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Beitragvon Lulumanu » 08.08.2017, 15:49

Heute schrieb mir jemand unter anderem...
"Ich bin eigentlich nur wegen dem Reiseforum hier."

Ich dachte,was für ein schöner Grund.

Gleichzeitig kam mir der Gedanke auf:
"Warum bin ich eigentlich hier ?"

Als ich mich vor knapp zwei Jahren hier anmeldete,war es eigentlich nur etwas Zeitvertreib.
Ich versuchte mich mit Blogs einzubringen,bekam gut gemeinte und weniger gutgemeinte Kommentare. .
Habe mich auch manchmal gestritten,aber meistens lese ich hier mit und bringe meine drei möglichen Kommentare an den Mann/Frau.
Ich scheute mich auch nicht,bei öffentl. Harz vier Depatten persönliches preiszugeben,ich gehöre nicht zu den notorischen Nichtstuern (die es leider auch gibt),schäme mich nicht dafür.....
Setze mich für Mensch und Tier ein....


Wieder die Frage:
"Warum bin ich eigentlich hier?"

Der Anfangsgrund von 2015 hat sich verschoben......seit einem grauen Oktobertag 2016 (im doppelten Sinne).......
Aber darüber zu schreiben,fällt mir schwer,wühlt mich auf und lässt mich hier schwitzend sitzen.


Seit diesem grauen Oktobertag hat sich mein Leben dermaßen verändert,es hat mich aus der Bahn geworfen.......vieles ist unwichtig geworden.
Manch einer versteht mich nicht mehr,ich bin stumm und Interessenlos geworden.

Es fällt mir schwer hier zu schreiben..............Trauerblogs gab es ja hier schon.........aber da geht es um die Zeit danach.
An diese Zeit will ich garnicht denken.





Aber was ist mit der anderen Zeit.......die Zeit,als die Diagnose Krebs kam bei euren Partnern ?
Wie seit ihr damit umgegangen?
Wie hat sich euer Leben verändert,wie habt ihr gemeinsam diese Zeit erlebt ?
Wie habt ihr euch verändert,wie das Miteinander empfunden,gelebt..........die verbliebene Zeit genutzt ?
Wie mit umgegangen,und...und....und....?



Jetzt beim schreiben hatte ich das Gefühl........ich habe begriffen,was ich bis jetzt nicht begreifen wollte......konnte....
Mein Mann schreit sein Leid in die Welt,seine Art mit umzugehen.....ich mache es im Stillen mit mir aus.


Der anfängliche schwarze Humor von uns wird immer schaler............








Bitte keine pietätlose Kommentare !
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Lulumanu
 
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Beitragvon foxie1212 » 08.08.2017, 17:59

Hallo Lulamanu,

Deine Zeilen lassen auch für mich eine Zeit wiederauferstehen, die sehr hart war. Ich kann sehr gut verstehen, wie es Dir jetzt geht, denn Du musst ja ertragen, trösten und vieles Andere mehr. Trotzdem bist Du Diejenige, die weiterlebt, das muss Dein Partner natürlich neben der schrecklichen Diagnose ebenfalls verkraften und tut es auf seine Weise.

Bei mir war das umgekehrt, da hat mein Partner fast noch mehr mich getröstet und noch in Vielem vorgesorgt, damit ich anschliessend gut klar komme. Vor 4 Wochen ist eine gute Freundin von mir gestorben, bei ihr hat sich auch die anfängliche Wut in mehr oder weniger Gelassenheit umgewandelt, so konnte sie besser loslassen und leichter sterben.

Ich möchte Dich nicht hier vollsülzen oder vorzeitig betrauern, das liegt mir fern. Aber ich wünsche Dir und Deinem Partner, dass Ihr noch die Möglichkeit findet, miteinander zu sprechen und natürlich auch, sich in den Arm zu nehmen. Ich denke, auch gemeinsames Weinen hilft.

Und bleib hier. Gerade in schwierigen Zeiten kann es hilfreich sein, sich mit Anderen auszutauschen oder eben einfach mal virtuell zu Schreien. Ausserdem lenkt es Dich zumindest kurzzeitig von Deinen Problemen ab.
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foxie1212
 
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Beitragvon Kurkuma60 » 08.08.2017, 18:34

Liebe Lulumanu
Auch mich haben deine Worte bewegt. Haben in mir die Situation wachgerufen, in der ich genau so gefühlt hatte wie du jetzt. Es war keine Erkrankung eines Partners, aber die Begleitung meines grossen Bruders, dem ich zusehen musste, wie er sich selbst zerstörte. Er zerstörte sich, weil er zu wenig Lebenskraft hatte. 
Es braucht Mut, dir zu antworten. Denn es gibt einfach keine "Gebrauchsanweisungen" für solche Lebenssituationen. Aber das weisst du ja sicher.
Ich kann dir nur sagen, auch ich war lange Zeit an meinen Grenzen und wie ich dann erst später wirklich realisierte, oft über meinen Grenzen. Ich haderte mit allem, dem Leben, dem Schicksal. Ich wehrte mich, ich gab alles was in mir war. Genau so wie du, verstummte ich plötzlich. Plötzlich waren nur noch er und ich da, und ich versuchte nebst meinen anderen Anforderungen irgendwie alles auf die Gleise zu bringen. Und als er schliesslich ging, fiel ich in mich zusammen. 
Dein stumm sein, deine vermeintliche Interessenlosigkeit, die du erlebtest, ist wohl auch deine Erschöpfung.

Du möchtest wissen wie andere mit solchen Situationen umgehen. Es gibt wahrscheinlich ganz viele Arten und jede Art und Weise ist die richtige für diejenige Person.
Ich stand einfach neben meinem Bruder, versuchte so aufrecht wie möglich zu sein und wenn ich, was häufig der Fall war, nicht weiter wusste, sagte ich mir, dass ich ihn von ganzen Herzen liebe, alles so gut mache wie es mir möglich ist, und diesen Weg mit ihm gehe solange es mir möglich ist und solange die Kraft reicht. Aufgeben ist ja nie eine Option in solchen Situationen.  Natürlich reichte die Kraft, auch noch für das Akzeptieren, dass ich nicht wirklich helfen konnte.
Doch ich wusste immer, er weiss, ich bin da und ich liebe ihn und er ist mir wichtig.
Und diesen Gedanken habe ich immer noch. Er wusste, ich bin da auch wenn es schlussendlich nicht gereicht hat. 
Vielleicht darf man nicht zu viel von sich erwarten, vielleicht muss man einfach einen Schritt nach dem anderen machen und vielleicht darf man einfach nicht zu weit nach vorne schauen.  

Dein Mann geht auf seine Art und Weise mit der Situation um. Es ist ihm wohl nur so möglich.
 Doch wie schon im ersten Kommentar geschrieben wurde, es ist gut, dass du anders umgehst damit, dass du schreibst, dass du dich an Menschen wendest. 
Denn dafür sind wir doch Menschen, dass wir einander helfen und beistehen, dass wir Anteil nehmen aneinander, dass wir manchmal eine stille Umarmung geben. Auch wenn es hier die virtuelle Art ist, es ist auch eine Möglichkeit. 
Ich wünsche dir die Kraft, die du benötigst um deinen Weg gehen zu können.
 
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Kurkuma60
 
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Beitragvon siroma » 10.08.2017, 11:27

@Lulumanu, deine Zeilen berühren mich, wie viele andere sicher auch, sehr.
Spontan fällt mir da eine ehemalige Nachbarin ein, ihr Mann erhielt vor vielen Jahren die Diagnose Krebs. Eines Tages sagte ich zu ihr - und wie geht es Ihnen? - Ihr Gesichtsausdruck sagte alles. Ja, die nächsten Angehörigen, die eine riesige Last tragen, deren Gefühlswelt in mehreren Bereichen völlig aus gewohnten Bahnen gerissen ist, sie leiden nicht nur mit, es sind auch sie, die dann alleine zurückbleiben.

Kurkuma60 findet in ihren Zeilen Worte, für die ich sie bewundere.

Ich selbst begleite meine langjährige Freundin, wir haben uns mit 17 Jahren kennen gelernt und sie erhielt 2015 die Diagnose Krebs. Unsere Verbindung ist seither noch tiefer und ehrlicher, unsere Wertschätzung können wir noch besser ausdrücken und ich hoffe und wünsche, dass sie, wie sie in ihrem wunderbaren Humor mal sagte "das Abitur ihrer (jetzt vierjährigen) Enkelin erleben will".

Dir wünsche ich Kraft für diese schwierigen Zeiten und Menschen die dir gut tun.
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Beitragvon Chri51 » 13.08.2017, 14:41

Ziemlich genau sieben Jahre ist es jetzt her, dass mein Lebenspartner als Notfall in die Klinik eingewiesen wurde, weil er seit einer Woche keinen Stuhlgang mehr hatte...
Ich war bis dato völlig ahnungslos, ob er es war, hatte ich nie hinterfragen können, wenn, hatte er alle vorherigen Warnsignale völlig ignoriert!

Am Donnerstag wurde er eingeliefert, übers Wochenende "passiert" nix in den meisten Kliniken, er war nur immer stärkeren Schmerzen ausgesetzt. Die einzige Behandlung bestand in Verabreichung von Klistieren, völlig sinnlos, wie sich herausstellte.

Am Montag wäre die "Röhre" geplant gewesen, dazu kam es nicht mehr, frühmorgens fing die Not-OP an, weil der Dickdarm gerissen war... Sechs bis sieben Stunden lag er auf dem OP-Tisch, der Darm wurde geflickt, der Enddarmkrebs entfernt und er bekam sofort einen künstlichen Ausgang...

Als ich gegen 14:00 h vom Büro aus anrief, um die Untersuchungsergebnisse zu erfragen, wurde ich umgehend in die Klinik bestellt!
Und dort mit allen Fakten konfrontiert! :cry:
Dieses Loch, in das ich seelisch fiel, war endlos...
Unvorstellbar, welchen Schmerzen er wohl in der Nacht davor noch ausgesetzt gewesen sein mußte!

Ich konnte ihn nur kurz sehen, er lag in künstlichem Schlaf auf der Intensivstation, ich fuhr wie betäubt nach Hause!
Am nächsten Morgen "blühte" um meinen kompletten Mund ein riesiger Herpeskranz, mein Schock saß wohl sehr tief!

Er lebte noch 1 1/2 Jahre, Anfang 2012 verstarb er in einem Hospiz. Dort verbrachte er die letzten drei Wochen, die Monate vorher war er zu Hause. Mein Spagat zwischen Job und Krankenpflege hatte mich fast kaputt gemacht, aber ich bin froh, durchgehalten zu haben!
Die letzten Nächte habe ich auch im Hospiz geschlafen...

Allen Dank der Welt an diese Engel dort!


Das Miteinander wurde zu einem Wechselbad der Gefühle, weil er natürlich nicht mit den Diagnosen und Geschehnissen umgehen konnte! Am meisten hatte ihn der künstliche Ausgang aus der Fassung gebracht!

Es gab noch einige unschöne Begebenheiten , auch in Zusammenhang mit Klinik und unverzeihlichen Fehlern dort, aber das würde hier zu einem Roman ausarten...

R.I.P.
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Beitragvon Lulumanu » 13.08.2017, 16:01

Danke für die liebevollen sensiblen Kommentare.

Ich habe beim Einstellen nicht bedacht,das es bei vielen Vergangenes schmerzlich aufreißen wird......

Ich wollte es schon wieder löschen,wußte aber nicht das es garnicht geht.


Es gibt Tage,da falle ich in ein ganz tiefes Loch.....aber irgendwie hole ich mich immer wieder raus..........ich muss stark sein.............nur wenn er mal weint,dann bin ich hilflos,weine mit.....
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Beitragvon Chri51 » 13.08.2017, 16:26

Meines Erachtens steht Dein Thread zu recht und soll es auch bleiben!

Für einige ist es schon hilfreich, zu lesen und zu spüren, dass sie nicht alleine betroffen sind!
Denn alleine fühlt man sich in solchen Lebensphasen... :cry:

Weinen ist ein gutes emotionales Ventil...dafür wurde es ja auch "geschaffen", von wem auch immer!
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Chri51
 
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Beitragvon Babsy4112 » 13.08.2017, 17:23

Lulumanu
ich zitiere Dich mal:
".............nur wenn er mal weint,dann bin ich hilflos,weine mit....."

ER hat das Recht zu weinen,
lass ihn einfach und weine einfach mit,es erleichtert ein wenig.
Viele HIER werden solche und ähnliche Situationen kennen,auch ich.

Das Du das hier nieder schreibst,
wird Dich auch etwas erleichtern,
hast Du genau richtig gemacht.

Schicke Dir und Deinem Mann gute Gedanken
und wünsche Euch ganz viel Kraft.
lg
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Babsy4112
 
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Beitragvon ataata » 19.08.2017, 22:49

Lulumanu,mache Dir keine Gedanken, Du bist nicht alleine hier mit dieser Problematik und Erfahrung.
Ich glaube, jeder Mensch geht mit dieser Diagnose und der Verarbeitung als Patient bzw. Angehöriger anders um. Es ist für beide Seiten eine große Belastung.
Wir hatten trotz Krebs noch drei sehr schöne Jahre, wir lebten und fuhren durch die Gegend.
Ich erfüllte meinem Mann jeden Wunsch und fuhr ihn überall hin, wo er sich instinktiv "verabschieden" wollte. Die Hoffnung "wir schaffen es gemeinsam" gab Kraft.
Ich selbst las viel über Krankheit, Gott und alle Welt, Tot, um das Leben besser zu verstehen, auch das half uns.
Von Herzen wünsche ich Dir/Euch Kraft und Stärke um diese Aufgabe so gut wie möglich zu überstehen. Versucht Euch beiden etwas gutes zu tun - das zählt!
Alles Liebe
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ataata
 
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Beitragvon Alliot » 21.08.2017, 22:14

Hallo Lulumanu,
dass Du Deine Gedanken, Deine Verzweiflung, Deine Furcht hier niedergeschrieben hast, finde ich richtig und, bitte nicht falsch verstehen!
Es tröstet auch mich etwas.
Befinde mich immerhin seit 2008 bereits in einer ähnlichen Situation.
Ja, bei dem Einen dauert das Abschiednehmen etwas länger!
Bei uns wurde jedoch eine andere Diagnose gestellt, die letztendlich zu einer schrittweisen Verschlechterung bestimmter Hirnfunktionalitäten führt.
Wir haben uns beide inzwischen zum Pflegegrad 4 hochgearbeitet.
Es ist für mich jeden Tag aufs Neue erschreckend, wenn ich feststellen muss, dass meine Frau wieder eine gewisse Fähigkeit, die sie gestern noch konnte, am nächsten Tag verloren hat.
Immer wieder muss auch ich selbst gegen Phasen ankämpfen, in denen ich mich völlig leer und ausgebrannt fühle. Und genau in so einer Phase stosse ich auf Deinen Beitrag!
Wenn jemand weiß, wie so eine Situation an den eigenen Kräften zehrt, dann bestimmt auch ich!
Das Schlimmste aus meiner Sicht, ist die Einsicht, dass man nichts mehr für eine Verbesserung beitragen kann. Man kann versuchen, es dem Betroffenen leichter zu machen. Aber achte bitte darauf, dass Du daran nicht selbst zerbrichst!
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Beitragvon wolke16 » 01.10.2017, 13:59

Mein Mann ist Ende März 2014 "erlöst" worden. Sein Sterben war grausam - der Krebs hat ihn aufgefressen. Unser beider Trost: Er war nicht alleine, er war bis zum Schluss daheim. Ich habe in dieser Zeit ausschließlich in der Gegenwart gelebt - kein Gedanke an das Davor und Danach - nur wir beide im Hier und Jetzt.
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wolke16
 
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