Profil Galerie Kontakte Gästebuch Blog

Gibt es Schutzengel?
108 | 557 Aufrufe | 12.09.2018, 10:45

Erst jetzt, wo ich mein Gleichgewicht wieder gefunden habe und mit beiden Beinen wieder fest am Boden stehe, habe ich den Mut gefunden meine Gedanken niederzuschreiben.Auch ist es meine Absicht, damit einen Lebensabschnitt aufzuarbeiten, um einen Schlussstrich darunter zu machen.

 Um die folgende Begebenheit besser zu verstehen, muss ich etwas aus meinen Leben erzählen.

Als ich vor ca. 20 Jahren durch sehr widrige Umstände meine Partnerin Maria kennen lernte, dauert es eine Weile bis wir uns richtig verstanden.

Dann aber waren wir buchstäblich auf einander fixiert. Bei jeder Berührung  spürte der Eine das Spannungsfeld des Anderen. Es war wie ein Dauerläufer und wurde mit den Jahren immer intensiver. Wir  machten alles gemeinsam. Wo du bist, da will auch ich sein.

Es war die schönste Zeit meines Lebens

Freundschaften …?. Freunde brauchten wir nicht, wir hatten ja uns.

Es gab nur ein „Wir beide“ in unserer selbst gewählten Isolation.

my home is my castle!

Begünstig  wurde dieses auch durch Übersiedeln in einen anderen Stadtteil.

 

Am 1. November 2015  jedoch, hat das Schicksal mir eine bittere Lektion erteilt, in dem es mir meine Partnerin genommen hat. (Lungenkrebs)

 Ich konnte nur beim Sterben zusehen ohne helfen zu können und blieb bis zum Schluss bei Ihr.

Dem nicht genug, einen Tag danach erreichte mich die Nachricht, dass meine Tante verstorben ist und der Onkel begann darauf hin Suizid und sprang aus dem Fenster.

Ich bin letzte meiner Familie und durch die Isolation hatte ich auch keine Freunde oder Bekannte.

Und so blieb ich mit meinem Schmerz und der Trauer alleine, ohne dass ich darüber reden konnte, oder Trost bei Jemand fand.

Wer hat schon Interesse an einem 65 jährigen Mann der vor den Scherben seiner Existenz steht.

Übrig geblieben ist mir nur die Stille …

 

Als Freund wählte ich die Flasche.

Zwei lange Jahre, löste ein Alkoholexzess den anderen ab, von meinen 115kg waren nur noch 75 kg übrig. Ernährt habe ich mich von übergelassenen Essensresten, Hauptsache dass in meiner Flasche genügend drin war.

Nicht nur einmal griff mich die Polizei in irgendeiner schmierigen Hausecken auf, ob wohl ich eine Wohnung hatte. Ich war an der untersten Stufe meiner Existenz angekommen.

Und es war mir egal.

 

Genau an dieser Stelle beginnt ein Erlebnis welches mich bis heute begleitet.

 Es war am 1.November 2017 der Todestag meiner geliebten Maria, wo schwere Depressionen mich wieder in der Gewalt hatten. Meine Gedanken  kreisten um den Sinn meines Lebens und seiner Daseinsberechtigung.

Das Verlangen nach einer Aussprache mit einem Menschen war übermächtig.

Meine Einsamkeit wollte ich hinausschreien doch blieb ich stumm, nur in meinen Tränen spiegelte sich die Trauer und Hoffnungslosigkeit. 

Bitte, nur ein nettes Wort zu mir, ein Lächeln oder nur Zuhören würde schon reichen, Bitte

Das Echo war nur Stille und Schweigen, eine Mauer der Ignoranz und Abscheu welche eisiger als es der Novemberabend war, begegnete mir.

Es gab nur hohle Gestalten in einer Stadt, die mich nicht mehr haben wollte.

Ohne festes Ziel ging ich weiter und fand mich auf einer Brücke wieder, wo unter mir die Züge durchdonnerten.

War das die Antwort?? Könnte ich so meine Maria wiedersehen?

Ich kletterte über das Geländer und wartete auf den nächsten Zug, um zu springen.

 Ich hatte mit allem abgeschlossen, was soll ich noch hier.

Bevor ich noch springen konnte, hörte ich hinter mir eine Stimme sagten

wenn du dass machst, kannst du nichts mehr machen“!!?

Als ich mich umdrehte sah ich ein kleines Mädchen im Rollstuhl etwa 11 Jahre alt.

Auf dem Schoss hatte sie einen kleinen Blumenstrauß liegen

Ihren großen dunklen Augen sahen mich ruhig und abwarten an und sagte noch mal

„wenn du dass machst, kannst du nichts mehr machen“

Ich wollte springen aber ich konnte nicht, nicht vor den Augen der Kleinen.

Der Zug donnerte vorbei und ich kletterte zurück auf den Gehweg.

Wir unterhielten uns eine Weile, so erfuhr ich dass ihr Name Anna ist und im nahe gelegenen Gemeindebau bei ihren Bruder lebt. Ich kannte diesen Bau aus meiner Jugendzeit.

Die Blumen hatte sie noch schnell für ein Grab gekauft.

Für welches wollte sie mir nicht sagen.

Nach dem wir uns verabschiedet hatten, ging ich nach langer Zeit wieder mal zurück in meine Wohnung schlafen.

Am nächsten Tag ging mir dieser Satz der Kleinen nicht aus dem Kopf und ich begriff, dass Anna mich damit vor einer riesigen Dummheit bewahrt hatte.

In den drauffolgenden Wochen suchte ich jeden Tag nach Anna um mich zu bedanken.

Ich fragte in den einzelnen Stiegen nach, bei den alten Damen, welche sonnst alles wissen, keiner kannte sie.

Durch einen Zufall kam ich im angrenzenden Park mit einem alten Herrn ins Gespräch.

Er meinte, dass er sich an die Kleine genau erinnere, da er beobachtet hat, wie ein LKW sie erfasste und samt Rollstuhl überfuhr als sie aus einem Blumengeschäft kam..

Geschockt über diese Information fragte ich wann das geschehen ist.

Als Antwort bekam ich, …es war am 1.November.2017

Es war der Tag an dem sie mir, statt meinem, ihr junges Leben gab.

_____________________________________________________________

Liebe Anna auch wenn du es nicht mehr lesen kannst, ich verspreche dir, dein gegebenes Leben zu behüten so lange wie ich es kann.

_____________________________________________________________

 

Dir geneigter Leser möchte ich sagen, der letzte Teil von Annas Satz „wenn du dass machst, kannst du nichts mehr machen“ für mich besondere Bedeutung hat.

Scheinbar hat das Schicksal mir noch eine Aufgabe zugedacht, auch wenn ich noch immer allein lebe versuche ich es, Anna gleich zu tun. Menschen die am Limit sind, ein Lächeln zu schenken oder Zuzuhören, da man nie weis aus welchen Gründen es so weit gekommen ist.

 

Danke für das Lesen.

 

Kategorie: Allgemein | 33 Kommentar(e)

Kommentar schreiben

Fehler

Sie wurden vorübergehend für das Kommentieren von Blogs gesperrt.

Bei eventuellen Rückfragen wenden Sie sich bitte an support@50plus-treff.at