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Kitsch
43 | 518 Aufrufe | 22.01.2018, 13:00

Bei trübem Wetter wie gestern zieht es mich nicht wirklich in die Natur - bei trübem Wetter zieht es mich zur Kultur. ...in ein gut geheiztes Museum zu interessanten Ausstellungen.

Im Schloß Wolkersdorf , nicht weit von Wien, läuft eine Ausstellung zum Thema "Kitsch".

Kitsch wärmt bekanntlich die Seele - das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich will endlich wissen, was Kitsch ist und wo die Grenze zur Kunst verläuft. Der Einführungstext zur Ausstellung hat mich gleich darüber informiert, dass die Kuratoren auch nicht so ganz genau wissen, welche Zutaten nötig sind, um etwas als "kitschig" erscheinen zu lassen.

Wiki hilft auch nicht wirklich weiter - offensichtlich ist die Grenze von Kunst und Kitsch verschwimmend und das Urteil darüber liegt vor allem im Auge des Betrachters. Eine Definition habe ich gefunden, die mir schlüssig erscheint:

 

Was „Kitsch“ ist, liegt nicht - oder nicht nur - in der Sache, sondern in dem Verhältnis vom Menschen zur Sache. Sicher hat Kitsch etwas mit dem Nicht-Bewältigen durch den Geist zu tun. Aber ich meine, es geht nicht nur um den „Geist“ dessen, der etwas Kitschiges geschaffen oder hergestellt hat, sondern auch um den Geist, aus dem heraus diese Dinge aufgenommen werden Es gibt ein gleichsam naives Genießen dessen, was man gemeinhin „Kitsch“ nennt, das ihm das widerlich Süßliche, Peinliche, ja vielleicht Gefährliche nimmt. Dr. Eva Bonacker

 

Für mein Verständnis ist Kitsch die Überhöhung eines Klischees - etwas, das man bereits kennt, wird wiederholt, aufgebauscht, überbetont, wiederholt bis zum Überdruss. Und wenn man sich die Frage stellt, warum einem etwas gefällt, fällt einem nichts anderes ein als "Weil es sooooo schön ist" Man findet kaum eine Aussage, einen Inhalt - oft ist das Ding, die Musik oder auch die Literatur eine überzogene Kopie von etwas Kraftvollem, das ins Triviale gezogen wird.

 

Nach dem Besuch der Ausstellung bin ich so klug als wie zuvor. Allerdings habe ich entdeckt, dass in meiner Wohnung einige Dinge herumstehen, die seit gestern unter schwerem Kitschverdacht stehen.

Ich behalte sie trotzdem - zum Erwärmen der traurigen Seele.

 

Kategorie: Allgemein | 23 Kommentar(e)

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