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Literatur im Wandel

33 Beiträge

Beitragvon spatz. » 06.05.2011, 17:42

Stateira hat geschrieben:spatz hat geschrieben: > " Ich will nichts mehr kaufen, um es lesen zu können. " <

Oh je, das würde bei mir gar nicht funktionieren :!:
Es gibt noch soooo viele Bücher, allein von den bis jetzt erschienenen (hauptsächlich Sachbücher in Philosophie, Geschichte, Politik, Psychologie etc.) die ich noch lesen möchte, von den Neuerscheinungen erst gar nicht zu reden. Und noch ist der Keller ja auch erst zu einem Viertel vollgestellt; da geht noch was :mrgreen:
Nee, im Ernst - ohne Bücher, ohne Lesen - da könnte man mir gleich das Wasser abstellen. Geht gar nicht, dann bin ich tot. Lieber geh ich barfuss als keine Bücher mehr kaufen zu können.

Stateira
:) 8) :)


Es heißt ja nicht, ich will nicht lesen, wozu haben wir Bibliotheken und bei mir sind gleich zwei Hochschulbibos in der Nähe, das schaffe ich im Leben nicht, was mich dort alles interessiert.
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spatz.
 

Beitragvon ashoggi » 10.05.2011, 8:31

wie ich schon sagte, kaufe ich nicht mehr - es sei denn, ich fange an, in Kartons zu wühlen - eine kleine Geschichte, die ich vor Jahren schrieb:

Flohmarkt der besonderen Art

Auf dem Flohmarkt kann man alles Mögliche verkaufen, der Verkauf dort ist ganz anders als der Normalverkauf. Noch spezifischer ist es, wenn man auf dem Flohmarkt Bücher verkauft.
Es bietet sich an, dies nicht auf dem allesverkaufendem Flohmarkt zu tun, sondern dafür speziell Tische aufzubauen für einen gesonderten Buchflohmarkt aus Bananenkartons.

Die Tische sind wichtig, weil das Rumstöbern zur Leidenschaft wird und in Tischhöhe für mehrere Stunden möglich ist. Baut man alles auf Bänken auf oder gar auf Stühlen, die kippeln , schrumpfen die Einnahmen.
Von Vorteil – oder eigentlich fast Bedingung ist, dass der Verkäufer ein Buchfreund ist.
Er wird noch, bevor der Ansturm einsetzt, gewisse Dinge sichten, Krimi zu Krimi stecken und die kleinen Reclamhefte für bestimmte Kunden reservieren. Es gibt Frauen, die nur nach Konsalik fragen, auch da wird der Flohverkaufsfachmann sofort Rücklagen anlegen, bevor er nur noch aufpassen und kassieren muss..
Ein Profi erkennt seine Kunden auf den ersten Blick – er ahnt, das dieser fragen wird – kommt jemand mit ausgebeulten Cordsamthosen sind meistens die kleinen Inselbücher sein Ziel.
Grundsätzlich sollte man niemanden anreden, dessen Nase nach unten gerichtet ist. Diese Menschen schwelgen und wünschen nicht gestört zu werden. Sie ziehen mit zwei oder drei Büchern von Karton zu Karton, überlegen, tauschen um, gehen wieder zurück, prüfen ein zweites Mal jedes Stück und wirken sehr ruhig, gelassen, ausgeglichene Gesichter, der Verkäufer sieht, dass hier gedacht wird und eine ganz besondere Aura umgibt diese 10 Meter
Buchauswahl. Es ist ein Refugium, selbst wenn die Tische mitten im Trubel stehen, hier ist man unter sich, bei sich selbst und mit sich selbst im Reinen. Männliche Kunden überwiegen, aber das ist ein Extra-Thema.
Dann und wann fängt ein Stöberer an zu Reden, man wundert sich direkt, dass dieser tatsächlich sprechen kann – und man kommt sich sehr schnell nahe. Mein Vater kommt aus Danzig – haben sie da was ? Ach sie kennen Danzig, dass ist ja interessant. Ein anderer möchte Bücher aus dem Nachlass des Bürgermeisters, der in den 50er Jahren Direktor eines Gymnasiums war, ja , sagt der Verkäufer, da sind einige dabei, aber entschuldigen sie bitte, ich muss erst mal kassieren.
Beim Bezahlen bedankt man sich gegenseitig, es wird ein schöner Sonntag gewünscht – soll ich ihnen mal eine Tasse Kaffee holen wird gefragt – und auch, müssen sie die ganze Zeit stehen? Bücher schaffen eine Atmosphäre in der es menschelt. Und der Rubel rollt – aber das Geld ist für eine Schule in Tansania und deshalb sagt der Verkäufer gegen 16 Uhr: Wer fünf Bücher kauft, braucht nur vier zu bezahlen. Es ist ein armseliger Trick, aber er zieht, selbst bei sogenannten Intellektuellen.
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Beiträge: 13059

Beitragvon bennoh » 10.05.2011, 9:13

Der allgemeine Qualitätsverlust in der Kunst und die inflationäre Verwendung dessen, was Kunst ist, hat auch vor der Literatur nicht Halt gemacht.
Wenn mit Ballerspielen mehr Kohle gemacht werden kann als mit guter Literatur, kann das nur zu einer Verflachung des allgemeinen kulturellen Niveaus führen. Bleibendes, an das man sich auch noch in hundert Jahren erinnert, wird kaum noch geschaffen Und Bücher, die heute mit grossen Werbeaufwand zu grossen Auflagen hochgetrimmt werden, sind in einem Jahr schon vergessen.
Wenn Bücher wie " Feuchtgebiete " es bis in die talkshows und Kultusendungen schaffen, zeigt dies eine bedauerliche geistige Verarmung, die viele Ursachen hat.
Der Schwerpunkt der Literatur hat sich mehr zu Sachthemen hin verschoben. Bücher wie " Deutschland schafft sich ab ", Kochbücher, Ernährungsberater haben hohe Auflagen, während Gedichtbände und Lyrik nur einen geringen Käuferkreis anspricht. Wir werden diesen Zeitgeist nicht ändern können.
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