Reinhard Mey Sei wachsam
Ich hoffe es ist euch Recht, das ich auch den Text dazu reingestellt habe.
Kenne Reinhard Mey schon sehr lange habe mich aber in keinster Weise
mit Ihm beschäftigt. Bis ich zu diesem Lied kam, war sehr erstaunt was
er alles erstellt hat. Kann dazu nur sagen
Meine Hochachtung
http://www.youtube.com/watch?v=BU9w9ZtiO8Iich hoffe es klappt, bekomme den link nicht rein, Achselzuck,
Sei wachsam
Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
Und ich denk' mir, jeder Schritt zu dem verheiß'nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
Sie nennen es das Volk aber sie meinen Untertanen
All das Leimen, all das Schleimen ist nicht länger zu ertragen
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
„Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm!“
Sei wachsam Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam Und sei auf der Hut!
Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln
Der Medienmogul und der Zeitungszar
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten
Doch ihre Botschaften sind nichts als Arsch und Titten
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!
Sei wachsam Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam Und sei auf der Hut!
Es ist 'ne riesen Konjungtur für Rattenfänger
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger
'Ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher
Und sie sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt
Und nach den Schlimmsten werden Plätze und Flugplätze benannt
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen
Kein Pfeifchen Gras, aber 'ne ganze Giftgasfabrik
kann du kaufen Verseuch' die Luft, vertstrahl das Land,
mach ungestraft den größten Schaden
Nur lass Dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau'n
Und die Polizei muss immer auf die Falschen draufhau'n
Wir hab'n ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat gerantier'n
Was hift's, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich Abteilung kehrt,
im Gleichschritt marsch, ein Lied und Heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land ein Krieg ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsaätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen“
Sie ziehen uns immer tiefer rein, Stück für Stück
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück
Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen
Und verschon' mich mit den falschen Ehrlichen
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab' Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit
Nach 'nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu Lachen
Sie wer'n dich ruinier'n, exekutier'n und mundtot machen
Erpressen, bestechen, versuchen dich zu kaufen
Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen
Dann sag' sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd!
Sei wachsam Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam Und sei auf der Hut!
Ich habe unzählige Seiten vollgeschrieben
Ich habe mir Geschichten ausgedacht Bin keine Antwort schuldig geblieben
Ich hab den Denker und den Clown gemacht
Ich habe Weisheiten von mir gegeben Und dabei manche Torheit wie's mir scheint
Ich hab geredet als ging's um mein Leben Und doch nur immer eins gemeint
Ich hab versucht in immer neuen Bilder zu sprechen Doch jetzt geht die Zeit mir aus
Ich kann nicht mehr um 7 Ecken schildern, Ich sag es einfach und grade heraus,
Ich sag es einfach und ich schreibe Auf Deinen Spiegel, auf die Bank,
auf die beschlagene Fensterscheibe Wofür ich so viele Umwege erfand
Manchmal sehe ich uns beide in Gedanken Auf einem menschenleeren Bahnsteig stehen
Zwischen uns unsichtbares Schranken Und einer bleibt, einer muss gehen
Lautsprecherstimmen und Türen schlagen Und winken aus dem anfahrenden Zug
Ich will's immer und immer wieder sagen
Und sag es Dir doch nie genug Reinhard Mey