze Wahrheit!

Nichts von dem,
was wir Menschen
im Leben erwerben
gehört uns wirklich,

ganz sicher aber die
Erkenntnis dessen.


hallo,roland, ich unterstelle einmal,dass denkende Menschen sich ein mehr oder weniger stark gerahmtes Bild über den Begriff Wahrheit konstruieren,welches dann für sie eben Wahrheit ist.Von Dir haben wir gerade die ganze Wahrheit erfahren.Meine W. erkläre ich über die Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver W. Ich begebe mich auf das Terrain naturgesetzlicher Phänomene,die berechenbar, vorhersehbar,nachprüfbar und beobachtbar sind --die Sonne geht im Osten auf.Das ist objektive Wahrheit--jedenfalls für mich. Wenn jemand sagt,dass er an Gott und ein Leben nach dem Tode glaubt,dann ist diese Vorstellung nicht mit jenen Adjektiven ausgestattet wie oben.Im Gegenteil ,sie ist spekulativ und unwahrscheinlich.Das ist subjektive Wahrheit. Ich bin aber keineswegs gewillt, einen Qualitätsunterschied zu erklären,denn der Gläubige nimmt etwas subjektiv wahr-- Gott---,was ich auch subjektiv wahrnehme--die aufgehende Sonne. Allerdings erscheint mir die Evolutionslehre eines Darwin glaubwürdiger als die Genesis der Bibel. Guten Abend! Katharina 
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Beitragvon Knatterton » 13.01.2012, 20:25

kundgeba hat geschrieben:
    Es kann mich sogar erheitern, wenn jemand nichts sagt - also gar keine Unwahrheit verkündet hat - der Lüge bezichtigt wird. ;-)


@kundgeba,

also das ist jetzt aus meiner Sicht doch noch etwas erklärungsbedürftig. Einer Lüge - ob begründet oder unbegründet - kann man nach meinem Dafürhalten nur bezichtigt werden, wenn man eine Feststellung getroffen hat. Dann allerdings kann es vorkommen, daß man durch Verdrehung, bewußter Mißdeutung oder aber ganz simplem Mißverständnis, der Lüge bezichtigt wird. Dafür gibt es ja u.a. auch in manchen Forenauseinandersetzungen genug Beispiele. Der sich hier vornehm oder feige Zurückhaltende riskiert m. Meinung nach nicht der Lüge bezichtigt oder gar in übler Weise diffamiert zu werden. :wink:

Ich gebe zu, daß ich auch in dieser Hinsicht noch überaus wissbegierig und lernbereit bin.

Gruß
Nick Knatterton
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Beitragvon kundgeba » 13.01.2012, 20:42

    @Knatterton - ein einfaches Beispiel:
    Eine Freundin wird von ihrem Mann betrogen, ich erfahre davon, besser ich sehe ihn selbst in eindeutiger Pose mit einem Mädchen, und ich weiß auch er hat die Nacht nicht zu Hause verbracht.
    Ich sage es ihr nicht, dass ich ihn mit einer anderen sah.
    Sie kommt durch andere Umstände dann drauf und erfährt auch, dass ich davon wußte.
    Ich werde der Lüge von ihr bezichtigt - weil ich schwieg.

    Das was hier im Bereich von Partnerschaften ist kannst du auch in Betrieb erleben, wenn man mehr weiß als andere, aber nicht darüber spricht - wird man sogleich als Lügner abgestempelt.

    Viele werden der Lüge bezichtigt - wenn sie schweigen können - das ist damit gemeint.
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Beitragvon Knatterton » 14.01.2012, 12:15

"Die Wahrheit ist die Tochter der Zeit."
(Autor unbekannt)

Hinsichtlich Wahrheit, Teilwahrheit und verordneter Wahrheit, muß an die von Elisabeht Noelle-Neumann in den 70er Jahren entwickelte "Schweigespirale" erinnert werden.

Sie besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass die von den vorherrschenden Medien und sonstigen lautstarken Meinungsführern propagierte Sicht oder vorgegebene Wahrheit, als Mehrheitssicht oder gültige Wahrheit von der Bevölkerung übernommen wird. Und dies läßt sich aus der sozialen Natur des Menschen heraus begründen. Und zwar aus der Angst der meisten Menschen isoliert zu werden sowie ihrem eifrigen Bestreben allgemein anerkannt und beliebt zu sein.

Sie schweigen dann lieber, aus Furcht attackiert oder moralisch an den Pranger gestellt zu werden oder sie bekennen sich zu einer "Wahrheit", die sich bei eigenem kritischen Nachdenken oder unbeeinflußtem Wahrnehmen (soweit dies noch möglich wäre) als trügerische, bestimmten ideologischen oder Machtinteressen dienende Teilwahrheit offenbaren würde.

Es grüßt
Nick Knatterton
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Beitragvon Auschra » 14.01.2012, 13:48

Das ist schön, Nick Knatterton, dass Du an die "Schweigespirale" als Verstärkung der öffentlichen Meinung erinnerst...
dass die öffentliche Meinung , besser die veröffentlichte Meinung,dann "als ganze Wahrheit" gehandelt wird, erklärst Du ja ja sehr plausibel.. auch, warum das so ist ....


Und: wie viele von uns sind oft lieber still als dass sie durch Reden - durch Darstellung ihrer Sicht der Fakten - , durch ihre "Wahrheit" zu Außenseitern werden... ich schließe mich da nicht aus ...

vielleicht traurig -- aber menschlich
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Beitragvon Knatterton » 14.01.2012, 15:00

Ein Vorzug des Alters und der damit verbundenen größeren Unabhängigkeit und Freiheit von Karrierezwängen und Zugeständnissen an eine veröffentlichte Meinung oder vorgegebene "korrekte" Wahrheit sollte auch sein, seine eigene möglicherweise andere Erkenntnis und selbst gefundene Wahrheit ohne Scheu vor Nachteilen offener vertreten zu können..

Nick Knatterton
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