…. Wenn das Kind in den Kindergarten eintritt sind bereits vier bis fünf Jahre verstrichen, also ist das Drama in vollem Gange, denn die Sehbehinderung dauert an und das Kind kann noch nicht begreifen, weshalb es die Welt anders sieht als seine gut sehenden "MitgärtnerInnen".....

Dass die anderen Kindergartenkinder die Welt altersbedingt ähnlich erleben, macht sie ja zu einer Gemeinschaft, innerhalb derer auch eine Verständigung möglich ist, wobei die Erfahrungen aus den jeweiligen Elternhäusern sich auch schon bereits gravierend voneinander unterscheiden können.

Wenn dann noch die Weltsicht der erwachsenen Kindergärtner/innen mit hinzukommt, hängt es maßgeblich von deren pädagogischen Fertigkeiten ab, ob sie die Kinder erfolgreich „mores“ lehren können oder nicht, wobei deren „Lehrplan“ durchaus mit dem, was die Eltern aus sozialen Brennpunkteni hren Kindern vermittelt haben, kollidieren kann, und was später in der Schule auch zu dem linguistischen Problem der schichtenspezifisch unterschiedlichen Sprachen führt.

….Wie die zerstörerische Selbstläuferei verhindert werden könnte, haben wir schon einige Male diskutiert und ist ein gesellschaftliches Problem was es anzugehen gälte. …..

Die Vorstellung, der Mensch sei bereits schon von Natur aus gut für die menschliche Gemeinschaft, und brauche daher keine Belehrung mehr darüber, was dieses Gut-Sein bedeutet, ist natürlich falsch, denn sonst gäbe es ja weder Kinder noch Erwachsene, die sich asozial verhalten.

Da es aber sogar beides gibt, obwohl sie bereits als Kind darüber belehrt worden sind, und Menschen auch grundsätzlich dazu in der Lage sind, eine altersgemäßé Belehrung zu verstehen, muss es wohl daran liegen, dass sie nicht sozial sein WOLLEN, und sogar bereit sind, Nachteile dafür in Kauf zu nehmen – nur, um zu beweisen, dass sie es nicht sein MÜSSEN.

Der Kampf um die Vormacht, um letztendlich nicht nur den Grad seiner Nützlichkeit für die Gemeinschaft selber bestimmen zu können, sondern auch, ob man überhaupt Etwas Gutes für die Gemeinschaft tut, oder nur für sich selber, wird damit zur Ursache einer jeden kriegerischen Auseinandersetzung, die jeder friedlichen, gemeinnützigen Einigung zuwiderläuft.

Indem man Jemandem empfiehlt, sich die Hilfe der Gemeinschaft nicht nur im Notfall zunutze zu machen, sondern auch im Normalfall, wobei er sich zeitweise mit Anderen gegen einen Stärkeren solidarisiert, um ihn zu besiegen und dann seinerseits Diejenigen beherrschen und ausbeuten zu können, die ihm bei der Machtergreifung behilflich waren, ebnet man ihm jedoch lediglich den Weg zur Tyrannei, aber lässt ihn dabei weiterhin im Unklaren darüber, wie er sich auf angemessene Weise in die Gemeinschaft einfügen soll, um seinerseits erfolgreich die Aufgaben erledigen zu können, für die man ihn dort als Einen der Ihren anerkennt.

…. Wenn jedoch der Fokus des Menschen eher auf dem "Haben" als auf dem "Sein" beruht, gilt die Not der Schwächeren, Notleidenden und Unbeholfenen, - solange es den grösseren Teile einer Gesellschaft nicht betrifft - als nicht relevant oder uneinsichtigerweise eher als Selbstverschuldung. …

„Macht haben“, und „mächtig sein“ bedeutet letztlich ein und das selbe, während die „Macht durch Besitz von materiellen Gütern“ sich von der „Macht durch körperliche bzw. geistige Stärke“ oder der „Macht durch eine gesellschaftlich einflussreiche Position“ nur durch das jeweilige Mittel zum Zwecke der Machtausübung unterscheidet. Insofern gilt auch heute noch der Spruch: „Kannste was, dann haste was - und haste was, dann biste was!“

Während es nun beim Einzelnen noch möglich ist, ihn zumindest in Bezug auf eine passende, geistige Einstellung und das daraus resultierende Sozialverhalten gegenüber seinen Freunden zu belehren, worauf auch das internationale Gastrecht fußt, ist dies bei einer ganzen Gemeinschaft nur mit Hilfe einer Teilnahmepflicht an „Massenveranstaltungen zum Zwecke der Rechtsbelehrung“ möglich, wie es früher in der kirchlichen Sonntagsschule praktiziert wurde, damit Niemand mehr sagen kann, er habe mittlerweile vergessen, worin das Grundgesetz besteht, und wisse daher nicht mehr, was sich gehört, und was nicht.

Dass eine Gemeinschaft ihren Mitgliedern gegenüber wie eine Einzelperson behandelt wird, welche einer anderen Person Etwas schuldet, und dass man Jemanden ernennt, der den Sündenbock spielt, indem er sich notfalls freiwillig opfern (dh entlassen und nicht unbedingt hinrichten) lässt, um die Gemeinschaft mit dem rachsüchtigen Geschädigten wieder zu versöhnen, nachdem sie den Schaden nicht durch einen angemessenen Ausgleich hat beheben können, klingt zwar sehr biblisch antiquiert, ist aber dennoch eine Option, die durchaus praktikabel wäre, und daher auch heute noch einer Gemeinschaft von Individuen als sozial akzeptable Strategie der Schuldentilgung gepredigt werden könnte.

Was jedoch die reine Verursachung einer Entwicklung betrifft, bei der Niemand zu Schaden kommt, oder wobei sich der Schaden und der Nutzen die Waage halten, so stellt sich dabei die Frage nach einer Verschuldung eines Schadensausgleichs natürlich gar nicht mehr, sodass es am Ende schwierig ist, überhaupt zu beurteilen, was etwa die Eltern ihren Kindern an „guter Erziehung“ oder die Kinder ihren Eltern an „bereitwilliger Mitarbeit“ schuldig geblieben sind, und wofür es im Nachhinein auch keinen angemessenen Ausgleich mehr gibt.

….Ich gehe natürlich beim nachstehenden Zitat davon aus, dass eben auch der Soziopath ein Leidender ist. ….

Der Soziopath leidet nur da an den gesellschaftlichen Folgen seiner geistigen Behinderung, wo man ihn nicht gewähren lässt, sondern ihn vom Gemeinschaftsleben ausschließt, aber noch nicht dann, wenn er Andere mit seinem asozialen Verhalten schädigt, und man ihn sogar noch dafür belohnt, indem man es mit dem Argument, „Geiz sei geil“ oder „der Stärkere habe immer Recht“ ausdrücklich billigt.

Also bedarf es notwendigerweise erst der schmerzhaften Verweigerung der Unterstützung seiner gemeinschaftsschädlichen Machenschaften, damit der Soziopath überhaupt merkt, dass er sich falsch verhält, wobei eine Bestrafung leicht als Rache angesehen wird, die der Betreffende mit Gegenrache quittieren muss, um sein beschädigtes, falsches Selbstbild von Jemandem, dessen Würde auch durch asoziales Verhalten unverletzbar sei, wieder erfolgreich zu reparieren.

….. Du wirst es nie schaffen einen Menschen, der in seiner Welt des Leidens gefangen ist, herauszuholen, solange er selbst nicht nach dem Ausgang zu suchen beginnt. (Ana Blom)

Das Zitat will nichts Anderes aussagen, als dass der Leidende (in diesem Falle der Soziopath) selbst erkennen und annehmen muss, dass mit seinem Verhalten etwas nicht stimmt - nachdem es ihm wiederholt "gespiegelt" wurde - und die Veränderung dann auch selbst bewirken muss. Hierbei können Aussenstehende nur Hilfe zur Selbsthilfe bieten. ….


Natürlich muss der Leidensdruck erst so groß sein, dass der Betreffende auch wirklich spürbar leidet, denn am schmerzhaften Leiden wird dem Behinderten seine Behinderung ja überhaupt erst bewusst.

Die Motivation, wieder gesund werden zu wollen, oder auch nur sein gemeinschaftsschädliches Sozialverhalten im Sinne einer Optimierung ändern zu wollen, kann intrinsisch sein, indem er es für vorteilhafter ansieht, Etwas dafür zu tun, um als Belohnung dafür wohlgelittener bei Anderen zu sein, anstatt Nichts dafür zu tun, oder aber extrinsisch, indem er bei der Erziehung durch Inaussichtstellung von Lohn für Gehorsam oder durch Androhung von Strafe für Ungehorsam dazu genötigt wird.

…. In diesem Zusammenhang geht es um das "Althergebrachte" was der Mensch von Anbeginn "eingesaugt" und sich zu eigen gemacht hat und was ihm - vielleicht auch erst unbewusst - ungemochterweise nicht wohl bekommt. ….

Da mit dem Gelernten selber auch oft noch die Umstände mitassoziiert werden, unter denen man es gelernt hat, spielen die bei der nachträglichen Bewertung des Gelernten eine wichtige Rolle, sodass man unwillkürlich das als richtig ansieht, was man auf nette Weise vermittelt bekommen hat, oder was man selber aus Neugier erforscht hat, und das, was Einem gewaltsam eingebläut wurde oder was man aus schlechter Erfahrung lernen musste, leicht als falsch bewertet.

Das muss jedoch gar nicht mit der Realität übereinstimmen, denn auch eine negative Kritik am eigenen Sozialverhalten kann zu einer wertvollen Erkenntnis führen, während hingegen eine positive Kritik, die nur in einer Schmeichelei von Freunden besteht, die es nicht mit Einem verderben wollen, für das Verhältnis zu ihnen sogar ausgesprochen schädlich sein kann.

….Das so Gewordensein zu hinterfragen und auch ändern WOLLEN erfordert Mut, grösste Anstrengung und Überwindung.
Das, was den Menschen Orientierung und Vertrautheit erfahren lässt, kann nur selten für etwas Unvertrautes und Unbekanntes bleiben gelassen werden. ….


Der Mensch ist schon rein trägheitsbedingt ein Gewohnheitstier, was seine Richtung erst dann ändert, wenn die Notwendigkeit ihn dazu zwingt. Dabei gibt es nichts Einfacheres, als immer nur an „der Wand entlang“ zu laufen, und das zu tun, was gerade notwendig ist, wobei Alles, was nicht notwendig ist, als überflüssig gelten kann.

Dieses ökonomische Prinzip kann man sich aber nur dann vollumfänglich nutzbar machen, wenn man auch weiß, wie man seine vorhandenen Mittel so einsetzen muss, um das, um auch tatsächlich zu erreichen, was man damit bezweckt.

Dabei kann man sich – sofern man gesund ist – auf seine Sinne genauso verlassen, wie auf sein durch Überlieferung erlangtes oder durch eigenes Nachdenken erworbenes und als richtig befundenen Wissen verlassen, um am jeweiligen Ort zur entsprechenden Zeit auch das Richtige zu tun – selbst dann, wenn Dieses morgen am anderen Ort genau das Falsche sein kann.

Vertrauen hingegen kann man weder seinen Sinnen noch seiner Erfahrung, weil das keine Personen sind, sondern nur vertrauenswürdigen Menschen, die bislang ihre Treue unter Beweis gestellt haben, indem sie sich immer bemüht haben, ihre Versprechen, die sie Einem gegeben haben, auch möglichst einzuhalten.

….Ich nehme mal an, dass wir Alle die Macht haben "ja" und oder "nein" zu sagen. Wir können uns einer Herausforderung stellen oder es bleiben lassen, wenn der Zustand in dem wir uns befinden scheinbare Sicherheit und Geborgenheit empfinden lässt. ….

Da wir uns ja im Falle einer Entscheidung für oder gegen Etwas entscheiden müssen, und daher nicht ja und nein gleichzeitig sagen können, gibt es immer Umstände, die diese Entscheidung jeweils notwendig machen, sodass man auch keine Entscheidung unabhängig davon treffen kann.

Ist Jemandem also gerade die empfundene Geborgenheit wichtiger, als die empfundene Unabhängigkeit, so muss die Entscheidung immer eindeutig zugunsten dessen ausfallen, was ihm wichtiger zu sein scheint.

Das ist auch dann der Fall, wenn diese Entscheidung sich im Nachhinein als eine falsche herausstellt, weil die Nebenwirkungen der empfundenen Abhängigkeit bei aller empfundenen Geborgenheit noch viel unangenehmer für ihn sind, als die Nebenwirkungen der empfundenen Unabhängigkeit bei aller empfundenen Ungeborgenheit, die ja alle gleichermaßen nur in der Vorstellung des Betreffenden existieren, und gar kein reales Pendant haben müssen, um als solche empfunden bzw. vorgestellt werden zu können.
Dass eine Gemeinschaft ihren Mitgliedern gegenüber wie eine Einzelperson behandelt wird, welche einer anderen Person Etwas schuldet, und dass man Jemanden ernennt, der den Sündenbock spielt, indem er sich notfalls freiwillig opfern (dh entlassen und nicht unbedingt hinrichten) lässt, um die Gemeinschaft mit dem rachsüchtigen Geschädigten wieder zu versöhnen, nachdem sie den Schaden nicht durch einen angemessenen Ausgleich hat beheben können, klingt zwar sehr biblisch antiquiert, ist aber dennoch eine Option, die durchaus praktikabel wäre, und daher auch heute noch einer Gemeinschaft von Individuen als sozial akzeptable Strategie der Schuldentilgung gepredigt werden könnte.

Was du damit konkret meinst ist mir schleierhaft.
Sündenbock spielen und Sündenbock wirklich sein sind ja zweierlei. Wer sind denn dafür die Geeigneten, wen könnte dieses scheinbar harte Los denn treffen?
Dass damit beim tatsächlichen Schädiger über das Vergehen kein Nachdenken, geschweige denn eine Umkehr, von seinem falschem Handeln bewirkt werden kann, erscheint mir wie die Handlungen beim katholische Ablass mit Klingelbeutel.

Also bedarf es notwendigerweise erst der schmerzhaften Verweigerung der Unterstützung seiner gemeinschaftsschädlichen Machenschaften, damit der Soziopath überhaupt merkt, dass er sich falsch verhält, wobei eine Bestrafung leicht als Rache angesehen wird, die der Betreffende mit Gegenrache quittieren muss, um sein beschädigtes, falsches Selbstbild von Jemandem, dessen Würde auch durch asoziales Verhalten unverletzbar sei, wieder erfolgreich zu reparieren.

Ja klar ist da die Verweigerung der Unterstützung angebracht, man bedenke jedoch, dass nicht nur ein Junkie unter Entzug stehen kann, sondern eben auch Jemand der über Jahre meinte so handeln zu dürfen, wie er eben fälschlicherweise gehandelt hatte.
Zudem sehe ich, dass nicht nur der Soziopath hier schuldig geworden ist, sondern all Jene die sich vor ihm gebeugt haben.
Es stellt sich dann die Frage, ob das Kuschen vor einem Soziopathen nicht auch krankhaft ist und ob da nicht die herkömmliche Art und Weise des miteinander Umgehens und Wirkens radikal verändert werden muss.

"Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung nehmen sich das, was sie wollen, ohne die Folgen für sich selbst oder andere zu berücksichtigen und ohne jedes Gefühl der Schuld oder des Bedauerns.

Ärzte diagnostizieren eine antisoziale Persönlichkeitsstörung anhand der Symptome, unter anderem der Missachtung von Folgen und Rechte anderer und, wenn sie sich auf betrügerische und manipulative Weise nehmen, was sie möchten.

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist schwer zu behandeln, aber die kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Medikamente können helfen, das aggressive und impulsive Verhalten einzudämmen.

Persönlichkeitsstörungen sind langanhaltende, tiefgreifende Muster des Denkens, der Wahrnehmung, der Reaktion und Bezugnahme, die dazu führen, dass die jeweilige Person stark darunter leidet und/oder ihr Lebensalltag beeinträchtigt wird.

Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung können ungesetzliche, betrügerische, ausbeuterische und rücksichtslose Handlungen zur Erlangung des eigenen Vorteils oder aus Lust und ohne Reue begehen. Sie können

Sie rechtfertigen oder versachlichen ihr Verhalten (sie können z. B. denken, dass „Verlierer es verdient haben, zu verlieren“)

Sie schieben dem Opfer die Schuld wegen ihrer Dummheit oder Hilflosigkeit zu

Sie sind gleichgültig gegenüber der ausbeuterischen und verletzenden Wirkung ihrer Handlungen auf andere

Sie stehen den Rechten und Gefühlen der anderen und dem Gesetz gleichgültig gegenüber


aus: https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsst%C3%B6rungen/pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rungen/antisoziale-pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung-aspd
...Sündenbock spielen und Sündenbock wirklich sein sind ja zweierlei. Wer sind denn dafür die Geeigneten, wen könnte dieses scheinbar harte Los denn treffen? ...

Wenn Etwas oder Jemand „eine Rolle spielt“, betrifft das seine Funktion innerhalb eines sozialen Gefüges. Nun kann man natürlich das „Spielerische“ dabei auch als eine Betonung der „Freiwilligkeit“ Desjenigen betrachten, der eine Opferrolle spielt, indem selber zB für den Lohn, als ein Märtyrer zu gelten, der für eine gute Sache sein Leben opfert, um die nötige Aufmerksamkeit dabei zu erzeugen, bei seiner eigenen Hinrichtung mitwirkt, sodass man zumindest von einer anteiligen Selbstopferung reden kann.

Die steht allerdings im Gegensatz zum unfreiwilligen Geopfert-Werden, bei der Jemand quasi als das „schwarze Schaf der Gemeinschaft“ geopfert wird, damit die Gemeinschaft anschließend wieder nur noch aus weißen Schafen besteht, und ihr Anführer, der seine Schuld erfolgreich auf das schwarze Schaf abgewälzt hat, mit weißer Weste dasteht.

Das Ritual des Sündenbocks, dem man symbolisch die eigene Schuld aufbürdet, und ihn dann umbringt, sodass man selber genauso wenig belangt werden kann, wie der tote Bock, der die Schuld auf diese Weise sozusagen ins Nirvana befördert, dient in ähnlicher Weise dazu, sich vor seiner Pflicht des Schadensausgleichs zu drücken, und ist nicht mit der Opferung eines Teils vom eigenen Besitze zu vergleichen, bei der der Schädiger dem Geschädigten einen Ziegenbock zum Zwecke des Schadensausgleichs übergibt, um sich wieder mit ihm zu versöhnen.

Die Tilgung der eigenen Schuld kann allerdings auch freiwillig von jemand Anderem übernommen werden, der Einem seinerseits noch einen Gefallen schuldet, womit man ihm seinerseits einen Bußwunsch erfüllt - so, wie man nicht nur mit Schuldscheinen, sondern zB auch mit Emissionsgutscheinen bei der „minimierten Umweltverschmutzung“ Handel treiben kann, bei dem die Tilgung der Dankes- oder Bußschuld vom Verursacher auf einen Stellvertreter übertragen wird.

….Dass damit beim tatsächlichen Schädiger über das Vergehen kein Nachdenken, geschweige denn eine Umkehr, von seinem falschem Handeln bewirkt werden kann, erscheint mir wie die Handlungen beim katholische Ablass mit Klingelbeutel ….

Die psychologische Absicht bei der Vergebung der Schuld durch einen Priester besteht eigentlich darin, das Versöhnungsopfer stellvertretend für einen Toten entgegenzunehmen, um den Übeltäter von seinem schlechten Gewissen zu befreien, welches ihn bei dem Gedanken plagt, dem Toten Etwas schuldig geblieben zu sein, sodass eine Versöhnung mit ihm nicht mehr möglich ist.

Dabei geht der Büßer irrtümlicherweise davon aus, dass der Tote dieses Opfer immer noch annehmen und anschließend auf weitere Schadensausgleichsforderungen verzichten (dh ihm „verzeihen“) könne, oder sich sogar noch aus dem Totenreich heraus an ihm dafür rächen könne, dass er ihm den Schadensausgleich schuldig geblieben ist.

Der Priester könnte aber sozusagen als Erbverwalter tätig werden, indem er das Opfer an Diejenigen weiterleitete, denen der Tote noch Etwas schuldig geblieben ist, was zwar dem Toten ebenso wenig von Nutzen wäre, aber dafür seinen noch lebenden Gläubigern, die dann nicht auf dem Schaden sitzen bleiben müssten.

….Ja klar ist da die Verweigerung der Unterstützung angebracht, man bedenke jedoch, dass nicht nur ein Junkie unter Entzug stehen kann, sondern eben auch Jemand der über Jahre meinte so handeln zu dürfen, wie er eben fälschlicherweise gehandelt hatte. ….

Es wird ja nach einer Weile jedes tolerierte Verhalten mit einem Gewohnheitsrecht gerechtfertigt – mit dem Argument, dass es ja gar nicht so falsch gewesen sein kann, wenns nicht schon viel früher beanstandet worden wäre.

Ähnlich vernünftig, weil das Eigenwohl betreffend, lautet der Satz: „Alles ist erlaubt, solange es nicht ausdrücklich verboten wird!“, an den sich dann die ebenso vernünftig klingende Feststellung anschließt: „Wenn man nur für Übeltaten bestraft wird, bei denen man erwischt wurde, dann darf man Alles tun, solange man sich nicht dabei erwischen lässt!“

Daraus wird ersichtlich, dass der Soziopath nicht nur seine Rechte genau kennt, sondern sich auch bewusst darüber ist, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, der er ein spezielles Sozialverhalten schuldet, um von ihr in seiner unveränderlichen Wesensart toleriert und als Einer der Ihren akzeptiert zu werden.

Wenn er sich dann außerdem noch auf populistische Weise die nötige Macht beschafft hat, die er braucht, um sein asoziales Verhalten gegen den Willen Schwächerer zu praktizieren, wird er von einer grenzenlos liberalen und damit ebenso asozialen Gemeinschaft, die von ihrem vorherigen, weniger durchsetzungsstarken Anführer enttäuscht ist, sogar als Vorbild in Sachen „willensstarker Durchsetzung der eigenen Interessen“ angesehen und zu ihrem Anführer gewählt.

… Zudem sehe ich, dass nicht nur der Soziopath hier schuldig geworden ist, sondern all Jene die sich vor ihm gebeugt haben. ...

Wer an dem Zustandekommen einer Diktatur mitwirkt, macht sich nur bei Denjenigen mitschuldig, die dadurch geschädigt werden, und nicht bei sich selber als deren Nutznießer, weswegen er sie vernünftigerweise ja auch selber gewollt hat.

Dass Diktaturen nicht nur in der Landespolitik von Nationalisten begrüßt und sogar gefordert werden, sondern auch von den Trittbrettfahrern in der Firmen- und Familienpolitik, zeigt wie nützlich sie ihnen ist, sodass es völlig vernünftig von Seiten der Nutznießer ist, sie zu fördern.

….Es stellt sich dann die Frage, ob das Kuschen vor einem Soziopathen nicht auch krankhaft ist und ob da nicht die herkömmliche Art und Weise des miteinander Umgehens und Wirkens radikal verändert werden muss. …..

Sofern die Unterwerfung unter das Diktat eines Stärkeren die einzige Möglichkeit darstellt, um seinen Kopf zu retten, ist das „Kuschen“ das Vernünftigste, was man tun kann, während man so lange ausharrt, bis die Umstände sich geändert haben, sodass man gefahrlos das Weite suchen kann.

Verändern kann man das Verhalten des Sozipathen jedoch auch nur dann, wenn man über die dazu nötige Macht verfügt, ihn auch gegen seinen Willen mit Gewalt dazu zu zwingen, wobei es nicht ausreicht, Sozialgesetze zum Schutz der Schwächeren vor der Willkür der Stärkeren zu verabschieden, sondern es muss auch dafür gesorgt werden, dass sich Jedermann dran hält.

Hier ist die Drohung mit einem übermächtigen Herrn im Himmel, der die Bösewichter auch noch nach ihrem Tode für ihre Untaten bestrafen wird, das einzige Mittel, um auch die Herrschenden zum Gehorsam zu zwingen - so, wie es die Priester auf der ganzen Welt zur Wahrung des Gemeinwohls schon seit Tausenden von Jahren mehr oder weniger erfolgreich praktiziert haben.

..... https://www.msdmanuals.com/de/heim/psyc ... 6rung-aspd ….

Interessanter als die Phänomenologie eines Soziopathen ist sein Werdegang, wenn man die Soziopathie als eine Entwicklungsstörung (und nicht Persönlichkeitsstörung) vom selbstbewussten Kind zum gemeinschaftsbewussten Erwachsenen betrachtet.

Wie oben gezeigt, ist dem asozialen Erwachsenen nämlich schon sehr bewusst, dass er sich innerhalb einer Gemeinschaft befindet, deren Hilfe er als Sozialschmarotzer für seine Zwecke in Anspruch nimmt, sofern er sie bedarf, und die er auch dazu benutzt, um sein Herrschaftsbedürfnis zu befriedigen, indem er Andere für sich arbeiten lässt, was auch deren Wert für ihn ausmacht.

Da das für ihn ganz vernünftig ist, kann man auch nicht von Unvernunft reden, sondern es wäre ganz im Gegenteil geradezu unvernünftig, wenn ers nicht täte, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet, und damit gegen seine eigenen Interessen handelte.

Ebenso unvernünftig wäre es hingegen auch von einer Gemeinschaft, Diejenigen NICHT auszugrenzen, die dem Interesse der Gemeinschaft zuwider handeln – auch, wenn das nicht im Sinne eines „selbstlosen Gewährens von Rechten ohne Pflichten“ ist, bei dem man – nachdem man auf eine Wange geschlagen wurde – auch noch die andere Wange hinhält, um den schamlosen Bösewicht zu beschämen, wo er überhaupt nicht zu beschämen ist.
Das Ritual des Sündenbocks, dem man symbolisch die eigene Schuld aufbürdet, und ihn dann umbringt, sodass man selber genauso wenig belangt werden kann, wie der tote Bock, der die Schuld auf diese Weise sozusagen ins Nirvana befördert, dient in ähnlicher Weise dazu, sich vor seiner Pflicht des Schadensausgleichs zu drücken, und ist nicht mit der Opferung eines Teils vom eigenen Besitze zu vergleichen, bei der der Schädiger dem Geschädigten einen Ziegenbock zum Zwecke des Schadensausgleichs übergibt, um sich wieder mit ihm zu versöhnen.

Das Schuldeingeständnis und die anschliessende Versöhnung dient ja dazu, dass die Betreffenden wieder unbeschwerter miteinander umgehen können.
Ob nun bei der Auferlegung der Schuld auf den "Sündenbock" oder der Unterschiebung beim "schwarzen Schaf" und der auf diese Weise ausgedachten Wiedergutmachung zwischen Menschen überhaupt stattfinden kann, bezweifle ich doch sehr, eher läd sich der Schuldige somit eine weitere Schuld auf.
Echte Versöhnung kann so kaum stattfinden, die Saat des permanenten Misstrauens gegenüber den nicht Versöhnungsbereiten, die ihr eigenes Verschulden auf diese Weise zu vertuschen versuchen, geht früher oder später zu deren Nachteil auf.

Daraus wird ersichtlich, dass der Soziopath nicht nur seine Rechte genau kennt, sondern sich auch bewusst darüber ist, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, der er ein spezielles Sozialverhalten schuldet, um von ihr in seiner unveränderlichen Wesensart toleriert und als Einer der Ihren akzeptiert zu werden.

Wo der Wettlauf um die Wurst mit vollster Durchtriebenheit und mit vorherigem eingebildetem Segenserhalt bei gemeinschaftlichen Anbetungsritualen eines sogenannt Allmächtigen erhascht werden will, wäre es falsch einzig durch das Herdenverhalten Rechte abzuleiten.

Wohlwollende Gemeinschaftlichkeit kann nur dort ent- und bestehen wo jeder Einzelne dazu bereit ist seine durch ihn entstandene Schuld, sowie durch den von ihm verursachten materiellen und immateriellen Schaden geradezustehen und die Bereitschaft zeigt sie auch zu tilgen.
….Das Schuldeingeständnis und die anschliessende Versöhnung dient ja dazu, dass die Betreffenden wieder unbeschwerter miteinander umgehen können. …..

Ein Schuldeingeständnis ist gar nicht erforderlich, denn die Schuld des Schadensausgleichs besteht auch dann, wenn Jemand nicht bereit ist, seine Schuld einzugestehen.

Das Schuldeingeständnis bedeutet auch noch kein Zugeständnis, die Schuld auch begleichen zu wollen, was ja das Wesen der Entschuldigung ist.

Lediglich „Schulligung“ zu murmeln, bedeutet somit lediglich die Bereitschaft, seine Schuld einzugestehen oder bestenfalls die Zusage, sie auch tilgen zu WOLLEN, aber noch nicht die Entschuldigung selber, welche nur dadurch erfolgen kann, indem man die Schuld auch wirklich tilgt, oder aber sie von Jemandem tilgen lässt, der Einem seinerseits noch Etwas schuldet.

Nun ist die moralische Verpflichtung, sich für einen angerichteten Schaden beim Geschädigten zu entschuldigen, indem man ihm seinen Schaden ersetzt, nicht unbedingt an seine Versöhnungsbereitschaft mit dem Geschädigten gekoppelt, sondern eher mit dem Gesetzgeber, der den Betrüger, welcher gegen die Gesetze verstößt, mit einer so hohen Buße bestraft, dass der Betrug nicht mehr lukrativ für ihn ist, um ihn dazu zu bringen, sich zukünftig daran zu halten.

Wenn die Strafe hingegen zu gering ist, sodass sie dem Schädiger gar nicht weh tut, ist für ihn die Schädigung unter Inkaufnahme einer Strafe unterm Strich immer noch lukrativ, und wenn er obendrein auf die Gunst des Geschädigten gar nicht angewiesen ist, weil er noch viele Andere hat, die ihm wohlgesonnen sind, sodass er diese dann in Zukunft schädigen kann, besteht auch nicht die geringste Notwendigkeit, sich mit seinem früheren Opfer wieder versöhnen zu müssen.

Ganz anders ist es hingegen bei der Vergebung der Schuld durch einen Geschädigten, der von seinem Schädiger abhängig ist, sodass er es sich nicht leisten kann, ihm diese Vergebung zu versagen, sofern der darum bittet, weil er sonst mit neuen Schädigungen rechnen muss.

Ob er jedoch dem Schädiger seinen Segen erteilt oder nicht, kann dem Schädiger in seiner überlegenen Machtposition egal sein, denn der wird ihn sowohl mit als auch ohne seine Absolution zu seinem Nachteil weiterschädigen, solange er in der Lage dazu ist.

….Ob nun bei der Auferlegung der Schuld auf den "Sündenbock" oder der Unterschiebung beim "schwarzen Schaf" und der auf diese Weise ausgedachten Wiedergutmachung zwischen Menschen überhaupt stattfinden kann, bezweifle ich doch sehr, eher läd sich der Schuldige somit eine weitere Schuld auf. ...

Das ist richtig, aber wenn er es gar nicht nötig hat, die Schuld zu tilgen, kann er auch prima mit seinen Schulden leben, wie man ja auch bei Regierungen sehen kann, die trotz einer selbstbewirkten, astronomischen Staatsverschuldung keine persönlichen Nachteile in Kauf nehmen müssen, weil sie sozusagen von Gesetzes wegen „diplomatische Immunität“ genießen.

…. Echte Versöhnung kann so kaum stattfinden, die Saat des permanenten Misstrauens gegenüber den nicht Versöhnungsbereiten, die ihr eigenes Verschulden auf diese Weise zu vertuschen versuchen, geht früher oder später zu deren Nachteil auf. ....

Das ist nur dann der Fall, wenn sie auf die Gunst der von ihnen Geschädigten angewiesen sind, und ansonsten sind es eher die Geschädigten, die gerne wollen, dass ihre Schädiger sich mit ihnen durch eine Schadensausgleichsleistung wieder versöhnen, um nicht durch die Verweigerung des Schadensausgleich noch ein zweites Mal von ihnen geschädigt zu werden.

Man muss die Kausalität da suchen, wo sie auch tatsächlich stattfindet, und nicht da, wo sie idealerweise stattfinden sollte, um nicht am Ende den mächtigen Täter mit dem machtlosen Opfer zu verwechseln, sodass dem Opfer zur Strafe dafür, dass es sich angeblich freiwillig hat schädigen lassen, auch noch der Anspruch auf Schadensausgleich verweigert wird.

Wer „Vertrauensbereitschaft auch gegenüber einem Vertrauensunwürdigen“ fordert, um den Gehorsam eines von ihm Abhängigen zu testen, muss sich lediglich in einer entsprechenden Machtposition befinden, um sich notfalls auch die Strafe dafür leisten zu können.

Ansonsten reicht es völlig aus, als Familienoberhaupt seine Macht, die man über seine Schutzbefohlenen hat, immer nur hinter den eigenen 4 Wänden zu seinem eigenen Vorteil zu missbrauchen, weil diese Straftat sich dort nicht einwandfrei nachweisen lässt.

Die Leidtragenden dabei sind nicht die Täter, sondern immer nur die Opfer, und von der Macht der Kinder zu sprechen, die ihre Eltern erst zu Gewalttätern machen, indem sie ihnen nicht gehorchen, ist genauso zynisch, wie die Behauptung, man habe in einer Diktatur das Amt eines Richters vor Allem deshalb gerne ausgeübt, um möglichst viele Opfer der Willkürherrschaft vor dem Galgen bewahren zu können, obwohl man in der Position jedoch gar nicht die Macht dazu besaß.

…. Wo der Wettlauf um die Wurst mit vollster Durchtriebenheit und mit vorherigem eingebildetem Segenserhalt bei gemeinschaftlichen Anbetungsritualen eines sogenannt Allmächtigen erhascht werden will, wäre es falsch einzig durch das Herdenverhalten Rechte abzuleiten. ….

Als Mächtiger, der auf populistische Weise mit einem Konkurrenten um die Wurst der Vormacht kämpft, welche von der Gunst seiner Wählerschaft abhängt, so ist für den der Segen seiner Wähler natürlich schon existenziell wichtig.

Allerdings muss er sich dabei nur während der Zeit des Wahlkampfs auf sie verlassen, um danach als Stärkerer auch ohne deren Gunst über das Volk herrschen zu können, welches nicht nur aus seinen Wählern, sondern auch aus allen Nichtwählern besteht.

Da, wo es keine mehrheitliche Abstimmung über die Inthronisierung des jeweiligen Despoten geht, sind Vatermord durch den ältesten Sohn genauso bewährte Mittel, um an die Macht über die Familie zu gelangen, wie der Brudermord zwischen zwei Anwärtern auf den Königsthron, wie die Geschichte zeigt.

…. Wohlwollende Gemeinschaftlichkeit kann nur dort ent- und bestehen wo jeder Einzelne dazu bereit ist seine durch ihn entstandene Schuld, sowie durch den von ihm verursachten materiellen und immateriellen Schaden geradezustehen und die Bereitschaft zeigt sie auch zu tilgen. ….

Nun – sofern man über die dafür nötige Macht verfügt, kann man auch auf diktatorische Weise jeden Einzelnen per Gesetz dazu zwingen, einen Schadensausgleich zu leisten, wenn er nicht freiwillig dazu bereit ist, weil er zB seine Mitmenschen nicht mag, sodass dafür auch kein Gemeinschaftsbewusstsein vonnöten ist, um einen Staat, eine Firma oder eine Familie zu betreiben, wo sozial ausgleichende Gerechtigkeit praktiziert wird.

So antwortete mir mal ein Zen-Mönch auf die Frage, wozu er denn die ganze Zen-Power brauche, die er sich mühsam angeeignet hat: „Um noch mehr Zen-Power zu erlangen!“, denn mit wenig Macht lässt sich bekanntlich weniger tun als mit mehr Macht, was auch das machtvolle "Hoffen auf Besserung" miteinschließt, welches irgendwann zur unbeugsamen Absicht wird.
So antwortete mir mal ein Zen-Mönch auf die Frage, wozu er denn die ganze Zen-Power brauche, die er sich mühsam angeeignet hat: „Um noch mehr Zen-Power zu erlangen!“, denn mit wenig Macht lässt sich bekanntlich weniger tun als mit mehr Macht, was auch das machtvolle "Hoffen auf Besserung" miteinschließt, welches irgendwann zur unbeugsamen Absicht wird.

Wer kennt ihn schon nicht, den Rausch der Macht?

Ich denke, dass wer sich ihm hingibt auf Beziehungsebene schon verloren hat.
Sich über Erfolge zu freuen, ein wenig beschwipst sein, sich mit Anderen über ihre Erfolge zu freuen, dagegen ist nichts einzuwenden, wenn sie ohne Spuren der Vorenthaltungen und Demütigungen bei Andern entstanden sind.

Wenn jedoch die Anerkennung an Jene die wirklichen dafür ihr "Bestes" gegeben haben ausbleibt, hat das schwerwiegende Folgen für beide Seiten, wie man im gestern Abend ausgestrahlten Film "Die Frau des Nobelpreis-trägers" gut erkennen konnte.

So ist wohl ein bisschen weniger Zen-Power für den Einzelnen, jedoch geteilte Anerkennung (folglich Zen-Power) für das von einem Team erschaffene Werk mehr wert für diese Gemeinschaft, als die Ehrung an den Einzelnen, da sich möglicherweise dann auch die Euphorie in Grenzen halten wird.

Hoffen ohne gleichzeitig in die Richtung des Erhofften etwas zu tun, ist wie reden und schreiben ohne den Sinn des Geschriebenen und Gesprochenen vollumfänglich verstanden zu haben.
Unbeirrbares Hoffen auf den Erfolg (anstatt des „Glaubens an den Erfolg“), beinhaltet die Zuversicht, dass das Erhoffte auch ohne eigenes Dazutun Realität werden möge, sofern es Einem nicht möglich ist, das selber zu bewirkten.

Dass das, was man selber nicht bewirken kann, dennoch zur Realität wird, liegt jedoch nicht am Hoffen, weil das lediglich ein Hilfsmittel darstellt, um nicht zu verzweifeln und dabei in eine Depression zu verfallen, sondern stattdessen zuversichtlich und guter Dinge auszuharren, bis das Erhoffte irgendwann auch ohne eigenes Dazutun eintrifft.

Die zeitweilige Vertauschung (Täuschung) von Realität und Idealität, welche jeder Hoffnung zugrunde liegt, dient noch über die reine Schmerzbetäubung hinaus dazu, den Mut aufrecht zu erhalten, auch da noch weiterzumachen, wo gar keine Aussicht auf Erfolg besteht, anstatt dem Trübsinn zu verfallen und schließlich aufzugeben.

Allerdings wäre das Aufgeben manchmal besser, als an einer falschen Stelle einen aussichtslosen Kampf zu führen, indem man seine real vorhandenen Kräfte überschätzt, während man woanders viel erfolgreicher damit wäre. Aber dazu müsste sich erst einmal die Gelegenheit bieten, und zum Anderen muss man diese auch als solche erkennen, weil es sonst auch gar keine bessere Alternative gäbe, für die man sich entscheiden könnte.

Was nun das spezielle Hoffen auf die Anerkennung der eigenen Verdienste und deren Würdigung betrifft, ist Undankbarkeit nicht der Welt Lohn, sondern stellt den Undank eines eigennützigen und damit unehrlichen Geschäftspartners dar, der keine negativen Konsequenzen von Seiten Desjenigen fürchtet, den er um sein Recht auf einen gleichwertigen Schadensausgleich für seine Mühen betrogen hat.

Eine Rache braucht er dann nicht zu befürchten, wenn er ganz real über die nötige Macht dazu verfügt, und wenn er die Macht nicht hat, kann er immer noch seine wohlbegründete Angst davor verdrängen, indem er hofft, dass ein Priester, der ihm gegen einen kleinen Obolus im Namen seines Götzen, den er als höchsten Richter betrachtet, die Absolution erteilt.

Nachdem er sich auf diese Weise mit einem Herrn ausgesöhnt hat, der nicht von dieser Welt ist, braucht er nicht mehr zu befürchten, als Strafe für seine Verbrechen auf ewig in die Hölle zu kommen, sodass ihn die zeitlich begrenzten Strafen eines weltlichen Gerichtes nicht mehr zu bekümmern brauchen.

Das Hoffen auf das Unmögliche ist also als eine Täuschung zu verstehen, die da greift, wo man nichts mehr selber tun kann, und ist vergleichbar mit der Illusion, es dennoch zu können, wenn man es sich nur besonders intensiv vorstellt, bis man tatsächlich meint (und nicht „glaubt“), dass man dazu in der Lage sei.

Die Zen-Power hingegen ist die reine Willenskraft, die man so auf ein Ziel hin konzentrieren lernen kann, dass man unbeirrbar daran festhält, während man alle anderen Dinge wirkungsvoll ignoriert, was natürlich immer der moralischen Kontrolle bedarf, damit sie nicht für gemeinschaftsschädliche Ziele verwendet wird.

Mehusae schrieb:


>> ...Wenn jedoch die Anerkennung an Jene die wirklichen dafür ihr "Bestes" gegeben haben ausbleibt, hat das schwerwiegende Folgen für beide Seiten, wie man im gestern Abend ausgestrahlten Film "Die Frau des Nobelpreis-trägers" gut erkennen konnte. ...<<

Den ausgezeichneten  Film "Die Frau des Nobelpreiträgers" (Schweden/USA, 2017) habe ich mir schon mehrmals angeschaut. Er ist aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Allein schon als psychologische Studie, zumindest ab dem zweiten Mal, wenn man dann schon weiß, worauf man genauer achten muss. Die Schauspieler sind große Klasse, allen voran die wunderbare Charakterschauspielerin Glenn Close in der weiblichen Hauptrolle. Sie brilliert in allen Situationen und verpasst allein schon mit ihrer mimischen Ausdruckspalette dem Thema das gewisse Extra an Farbe und Edelschliff. 

Die Filmthematik basiert noch sehr auf die überkommene eheliche Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, die eine Vertauschung nur hinter den Kulissen zuließ. - So wurden viele einflussreiche und produktive Frauen der Geschichte von vornherein dem Fokus der öffentlichen Wahrnehmung entzogen. Nicht selten war dafür eine Klitterung der Geschichtsschreibung notwendig und zwar schon zu allen Zeiten. 

Bei den Pharaonen wurden die Belege vom Wirken der altägyptischen Königin Hatschepsut (1479 - 1458 v. Chr.) von ihren männlichen Nachfolgern eiligst wieder "ausradiert" (oder vielmehr aus allen Steinen wieder herausgeschlagen), bei den vom männlichen Klerus verantworteten biblischen Beschreibungen und späteren bildlichen Darstellungen von Jesus und seinen Jüngern beim letzten Abendmahl wurden die weiblichen Mitglieder kurzerhand als Männer dargestellt. - Und die Heerscharen starker Frauen, die ihren Gatten nicht nur den Rücken stärkten, sondern mit glückvolleren Hände deren Geschäfte erst zum Erfolg führten, zeigten schon immer die offiziell zwar stets verleugneten, aber in der Praxis kaum zu unterdrückenden weiblichen Begabungen. 

Nun spielt aber der Film gar nicht in einer solchen antiquierten Vergangenheit, sondern kommt als zeitgenössisch daher. Zwar wirken auch heute noch in gewissen Kreisen die tradierten Geschlechterrollen - aber wenn Spitz auf Knopf steht, kann man heute Frauen, die sich noch in denen ihrer Männer untergeordneten Rollen bewegen, von eine Schuld-Beteiligung kaum mehr freisprechen. 

In Beziehungen wird in solchen Fällen meist die Liebe herbeibemüht, um die weibliche Rücksicht auf die männliche Schwäche zu legitimieren - so wie es in diesem Film auf die Spitze getrieben wird: Er erhält den Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk, das komplett allein ihrer Feder entstammt, was aber niemand wissen darf.

Ihre einzige Forderung an ihn: In seiner Dankesrede keine gönnerhafte Würdigung seiner Ehefrau vorzunehmen, missachtet er - womit ihr endlich der Kragen platzt. Erst jetzt! Dachte ich und konnte überhaupt nicht nachvollziehen, wie eine so starke Frau einem so schwachen Mann ihre ganze Existenz opfern kann.

Da geht es eben nicht nur um eine nicht gewährte "Anerkennung", sondern um die völlig falsch weil einseitig verstandene Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Loyalität.




Die Filmthematik basiert noch sehr auf die überkommene eheliche Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, die eine Vertauschung nur hinter den Kulissen zuließ. - So wurden viele einflussreiche und produktive Frauen der Geschichte von vornherein dem Fokus der öffentlichen Wahrnehmung entzogen. Nicht selten war dafür eine Klitterung der Geschichtsschreibung notwendig und zwar schon zu allen Zeiten.

Nun spielt aber der Film gar nicht in einer solchen antiquierten Vergangenheit, sondern kommt als zeitgenössisch daher. Zwar wirken auch heute noch in gewissen Kreisen die tradierten Geschlechterrollen - aber wenn Spitz auf Knopf steht, kann man heute Frauen, die sich noch in denen ihrer Männer untergeordneten Rollen bewegen, von eine Schuld-Beteiligung kaum mehr freisprechen.


So wie die Unterwürfigkeit der Frau gegenüber dem Mann und nicht zuletzt auch
ihre Entscheidung über das Kinderkriegen sowie deren Erziehung, sich nicht innerhalb von wenigen Generationen in Luft auflösen kann, genauso schlecht lässt sich das Dominanz- verhalten des Mannes gegenüber der Frau in Kürze korrigieren.

In der Frage der Schuldbeteiligung kann ich nur insofern zustimmen, dass Menschen die einflussreiche Positionen besetzen, sei dies nun von Frauen oder Männern, - wobei dies eben noch immer mehrheitlich Männer sind - auch dafür stark machen, dass sich in den Machtverhältnissen möglichst nichts zu deren Nachteil verändert.
Frauensolidarität existiert da nicht stärker als die Solidarität unter Männern.

Die Schuldbeteiligung der Frau bei einer Vergewaltigung wegen besonders aufreizender Bekleidung könnte man noch als Verlockung betrachten, aber niemals als Aufforderung sich ihrer zu bemächtigen.
Die Frau als Akteurin oder gar Verursacherin der Zustände wie sie noch immer sind hinstellen zu wollen, entspringt dem alten männlichen Denken, was so viel bedeutet wie dem "armen" schuldhaften Mann weiterhin seine Schuld erlassen zu müssen.
Das ist Sündenbock-Politik, Selbstzerfleischung der Frau und hat mit Verändern-Wollen der herrschenden Zustände, die eben noch immer - Mann und Frau mache sich da mal ja nichts vor - mehrheitlich im alten Trott weitergehen, nichts zu tun.

Es ist kurzsichtig zu meinen, Frauen könnten innert kürzester Zeit verändern, was über "Jahrhunderte" Bestand hatte.

https://www.landesmuseum.ch/frauenrechte

https://youtu.be/wNCBeiP5TsM

@ Mehusae  

Es existiert ein gewaltiger Unterschied zwischen der überaus zynischen und frauenverachtenden Behauptung, Frauen seien selbst Verursacherinnen ihrer Vergewaltigungen (was hätte das auch mit dem Film oder mit meinem Beitrag zu tun?) und dem Wissen darum, dass Frauen in heutigen Zeiten keine völlig hilflosen Opfer eines wie auch immer gearteten angeblich noch bestehenden Patriarchats mehr sind. - Zumindest in demokratischen Ländern mit der verfassungsrechtlichen Verankerung der Gleichstellung von Frauen und Männern kann davon heute keine Rede mehr sein.   

Zugegeben: Die Rechte der Frauen mussten über einen langen Zeitraum erkämpft werden, aber heute bestehen sie. - Was sich allerdings nach wie vor in den Köpfen ewiggestriger Männer abspielt, ist zum Glück letztlich (rechtlich)  nicht mehr ausschlaggebend. 

Nichts und niemand hat die Frau im Film gezwungen, diesen Mann zu erwählen und sich ihm aufzuopfern. Ihre ganze vertrackte Lage basiert auf falsche Entscheidungen und eine falsch verstandene Loyalität. Ihre Wut am Schluss ist der Beleg dafür.

____________________

Zu Deinen beiden Links zur Ausstellung "Frauenrechte" in der Schweiz: 

(1) Dass das Wahlrecht den Schweizerinnen erst 1971 eingeräumt wurde, ist ein Sonderfall; in den meisten anderen Ländern geschah dies Jahrzehnte früher:

1902 Australien
1906 Finnland
1913 Norwegen
1915, Dänemark
1915 Island
1917 Russland
1917 Estland 
1917/1919 Niederlande
1918 Lettland
1918 Deutschland
1918 /1919 Kanada
1919 Schweden
1920 Österreich
1920 USA 
1922 Irland
1928 Großbritannien
1931 Spanien
1932 Brasilien
1934 Türkei
1944 Frankreich
1944 Israel
1946 Italien
1947 Japan
1948 Südkorea 
1950 Indien
1952 Griechenland
1953 Mexiko
1959 Marokko
1971 Schweiz
1974 Portugal
1984 Liechtenstein

(Quelle: Wikipedia/Liste der Staaten nach Einführung des Frauenwahlrechts)


(2) Auch die Gleichstellung inkl. Recht auf Bildung wurde in der Schweiz erst 1981 gesetzlich verankert. In Deutschland zwar früher, aber erst 1994 wurde der verfassungsrechtlich verankerte Gleichstellungsgrundsatz (von 1949) im Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes um den folgenden Satz ergänzt: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."




@filofaxi
Die zeitweilige Vertauschung (Täuschung) von Realität und Idealität, welche jeder Hoffnung zugrunde liegt, dient noch über die reine Schmerzbetäubung hinaus dazu, den Mut aufrecht zu erhalten, auch da noch weiterzumachen, wo gar keine Aussicht auf Erfolg besteht, anstatt dem Trübsinn zu verfallen und schließlich aufzugeben.

Besteht hier nicht die Gefahr das Vertauschen zur Gewohnheit werden zu lassen? Darin verlöre sich der Betreffende in einer selbstkonstruierten Scheinwelt aus der er nur mühevoll wieder herauszukommen wagte.
Die Einbildung und Fixierung auf einen Zustand in dem das Leben mit und
um sich anders und besser zu ertragen wäre, ist dann besonders arg, wenn sie beim Menschen schon in der Kindheit wurzelt, was für das Kind im Extremfall oft die bessere Alternative zur Selbsttötung ist, aber sich eben auch nachhaltiger manifestiert.
Diesen Anker in jenen schlechten Situationen jedoch aufzugeben, bedeutete in eine Fantasielosigkeit und Depression zu fallen.
So gesehen wäre der vorgestellte, bessere und auch wohlbekömmlichere Seinszustand sicherlich dem Trübsinn vorzuziehen.
Wobei hier auch zu bedenken wäre, dass der Zustand der Hoffnungs-losigkeit und dessen Annahme ja nicht bedeutet, dass man für immer in einem resignierten Zustand verharren müsste, er ist nur ziemlich schwer zu ertragen.
Der steigende Leidensdruck unter immer schlechter werdenden Umständen oder auch bei nachlassender Resilienz nach längerer Leidenszeit dient ja dazu, Etwas an seiner Situation zu ändern, was aber nur dann möglich ist, wenn man auch über die dafür nötige Macht verfügt.

Dabei gibt es - ebenfalls je nach Möglichkeit - die aktivischen Problemlösungsstrategien: „Flucht“ und „Verteidigung „oder die passivische „Tarnung durch Totstellen“ bzw. „Inaktivität durch Hängenlassen“, um seine restlichen Ressourcen zu sparen, was neben der Befreiung von Fremdbestimmung ebenfalls Ziel einer „Konfliktlösung unter widrigen Lebensumständen“ sein kann.

Nun bezieht sich das Hoffen jedoch nicht auf das Anerkennen und Hinnehmen des aktuellen Missstandes, welcher ja nur die Ausgangsbasis für das Hoffen darstellt, sondern auf die Spekulation darauf, dass es in Zukunft besser werden möge, sodass es sich auch lohnt, solange passiv auszuharren, wenn man schon aktiv daran nichts zu ändern vermag.

Mit dem Sehnen nach einer schöneren Zukunft, als es die Gegenwart ist, oder die Vergangenheit war, ist man bei aller körperlicher und sozialer Passivität, geistig natürlich schon aktiv, sodass man mit Träumereien und Fantasierereien (oder mit Lesen, Fernsehen und sonstigen Unterhaltungen) seine Wartezeit bis dahin auf genauso angenehme Weise verkürzen kann, wie mit der Ritualisierung von alltäglichen Handlungen, um ihnen eine besondere Bedeutung zu verleihen, die den dafür aufgebrachten Zeitaufwand auch als angemessen erscheinen lässt.

Sich jedoch vorsätzlich der Hoffnungslosigkeit hinzugeben, scheint mir selbst dem Pessimisten unmöglich, der ja eigentlich auf positive Weise enttäuscht werden will, wenn die zukünftigen Umstände sich doch nicht als so schlimm erweisen, wie befürchtet, und nicht auf negative, wie es dem Optimisten widerfährt, sobald er kurzzeitig die Augen aufmacht, und feststellen muss, dass die Welt doch nicht so schön ist, wie erhofft.

Ebenso ist es auch mit dem Masochisten, der ja ebenfalls auf die Erleichterung spekuliert, sobald der selbstbewirkte Schmerz nachlässt, und er sich dann damit rühmen kann, wie lange er doch klaglos ausgehalten hat, und eben nicht den endlosen Dauerschmerz anstrebt, bei dem er sich fortwährend als machtloses Opfer der Umstände erleben muss, ohne jede Aussicht auf Besserung.

Was nun die einseitige, soziale Passivität betrifft, kann die jedoch von den Partnern auch als eine „mutwillige Verweigerung der Übernahme und Einhaltung von Pflichten“ betrachtet werden, sodass diese ebenfalls mit Verweigerung reagieren, was noch mehr Probleme beschert, und somit die gemeinsame Situation noch unerträglicher für Beide macht, als sie es eh schon ist.

So ist eine symbiotische Beziehung zum beiderseitigen Nutzen, wie die zwischen dem Literaturprofessor und seiner begabten Studentin, dann in ihrem Fortbestand gefährdet, wenn sich entweder Einer von Beiden nicht an die gemeinsam ausgehandelten Vereinbarungen hält, um sich durch eigenmächtiges Handeln einen Vorteil gegenüber seinem Partner zu verschaffen, oder aber seinem ungehorsamen Partner damit droht, ihn für einen anderen zu verlassen, der ihm mehr von Nutzen ist.

Ideal ist es, wenn sich beide Partner auf gleichwertige Weise miteinander ergänzen, indem jeweils der Eine dem Anderen das zur Verfügung stellt, was ihm fehlt, wobei die Fürsorgepflicht zB bei andauernder Krankheit einen Sonderfall darstellt, der in einer zivilisierten Gesellschaft durch ein Sozialwesen geregelt werden muss, bei dem die aufwändige Pflege, die ein einzelner Partner gar nicht leisten kann, von der Gemeinschaft übernommen wird.

Die Hoffnung, dass Menschen auch treu sind, indem sie ihre vertraglich zugesicherten Versprechen einhalten, nennt man auch Vertrauen, wobei man nur Denjenigen vertrauen sollte, die sich bislang des Vertrauens auch als würdig erwiesen haben, indem sie sich an die miteinander getroffenen Vereinbarungen hielten.
mehusae hat geschrieben:

@filofaxi
Die zeitweilige Vertauschung (Täuschung) von Realität und Idealität, welche jeder Hoffnung zugrunde liegt, dient noch über die reine Schmerzbetäubung hinaus dazu, den Mut aufrecht zu erhalten, auch da noch weiterzumachen, wo gar keine Aussicht auf Erfolg besteht, anstatt dem Trübsinn zu verfallen und schließlich aufzugeben.

Besteht hier nicht die Gefahr das Vertauschen zur Gewohnheit werden zu lassen? Darin verlöre sich der Betreffende in einer selbstkonstruierten Scheinwelt aus der er nur mühevoll wieder herauszukommen wagte.
Die Einbildung und Fixierung auf einen Zustand in dem das Leben mit und
um sich anders und besser zu ertragen wäre, ist dann besonders arg, wenn sie beim Menschen schon in der Kindheit wurzelt, was für das Kind im Extremfall oft die bessere Alternative zur Selbsttötung ist, aber sich eben auch nachhaltiger manifestiert.
Diesen Anker in jenen schlechten Situationen jedoch aufzugeben, bedeutete in eine Fantasielosigkeit und Depression zu fallen.
So gesehen wäre der vorgestellte, bessere und auch wohlbekömmlichere Seinszustand sicherlich dem Trübsinn vorzuziehen.
Wobei hier auch zu bedenken wäre, dass der Zustand der Hoffnungs-losigkeit und dessen Annahme ja nicht bedeutet, dass man für immer in einem resignierten Zustand verharren müsste, er ist nur ziemlich schwer zu ertragen.


"Realität" und "Idealität" können nicht "vertauscht" werden, auch in den Gedanken eines Menschen nicht.

Selbst dann, wenn ein Mensch das verdrängt, was ein anderer oder auch mehrere andere als "Wirklichkeit" wahrnehmen und bezeichnen würden, ist das, was er stattdessen wahrnimmt, seine eigene Wirklichkeit. Selbst wenn gewisse Wunschvorstellungen dabei eine Rolle gespielt haben mögen, ist das, was sich dem betreffenden Individuum als Wirklichkeit zeigt, nie völlig frei von Aspekten und Komponenten der Eindrücke, die auch andere gewonnen haben können... Genauso wenig wie die Wahrnehmungen zweier oder gar mehrerer Individuen jemals völlig identisch sein können, selbst dann nicht, wenn sie alle noch so sehr von ihrer Realitätsnähe überzeugt sein sollten.

Kurz gesagt: Die Überlegungen über eine Vertauschung von "Realität" und "Idealität" ist ein reines Gedankenspiel unter neuronalen Laborbedingungen, sind also dermaßen künstlich und realitätsfremd, dass sie tatsächlich nur als Spielerei und damit als Ablenkung von echten Lebensumständen und Problemstellungen dienen könnten, wenn man sich zu sehr mit ihnen beschäftigte.

Eine ganz andere Sache wäre es, wenn das betreffende Individuum nicht ohne Unterstützung durch eine ausgebildete Fachkraft fähig wäre, bestimmte, es an der weiteren Entwicklung hindernde Gedanken als solche zu identifizieren und zu hinterfragen und ggf. durch andere, förderlichere zu ersetzen. Aber auch dabei kommt es immer auf die Situation des betreffenden Menschen und seinen besonderen Fall, also den Einzelfall an. - Hat ein solcher potenzieller Helfer weniger ihn selbst, sondern vorrangig die Muster eines Menschen im Blick, wie er statistisch gesehen am besten funktionieren sollte, würde sich der betreffende Klient noch viel schlechter fühlen, als wenn er ganz auf sich allein gestellt wäre.

Muster - gesunde oder gestörte - zu entwerfen und wiederzuerkennen, mag dem professionellen Helfer in seiner Ausbildung zugutekommen, aber im Fall einer konkreten Hilfestellung (Therapie), darf er diese Hilfskonstruktionen nicht im Vordergrund stehen haben, weil er sonst in seinem Gegenüber, das bei ihm um Unterstützung ansucht, den Menschen selbst in seiner Einzigartigkeit nicht mehr wahrnehmen könnte.



Die zeitweilige Vertauschung (Täuschung) von Realität und Idealität, welche jeder Hoffnung zugrunde liegt, dient noch über die reine Schmerzbetäubung hinaus dazu, den Mut aufrecht zu erhalten, auch da noch weiterzumachen, wo gar keine Aussicht auf Erfolg besteht, anstatt dem Trübsinn zu verfallen und schließlich aufzugeben. (filofaxi)

@verdandi
"Realität" und "Idealität" können nicht "vertauscht" werden, auch in den Gedanken eines Menschen nicht.

Nachdenken ist schön.

Natürlich kann die Realität nicht mit der Idealität vertauscht werden, eher kann das Gedankenspiel, "was wäre wenn es nicht so wäre wie es ist", eine angenehmere aber auch eine unangenehmere Befindlichkeit beim Kreator der Vorstellungen eines Seinszustandes bewirken.
Abgesehen davon bewegen wir uns doch während unseres Lebens mal mehr und mal weniger zwischen Idealität und Mangelhaftigkeit und halten den gegenwärtigen Zustand, der auch kein Dauerzustand ist, so gut wie es nur geht aus.
Ich muss mich korrigieren, denn es ist natürlich richtig, dass man alleine dadurch, dass man lediglich in Gedanken die Realität mit der Idealität zu vertauschen versucht, die Realität selber noch nicht auf eine Weise ändern kann, dass sie dem Zustand, wie er ideal für Einen wäre, ähnlich wird, oder sogar gleicht.

Eigentlich meinte ich mit „Idealität“ auch nicht den „Idealzustand der Realität“, sondern die relationalen VORSTELLUNGEN (bzw. Ideen) davon, was man einerseits für den "vergangenen oder aktuellen Seinszustand der Realität" hält, und andererseits für einen "idealen und damit erstrebens- und erhoffenswerten, zukünftigen Zustand der Realität", bzw. einen "mangelhaften Zustand der Realität, den man befürchten muss und daher verhindern sollte".

Auch Buddha sah die höchste, geistige Macht darin, Herr über seinen eigenen Erkenntnisprozess zu werden, indem man als "Erwachter" (Erwachsener) seine unmittelbaren Eindrücke, die man von der Realität hat, und seine Vorstellungen, welche die Idealität betreffen, eben nicht mehr spontan genauso bewertet, wie man es schon als Kind getan hat, sondern seine Vorurteile, derer man sich dabei bedient, immer wieder auf aktuelle Richtigkeit und Zweckmäßigkeit hin überprüft.

So ist wohl auch der islamische „kleinen Krieg gegen gemeinschaftsfeindliche Individuen“ zu verstehen, während man den „großen Krieg gegen die eigenen falschen Vorstellungen von der Realität“ führt, weil die aufgrund ihrer gewohnheitsbedingten Zähigkeit am schwersten zu ändern sind.

Wer nun nicht nur über die dafür nötige Willenskraft verfügt, sondern auch über die Macht der unterscheidenden Erkenntnis, vermag natürlich auch reale Gelegenheiten, die für seine Zwecke nützlich sind, besser von lediglich vorgestellten zu unterscheiden, welche ganz offensichtlich (noch) nicht das Potenzial der erfolgreichen Verwendbarkeit beinhalten, sodass er es damit auch gar nicht erst versucht.

Das garantiert zwar auch noch keinen Erfolg, aber schließt zumindest aus, unüberlegt und somit unvernünftig zu handeln, und auf diese Weise die erfolgreiche Umsetzung seines Vorhabens in die Wirklichkeit unnötigerweise selber zu vereiteln.

Was nun die Beseitigung des Leidens in einer Situation betrifft, die man ursächlich nicht ändern kann, so bleibt Einem lediglich die Symptombehandlung, wobei darauf zu achten ist, dass man nicht an den Nebenwirkungen des Rauschmittels zur Schmerzbetäubung zugrunde geht, weil das auf Dauer süchtig (krank) macht.

In geistiger Hinsicht lautet dieses Betäubungsmittel „Hoffnung“, welches ebenfalls so dosiert werden sollte, dass man überhaupt noch Etwas von der Realität mitbekommt, um angemessen darauf reagieren zu können, anstatt in Träumereien von einer besseren Zukunft zu versinken, während man es seinen Mitmenschen überlässt, sich um das eigene Überleben in der Gegenwart zu kümmern.

Die Illusion (falsche Fantasievorstellung), der alleinige Herr(scher) im Hause zu sein, obwohl man es gar nicht ist, weil tatsächlich eine Herrscherin, wie die Frau des Nobelpreisträgers, dort das Sagen hat, lässt sich von dem Größenwahnsinnigen nur so lange aufrechterhalten, wie alle Beteiligten mitspielen.

Somit kann es sich ein ganz real vom Wohlwollen seiner Pfleger abhängiger „Patient“ auch nicht leisten, diese wie ein Tyrann zu behandeln, ohne sie dabei zu verärgern, und zu riskieren, durch ihre Verweigerung weiterer Mitarbeit unsanft aus seinen Träumen gerissen zu werden, was bei einem schwachen Herz mitunter sogar tödlich enden kann.