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Ein neuer Morgen
78 | 569 Aufrufe | 01.01.2020, 10:33

Es war genau vor einem Jahrzehnt als er mit seinen Kindern das letzte mal das Weihnachtsfest gefeiert hatte und nun nach zehn Jahren wurde es endlich wieder Wirklichkeit. Ein schöner besinnlicher Abend war es, genauso wie früher, als seine kleine Welt noch in Ordnung war. Mit einem schön geschmückten Baum und den Geschenken die darunter lagen.

Die Woche bis zu Silvester verging wie im Flug mit Lachen, Scherzen und Blödsinn machen. Viele Bilder tauchten aus seiner Erinnerung auf und stimmten ihn heiter jedoch auch traurig, das diese Zeit nie wieder kommt. Kinder werden nun mal erwachsen obwohl sie in seinem Inneren immer noch die Kleinen waren.

Auch der Silvesterabend verlief harmonisch, zu Mitternacht tanzte er mit seinen Töchtern den Donauwalzer und er war einfach nur glücklich. Das neue Jahr zog ins Land und je später es wurde um so nachdenklicher wurde er. Es war schon zeitig am Morgen als er sich anzog und zu seinen Kindern sagte er müsse ein wenig frische Luft schnappen um den Kopf frei zu bekommen.

Ziellos spazierte er durch die Stadt den Kopf voll schwerer Gedanken. Er dachte an seine Krankheit die er gottseidank überstanden hatte in der Hoffnung das es auch so bleibt. Was ihn am meisten beschäftigte war jedoch das nicht enden wollende mit seinem Sohn. Kaum hatte er das eine überstanden kam schon schon die nächste Breitseite. Ein Magenkarzinom vermutlich hatte der Lymphkrebs gestreut und die dadurch operative Entfernung des Magens alles das spukte ihm durch den Kopf, wann hat diese Scheisse endlich ein Ende.

Irgenwie war er die ganze Zeit bergauf gegangen ohne das es ihm besonders aufgefallen war und so stand er plötzlich oben auf dem Birkenkopf. Unter ihm lag die Stadt und am Horizont wurde es langsam hell. Hinter sich hörte er Schritte die plötzlich verstummten. Er drehte sich nicht um und starrte weiter auf die Stadt und auf den heller werdenden Horizont.
Als er plötzlich eine leise Stimme vernahm:"Du darfst nicht aufgeben Paps, wir brauchen dich". Er drehte sich langsam um und da standen seine drei, die zwei Schwestern untergehakt mit ihrem Bruder in der Mitte. Sein Sohn hielt ihm ein vergilbtes Blatt Papier entgegen worauf mit schon verblaßter Tinte stand:


Wenn Du fragst als Kind
Sag mir, welche Farbe hat der Wind
Und dann kommt gleich hintendrein
Wie riecht der Sonnenschein

Wie schmeckt ein Regenbogen
fragst Du ganz ungezogen
Da war auch noch was ganz besond`res
Wie küßt man den Strahl des Mondes

Mein Kind beginn mit Deinem Herzen zu sehen
Dann wirst Du all dies verstehen
All die Wunder kannst Du erleben
Wirst Du Deinem Herzen die Chance geben.


Sein Sohn sagte leise:" Du darfst nicht aufgeben, wir wollen doch mit Dir diese Wunder erleben."
Etwas zerbrach in seinem inneren und er heulte los, all die aufgestaute Wut über seine Hilflosigkeit, der Schmerz, sein Frust über die Ungerechtigkeit des Lebens brach wie eine Sturzflut aus ihm heraus. Unter schluchzen brummte er: Nein ich gebe nicht auf, was auch noch kommen mag, denn ich liebe Euch".


Er umarmte seine drei die ebenso losgeheult hatten. Mittlerweile hatte sich der Himmel blutrot gefärbt und die Sonne stieg langsam aus der Dunkelheit empor, es war wie ein Omen, ein neuer Tag brach an und eine neue Zukunft bahnte sich an, eine Zukunft die hoffentlich ein besseres Jahr bringen würde als das vergangene. Sie standen noch eine Weile und sahen zu wie die Sonne Stuttgart in immer helleren Licht erstrahlen ließ. Er umarmte seine drei noch einmal und von einer drückenden Last befreit machten sie sich langsam auf den Heimweg.

 


Es gibt nichts wichtigeres als Kinder zu haben, mit denen du weinen kannst, die dir zuhören, die deine Ziele unterstützen, die dich lieben und die an dich glauben.


Ich wünsch Euch allen hier ein erfülltes neue Jahr und auch in seinem Sinne niemals die Hoffnung aufgeben was auch kommen mag.

 

 

Kategorie: Allgemein | 15 Kommentar(e)

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