Im Chaos der Unordnung versänke man nur dann, wenn gar keine Orientierung mehr da wäre, weswegen irgend eine Art von Ordnung immer existiert (ebenfalls, ohne herrschen zu können). 

Desorientiertheit tritt auch teilweise in momentanen Zuständen (z B nach einer Narkose) auf, sowie bei Demenzerkrankten, auch bei einer schweren Depression oder sonstigen geistigen Behinderungen kommt es für längere Zeit, oder auch nur vorübergehend, zu Zuständen der Orientierungslosigkeit.

Dass immer eine Art von Ordnung existiert, mag um die betroffenen Orientierungslosen herum so erwünscht sein, aber für Jenen der sich im Ausnahmezustand befindet existiert diese Ordnung nicht.

Gewiss ist, dass der Mensch auch bei körperlicher, seelischer und geistiger Gesundheit im persönlichen Chaos versinken kann und dies mehr als dass er es bewusst erlebt oder gar bewältigen könnte, da Solches sich unvermittelt und sehr rasch abspielt.
Denken wir hier mal an die Momente der Unsicherheiten bei Kränkungen und Zurückweisungen, wenn schlagartig das eigens konstruierte Selbstbild ins Wanken gerät, wo danach, meist auch nur vorübergehend, ein inneres Chaos sich breit zu machen droht.
Sind da Freunde, Bekannte und Verwandte die ihm sein Selbstbild zu bestätigen bereit sind, kann sich der Betreffende schnell wieder darin beruhigen, ob dieses jedoch dann dem realen Selbstbild entspricht sei mal dahingestellt.

Das chinesische „Wu-Wei“ des „abwartenden Nicht-Eingreifens in den Fluss der Dinge“ entspricht dabei dem „Hängenden Mann“ im Tarotkartenspiel, der - an einem Fuße baumelnd und mit dem Kopf nach unten hängend - nicht nur der Dinge harrt, die da kommen werden, sondern auch, die da kommen sollen, um wieder aktiv werden zu können, weil er es nicht nur vermutet, sondern weiß, dass diese Dinge auch irgendwann kommen müssen, weil Nichts auf ewig so bleibt, wie es mal war.

Nun, wenn der hängende Mann nicht gerade über dem Fluss mit Kopf unter Wasser hängt, kann er ja baumeln und harren, aber am Strom zu sitzen, zu wissen wes Wesen Wasser ist, und zuzusehen wie das Gewässer anschwillt, und sich nicht davon zu machen, wäre daher nicht der Weisheit letzter Schluss.
Das Untätig bleiben und dem Fluss der Zeit überlassen, was da zu kommen gewünscht wird, ist also nicht in jedem Falle zu empfehlen, ansonsten ...
„Wu-Wei alles vorbei“

Dass man es heute in Europa für selbstverständlich hält, dass Menschenhandel mit Sklaven ein Verbrechen sei, liegt daran, dass man sich mittlerweile dran gewöhnt hat, es so zu sehen, wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass dieses Procedere über Jahrtausende weltweit völlig in der damals gültigen Ordnung war, sodass sich Niemand vorstellen konnte, dass es auch ganz anders sein könne.

Oder nur Wenige gegenwärtig sehen können und auch nicht sehen wollen, was es für einen Sklaven aus dem Osten bedeutet sich saisonweise zu den unwürdigsten Bedingungen einstellen lassen zu müssen.

https://www.widerstand-am-tellerrand.ch/artikel
Desorientiertheit tritt auch teilweise in momentanen Zuständen (z B nach einer Narkose) auf, sowie bei Demenzerkrankten, auch bei einer schweren Depression oder sonstigen geistigen Behinderungen kommt es für längere Zeit, oder auch nur vorübergehend, zu Zuständen der Orientierungslosigkeit.

Eine subjektive, zeitweilige Orientierungslosigkeit bedeutet noch kein allgemeines Chaos, sodass der Behinderte dennoch gewiss sein kann, dass es auch dann eine Gesellschaftsordnung gibt, wenn er selber gerade keine erkennen kann.

Dass immer eine Art von Ordnung existiert, mag um die betroffenen Orientierungslosen herum so erwünscht sein, aber für Jenen der sich im Ausnahmezustand befindet existiert diese Ordnung nicht.

Da auch unbelebte Dinge sich in irgendeinem Verhältnis zueinander befinden - selbst, wenn sie sich nicht bewusst zueinander verhalten können, wie dies bei Lebewesen der Fall ist – kann man schon davon ausgehen, dass es eine Art von Ordnung gibt, nach der die Dinge genau so sein müssen, wie sie gerade sind, weil sie sonst anders wären.

Dass Jemand diese Ordnung nicht erkennen kann, oder nicht anerkennen will, weil sie seinen Idealvorstellungen widerspricht, sodass er sie gern ändern würde, wenn er dazu in der Lage wäre, hat mit dem Vorhandensein dieser Ordnung jedoch Nichts zu tun.

Die gegenteilige Vorstellung von einem allumfassenden Chaos, in welches der Mensch sich eine eigene Ordnung lediglich hineindenkt, oder aus dem er sie sich herausliest, sodass Jeder dabei zu einem anderen Ergebnis kommt, mag zwar reizvoll sein, um jede Form von vorgestellter Ordnung als gleichwertig mit der real existierenden Ordnung bezeichnen zu können, jedoch zeigt sich in der Praxis, dass es doch Vorstellungen gibt, die dem, was auf der Welt vorgeht, ähnlicher sind und damit praktisch verwertbarer, als die, die Nichts oder nur sehr wenig mit dem zu tun haben, was - aus welchem Grund auch immer – auf der Welt passiert.

Das betrifft nicht nur physikalische, sondern auch soziale, sowie ideele Phänomene, an denen sich der Mensch orientiert, um nicht in die Irre zu laufen, sodass er die Orientierung verliert und meint, in einem Chaos gelandet zu sein, wo gar keines ist.

Die Unordnung darin zu sehen, dass die eigenen Lebensumstände, wie man sie erlebt, und so, wie man sie gerne hätte, nicht miteinander übereinstimmen, entspricht lediglich der Bevorzugung einer idealen Ordnung gegenüber einer realen Ordnung, aber noch keinem Chaos, was nur dann kurzfristig eintritt, wenn eine Ordnung in eine andere Ordnung übergeht – wobei auch das niemals in einer „unordentlichen“ Weise sondern immer nur auf systeminhärente Weise vonstatten gehen kann.

Ähnlich ist es mit dem Zustand der „Absurdität“, in dem sich der Existenzialist zu befinden vermeint, nachdem seine übertriebenen Heilserwartungen an seine Mitmenschen von denen enttäuscht wurden, von denen er es am wenigsten erwartet hätte, sodass er sich mutterseelenallein auf der Welt wähnt und sich fortan nicht mehr auf Andere, sondern nur noch auf sich selber bzw. seine eigene Leistungsfähigkeit verlassen mag.

….Gewiss ist, dass der Mensch auch bei körperlicher, seelischer und geistiger Gesundheit im persönlichen Chaos versinken kann und dies mehr als dass er es bewusst erlebt oder gar bewältigen könnte, da Solches sich unvermittelt und sehr rasch abspielt. ….

Der sogenannte Chaot, der sich nicht mehr selber zu helfen vermag, und daher nur noch ein Leben führen kann, welches nicht der allgemein anerkannten Ordnung entspricht, mag Anderen zwar so erscheinen, aber für ihn selber ist das, was er tut, seinen Bedürfnissen nach Ordnung völlig angemessen und damit auch "normal".

….Denken wir hier mal an die Momente der Unsicherheiten bei Kränkungen und Zurückweisungen, wenn schlagartig das eigens konstruierte Selbstbild ins Wanken gerät, wo danach, meist auch nur vorübergehend, ein inneres Chaos sich breit zu machen droht. ….

Das „innere Chaos“ entsteht auch nur solange, wie man dazu braucht, die falschen Vorstellungen von der Welt gegen richtige auszutauschen – ganz gleich, ob sie Einem nun gefallen oder nicht.

So ist Derjenige, der sich mit seiner Situation begnügt, wie sie gerade ist, nicht im „Frieden mit sich selbst“, sondern mit Denen, die von ihm verlangt haben, dass er nicht mehr dagegen ankämpfen soll, denn mit sich selber kann man sich nicht im Krieg befinden oder Frieden schließen, weil man nur eine Person ist, und nicht zwei.

Umgekehrt schließt Derjenige, der die Situation, in der er sich gerade befindet, so zu ändern trachtet, wie man es ihm eingetrichtert hat, um Anderen zu gefallen, ebenfalls Frieden mit ihnen, nachdem er sich bislang beharrlich dagegen gesträubt und sie damit bekämpft hat, und nicht Frieden mit sich selber, indem er einfach das tut, was ihm gefällt – auch dann, wenn er sich damit nur selber schadet, indem er lediglich damit zu beweisen versucht, dass er dazu in der Lage ist.

Die Klugheit besteht darin, solche Selbstschädigungen zu vermeiden, was um so leichter funktioniert, je besser das Weltbild, welches man gerade hat, dazu geeignet ist, zu erkennen, wo die eigenen Irrtümer liegen, sodass man sie nur zu beseitigen braucht, um einen klaren Blick auf die Welt zu erlangen, wie sie gerade ist, und die sich erst dann ändert, wenn sie geändert wurde, oder sich von selber geändert hat.

….Sind da Freunde, Bekannte und Verwandte die ihm sein Selbstbild zu bestätigen bereit sind, kann sich der Betreffende schnell wieder darin beruhigen, ob dieses jedoch dann dem realen Selbstbild entspricht sei mal dahingestellt. ….

Dumme und eitle Freunde, Bekannte und Verwandte, die selber nicht durchblicken, sind meist schlechte Ratgeber – nicht, weil sie nicht wohlwollend wären, sondern weil sie die Orientierungslosigkeit Anderer nur noch vergrößern, anstatt für Klarheit im Kopf des Verwirrten zu sorgen, damit er wieder in der Lage ist, seine jeweilige Situation richtig erkennen zu können, womit seine Identitätskrise ein Ende hat.

Nun, wenn der hängende Mann nicht gerade über dem Fluss mit Kopf unter Wasser hängt, kann er ja baumeln und harren, aber am Strom zu sitzen, zu wissen wes Wesen Wasser ist, und zuzusehen wie das Gewässer anschwillt, und sich nicht davon zu machen, wäre daher nicht der Weisheit letzter Schluss.

Die taoistische Geschichte von Hermann Hesses Fährmann Siddhartha, der solange am Fluss des Lebens sitzt, bis er erkennt, dass er selber ein Teil davon ist, entspricht eher einer Lebenserfahrung als einem Krisenmanagement, wie es das Nicht-Eingreifen in den Lauf der Welt darstellt, wenn Etwas gerade im Begriff ist, sich auch von ganz alleine zum Besten zu entwickeln.

Konfuzius sagte daher auch: „Bekämpfe deine Feinde nicht, sondern warte lieber so lange am Fluss des Lebens ab, bis deine Feinde von selber tot an dir vorbeischwimmen!“

…..Das Untätig bleiben und dem Fluss der Zeit überlassen, was da zu kommen gewünscht wird, ist also nicht in jedem Falle zu empfehlen, ansonsten ...
„Wu-Wei alles vorbei“ ….


Das betrifft nur die Fälle, an denen das „nach Verbesserung strebende Handeln“ besser gewesen wäre, als ein „sich nach Verbesserung sehnendes (hoffendes) Ausharren“, wobei es auch hier immer auf die Macht ankommt, die man tatsächlich hat, und nicht auf die, die man gerne hätte, um die Dinge so zu ändern oder beizubehalten, wie es Einem gerade gefällt.

….Oder nur Wenige gegenwärtig sehen können und auch nicht sehen wollen, was es für einen Sklaven aus dem Osten bedeutet sich saisonweise zu den unwürdigsten Bedingungen einstellen lassen zu müssen.

https://www.widerstand-am-tellerrand.ch/artikel ….


Auch hier ist jedem die Jacke näher als die Hose, und die Würde, die man sich bei dem Einen erworben hat, bei einem Anderen nichts wert.

In dem Falle muss man selber davor sorgen, dass man nicht um den gleichwertigen Lohn, der Einem für seine geleistete Arbeit zusteht, betrogen wird, denn die Würde ist zwar unantastbar, aber der Würdige selber leider nicht.

Irgendwelche Bedenken davor zu haben, dieses auch notfalls mit Gewalt durchzusetzen, sofern man über die dafür nötige Macht verfügt - nur, weil laut Bibel die Notwehr des Dieners gegen den willkürlichen Machtmissbrauch seines Herren verboten ist – , käme hingegen einer völlig unnötigen Selbstschädigung und damit auch einer Selbstentmachtung gleich, die man sich z.B. als Gesetzgeber gar nicht leisten kann.

>> Ähnlich ist es mit dem Zustand der „Absurdität“, in dem sich der Existenzialist zu befinden vermeint, nachdem seine übertriebenen Heilserwartungen an seine Mitmenschen von denen enttäuscht wurden, von denen er es am wenigsten erwartet hätte, sodass er sich mutterseelenallein auf der Welt wähnt und sich fortan nicht mehr auf Andere, sondern nur noch auf sich selber bzw. seine eigene Leistungsfähigkeit verlassen mag. <<



Jemand, der den Existenzialismus von vornherein ablehnt, weil er spürt, dass er, wenn er sich tatsächlich darauf einließe, für sein Empfinden zu sehr auf sich selbst zurück geworfen sein würde - also sich auf sich selbst verlassen müsste -, was ihm große Angst bereitet, bleibt wohl nur die Wahl, diesen verächtlich zu machen. Das fällt ihm umso leichter, je mehr er seinem Drang, alles wortwörtlich zu nehmen, nachgibt, zum Beispiel den Begriff "absurd". Er zerrt sämtliche Gemeinplätze hervor, die ihm dazu einfallen mögen, wie "abwegig, grotesk, irrwitzig, ohne Sinn und Verstand"... usw.

Und er hat recht! Ja genau das bedeutet "absurd" im allgemeinen Sprachgebrauch. Aber hier geht es nicht um den allgemeinen Sprachgebrauch. Hier geht es um die Philosophie! Genauer, um den  Existenzialismus nach Albert Camus! Und wer sich ernsthaft mit der Philosophie dieser Existenzialismus -Richtung beschäftigt, wird dem Begriff "absurd" nicht mehr mit dem allgemeinen Sprachgebrauch gleichsetzen müssen.

Wer er es trotzdem tut, will nur verunglimpfen.
Vermutlich weil sich, wie schon erwähnt, zu große Befürchtungen damit für ihn selbst verknüpfen.

Natürlich kann es beängstigend sein, sich auch nur annähernd vorzustellen, im Grunde ziemlich allein auf weiter Flur mit der eigenen,  subjektiven Wirklichkeit zu sein. Alles in ihm sträubt sich dagegen. All seine Illusionen von der so genannten "Objektivität" zu verlieren,  mag tatsächlich umso erschreckender für ihn sein, je stärker sein selbstgerechter  Wahn, in einer allgemeinverbindlichen, also  objektiven  Wirklichkeit zu existieren, ausgeprägt sein mag.

"Heilserwartungen" ist in diesem Zusammenhang ein sehr verräterischer Begriff - da dieser letztlich nicht etwa den Adressaten, sondern ganz im Gegenteil: den Absender entlarvt, als jemand, der ein starkes Bedürfnis von sich abgespalten und auf jene projiziert hat, die er nun vermeintlich ohne Schaden für sich selbst der Lächerlichkeit preisgeben kann.

Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob sich jemand gegen seinen Willen in einer menschenleeren Wüste wiederfindet, weil er sich von allen verlassen fühlt... Oder ob jemand bewusst diesen Ort aufsucht, um eine von ihm selbst als zwingend notwendig erkannte existenzielle Erfahrung zu machen. 

Wer authentisch, mit sich im Reinen und selbstverantwortlich (geworden) ist, ist stark genug dafür, sich selbst und seine Wirklichkeit mit all  ihren in Erscheinung tretenden existenziellen Widersprüchlichkeiten auszuhalten. 

"Heilserwartungen" spielen dagegen nur für denjenigen eine Rolle, der sich anmaßt, dass ihm,  im Gegensatz zu anderen, "Heilung" zusteht. Andere wissen, dass es keinen Idealzustand gibt, den man anstreben könnte, um sich "heil" zu fühlen. - Ich zumindest bin die, die ich bin - und so wie ich bin (sowieso) "heil"! Das kann natürlich nur jede:r für sich selbst beurteilen.





Noch mal zur ethischen Seite des Existenzialismus als dem, was man tun sollte, wenn man es denn tun kann:

Dessen Kernsätze lauten bekanntlich: „L'homme est libre!“ (der Mensch ist frei) und infolgedessen „Il est responsable pour soi même!“ (er ist verantwortlich für sich selber!).

Mit Freiheit (frei wovon?) ist hier allerdings nicht nur die „Herrrschaftsbefreitheit“ gemeint, die der Mensch sich erst erkämpfen muss, nachdem er unfrei geboren wurde, sodass er erst dann gleichberechtigt ist, nachdem er sich von der Vorherrschaft durch Stärkere befreit hat, sondern die „Herrschaftsfreiheit“, die er braucht, um seinerseits nach Gutdünken über Andere herrschen und damit nicht nur sein eigenes, sondern auch das Schicksal der von ihm Abhängigen selber gestalten zu können.

Erst dann kann man ihm nämlich auch als Auftraggeber alleine die Ursache seines Handelns zuschreiben und ihn, - falls man als Regent noch stärker ist, als er - für seine eigenen Taten und für die seiner Beauftragten mit zur Verantwortung ziehen, (oder ihn wahlweise auch laufen lassen, falls man ihm für ein Bestechungsgeschenk noch einen Gefallen schuldig ist, und statt seiner nur seinen Handlanger belangen) – frei nach der macchiavellischen Empfehlung für Herrschende: „Die Kleinen hänge man, aber die Großen lasse man laufen!“

Ansonsten ist das Maß der „Freiheit, tun zu können, was man will“, immer davon abhängig, was man TUN KANN, und das der „Freiheit, denken zu können, was man will“ immer von dem abhängig, was man sich VORSTELLEN KANN, wobei der „Wille zur Macht“ alleine - zum Verdruss aller zu kurz Gekommenen oder Benachteiligten - nur einen unwesentlichen Teil davon ausmacht, denn man kann zwar Alles wollen, was man sich vorstellen kann, aber deshalb noch lange nicht Alles tun, was man tun will.

Die geistige Freiheit, zu denken, was man will, mag zwar ein wichtiges Ziel sein, um sich von verinnerlichten Doktrinen in Bezug auf einen „Vater im Himmel“ zu befreien, nachdem man erkannt hat, dass es den nur in der Einbildung gibt, jedoch kann man sich damit alleine noch nicht zugleich von der Herrschaft der real existierenden „Landesväter auf Erden“ befreien, ohne die dafür nötige Macht zu besitzen, um sich derer auch real zu entziehen – selbst dann nicht, wenn man die Anerkenntnis dieser Tatsache geistig noch so sehr verdrängen mag.

Weiter zum Thema der Verantwortung der eigenen Taten gegenüber Denen, die Einen auch gegen den eigenen Willen zur Verantwortung ziehen können, weil sie die Macht dazu haben:

Hier sagt Sartre - im Gegensatz zu den Nihilisten, die jede Verpflichtung und auch jede Verantwortung für ihre Taten ablehnen, indem sie behaupten, es gäbe sie gar nicht - , dass der Mensch schon verantwortlich sei, und zwar FÜR sich selber („pour soi même“), bzw. für seine eigenen Taten.

Diese Verantwortlichkeit kann er jedoch nicht gegenüber sich selber, („envers soi même) haben, oder gegenüber seinem toten Vater im Himmel, dessen kategorischer Imperativ ihm immer noch im Ohr nachklingt, sondern nur gegenüber seinen ganz real existierenden, noch lebenden Herrschern auf Erden, die ihn als ihren Diener jederzeit für seine Taten zur Verantwortung ziehen können.

Ähnlich, wie bei der Erklärung der Menschenrechte ist jedoch eine Gleichberechtigung, mit der auch umgekehrt ein Diener seinen Herrn zur Verantwortung ziehen können sollte, nur eine sittliche Idealvorstellung, deren „Umsetzung in ein allgemein verbindliches Rechtssystem“ bis heute zwar von eben diesen Dienern gefordert wird, aber bisher nur zu einem geringen Teil auch in die Realität umgesetzt worden ist.

Der Ursache dafür liegt wiederum ausschließlich bei den jeweils Herrschenden, die das zwar bewirken könnten, jedoch vor Allem ihren eigenen machtpolitischen Vorteil im Auge haben, welcher leider auf der Unfreiheit Anderer beruht, und um den sie sich selber beraubten, wenn sie darauf verzichten würden, um alle Menschen tatsächlich gleichberechtigt und damit herrschaftsbefreit miteinander leben zu lassen.

Auf das „gute, nachbarschaftliche Verhältnis der Menschen zueinander“ bezogen, führt der ebenfalls existenzialistische Satz: „Il faut cultiver son jardin!“ (welcher sinngemäß bedeutet, dass sich jeder um seine eigenen Angelegenheiten kümmern sollte, anstatt sich in die Angelegenheiten Anderer einzumischen) zu einem Rückzug in die eigenen vier Wände, wo man dann irgendwann gar nicht mehr beurteilen kann, in welchem Verhältnis man eigentlich zu seinen ja dennoch weiterhin real existierenden Nachbarn steht.

Dort macht sich mit der zunehmenden Entfremdung von der sozialen Realität auch die melancholische Vorstellung von der Einsamkeit in einer sozialen Wüste breit, wo keine Hilfe zu erwarten sei, was zwar ab und zu ganz angenehm sein mag, um sich zu beweisen, dass man auch eine Weile lang ohne Andere leben kann, wobei das den Einsiedler jedoch auf Dauer zunehmend unfähiger macht, die soziale Realität noch von der Vorstellung unterscheiden zu können, die er sich in der Einsamkeit darüber zurechtgeschnitzt hat.

Auf internationaler Ebene führt das Ignorieren der Realität zur Isolation eines Staates in der Staatengemeinschaft und zur tatsächlichen Ausgrenzung aus derselben, sodass er der Willkür Stärkerer genauso ausgeliefert ist, wie ein einzelner Mensch, der meint, er käme ohne die Gemeinschaft klar.

So kostet der Schutz, den der Einzelne in der Gemeinschaft erfährt, auch immer ein Stück seiner Freiheit, sofern er nicht gerade deren Anführer ist, und selber über das Maß seiner Freiheit und damit auch über seinen „Schutz vor der Willkür Stärkerer“ bestimmen kann, die es ja nicht mehr gibt, nachdem er sie im Kampf um die Alleinherrschaft besiegt hat.

Es hängt also immer maßgeblich von der real existierenden Machtfülle ab, und nicht von der vorgestellten, ob sich Jemand dem Zwang Stärkerer beugen muss - wozu auch die soziale Anpassung an Gruppenzwänge gehört - , oder ob er es selber schafft, die Herrschaft zu ergreifen und sich auf diese Weise von der Herrschaft Anderer zu befreien, um seinerseits über sie herrschen zu können.

Bleiben wir doch noch bei dem anscheinend immer noch nicht wirklich verstandenen, von Camus geprägten Begriff der Absurdidät. Ich hatte es schon des Öfteren erklärt - aber für den, der sich dagegen sperrt, bleibt es natürlich nicht haften. Ich insistiere allerdings darauf, weil ich es für existenziell wichtig erachte:

Die Vorstellung von sich selbst - das Selbstbild - ist Bestandteil des reflexiven Bewusstseins, das jedoch das nichtreflexive Bewusstsein voraussetzt: Zunächst lese ich und nehme die gelesenen Inhalte auf, bevor ich mich davon distanzieren und mir bewusst machen kann, dass ich lese und die Inhalte aufnehme. Die Selbstbeobachtung ist immer eingebettet in die Wahrnehmung der Dinge. Der Mensch gleicht die Inhalte seiner Wahrnehmungen und die Inhalte und Deutungen (Bewertungen) seiner Selbstbeobachtungen stets anhand der Phänomene seiner Sinneseindrücke und Gefühle ab, dem was ihn mit der Welt unmittelbar verbindet, was er für wirklich hält.

Natürlich muss jetzt "Der Andere" ins Spiel kommen, in dessen Blick mein wandelbares Selbst sich augenblicklich manifestiert: Nun muss ich hinnehmen, ein "Du" zu sein, mit dem ich mich nicht wirklich identifizieren kann. Ich bin nun ein "Etwas"... Sartre nennt es die "Außenseite" des "Für Sich". Was vorher für mich selbst frei flottierender Bestandteil meines Bewusstseins war, nicht festgelegt auf ein Etwas (und in diesem Sinne ein "Nichts"!), ist für den Anderen jedoch unwandelbarer Bestandteil meines "An Sich" geworden: Dinghaft! Das wünschen wir uns nicht, wir schämen uns sogar dafür und hoffen, dass das nicht wirklich so ist – oder bleibt – vergeblich.

Und zugleich brauchen wir den Anderen, weil wir uns sonst im Nicht-Etwas-Sein unseres Bewusstseins verlieren und nur Leere spüren würden. Dieses Spannungsfeld zwischen dem Nichts (als Bodenlosigkeit unserer Freiheit) und der Verdinglichung unseres Seins nannte Camus "absurd" und Sartre "paradox". Und doch ist es der beste Zustand, in dem wir als Menschen existieren können, nämlich im notwendig steten Widerstand gegen Leere und Sinnlosigkeit und Tod – und den Manifestationen unseres Selbst im Blick des Anderen. Das wird uns aufgezwungen, aber nehmen wir es auf uns, macht es uns wiederum frei. (Camus: "Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.")




Verdandi du schreibst:

Voraussetzung sei das reflexive ("auf sich bezogene") und das nicht reflexive Bewusstsein.
Soweit noch nachvollziehbar, aber weshalb müsste hingenommen werden das "Du" zu sein?
Wir können doch geistig nachvollziehen wie es für ein "Du" ist, sein könnte, ohne uns von unserem eigenen Selbst(sein)bild lösen zu müssen.

Man werde im Blick des Anderen also ein "Du", was aber noch nicht bedeuten muss, dass ich deshalb zu einem "Ding" werde oder gar zu einem "Nichts".
In der bewussten Aufmerksamkeit, in der Zuwendung zum Anderen muss das "Ich" sich daher nicht im "Du-Sein" des Anderen in ein "Nichts" auflösen.
Wie könnte er denn sonst im "Du-Sein" des Anderen bestehen?

Die Selbstbeobachtung ist immer eingebettet in die Wahrnehmung der Dinge. Der Mensch gleicht die Inhalte seiner Wahrnehmungen und die Inhalte und Deutungen (Bewertungen) seiner Selbstbeobachtungen stets anhand der Phänomene seiner Sinneseindrücke und Gefühle ab, dem was
ihn mit der Welt unmittelbar verbindet, was er für wirklich hält.


Ich bezweifle das Immer und das Stets. 
Das würde bedeuten, dass man sein Handeln, Empfinden und Fühlen andauernd selbst kontrolliert.
Kann man das wirklich?
Damit wäre der Mensch schlichtweg überfordert.
Ich meine, dass der Mensch auch oft "ausser sich" und auf Etwas oder Jemanden, im Unguten für sich selbst, fixiert ist, - gerade in der gegenwärtigen Zeit - sodass diese Abgleichung eben nicht lückenlos und immer stattfindet und es ist daher umso wichtiger sich auch vom "Du" und der Aussenwelt in einem gesunden Masse abgrenzen zu können.
Keine Überforderung, sondern Gesetz der Natur. Denn alles was der Mensch tut, muss vorher durch den Kopf.
Selbst Gefühle (innerlich) wie Sinneswahrnehmung (aeusserlich) nehmen wir nur wahr, registrieren sie weil eine Reizweiterleitung ins Gehirn erfolgt. 8) :mrgreen:

@ Mehusae 

Die Unwandelbarkeit im Blick des Anderen macht mich zu einem Ding - anders ausgedrückt: zu etwas Bestimmbaren und nach Bewertung durch ihn zu etwas ganz  Bestimmten. In meinen eigenen Vorstellungen habe ich diese manifesten Eigenschaften nicht, sondern verfüge über die Möglichkeit, mich stets neu zu definieren. Ein Außenstehender aber ist nicht ich (Verdandi) und kennt dieses Gefühl, ich (Verdandi)  zu sein - mit offenen Grenzen, die sich jederzeit verschieben lassen, nicht.

Er aber muss mich erfassen können und kann das nur auf die Weise, seinen Vorstellung von mir in eine feste Form zu gießen, auf die er dann immer Zugriff hat. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der einem nur deswegen ungeheuerlich erscheint, wenn man sich diesen in letzter Konsequenz bewusst macht - und zwar als Betroffener. 

Hast Du noch nie die Erfahrung gemacht, von einem Menschen, der Dich einst sehr gut zu kennen schien, schon vor langer Zeit in eine Schublade gesteckt worden zu sein, aus der Du - was seine Wahrnehmungen von Dir betrifft - nicht mehr herauskommst, weil er sich offenbar schon lange diesbezüglich selbst nicht mehr hinterfragt, ... obwohl Du Dich entsprechend Deiner Selbstwahrnehmung längst weiter entwickelt hast?

Ein aufmerksam Bleibender kennt diese Gefahr und bemüht sich zumindest darum, den anderen immer wieder mit einem unverbrauchten Blick neu zu betrachten und zu erfassen, ohne sich darüber zu erschrecken, dass alles im Fluss ist!

Nur eine solche Haltung, also stets mit Veränderungen zu rechnen, beinhaltet auch die Chance, inniges Vertrauen stets erneuern zu können.

Das "stets" in diesem wie auch in dem Zusammenhang, den Du bezweifelt hast (der Abgleich der eigenen Wahrnehmungen und Deutungen dieser mit den eigenen Sinneseindrücken und Gefühlen), bezieht sich nur auf den Antrieb und das Bemühen - keineswegs auf einen wie auch imner vorgeblich und fälschlicherweise legitimierten Anspruch, dass das Ergebnis "objektiv" im Sinne von "für alle Personen und Zeiten richtig" sein müsse. Es gibt dabei also kein allgemein anerkanntes Ziel, sonden nur den jeweiligen Grad der eigenen Fähigkeit, den anderen möglichst so zu erfassen, dass sich mir, dem Außenstehenden, ein möglichst realitätsnahes Bild von ihm ergibt. Aber das kann immer nur der Blick von außen und das Ergebnis (die Einordnung und Bewertung nach dem eigenen System) kann immer nur eine subjektiv gefärbte Momentaufnahme - also statisch sein.

Ich schrieb übrigens von einem Nichts "in diesem Sinne", was lediglich darauf abstellt,  dass das, was der andere von mir "fest"zustellen glaubt, in der eigenen Wahrnehmung nichts Festes (Unveränderliches) ist!

Wenn ich von Scham sprach, meinte ich den Moment, in dem ich (Verdandi)  erkennen muss, dass ich in der Wahrnehmung des anderen (Mehusae) zu einem bestimmten Etwas (Ding) erstarrt bin - dem Ergebnis Deiner Momentaufnahme von mir unter ganz bestimmten Konstellationen, die sich aber in Wirklichkeit ständig weiter verändert haben und verändern werden.  

Du hast vielleicht eine für mich ungünstige Konstellation zum Anlass genommen, Dir ein bestimmtes Bild von mir zu machen und in Zukunft daran festzuhalten. Und obwohl ich genau weiß, dass ich damit keineswegs identisch bin und Du gar kein Recht hast, mich darauf zu reduzieren, zumal für alle Zeiten, bin ich auf gewisse Weise dennoch diesem Zerrbild von mir in Deinem Blick ausgeliefert - und das lässt mich Scham empfinden. 

Schlimm ist das natürlich nicht bei einander relativ Fremden und persönlich Unbekannten,  wie bei uns beiden, sondern bei schon sehr lange und gut bekannten und eigentlich sehr vertraut sein sollenden Menschen, wie bei sehr engen Freunden, bei einem (vielleicht schon alten) Ehepaar - oder gar bei Eltern und ihren Kindern. 








@ mehusae

….Wir können doch geistig nachvollziehen wie es für ein "Du" ist, sein könnte, ohne uns von unserem eigenen Selbst(sein)bild lösen zu müssen. ….

Wir können uns von unserem Selbstbild (was wir von uns selber haben) genauso wenig lösen, wie von unserem Fremdbild (was wir von jemand Anderem haben) und auch nicht von dem Idealbild (was wir von dem haben, was wir für ideal halten), weil man sich ohne diese drei Bilder gar nicht im sozialen Raume orientieren kann.

Das relationale Verhältnis, in der sich der Betrachtende zum Betrachteten befindet, bedingt es jedoch, dass seine Sichtweise auf das zu Betrachtende, was er als solches erkennen will - wie in diesem Falle die zu betrachtende und zu bewertende Person und deren Lebenssituation - auf das beschränkt bleibt, was er aus seiner Sicht zu erkennen vermag – ganz gleich, wie er sich auch immer anstrengen mag, um das zu vermeiden.

Das Resultat seiner Erkenntnis als geistiges Abbild vom Erkannten kann richtig sein, indem es mit dem zu erkennenden Teilaspekt der gesamten Realität übereinstimmt, oder aber falsch, weil es verschieden davon ist.

Das heißt, wenn Jemand einen Mann mit einer hohen, weißen Mütze vorbeigehen sieht, und weiß, dass diese Mütze nur Bäcker tragen, um damit zum Ausdruck zu bringen, welchen Beruf sie ausüben, muss er daraus folgern, dass es sich dabei um einen Bäcker handelt.

Wenn er sich jedoch nur verkleidet hat, um den Anschein eines Beckers zu erzeugen, dann trügt nicht der Schein, und auch nicht Derjenige, der auf den Betrug reingefallen ist, sondern Derjenige, der den Schein zum Zwecke der Täuschung erzeugt hat.

Das Wissen darüber, dass Bäcker hohe weiße Mützen tragen, wird dabei als hilfreiches Vorurteil benutzt, um nicht erst lange prüfen zu müssen, was denn die Mütze zu bedeuten hat, sodass man intuitiv zu dieser Vorstellung als geistigem Abbild der Realität gelangt, sofern es sich dabei um einen echten Bäcker handelt, und ebenso intuitiv zu einem falschen Abbild davon, wenn es keiner ist.

Die richtige oder falsche Vorstellung davon, hat jedoch Nichts damit zu tun ob es überhaupt ein Bäcker ist, oder nicht, und man macht damit auch noch Niemanden zu einem Bäcker - nur, indem man ihn für einen solchen hält.

…..Man werde im Blick des Anderen also ein "Du", was aber noch nicht bedeuten muss, dass ich deshalb zu einem "Ding" werde oder gar zu einem "Nichts". ….

Man wird nicht erst deshalb ein Du für einen Anderen, weil man gerade von ihm erblickt wird, sondern man ist es immer – ganz gleich, ob der Andere das nun (an-)erkennen mag oder nicht, weil das „Du“ eben das Personalpronomen für den jeweils Anderen ist, und das „Ich“ das Personalpronomen für Einen selber.

Es bedarf also lediglich der Fähigkeit des geistigen Perspektivenwechsels, um zu erkennen, dass man für den Anderen selber ein Anderer ist, während gleichzeitig Alle korrekterweise davon ausgehen, dass sie es selber seien, den sie im Spiegel sehen – auch, wenn dort ein seitenverkehrtes Spiegelbild von ihnen zu sehen ist, was Manchen vielleicht absurd erscheinen mag, aber leicht durch die Reflexions-Prinzipien erklärbar ist.

Was die objekthafte Betrachtungsweise, die sich auf die Konsistenz des Betrachteten bezieht, so kann man sich anhand verschiedener Testverfahren davon vergewissern, dass es sich dabei nicht um eine Luftspiegelung oder ein Hirngespinst handelt, sondern um einen realen Gegenstand.

Ebenso kann man unterscheiden, ob der Gegenstand oder das filosofische „Ding“ lebendig ist, und damit als Person zu betrachten ist, oder aber ob es sich dabei um einen leblosen Gegenstand handelt, von dem keine willentlich oder versehentlich hervorgebrachten Wirkungen ausgehen können, sodass er allenfalls die Ursache von Etwas sein, oder aber von einem Lebewesen als Mittel zum Zweck benutzt worden sein kann, um eine von ihm selbst bestimmte Wirkung hervorzurufen.

In der Bedeutung für Jemanden kann ein Anderer natürlich noch weniger wert sein, als ein lebloser Gegenstand, und seine Leistungsfähigkeit sogar Garnichts, wenn der Betreffende ihrer gar nicht bedarf, oder aber auch nur meint, ihrer nicht zu bedürfen, weil er etwas viel Besseres in petto hat, oder aber weil er meint, er könne viel mehr Leistung verlangen für den Lohn, den er als Entgelt dafür zu zahlen bereit ist.

…..In der bewussten Aufmerksamkeit, in der Zuwendung zum Anderen muss das "Ich" sich daher nicht im "Du-Sein" des Anderen in ein "Nichts" auflösen.
Wie könnte er denn sonst im "Du-Sein" des Anderen bestehen? …..


Es ist das Fremdbild, was der Andere von Einem selber hat, und welches sich dann kurzfristig in ein Nichts auflöst, um durch ein neues, realistischeres ersetzt zu werden, wenn sich sein altes als falsch und damit unbrauchbar herausgestellt hat.

Das kann aufgrund einer enttäuschten Erwartung geschehen, durch die man den vorher als einen heilsamen Freund Betrachteten plötzlich in einem anderen Licht sieht, bei dem er als unheilbringender Feind erscheint, oder aber durch Entfremdung, bei man immer noch von dem Zustand ausgeht, in dem sich der Andere früher einmal befunden hat, aber jetzt nicht mehr.

Damit wird er zwar „anders als vorher“, aber noch nicht „zu einem Anderen“, sondern bleibt damit immer noch er selbst.

So wird auch klar, wieso man manchmal mit 60 die Vorstellung hat, körperlich immer noch so fit wie mit 30 zu sein, oder umgekehrt mit 30 schon so alt und erschöpft zu sein, wie Andere mit 60 oder gar mit 90, denn die Vorstellung von einer Sache ist eben nicht die Sache selber, sondern nur ein geistiges Abbild davon, was mehr oder weniger Ähnlichkeit mit dem hat, was sie gerade tatsächlich ist.

Hierbei stellt die von animistischen oder spiritistischen Sichtweisen geprägte Sprache ein enormes Hindernis dar, um zu einer passenden Beschreibung der Welt zu gelangen, die möglichst genau dem entspricht, was man ohne diese Verblendung zu sehen bekommt, weil die Begriffe nicht nur zur Beschreibung des Teils der Welt dient, die Einem zugänglich ist, sondern auch als Brille oder Raster, wodurch es überhaupt erst möglich wird, die eigene Situation als solche zu erkennen.

….Das würde bedeuten, dass man sein Handeln, Empfinden und Fühlen andauernd selbst kontrolliert.
Kann man das wirklich?
Damit wäre der Mensch schlichtweg überfordert. …..


Das buddhistische Gebot der Achtsamkeit kann in der Tat zu einer zwanghaft ritualisierten Lebensweise führen, wie sie in Klöstern üblich ist, bei der der Realitätsbezug genauso verloren geht, wie das in der Wüsteneinsamkeit oder im Isolationstank der Fall ist, wo der Mensch (und nicht etwa nur sein Gehirn) aufgrund der Reizdeprivation unweigerlich zu halluzinieren beginnt.

Kontrollierte meditative Übungen sind jedoch nicht dazu da, um zu erkennen, wie die Welt tatsächlich beschaffen ist, sondern um sich den Prozess des bewertenden Erkennens selber bewusst zu machen, ohne den jede Orientierung in Zeit und Raum unmöglich ist.

Insofern handelt auch jeder Traum von Themen, die dem Träumenden wichtig sind, sodass er sich anschließend im Wachzustand Klarheit darüber verschaffen kann, sofern er sich dessen nicht bereits schon vorher bewusst ist.

Da man nicht Alles bewusst steuern kann, weil man damit genauso überfordert wäre, wie bei einer Reizüberflutung, gegen die man sich nicht abschirmen kann, verdrängt man automatisch das, was man schon weiß, aus dem Fokus seiner Aufmerksamkeit, sobald man es auch unbewusst richtig machen kann, um sich statt dessen auf das Neue zu konzentrieren, wozu man noch keine Vorgehensweisen entwickelt hat, mit denen man unter den jeweiligen Umständen erfolgreich ist.

….Ich meine, dass der Mensch auch oft "ausser sich" und auf Etwas oder Jemanden, im Unguten für sich selbst, fixiert ist, - gerade in der gegenwärtigen Zeit - sodass diese Abgleichung eben nicht lückenlos und immer stattfindet und es ist daher umso wichtiger sich auch vom "Du" und der Aussenwelt in einem gesunden Masse abgrenzen zu können.....

In der Ethik geht es vorwiegend darum, wie man sich gegenüber seinen Mitmenschen verhalten sollte, und nicht gegenüber sich selber, was ja gar nicht möglich ist, weil man selber nur eine Person ist, und nicht zwei.

Also betrifft der achtsame Umgang lediglich die eigenen Ressourcen und nicht Einen selbst.

Die Ressourcen betreffen sowohl die eigenen, selber steuerbaren Verhaltensweisen gegenüber Anderen, sowie auch die eigenen Einstellungen, die auf Idealvorstellungen davon beruhen, wie man miteinander umgehen sollte, um weder sich selber noch seine Mitmenschen auf unverhältnismäßige Weise zu schädigen, während man seine eigenen Bedürfnisse befriedigt, oder sie sich von Anderen befriedigen lässt.

Bei der Angemessenheit spielt das "Prinzip der Igel im Winter" eine große Rolle, die sich gegenseitig stechen, wenn sie einander zu nahe kommen, und die erfrieren, wenn sie zu sehr voneinander Abstand halten.

Das für Einen selber Gute oder Schlechte muss in dem Zusammenhang auch genauso wenig gut oder schlecht für Andere sein, wie das Gute oder Schlechte, was man Anderen antut, auch nicht unbedingt mit Gutem oder Schlechten vergolten werden muss – auch wenn der Schluss naheliegt, denn man kann Niemanden dazu zwingen, Etwas an Jemandem zu lieben, was ihm gar nicht liebenswert erscheint, oder Etwas zu hassen, was er eigentlich liebt.
Nordischer hat geschrieben: Keine Überforderung, sondern Gesetz der Natur. Denn alles was der Mensch tut, muss vorher durch den Kopf.
Selbst Gefühle (innerlich) wie Sinneswahrnehmung (aeusserlich) nehmen wir nur wahr, registrieren sie weil eine Reizweiterleitung ins Gehirn erfolgt. 8) :mrgreen:



...deshalb ist der Kopf auch dem männlich- linkshirnig- denkenden Bereich zugeordnet....der glaubt, alles manipulieren, kontrollieren und einsortieren zu könnnen..., dabei gelingt ihm das nur zu einem geringen Prozentsatz... :wink:
@Verdandi
Hast Du noch nie die Erfahrung gemacht, von einem Menschen, der Dich einst sehr gut zu kennen schien, schon vor langer Zeit in eine Schublade gesteckt worden zu sein, aus der Du - was seine Wahrnehmungen von Dir betrifft - nicht mehr herauskommst, weil er sich offenbar schon lange diesbezüglich selbst nicht mehr hinterfragt, ... obwohl Du Dich entsprechend Deiner Selbstwahrnehmung längst weiter entwickelt hast?

Natürlich kenne ich diese Erfahrung auch, doch weshalb sollte ICH mich schämen für das Unvermögen eines Anderen der nicht fähig ist, nicht den Mut aufbringt, mich annähernd so einzuschätzen und mich so zu spiegeln, wie ich eben zu diesem Moment hin geworden bin?
Ich bin entrüstet und erkenne es eher als fahrlässige Bequemlichkeit, Oberflächlichkeit mich in diesem Augenblick nicht in Achtsamkeit erkennen zu wollen (erkennen zu können).

Es ist doch SEINE Sicht auf mich, die in dem von dir genannten Beispiel SEIN manifestiertes Bild von MIR nicht mehr der Wirklichkeit meines so Geworden-Seins korrigieren will/ kann, wobei das Annehmen von Veränderungen – sei dies im Guten wie im Schlechten - erforderlich wäre, um weiterhin eine aufeinander abgestimmte Kommunikation, vertrauenserhaltende und vertrauensbildende Beziehung pflegen und, um da wo nötig, Hilfe zur Selbsthilfe bieten und empfangen zu können.
@filofaxi

Wir können uns von unserem Selbstbild (was wir von uns selber haben) genauso wenig lösen, wie von unserem Fremdbild (was wir von jemand Anderem haben) und auch nicht von dem Idealbild (was wir von dem haben, was wir für ideal halten), weil man sich ohne diese drei Bilder gar nicht im sozialen Raume orientieren kann.

Dennoch kann man vor und während grossen Lebenskrisen am eigens entworfenen Selbstbild zweifeln und müssten es neu überdenken.
Da sich das Selbstbild aus verschiedenen Dimensionen zusammensetzt, denke ich, dass „dies Haus der Dimensionen“ in Lebenskrisen doch ziemlich durchgerüttelt werden kann.

Gut ist, wenn bis zum letzten Moment unseres Lebens zumindest eine der Fähigkeiten, wie die des sprachlichen oder schriftlichen Mitteilens, der Gestik und oder der Mimik zum gegenseitigen Verständnis geblieben ist.
Ob Diese dann richtig gedeutet werden, gewollt oder auch ungewollt der Realität entsprechen, sei mal dahingestellt.
Sicherlich setzt es eine gewisse Bereitschaft voraus, sich unerschrocken, vielleicht sogar gelassen, so sehen und zeigen zu wollen wie man auch tatsächlich und wirklich geworden ist.

@ Mehusae (16:07h)

Du "sollst" Dich ja gar nicht schämen!

Ich sprach von mir und meiner Erfahrung - bei dem Versuch, Sartres Philosophie in dem Punkt zu verstehen, wenn er davon spricht, wie es ist, sich vom anderen erblickt zu sehen. 

Im Übrigen ist Scham ein Gefühl, das nicht nach Berechtigung und Legitimation fragt. Es lässt sich nicht rationalisieren - genausowenig wie andere starke Gefühle, wie zum Beispiel Liebe und Hass. 

Ich kann Dir über diese grundlegenden Feststellungen hinaus aber gern etwas genauer  erklären, was ich gemeint habe:

In dem von mir eröffneten Thread "Lügen, um sich selbst zu erklären?" hatte ich ein Dilemma thematisiert, dass auch hier eine Rolle spielt: 

Nie weiß ich zu einem bestimmten Zeitpunkt alles über mich selbst. Mein Selbstbild ist ein Konglomerat aus natürlich subjektiven Selbstwahrnehmungen und zum Teil rationalisierten Gefühlen, deren eigentliche Ursachen mir jedoch oft im Unbewussten verborgen sind. Aber da mein Selbstbild dynamisch und wandelbar ist, habe ich meist kein Problem damit, es laufend  veränderten Umständen und Einsichten anzupassen.

Für eine andere Person, die mich wahrnimmt, ist es anders: Ihr Bild von mir kann immer nur das statische Ergebnis der Bewertung einer Momentaufnahme sein, die sich nicht fast unmerklich von selbst anpasst (wie mein Selbstbild), sondern immer wieder verworfen und neu gefasst werden muss. - Es ist so, als wenn ich mit einer Videokamera einen nie abreißenden Film von meinem Leben mache, unterdessen der andere nur gelegentlich ein Standfoto von mir und meinem Leben machen kann. Und vielleicht verzichtet er sogar irgenwann darauf, weil er meint, mich durch und durch zu kennen?

Wenn der andere dann zu Schlüssen kommt, von denen ich mich nicht als wirklich getroffen und erkannt, sondern als verfehlt und verkannt empfinde, bin ich erst einmal verwirrt und ich frage mich, wie er nur dazu gekommen sein mag? Ich forsche bei mir selbst: Was in meinen Äußerungen und meinem Verhalten mag ihn dazu gebracht haben?

Du sprichst von Empörung - vielleicht empfinde ich die auch, aber nicht nur ... Da ist immer auch ein bisschen Zweifel, ob der andere nicht doch etwas erkannt haben könnte, was ich selbst (noch) nicht sehen kann oder verdrängt habe? - In diesem Moment der Unsicherheit empfinde ich Scham, so als könnte der andere Recht und mich ertappt haben.

... Diese Situation muss nicht lange anhalten, meist blitzt die Scham nur kurz und unvermittelt auf und wird dann rasch von einem neuen Selbstbild ersetzt, dass vielleicht nun Raum dafür lässt, die Ursache für diese Schwankung der Selbsteinschätzung aufzuklären. In dem Moment wird die Selbstkontrolle zurückerobert und die Scham verschwindet wieder. - Scham in diesem Sinne ist, wie ich finde, ein guter Regulator des Selbstbildes, das vielleicht gerade mal wieder ein umfassendes Update benötigt.  :wink:




Standbild Momentaufnahme und permanenter Film.... schöne Metapher.
:D

Oh, vielen Dank! :D