. : Service und Hilfe

Beitragvon kundgeba » 09.02.2012, 19:35

    Ich bin nicht dafür - ich habe selbst erlebt - wie Menschen sich in der Sterbephase doch noch ans Leben klammern.
    Dann habe ich selbst erlebt - wie Menschen "ohne fremde Hilfe" sterben können, auch wenn sie körperlich gesund sind - weil sie keinen Lebenswillen mehr hatten - also wirklich losgelassen haben - und ohne fremde Hilfe starben, dass sogar Ärzte machtlos waren.
    Deshalb denke ich wer wirklich will - und auch losläßt , der kann es auch ohne fremde Hilfe sterben. (Naturvölker machten das immer schon - die legten sich zum Sterben hin.)

    Dann sah ich einen Dokumentarfilm - über einen MS-Kranken - der Sterbehilfe bekommen hat.
    Die Gespräche vorher - die der Mann, der im Rollstuhl saß - mit dem Arzt führte - klangen für mich so, er kann nicht mehr viel tun - seine Frau hat nur Arbeit mit ihm - und dass er durch seinen Tod, seine Frau von der Pflege befreien wollte. So klang es für mich. Das ist sterben für andere und nicht weil man es selbst wirklich will.

    Ich habe viele gesehen - die im Sterben lagen - und sich freuten wenn Besuch kam - und diese kurzen Freudenminuten - rechtfertigten das Leben.

    Ich merke immer wieder - die Angehörigen können den Blick nicht ertragen - deshalb wären sie für ihre Lieben für eine Sterbehilfe.

    Wo auch ich dagegen bin - wenn Menschen - die ihr Umfeld nicht mehr wahrnehmen können und nur durch Maschinen am Leben gehalten werden - dass man diese viele Jahre belebt.
    Da bin ich für das Abschalten der Geräte.

    Hospitz finde ich sehr gut.

    Ich merke immer wieder - die Angehörigen können den Blick der Sterbenden nicht ertragen - deshalb wünschen sie sich diese Sgterbehilfe.
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Beitragvon Lindchen » 09.02.2012, 19:37

amarantine, ich wünsche es dir von ganzem Herzen, das dieses Leiden bald ein Ende hat.
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Beitragvon Aquamarin50 » 09.02.2012, 19:39

wenn jeder Mensch rechtzeitig eine Patientenverfügung ausstellen würde, um lebensverlängerde Massnahmen zu unterbinden bräuchten wir keine aktive Sterbehilfe.
Eine gut geleitete Palliativstation in der Klinik, die den Patienten versucht schmerzfrei,bzw. schmerzarm einzustellen gebührt meiner Anerkennung. In dieser Station stirbt nur ein Teil der Patienten, die Anderen können unter eingestellten Medikamenten wieder in ihr Haus zurück u. dank inzw. vermehrt ausgebildeten Palliativcare-Schwestern ambulant versorgt werden. Sollte es zu Hause nicht möglich sein, wird dann entspr. über ein Pflegheim nachgedacht oder letztendlich ein Aufenthalt im Hospiz.
Mir mißfällt der Gedanke an eine Sterbeklinik deshalb, da dort vermutlich nur ein kurzer Aufenthalt "vollzogen " wird, Angehörige vermutlich lieber einen Bogen darum machen werden., da es hier nur noch ums "Sterben" geht und nicht mehr um das "Leben" bis zum Tod .Die Menschliche Note wird dabei übersehen und gerade die ist wichtig für den friedlichen Übergang in das unbekannte Reich des Todes.
Mir würde es leichter fallen, einen Menschen lebendig sterben zu sehen, als einem Menschen zuszusehen, wie er künstlich in den Schlaf gleitet.....
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Beitragvon Lindchen » 09.02.2012, 19:42

Genau so haben wir auch in dieser bewussten Stunde in der Hospitz, uns für diesen Weg ausgesprochen und dokumentiert.

Es war alles andere als leicht, aber ich wusste doch das mein Mann es genau so wollte.
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Beitragvon amarantine » 09.02.2012, 19:46

Danke Lindchen!
Wie gerne würden meine Schwester und ich unsere geliebte Mami liebevoll umarmend bis zum letzten Atemzug begleiten - aber.........
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Beitragvon Stefanie54 » 09.02.2012, 19:49

Ich erlebe es fast täglich, dieses "ich wollte, ES wäre bald zuende". Dann folgen lange gespräche, das leben ist erstmal wieder lebenswert, irgendwie, weil jemand da war, der zugehört hat.

Woran das liegt? Viele angehörige scheuen eben diese besuche oder kümmern sich gar nicht mehr, egal, wieviel kinder mutter oder vater hat.

Mein vater z.b. ist in einem pflegeheim, der einzige, der täglich besuch hat. Bei allen anderen ist kaum oder nie jemand vor ort.
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Beitragvon kundgeba » 09.02.2012, 19:49

amarantine hat geschrieben:Danke Lindchen!
Wie gerne würden meine Schwester und ich unsere geliebte Mami liebevoll umarmend bis zum letzten Atemzug begleiten - aber.........


    Ja - amarantine - und ich denke eure Mutter will euch auch noch nicht verlassen.
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Beitragvon Baba1145 » 09.02.2012, 19:58

Ein guter Freund von uns ist vor 2 Jahren in die Schweiz zum Sterben gefahren. Aber bevor es soweit war, wurde er vorher fast ein Jahr lang Jahr von verschiedenen Ärzten,Psychologen und Gutachtern regelrecht bis ins kleinste untersucht.Er wäre in Deutschland mit seiner Krankheit noch einen sehr langen schmerzvollen Weg gegangen.
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Beitragvon amarantine » 09.02.2012, 20:00

Kundgeba - Sie will uns noch nicht verlassen? Aphatisch, ohne uns mehr erkennend, dahindämmernd, nur mehr ein Körper der bis zum Skelett abgemagert ist, - und kann einfach nicht sterben..... es ist grausam für uns, aber sollte es noch ein Jahr dauern, so soll es sein, wir sind für sie da.
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Beitragvon Aquamarin50 » 09.02.2012, 20:08

dass Menschen an ihrem unweigerlich bevorstehenden Ende möglicherweise ihre Angehörigen nicht belasten wollen, könnte ein Grund sein für solche Sterbeklinik. Diese Einrichtung ist in meinen Augen dann wohl auch eher aus dem Wunsch der Angehörigen entstanden. Sie "halten es nicht aus"...das zumindest glauben sie.
Wie gerne würde ich Jedem Angehörigen sagen, zumind. denen, die im guten Einvernehmen mit dem Sterbenden sind, traut es euch, begleitet euren sterbenden Menschen , ihr werdet den Rest eures Lebens dankbar sein für diese Lebenserfahrung, die obendrein den Umgang mit der eigenen Endlichkeit den Schrecken, die Angst, nimmt.
Ich bin seit 12 Jahren ehrenamtlich im ambul. Hospizdienst tätig und diese Tätigkeit hat mir nicht psychisch geschadet, im Gegenteil.
Wenn Angehörige physisch u.psychisch überfordert sind in der Begleitung , könnten Menschen aus dem ambul.Hospizdienst in ihr Haus kommen und zumind. für einige Stunden in der Woche Entlastung bieten, damit z.B. der Angehörige mal einkaufen gehen kann oder einfach nur durchatmet, einen Spaziergang macht und somitt auftankt!
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Beitragvon Stefanie54 » 09.02.2012, 20:15

Aqua....ich betreue alte, kranke menschen, deren tod absehbar ist.

Dort führe ich gespräche, versuche, etwas "sonnenlicht" in deren leben zu bringen.

Dort bin ich stark....aber ganz ehrlich, wäre dieses gegenüber ein naher angehöriger, könnte ich das nicht....
....ich würde am sterbebett zerbrechen....

....ich kann somit die ängste naher angehöriger verstehen.
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Beitragvon lottesprotte » 09.02.2012, 20:15

Aquamarin, Du gehst davon aus, daß es meist die Angehörigen sind, die so eien Wunsch erwecken.
Kannst Du Dir denn nicht vorstellen, daß es ein ureigener Wunsch des Patienten ist?
Man kann ja niemandem verbieten sich selbst zu töten, nur manchen Menschen fehlt die Gelegenheit, das Medikament oder die Kraft dazu.
Und nicht jeder hat überhaupt Angehörige. Ich könnte mir das für mich auch vorstellen, hoffe aber im Falle eines Falles, die nötigen Mittel und Kraft selbst zu haben.
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Beitragvon Aquamarin50 » 09.02.2012, 20:32

lottesprotte hat geschrieben:Aquamarin, Du gehst davon aus, daß es meist die Angehörigen sind, die so eien Wunsch erwecken.
Kannst Du Dir denn nicht vorstellen, daß es ein ureigener Wunsch des Patienten ist?
Man kann ja niemandem verbieten sich selbst zu töten, nur manchen Menschen fehlt die Gelegenheit, das Medikament oder die Kraft dazu.
Und nicht jeder hat überhaupt Angehörige. Ich könnte mir das für mich auch vorstellen, hoffe aber im Falle eines Falles, die nötigen Mittel und Kraft selbst zu haben.

@lotte, ich versteh, was du sagst....oft sind es sind nonverbale Wünsche von Sterbenden....sie wollen ihre Angehörigen "Schonen", auch wenn sie mitbekommen, dass die Angehörigen tapfer und aufopferungsvoll begleiten.
@Stefanie....du kannst es und du wirst es können...da sei dir sicher!
Und wie gesagt, durchatmen zwischendurch u. Hilfe von außen holen. Oft erleben wir es im ambul. Hospizdienst, dass garnicht unbedingt der Sterbende die Begleitung am Bett braucht, sondern die Angehörigen im Gespräch. Alles hat seinen Raum! Diese hilft z.B. auch dem Sterbenden, wenn er sich sicher fühlt, dass der Angehörige sich austauschen kann....
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Beitragvon america2 » 09.02.2012, 20:56

Aquamarin50 hat geschrieben:
lottesprotte hat geschrieben:Aquamarin, Du gehst davon aus, daß es meist die Angehörigen sind, die so eien Wunsch erwecken.
Kannst Du Dir denn nicht vorstellen, daß es ein ureigener Wunsch des Patienten ist?
Man kann ja niemandem verbieten sich selbst zu töten, nur manchen Menschen fehlt die Gelegenheit, das Medikament oder die Kraft dazu.
Und nicht jeder hat überhaupt Angehörige. Ich könnte mir das für mich auch vorstellen, hoffe aber im Falle eines Falles, die nötigen Mittel und Kraft selbst zu haben.

@lotte, ich versteh, was du sagst....oft sind es sind nonverbale Wünsche von Sterbenden....sie wollen ihre Angehörigen "Schonen", auch wenn sie mitbekommen, dass die Angehörigen tapfer und aufopferungsvoll begleiten.
@Stefanie....du kannst es und du wirst es können...da sei dir sicher!
Und wie gesagt, durchatmen zwischendurch u. Hilfe von außen holen. Oft erleben wir es im ambul. Hospizdienst, dass garnicht unbedingt der Sterbende die Begleitung am Bett braucht, sondern die Angehörigen im Gespräch. Alles hat seinen Raum! Diese hilft z.B. auch dem Sterbenden, wenn er sich sicher fühlt, dass der Angehörige sich austauschen kann....


Wir beide tun das Gleiche, begleiten Menschen auf dem letzten Weg und du sprichst genau das aus, was auch ich fühle und immer wieder erlebe! Angehörige oder Freunde wachsen in einer solchen Situation über sich hinaus, funktionieren manchmal zwar nur, aber wenn Hilfe benötigt wird, von der Hospizbewegung oder anderen Personen, die zuhören und stützen können, auch angenommen wird, ist das, was diese Begleiter für´s eigene Weiterleben mitnehmen, eine bereichernde Erfahrung, was meist erst erkannt wird, wenn sie irgendwann wieder bei sich selbst angekommen sind!
Dem Sterbenden erleichtert die Nähe, das Loslassen und das liebevolle Begleiten der Lieben auf die letzte Reise, diese anzutreten!
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Beitragvon sitta_muc » 09.02.2012, 21:50

nettestierfrau hat geschrieben:In den Niederlanden eröffnet am 1. März eine erste Klinik für aktive Sterbehilfe.

Die "Lebensendeklinik" in Den Haag richtet sich an Patienten, deren Wunsch nach aktiver Sterbehilfe von ihrem Arzt nicht erfüllt werde, obwohl sie unerträglich leiden und aussichtslos krank sind.
Sechs Teams mit jeweils einem Arzt würden jedes Ersuchen prüfen und die aktive Sterbehilfe in der Klinik selbst oder zu Haus leisten.
Hilfe zur Selbsttötung von psychatrischen Menschen und nicht todkranken Menschen mit einem Todeswunsch bleibt allerdings strafbar.

Ein Weg, der gehbar ist oder nicht ?


@nettestierfrau
Danke für diese Diskussion! Wie ist deine Meinung dazu?
@All
Jede/r wünscht sich einen schnellen,schmerzarmen Tod,ist es nicht so?
Aber viele haben es nicht so einfach! Sterben kann ganz brutal und lang sein!
Als junge Frau habe ich alte Frauen belächelt,die um eine gute Sterbestunde gebetet haben!
Heute weiß ich es besser! Das Sterben in unserer Gesellschaft ist ein Tabuthema und ich wünsche mir noch mehr gute Hospize in denen mit diesem sensible Thema gut umgegangen wird, mit der ganzen Zeit die das einzelne Sterben braucht! Mal mehr, mal weniger!
Aktive Sterbehilfe,für mich persönlich ein absolutes No Go!
Jedoch: Ebenso ein No Go sind für mich lebenserhaltende Maßnahmen auf Biegen und Brechen!
Gut vorbereitet sein,mit Patientenerfügung usw., ein wichtiger Gedanke!
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