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Forum der Regionalgruppe Wien

Moderator: kundgeba

Beitragvon Auschra » 27.01.2012, 14:38

statt Betroffenheit zu demonstriere, möchte ich lieber die Rede von Dvora Stein zitieren.
Auschwitz-Gedenken
GPA-djp-Stein: Dem Ungeist Zivilcourage entgegensetzen

"Im Konzentrationslager Auschwitz wurden insgesamt 1,4 Millionen Menschen ermordet, damals war vor der mörderischen Tat das hetzerische Wort. Heute ist es in Österreich möglich, Wahlkämpfe mit rassistischen und fremdenfeindlichen Parolen zu führen. Es ist möglich, dass Rechtsextreme im Büro des Dritten Nationalratspräsidenten arbeiten. Es ist möglich, dass Menschen, die nicht hier geboren oder die auf die Mindestsicherung angewiesen sind, als ,Sozialschmarotzer’ diffamiert werden. Und es ist möglich, dass Rechtsextreme aus ganz Europa am heutigen Tag der Befreiung von Auschwitz in der Hofburg tanzen", eröffnete die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Dwora Stein heute vormittag ihre Rede bei der Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau am Wiener Heldenplatz. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bleibe eine symbolische Geste, wenn es nicht gelinge, zu handeln, so Stein: "Niemals vergessen heißt daher, niemals wieder zuzulassen, dass Menschen aus rassistischen, religiösen oder politischen Gründen diffamiert oder verfolgt werden."
Es gehe nicht nur darum, gegen den offensichtlichen Rassismus und gegen offene Gewalt aufzutreten, erklärte Stein: "Es geht auch um die scheinbar harmlosen Haltungen im Alltag - wenn gehetzt wird gegen Menschen, weil sie anders sind oder weil Sündeböcke gesucht werden für Entwicklungen, die Angst machen." Jeder und jede Einzelne seien aufgerufen, diesem Ungeist einen Geist der Zivilcourage entgegenzusetzen.
Stein erinnerte an Rosa Jochmann, die als Überlebende des KZ Ravensbrück Zeit ihres Lebens als Mahnerin gegen das Wiederaufkeimen von Faschismus und Antisemitismus auftrat. "Rosa Jochmanns zentrale Botschaft lautete: Nie wieder. In diesem Sinne werden wir immer dagegen ankämpfen, dass rassistisches und antisemitisches Gedankengut gesellschaftliche Akzeptanz findet."
Eine Sanierungspolitik, die soziale Gegensätze verschärfte und den meisten Menschen ihre Lebensgrundlage und ihre Hoffnung nahm, habe den faschistischen Regimes damals den Weg zur Macht geebnet. "Eine solche Politik schafft die Basis für Hass, Wut und Resignation und führt zur Zementierung autoritärer Machtverhältnisse, das sollten alle bedenken, die bei der Sanierung von Staatshaushalten die Zerstörung sozialer Netze in Kauf nehmen", appellierte Stein abschließend: "Antifaschistisches Gedenken bedeutet daher auch, für eine Politik einzutreten, die den Menschen ein Leben in Würde und Freiheit sichert. Unsere Aufgabe ist es also, für soziale Gerechtigkeit, für Freiheit und für Demokratie zu kämpfen - damit das, was einmal Wirklichkeit war, nie wieder möglich wird!"
Datum: 27.01.2012

Das habe ich aus den Nachrichten Österreichischer Gewerkschaften abkopiert..


Es scheint mir würdig und Recht zu sein, an diese Unrechtszeit zu erinnern, aber glechzeitig den Bezug zur gegenwärtigen politischen Lage herzustellen. Das geschieht in dieser Rede....
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Beitragvon buecherkatze » 28.01.2012, 1:55

Eine sehr gute Rede!

Leider ist es nicht nur in Österreich möglich, dass Wahlkämpfe mit rassistischen und ausländerfeindlichen Parolen geführt werden, dass Menschen diffamiert werden, dass Stadträte und andere Kremien mit Nazis besetzt sind.....

Es reicht nicht, an einigen wenigen Tagen an dei Gräueltaten der Nazionasozialisten zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Nein, es muss ein täglicher "Kampf" sein, gegen diese Ideologie, die versteckten verbalen "Harmlosigkeiten", den Menschen verachtenden Sprachgebrauch. Wir müssen uns selbst darauf hin überprüfen, welchen Wortschatz wir verwenden, worüber wir bei Anderen hinweg sehen, ohne einzuschreiten. Jeder Einzelne ist gefordert eine Wiederholung der Geschichte unmöglich zu machen.


@mamsch: Dein Beitrag gehört nun ganz gewiss nicht hier her! :mrgreen:
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Beitragvon schneerot » 28.01.2012, 2:29

Ich habe heut eine Kerze angezündet und das war mein Gedenken.
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Beitragvon Auschra » 28.01.2012, 14:05

mamsch hat geschrieben:28.JÄNNER

Der 28. Januar (in Österreich und Südtirol: 28. Jänner) ist der 28. Tag des Gregorianischen Kalenders, somit bleiben 337 Tage (338 Tage in Schaltjahren) bis zum Jahresende. Er wird auch – nach dem Todestag Karls des Großen – als Karlstag bezeichnet


Das ist sachlich richtig, mamsch, aber ich kann keinen Bezug zu meinem Eingangsthema herstellen..

Könnte es sein, dass Du die Intention der Rede von Dvora Stein missverstanden hast ?
Oder möchtest Du, dass der 28. Januar fürderhin Auschwitztag heißen soll ?


Wie gesagt ... ich kenne mich nicht aus ...

buecherkatze: Du sagst genau das, was mich veranlasste diese Rede - gehalten auf der offiziellen Gedenkfeier am Wiener Heldenplatz hier einzustellen... wo ich auch Gruppenmitglied bin.

Liebe schneerot !

Und ich habe Paul Celan-Gedichte gelesen ---- rein alters - und anderweitig bedingt konnte ich nicht zum Heldenplatz fahren.

Und ich glaube, solch ein persönliches Gedenken verhindert dann ganz viele grauslige "intolerante" Äußerungen im Alltag ... Deine Kerze hält Dich wach ... :!:



übrigens sehe ich gerade im ORF die Nachrichten vom Geschehen am Heldenplatz ( für Nichtwiener: am selben Tag feierten die rechtsnationalen Burshenschaften (Korporationsring) einen Ball ... linksgrüner/roter Protest war vorprogrammiert...)
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Beitragvon kleine_chaotin » 28.01.2012, 14:40

ok...

ich finde schon, daß es einen gedenktag geben sollte. allerdings sollten die gedanken immer darauf gerichtet sein, daß es NIEMALS zu einer wiederholung kommen darf.

dennoch bin ich nicht bereit, mir stets und ständig schuldgefühle eintrichtern zu lassen. aus diesem schuldgefühl heraus wird deutschland eine sozialverantwortung zugeschustert, die weit über das normale maß hinaus geht. und das kann auch nicht sein.

rechtes gedankengut findet dort einen nährboden, wo die unzufriedenheit der leute immens groß ist. das ist doch etwas, was wir aus der geschichte gelernt haben sollten.



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Beitragvon Auschra » 28.01.2012, 15:04

kleine Chaotin

Wo findest Du in der Rede von Dvora Stein oder in meiner Begründung, warum ich diesen Text eingestellt habe, Hinweise auf das Erzeugen von Schuldgefühlen ? Hier noch einmal ihr Aufruf... vielleicht hast Du die Rede nicht genau gelesen.

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"Antifaschistisches Gedenken bedeutet daher auch, für eine Politik einzutreten, die den Menschen ein Leben in Würde und Freiheit sichert. Unsere Aufgabe ist es also, für soziale Gerechtigkeit, für Freiheit und für Demokratie zu kämpfen - damit das, was einmal Wirklichkeit war, nie wieder möglich wird!"
siehe 1. Posting


Wie ein jeder von uns mit persönlicher Schuld oder kollektiver Schuld umgeht ??? Was ist persönliche Schuld - was kollektive ?? Nun, das wäre ein eigenes Thema... Stelle es doch: z.B. im Unterforum Phsychologie ( gibt es das hier überhaupt? * lächel*) oder Philosophie ein ...


PS
Bin immer noch nicht freigeschaltet und habe nur noch 5 Postings -- also, wennn die "fertig"sind, muss ich wieder bis morgen schweigen ...
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Beitragvon mamsch » 28.01.2012, 23:30

@auschra

entschuldige bitte, das war ein fehleintrag von mir, da ich zwischen zwei foren hüpfte :cry: ich bin ganz deiner meinung und habe das schon richtig verstanden !!!! glaube mir !

mein mann war ethiker,psychologe und philosoph
wir haben über diese thematik sehr oft gesprochen, diskutiert und philosophiert
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Beitragvon buecherkatze » 29.01.2012, 0:33

Heute Abend war ich im Theater. Das Stück: "Rommel/Homburg/Tod/Traum". Ein Stück von einer Eindringlichkeit, die unter die Haut geht. Dabei geht es um die Ehre des "braven und gehorsamen" Soldaten, die Armee, die nur Befehle ausführt und auf der anderen Seite, die politischen Entscheidungen, die auch ein Rommel wohl "geahnt" hat.

Die Inszenierung war äußerst gekonnt. Neben der rein militärischen Rolle Rommels, der in Herrlingen bei Ulm ein Haus besaß, das früher Juden gehörte, ließ der Intendant auch immer wieder eine Jüdin zu Wort kommen, die in dem Haus lebte und in Auschwitz den Tod in den Gaskammern fand.

Das Stück war so eindrucksvoll und ging mir unter die Haut.

Es ist gut, dass immer wieder daran erinnert wird, was in Deutschland möglich war (und wieder möglich wäre). Das ganze hat nichts mit kollektiver oder persönlicher Schuld zu tun. Wir können uns nun einmal nicht davon frei waschen.

Wenn Menschen meines Alters auch weder die Nazizeit noch den Krieg miterlebt haben, so hat die ganze Situation, in der ja unsere Eltern waren, uns doch auch beeinflusst und geprägt. Mich zumindest, denn ich wurde in einer sehr politischen Umgebung groß.

@kleine chaotin: Deine Argumentation erinnert mich zu sehr an die der neuen Nazis, die jegliche Schuld von sich weisen. Dieses Gedankengut ist gefährlich.
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Beitragvon Auschra » 29.01.2012, 9:37

Liebe mamsch,

Ich glaube Dir und freue mich vor allem, dass Du die Größe hast,uns auf Deinen Irrtum hinzuweisen.

Besonders gefallen hat mir der Hinweis auf die Gespräche mit Deinem Mann... Ich bin durch meinen - das heißt die Gespäche mit ihm fast * lach* schon eine Juristin....

liebe Buecherkatze


http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=% ... 0RDUs9sZQQ

Hier habe ich mich über das Stück schlau gemacht...

Und Du ahnst schon, dass ich es sehr gern gesehen habe: Die Problematik ist generell nicht lösbar, nämlich die eines Menschen, der anfängt, seinem Gewissen mehr interne Entscheidungsgewalt zuzubilligen als Werten, die an sich ebenfalls hoch zu halten sind, wie Loyalität .sind in Zeiten, wie den damaligen - Hitlerdiktatur - .

Vielleicht hast Du den österreichischen Fernsehfilm " "Stauffenberg" gesehen ...da wird dieselbe Problematik gezeigt. Die sogenannte "Fallhöhe" ist ja bei gesellschaftkonformen "Helden", wie sie Rommel und Stauffenberg waren, besonders hoch und dadurch geeignet,"Aufwachfunktion" zu erfüllen...


Persönliches:ich habe die ersten 6 Jahre meines Lebens Nazizeit miterlebt.. Widerstand gegen Hitler war auf der Uni eins meiner Spezialthemen. Du hast mir also mit dem Hinweis auf das moderne Drama wieder "Quellmaterial" geschenkt.. Danke...
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Beitragvon buecherkatze » 30.01.2012, 1:00

Danke für den Link! Diesen Artikel kannte ich nicht, da ich keine Südwestpresse habe. War aber sehr interessant zu lesen. Nun wird das Stück noch verständlicher. Bin auch gespannt auf die Kritik. Habe bisher noch keine gelesen.
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