von N_Adine » 29.11.2011, 14:36
Die Erinnerungen an meine Kindheit sind rund, warm und kuschelig;
Ich war in (m)einem „Nest“ geborgen. Die Weihnachtszeit war, wenn ich zurückdenke, immer eine ganz besonders schöne Zeit mit gemeinsam im Bett kuscheln, Geschichten vorlesen, Adventlieder singen und vieles mehr.
Jedes Jahr, wenn der Winter nahte, gingen wir Kinder Kastanien sammeln, verpackten diese dann in Säcken und brachten sie auf dem Schlitten zum Lagerhaus für die Wildfütterung. Als Belohnung gab’s ein paar Groschen dafür, die natürlich umgehend in Süßigkeiten umgesetzt wurden.
Sobald es Schnee gab, wurde die äußere Umfahrungsstraße für den Verkehr (das waren zur damaligen Zeit vielleicht 5 Autos, die da täglich gefahren sind …) gesperrt und die abschüssige Straße stand den Kindern als Rodelbahn zur Verfügung. Na das war vielleicht ein Spaß – nicht selten wurde der Schulranzen als Rodel umfunktioniert, was der Mutter meistens nicht verborgen blieb und worauf sie natürlich ordentlich schimpfte mit uns (Seinerzeit gab’s nicht jedes Jahr eine neue Schultasche – sie musste für die ganze Schulzeit brauchbar sein).
In der Adventzeit waren die abendlichen Spaziergänge mit der Mutter sozusagen das Tages-Highlight, waren doch die Auslagenfenster der Kaufhäuser (eher Krämer) mit allerhand lustigem und beweglichen Spielsachen dekoriert;
Eine Modelleisenbahn, wo die unterschiedlichsten Züge in Stationen haltmachten, in Tunnels ein- und ausfuhren, die Häuschen waren beleuchtet und auf den Bergen aus Gips lag künstlicher Schnee. Auf dem Steilhang schwebte eine Gondel bergwärts und im Tal zahlreiche Figuren, die hektisches Treiben vermittelten; jedes Jahr kamen neue Figuren dazu und so drückten wir uns an der Scheibe die Nasen platt, damit nur ja nichts unseren Blicken entging.
Nikolaus – er nickte mit dem Kopf - und Krampus – der wiederum wachelte mit seiner Rute, aus seine Putte lugten kindesgleich ein paar Puppen und seine Augen glühten immer wieder auf - begeisterten uns ebenso wie das engelhafte Christkind mit langem, wallendem, weißen Kleidchen, blonder Lockenpracht und ach so herrlichen Flügeln aus echten, flauschigen Federn – und rundherum die herrlichsten Spielsachen, Puppen – dazu die süßesten, passenden Kleidchen und Accessoires, Teddybären, Kaufmannsladen (Gott hab‘ ich mich gefreut, als der einmal für mich unterm Christbaum stand), Puppenwagen, Puppenküchen mit Minitöpfen, Tellern, Besteck und was weiß ich noch alles – unsere Augen wurden angesichts dieser Pracht immer glänzender und die Seufzer immer lauter, war uns doch bewusst, dass das Christkind nur EINE dieser wunderbaren Kostbarkeiten bringen würde können …..
Wir saugten alles förmlich ihn uns auf, um nur ja nichts zu vergessen, musste doch noch der Wunschzettel angefertigt werden, der spätabends dann ins Fenster gelegt wurde, in der Hoffnung, dass das Christkind ihn beim Vorbeifliegen finden möge und vielleicht den einen oder anderen Herzenswunsch auch erfüllte.
Der erste Blick am nächsten Morgen galt dann selbstverständlich der Fensterbank – war das Brieflein noch da, oder wusste man in der Weihnachtswerkstatt schon Bescheid über unsere Wünsche ….. Hie und da, ja nach Artigkeit unsereins, ließ uns die Mutter auch noch etwas „schmoren“ und der Brief verschwand erst einige Nächte später aus dem Fenster – unsere Mutter hatte natürlich stets eine Erklärung dafür parat – da hieß es dann … ja, ja, das Christkind hört und sieht alle deine Schandtaten – es hat sicher gesehen, wie du dies oder jenes angestellt hast oder so ähnlich – ich kann mich noch heute an das schlechte Gewissen erinnern, das sie mir damit machte. Es blieb die Ungewissheit und so gelobten wir zu diesen Zeiten hoch und heilig, dass wir im kommenden Jahr viel braver, artiger und fleißiger sein würden, wenn … ja wenn sich doch nur der eine oder andere Geschenkewunsch erfüllte ……
Die ganze Wohnung duftete den ganzen Dezember über nach herrlichen Keksen; Da wurde gebacken was das Zeug hielt, mit Marmelade zusammengepickt und mit zerlassener Schokolade glasiert; Dekoriert wurde mit halben Nüssen, Mandelstiften, buntem Streuselzucker oder Sternchen aus Marzipan.
Am Vorabend des Heiligen Abends wurden bereits meine langen Haare, die damals weit über den Allerwertesten reichten mit Klettenwurzeln gewaschen und meine Schwester drehte diese auf Blechlockenwickler (mit denen ich dann – sehr zu meinem Leidwesen - die ganze Nacht schlafen musste) zu sog. Stoppellocken – ich habe sie dafür nicht wirklich geliebt, drückten diese Dinger doch unangenehm und ziepten fürchterlich an den Haaren ….
Am Weihnachtsabend jedoch war alles Ungemach vergessen – meine Schwester (9 Jahre älter als ich) wurde abkommandiert, mich außer Haus zu unterhalten – zuerst in die Kirche zum Krippenschauen und danach ging sie mit mir ins Kino, wo zu diesen Anlässen tagsüber immer herrliche Kinderfilme gezeigt wurden und anschließend dann in die Konditorei auf einen Kakao (hieß damals noch nicht heiße Schokolade ..) und eine Cremeschnitte – ich spüre heute noch den wunderbaren Geschmack auf dem Gaumen … - für die Kinder gab’s dann stets noch ein paar Stollwerk (ich glaub, die gibt’s heute gar nicht mehr …) gratis - quasi als Weihnachtsgeschenk vom Bäcker.
Am frühen Nachmittag, der Badeofen war aufgeheizt, kam einer nach dem anderen – ich, das Nesthäkchen der Familie zuerst - in die nach Fichte duftende, schaumgefüllte, Badewanne – das Badewasser war bis zum Vater dasselbe …. für unsere heutige Jugend vermutlich ein „no go“ …
Das „Sonntagsgewand“ war bereit gelegt, der Vater glänzte seine Haar ordentlich mit Pomade und danach wenn’s draußen bereits dunkel war und ich vor lauter Ungeduld bereits von einem auf den anderen Fuß hüpfte - so gegen 17h - läutete endlich das Glöckchen und ich durfte die bis dahin versperrte Tür zum geräumigen Schlafzimmer, in dem wir alle gemeinsam schliefen und hinter der sich der hell erleuchtete Christbaum, geschmückt mit echten Kerzen, viel Lametta, Engelshaar und allerlei buntem Christbaumschmuck mit all den Geschenken befand, öffnen …
Staunend und ergriffen standen wir vor der Pracht, wir sangen gemeinsam Weihnachtslieder – jeder so gut er konnte - und wünschten uns gegenseitig frohe Weihnachten – ich durfte dann als erste die Geschenke suchen und gemeinsam öffneten wir dann vorsichtig die Packerln.
Ich war selig und meine Freude war grenzenlos, hatte das Christkind doch immer zumindest einen Wunsch von meinem Wunschzettel erfüllt …. dazu gab’s dann meist noch was „Praktisches“ oder Selbstgebasteltes – ein paar neue Stiefel, weil die alten schon etwas drückten, eine Haube mit bunter Quaste oder warme Fäustlinge, ein neues Kleid für die Puppe vom Vorjahr, ein Sessel oder eine Bank fürs Puppenzimmer(aus Kostengründen meist selbst gestrickt oder genäht von der Mutter bzw. gebastelt vom Vater) …
Beim anschließenden Weihnachtsmahl wurde viel gelacht und reichlich zugelangt, war es doch an diesem Tag außer dem Frühstück das erste Essen und so war stets auch der Hunger von uns allen schon recht groß, sodass eigentlich alles, was auf dem Tisch stand hervorragend schmeckte.
Nun konnten sich auch die Eltern entspannt zurücklehnen, sahen sie doch in unseren glänzenden Augen, dass sich all die Mühe und sehr oft auch das Zurückstellen der eigenen Wünsche gelohnt hatten … Heute weiß ich, dass meine Mutter sehr oft auf notwendige Dinge wie neue Stiefel oder einen warmen Mantel verzichtet hat und das „Alte“ halt noch ein Jahr länger seinen Dienst tun musste, nur um uns Kindern zumindest einen Herzenswunsch erfüllen zu können – sie hat sich jedoch nie darüber beklagt ….
Ja, im Überfluss lebten wir damals, Anfang der 60-er Jahre nicht – aber wir waren glücklich und unbeschwert und ich habe heute sehr oft das Gefühl, wir waren damals zufriedener als es die Kinder und Jugendlichen von heute manchmal sind …
Ich erinnere mich stets gerne an das Weihnachten von vor mehr als 40 Jahren und versuche dieses heimelige Gefühl von Weihnachten auch für meine Familie aufrecht zu halten und an meinen Sohn weiterzugeben, sodass auch er einmal seinen Kindern dieses „Feeling“ vermitteln kann und so beschließen wir mit dem gemeinsamen Gang zum Turmblasen und dem Besuch der Christmette unseren alljährlichen Heiligen Abend sehr beschaulich.
Das sind meine persönlichen Erinnerungen, Gedanken und Gefühle zur Weihnachtszeit
Wünsche allen Usern eine schöne Adventzeit
N_Adine