Leider erfahre ich nicht viel positives von der (Schwieger-)Elterngeneration. Und das höre ich auch von Freunden. Leider auch über deren 80plus Ehemänner.
"Die lasse ich mal kommen", "Das muss die/der für mich tun, ich bin 93.", Was die/der macht, das ist ja nichts"...
Und: "Das habe ich ihr/ihm gesagt. Dann kriegt er gar nichts" (Gemeint Erbschaft, Taschengeld).
Achtung erwirbt man sich nur mit Gegenachtung. Und trotzdem "springen" viele trotz offenkundiger Verachtung.
Mag die Lebensleistung bis dahin noch so anerkennswert gewesen sein. Achtung
muss man sich auch im fortgeschrittenen Alter immer wieder neu erwerben.
Achtung ist immer ein wichtiger Aspekt. Nicht nur den älteren gegenüber sondern in jeder Art von Beziehung.

Sie drückt sich aus in der Art des Umgangs miteinander.

Ich achte auch meine Enkelkinder. Was die heute in der Schule leisten müssen ist einiges mehr als wir es hatten. Und woher sollen sie Achtung lernen wenn man nicht ihnen selber mit Achtung begegnet.
und ich habe mich zu dem Weg entschlossen, dass ich mit meiner Verwandtschaft nicht mehr kommunizieren möchte.....

Zeit meines Lebens wurde mir gesagt, was ich verwandtschaftlich machen soll.....
das hat angefangen als ich 16 jährig war - da sollte ich "Patentante" werden .....das war aber nicht mein Neffe sondern mein Vetter......
(meine Tante war vom Alter her wie meine ältere Schwester)......
dann ging es weiter ....patentantenmäßig ....angeleiert von meiner Mutter.....

im Nachhinein sehe ich, dass ich viel zu spät "dagegen gehalten" habe.....
ich dachte immer:
ok - mach das, was die anderen wollen von Dir .....überweise deiner Mutter Geld - das soll sie dann - patentantenmäßig einsetzen.......und gut is......

im Nachhinein sehe ich, dass ich mich - früher - viel mehr hätte wehren müssen.....
heute weiß ich:
es reicht nicht, dass man einen Zustand akzeptiert und "erduldet" und denkt:
ok - ich gebe was ich geben kann - und ich hab ja dann mein Bestes gegeben......

denn im Nachhinein gesehen ist das "Beste gegeben zu haben" - leider - oft das "nicht genug"- gegeben zu haben....
warum ?
weil es nicht aus unserem Herzen heraus gegeben wurde - sondern aus einem gesellschaftlichen Zwang heraus.... :wink:
(ich bin später noch mehrfach Patentante geworden, obwohl ich das nie wollte .....kein einziges Mal !!!...ich habe meiner Mutter regelmäßig Geld überwiesen von wegen den Patentanten-Verpflichtungen, mit dem Wissen, dass sie ja die "eigentliche" Patentante war).....
mich stört das Wort "Alter"! Wie drückt sich "Achtung" aus?

Achtung bedeutet ja nicht buckeln,kniebeugen oder falscher Schein ..so tun als ob!? Ich möchte jedem Lebewesen, auf 2/3 oder 4 Beinen achtsam begegnen,egal ob jung oder alt, aber nicht Jedes/r versteht damit umzugehen!
Alles was aus dem Herzen kommt und ehrlich ist,bedeutet auch gleichzeitig "Achtung"!
Mir tut's gut ,selbst ein Lächeln auf der Straße zu einem fremdem Kind oder einem gehbehinderten Erwachsenen zu schenken und ist ein Geschenk und Wertschäzung an mich/sich selbst!
So versuche ich mich durchs Leben zu schlängeln und fahre damit ganz gut und kann dann schon mal "Nichtachtung" aushalten!! :lol:
Ich sehe es auch ganz locker und gehe mit älteren Menschen ganz normal um.

Denn ich weiß, auch Ältere sind vor Tollheiten und ihnen negativ anerzogener Vorurteile nicht gefeit.
Gelegentlich kann selbst ich als Jüngere, auch ganz wertvolle Tipps in puncto Lebensführung und Alltag geben. :wink:
Der Mensch vor dem ich wirklich Achtung habe ist meine Großmutter mütterlichseits.

Als Flüchtling vor den Sowjets aus Ostpreußen in einem imaginären Track über den eiskalten Winter mit sieben jüngeren Geschwistern mit Nichts außer dem puren Leben angekommen,
verdingte Sie sich als Magd um einen Wochenlohn in Pfennigen :!: um die kleinen Mäuler stopfen zu können.
In den Anfängen gehaust, in Strohballen nur mit Fetzen von Kleidung um den Leib.
Später dann aufgenommen von der Bauernfamilie im Dachstuhl wohnend vor einer Horde besoffener Russen in Vergewaltigerlaune aus dem selbigen herausgesprungen um dieser Pein zu entgehen.
Mit ihrem Knie aufgekommen mit dem Sie noch heute Probleme hat, deshalb geht meine Omi die Treppe rückwärts runter. :)

Ein wenig später lernte Sie dann meinen Großvater kennen.
Er konnte so wunderbar im Duo singen, war ihre Erklärung warum sie seinem Begehr nachkam und ihn heiratete. Zur Hochzeit mit geliehen zweierlei Schuhen ankam, Hauptsache die passten. :lol:
Damals war das ganz üblich.

Heute ist Sie bereits Ur Ur Ur Großmutter. :wink:

Ihr Leben geprägt von Arbeit und um das nackte Überleben, das hat mich sehr inspiriert.

Ich liebe Sie und bin stolz aus einer solchen starken Frau entstanden zu sein.
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