@ mehusae,

es tut mir leid, dass ich auf eine Bedeutungsebene von "innerer Leere" angesprungen war, die Du offenbar nicht unbedingt gemeint hattest. Das lag wohl daran, weil es für mich keinen positiven Aspekt daran gibt. Leere ist die Abwesenheit bzw. das Nichtvorhanden sein von jemanden oder etwas, den oder das ich vermisse.

Ich kann, wenn der Verlust unersetzlich scheint, mit dieser Leere und dem Schmerz darüber zu leben lernen und dabei anstreben, mit der Zeit nicht mehr allzu sehr darunter zu leiden. Mich sozusagen in der Situation des Verlustes geistig einrichten. Sicher ist das nicht selten so bei älteren verwitweten Menschen nach einer langjährigen glücklichen Ehe. Andere suchen sich dennoch für den letzten Lebensabschnitt einen neuen Partner, mit dem sie noch vieles miteinander teilen können, oder versuchen zumindest, bestehende freundschaftliche Beziehungen zu intensivieren, ohne den Platz ihres verstorbenen Partners mit den anderen Personen besetzen zu wollen. Hier ersetzen die Erinnerungen den betreffenden Teil des gegenwärtigen Erlebens, der dafür reserviert bleibt, so dass auch hier keine alles beherrschende innere Leere entstehen muss.

Natürlich können Menschen jedes Lebensaltes aus sehr unterschiedlichen Gründen mit dem Phänomen "innerer Leere" konfrontiert sein. Eine endogene Depression, die nicht nachhaltig behandelbar und therapierbar ist, stellt sicher diesbezüglich eine der größten Gefahren dar.

In einem ganz anderen, extremen, aber höchst positiv gelagerten Fall, strebt jemand - zum Beispiel durch Meditation - den Zustand geistiger Leere sogar an, um seinem Bewusstsein über dem Weg der Selbstversenkung essentielle neue Erfahrungen zu ermöglichen - und dadurch einen Zustand vollkommener innerer Harmonie zu erreichen.

Da Du aber hier den Begriff (altersunabhängiger) "innere Leere" mit einem "Vakuum" gleichsetzt, das aus zwischenmenschlichem Ver- oder Entsagen entstanden ist, könnte man ein bewusstes Anstreben hier sicher ausschließen, weil eine solche Ausgangsbedingung - objektiv betrachtet - m.E. nicht erstrebenswert ist und weil der Zustand eines Vakuums ein sehr gefährlicher sein kann, wenn man daran kratzt und seine Schutzschicht dabei verletzt.

Hier würde ich auch eher von einer Verdichtung von Nichts als von Leere sprechen. Denn in das Nichts dringt bei Verletzung der Außenhaut plötzlich "etwas" ein, das schlagartig "alles" ist. Das muss schockierend sein.

Dann doch lieber alles Wesentliche von vornherein, zumindest sukzessive, zu- und hereinlassen - auch wenn es (noch) schmerzen und einem (noch) als "zu viel" erscheinen sollte.


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Du hast Recht, nicht nur im Extremfall sollten wir den gegenwärtigen Moment zu schätzen und zu lieben lernen, ihn mit allen unseren Sinnen auskosten, ganz unabhängig von Vergangenheit und Zukunft.

Aber ich ging eher von der Praxis als vom Idealfall aus. Denn in der Regel möchte der Mensch produktiv sein, was ja auch auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit sinnvoll ist für ihn selbst, seine Angehörigen und die Gesellschaft.

Aber - und darauf muss ich jetzt einfach wieder zurückkommen - im Alter sollte er langsam Abstand nehmen davon und sukzessive lernen, nur noch den Moment mit (seinem) Leben zu füllen - was ja nie ausschließt, die noch vorhandenen Kräfte in einem moderaten, d.h. noch guttuendem Ausmaß produktiv zu nutzen.

Aber diejenigen, die das nicht mehr können, sind definitiv auf den Moment zurückgeworfen. Gut, wenn sie darauf vorbereitet sind und ihn zu schätzen wissen.

Natürlich "muss" niemand etwas tun (bereit und offen dafür zu sein, ist oft eine bewusst herbeigeführte Haltung, insofern auch Handlung), um einen Moment mit Leben zu füllen bzw. das Leben in sich hereinzulassen. Wenn aber jemand ein Mensch ist, der die Leere genießen kann, weil er sich selbst genug ist, soll er sie anstreben und sich darin einrichten.

Ich denke aber, dass Du den Begriff "Leere" teilweise so positiv besetzt hast, dass Du zumindes fallweise etwas anderes zu meinen scheinst, als ich. Evtl. ist das nur ein begrifflicher Dissens? Vielleicht ist es das, was ich eher als eine Art "Empfänglichkeit" begreife... Ein solcher Zustand benötigt eine Offenheit, die ich jedenfalls nicht "Leere" nennen würde.

Ich kann sehr erfüllt sein von Erlebnissen und Gedanken und dennoch bereit sein für neue Eindrücke und neue Begegnungen mit Menschen. Es kommt dabei nur darauf an, dass die "Außenhaut", die mein Inneres "zusammenhält", dehnbar - also flexibel bleibt.


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Du schreibst am Schluss:


>>Ich denke, dass die Würde des Menschen nicht nur vom Einzelnen aus bewahrt, gewahrt werden kann, sondern immer auch davon abhängt, wie man einander begegnet.<<

Ja - aber in der Hand habe ich nur mein eigenes Verhalten. Mit dem ich zwar versuchen kann, auch auf andere zuzugehen, sie zu bewegen und zu beeinflussen. Aber ihre Bereitschaft dazu, sich selbst und mir mit Würde zu begegnen, kann ich nicht erzwingen.

Ich stelle mir einmal folgende Situation vor:

Ich bin ziemlich alt, geistig noch klar aber körperlich pflegebedürftig, d.h. physisch abhängig davon, dass sich immer eine Pflegekraft um mich kümmert: mich wäscht, medizinisch versorgt, aus dem Bett hilft und aufs Klo bringt. - Aber es ist nicht nur eine Person es sind einige, die sich diese Aufgabe abwechselnd teilen müssen, je nach ihrer schichtbedingten Arbeitszeit.

Die eine ist respektvoll und einfühlsam, trotz ihres Stresses, neben mir noch etliche weitere Personen innerhalb eines eng bemessenen Zeitraumes pflegen zu müssen. Die nächste achtet nur auf die Erledigung der erforderlichen Arbeitsschritte und gibt sich ansonsten gleichgültig - für sie bin ich nur ein Objekt. Die übernächste erscheint betriebsam und fröhlich, behandelt mich aber wie ein kleines Kind in ihrer Obhut: "Na, haben wir unsere Tabletten denn auch brav eingenommen?"

Ich habe in einer solchen Lebenssituation mit starken körperlichen Einschränkungen grundsätzlich wenig Einfluss darauf, mit welcher inneren Haltung die jeweilige Pflegeperson mir begegnet, ob sie würdevoll mit mir umgeht und ob sie es selbst überhaupt bemerkt, wenn sie es nicht tut, usw.

Aber unabhängig davon, wie problematisch solche Verhältnisse mit anderen dann auch sein mögen, so kann ich doch zumindest auf eine Person immer zählen: auf mich selbst und auf das, was ich mir selbst zu geben habe - bis hin zur Anerkennung meiner Würde. Je stärker mein Selbstwertgefühl ausgeprägt ist, desto weniger tief werden mich würdelose Behandlungen durch andere wirklich treffen können.


@ mehusae

…..Ist es nicht so, dass der Mensch von den Äusseren scheinbar positiven, aufgedrängten unnatürlichen, akustisch und visuell Aufmerksamkeit heischenden Absichten, von seinem Sein sosehr permanent abgelenkt ist, dass nur wenig Freiraum zur Besinnung und zum Nachdenken bleibt......

Absichten können keine Aufmerksamkeit heischen, weil sie keine willensbegabten Personen sind. Daher gehe ich mal davon aus, dass du damit wohl eine mentale Erschöpfung aufgrund von Überforderung durch physische Reize meinst, wodurch eine Rückbesinnung auf das, was das vergangene Leben sinnvoll erscheinen ließ, oder eine angemessene Bewertung der gegenwärtigen Situation bzw eine vernünftige Planung der unmittelbaren Zukunft unmöglich wird.

Diese unbewusste Schutzreaktion, welche auch im Krankheitsfall den Körper lahmlegt, ähnelt der eines Schocks und ist ganz natürlich, um die wichtigsten Vitalfunktionen aufrecht zu erhalten und auf diese Weise den finalen Kollaps zu verhindern.

Daher gilt das Motto: „Schlaf ist heilig, weil heilend!“, auch wenns nicht „der Herr“ ist, der es den Seinen im Schlaf gibt, sondern die Menschen (Seelen?) dieses ganz unbewusst selber tun, indem sie sich im Schlafe so entspannen, dass die körperlichen, seelischen und geistigen Regenerationsprozesse von ganz alleine wieder einsetzen können, was im Wachzustand bei einer Dauerverkrampfung nur durch eine schamanische Ablenkungstechnik möglich ist, welche von Denen als Wunderheilung bestaunt werden, die den psychosomatischen Zusammenhang nicht kennen.

Nach einem guten Schlaf kann auch der Denkapparat wieder erfolgreich in Betrieb genommen werden, und man braucht nicht mehr – wie im Zustande der Erschöpfung – grübelnd im Bette auf und ab zu gehen, während man sich immerzu im Kreise des wissenschaftlichen Begründungszirkels dreht, ohne einen Schritt dabei weiterzukommen, was nicht etwa am Denken selber liegt, wie Denkfaule vielleicht meinen, sondern an der falschen, unsystematischen Vorgehensweise dabei.

So kann das Denken, bei dem eine beantwortete Frage - wie bei einem neunköpfigen Drachen, dem für einen abgeschlagenen Kopf sofort 9 neue nachwachsen – leicht vom 100sten ins 1000ste führen, wenn man es nicht meditativ betreibt, sondern sich von Nebensächlichkeiten ablenken lässt, anstatt sich vollständig auf das Thema dabei zu konzentrieren, was Buddha auch rechtes Meditieren nennt.

…..Die Frage wäre, weshalb er das an sich geschehen lässt.
Hat der Mensch Furcht einer gewissen Leere in sich zu begegnen?
Sind deshalb so viele Menschen auf einer Art Flucht und höchst selten "geerdet"?...


Die Frage wäre hier nicht, warum er sich von Reizen ablenken lässt, sondern warum er keine Entspannung zulassen kann, wodurch sich die zwanghafte Fixierung auf gerade unlösbare Probleme von selber lösen würde, anstatt – wie häufig von Fühlologen empfohlen – sich ebenso zwanghaft auf das Loslassen, bzw Lockerlassen zu konzentrieren, womit der geistige Krampf nur noch mehr verstärkt wird.

Sicherlich ist die Hauptursachen für eine Verkrampfung die Angst, nicht genug tun zu können, oder getan zu haben, um eine missliche Situation zu verhindern, was immer die Vorstellung voraussetzt, grundsätzlich schon dazu in der Lage zu sein, ALLE Probleme selber lösen zu können, um Papis oder Mamis Liebling zu bleiben.

Ohne diese Helden-Macke fällt es allerdings entschieden leichter, sich nicht zu entblöden, Andere um Hilfe zu bitten, denen man seinerseits auch schon mal einen Gefallen getan hat, oder sich damit freiwillig zu Dank verpflichten zu lassen, den man ihnen ja auch noch später erweisen kann, wenn sie ihrerseits mal Hilfe benötigen, was der Zweck einer jeden Partnerschaft ist.

Der zweite Zweck einer Partnerschaft ist der einer gegenseitigen Ergänzung, denn nur gemeinsam ist man stark. Die als Leere empfundene Einsamkeit ist auch ein Zeichen der Schwäche und Hilfsbedürftigkeit in der Not, in der man sich lieber an lebende Menschen aus Fleisch und Blut mit seinem Hilfegesuch wenden sollte, anstatt ein göttliches Hirngespinst darum zu bitten, seine Probleme zu lösen, während man bekifft in seinen Armen ruht, um dort abzuwarten, bis der Krug an Einem vorübergegangen ist, denn diese Hoffnung kann man auch ohne einen scheintoten Vater im Himmel pflegen, nachdem man auch selber sein Bestes dazu beigetragen hat.

Was die Ahnenbefragung in Trance betrifft, womit man sich besser daran erinnern kann, welche Ratschläge sie Einem einst für den jeweiligen Fall auf den Weg gegeben haben, so reicht es völlig, sich dabei auf das Gesagte zu konzentrieren, anstatt sich darüber hinaus auch noch mit einem wichtigtuerischen Ahnenkult öffentlich als von adeligem Geblüte darzustellen, um wenigstens damit jeden Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussagen sofort im Keim ersticken zu können, wenn man schon sonst keine anderen plausiblen Argumente dafür findet.

…...In solchen Zuständen der Ablenkung und Besinnungslosigkeit ist es kaum möglich auf Dauer geistig-seelisch und auch körperlich gesund zu bleiben.....

Das Problem ist die Problemflucht, die als Problemlösungsstrategie betrieben wird, bei der man Andere sein Problem lösen lässt, während man sich selber mit Rauschmitteln dermaßen betäubt hat, dass man nicht mehr handlungsfähig ist, und von der Wohlfahrt leben muss, die nicht von einem göttlichen Hirngespinst finanziert wird, sondern von sozial eingestellten Samaritern, die sich Gnade und Barmherzigkeit zum ethischen Gesetz gemacht gaben, und denen man auch Dank schuldet, wenn man sich nicht dafür bedanken kann.

…..Die Sucht mit der die Suche nach dem endlichen Zustand des Glücklichseins einhergeht ist meist begleitet von Depressionen und weiteren Verwirrtheitszuständen, infolge der eigenen Rücksichtslosigkeit......

Sucht kommt von Siechen und nicht von Suchen. Das Siechtum erfolgt aufgrund der schädlichen Nebenwirkungen bei andauerndem, zwanghaften Missbrauch von Rauschmitteln zum Zwecke der Schmerzbetäubung im Teufelskreis der Steigerung der Dosis, um der Desensibilisierung durch Gewöhnung entgegenzuwirken.

Dazu dienen substanzgebundene, prozessgebundene und objektgebundene Rauschmittel, wobei durch das zwanghafte Sehnen die Sehnsucht und durch das zwanghafte Eifern oder Streben die Eifersucht erzeugt wird, welche neben der Streitsucht, der Wetteifersucht, Herrschsucht, Habsucht, Gefallsucht etc. die wichtigsten prozessgebundenen Süchte darstellen.

Das zwanghafte Suchen nach dem Glück, welchem man die Krankheit der Eifersucht zuordnen kann, weil es – im Gegensatz zum passivischen Sehnen - aktivischer Natur ist, geschieht da, wo man nicht mehr merkt, dass man sein Ziel der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse, was das Glück ausmacht, bereits erreicht hat, sodass man sich auch nicht mehr drüber freuen kann, weil man nach immer mehr strebt, bis man am Ende am vollen Kochtopf verhungert. Dies ist nach hinduistischer Auffassung das Schicksal der hungrigen Geister, die niemals genug bekommen können, weil sie nicht mehr spüren, wann es genug und wann es zuviel ist, was sie vom Leben erwarten.

Hierbei leidet nicht der Süchtige unter seiner Rücksichtlosigkeit, sondern Diejenigen, die er für seine Zwecke einspannt – sei es als Erfüllungsgehilfen für sein unmäßiges Verlangen, oder als Therapeuten, die seinen Geist heilen müssen, um zu verhindern, dass er an seiner Geisteskrankheit zugrunde geht.

…..Wie nahe liegen doch Gesundheit und Krankheit - so nahe wie lieblich und böse. ….

Das Gegenteil von „richtig“ ist „falsch“, von „gut“ ist „schlecht“, von „gütig“ (wohlwollend) ist „böse“, und von „lieblich“ ist „hässlich“.

Der Gebrauch von „wahr“ statt „richtig“, oder „wütend“ statt „böse“, oder „schlecht“ anstatt von „böse“ ist genau so irreführend, wie die Verwendung von „lieb“ statt „brav“ (gehorsam) und „böse“ statt „ungehorsam“.

Den Zustand der Krankheit kann man in zwei Phasen einteilen, nämlich in die des unglücklichmachenden Siechtums, welches vom Zustand der Gesundheit wegführt, und die der glücklichmachenden Rekonvaleszenz, die wieder zum Zustand der Gesundheit hinführt. Dementsprechend steht die Befürchtung, dass es noch schlimmer werden könnte, gegen die Hoffnung, dass es wieder besser wird, solange dieser Wendepunkt noch nicht erreicht bzw erkannt worden ist.

Die Befürchtung an der falschen Stelle macht Einen zwar nicht unglücklich, aber traurig und damit hoffnungslos, während die Hoffnung an der falschen Stelle auch nicht glücklicher macht, aber zumindestens fröhlich, was Einem dabei hilft, sein schweres Los besser zu ertragen.

Daher muss es heißen: „Nicht glücklich, aber fröhlich ist, wer vergisst (verdrängt), was doch nicht zu ändern ist!“, indem er sich mit Etwas beschäftigt, worauf er mehr Einfluss hat, um aktiv an seinem Glück mitzuwirken, anstatt mit letzter Kraft ein Loch in die Wand zu starren, um dem Gefangensein in der eigenen geistigen Leere zu entfliehen als einzigem Beweis, dass man überhaupt noch zu irgend Etwas in der Lage ist – und sei es noch so sinnlos.

….Es ist ganz klar, dass Menschen einander UNMITTELBAR benötigen.
Mündige Menschen benötigen hingegen keine fragwürdigen Mittler die meinen ihnen vorschreiben zu müssen, wie sich Menschen zu begegnen haben.....


Wenn man mal von der falschen Vermutung abließe, jede wohlgemeinte Belehrung sei bereits eine Zwangsbelehrung, die mit einer Strafe für Nichtbefolgung verbunden ist, wie es in Kindertagen häufig der Fall war, und gute Ratschläge nicht als Nackenschläge interpretieren täte, brauchte man sich auch nicht so zwanghaft mit Ignoranz dagegen zu wehren, fremdbestimmt zu werden und würde andererseits auch nicht gleichzitig jedem netten Staubsaugerverkäufer alle Türen weit öffnen, ohne sich vorher nach dem tatsächlichen Handelswert des überteuerten Produktes erkundigt zu haben.

Mündigkeit heißt nämlich nicht, unabhängig von Anderen zu sein, sondern sich sozial angemessen verhalten zu können, wenn man mit Anderen die vertraglichen Bedingungen aushandelt, an die man sich anschließend auch hält, soweit Einem das möglich ist, was besonders die realistische Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens mit einschließt, damit auch der Partner weiß, was er von Einem erwarten kann und was nicht.

…..Das gegenseitige Bereichern durch gute, aufbauende Worte und Taten wird leider nur zu oft, durch Geltungsdrang bis hin zur Geltungssucht sowie aller Formen von Verführungen zum unmässigen Besitztum und weiterem egoistischem Verhalten, erfolgreich unterbunden.....

Besonders das Vortäuschen von mehr Schein als Sein macht den Enttäuschten leicht zu Jemandem, der sich von dem Blender vorsätzlich um ein Recht auf Wahrhaftigkeit betrogen wähnt, was er gar nicht hat. Daher fehlt auch jede ethische Grundlage, dem Täuscher bereits das Vertrauen zu entziehen, obwohl noch gar kein Schaden bei ihm bewirkt worden ist, außer an seinem falschen Selbstbild als einem Menschen, den man nicht straflos zu täuschen hat, sondern dem das Recht der Selbsttäuschung ganz alleine zusteht.

Der Lügner, der eine lässliche Lüge benutzt, um Jemanden vor der Erkenntnis dessen zu schützen, was er nicht verkraften würde, gilt dabei als genau so vertrauenswürdig und damit ehrenhaft, wie wenn er ihm Anvertraute vor ihren Verfolgern beschützt, die er mit einer Notlüge in die Irre führt, sodass paranoides Misstrauen in keinster Weise angebracht ist.

…..Daraus resultiert dann eine sichtbare Welt wie sie sich heute präsentiert.

Nun, der Fokus sitzt oft fest - dies ob gewollt oder nicht - unablässig auf Mord, Totschlag und sonstigen Gräueltaten gerichtet.
Es wird wenig oder gar nicht darüber diskutiert oder bebildert wie Visionen über Bewegungen, die, mal abgesehen vom "Einträglichen", zu einem wirkungsvollen Ablassen, durch Umkehr von Zerstörungswut hin zu vermehrtem Wohlbefinden aller Menschen, führen würden. …..


Es ist in der Tat die Frage, ob ein kollektiver Gesinnungswandel hin zum Pflegen einer gemeinsamen Geisteskultur im Stile einer humanistischen, herrschaftsfreien Weltreligion überhaupt bewirkt werden kann, wo dies bereits in der modernen Kleinfamilie, wo Jeder meint, er habe das Recht, zu machen, was er will, solange er die Macht dazu hat, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Wenn sich hingegen die Meisten an die moralischen Vorgaben hielten, wäre es ein Leichtes für den Einzelnen, es ihnen einfach nachzumachen, ohne dabei gegen den Strom schwimmen zu müssen. So kann man als Einzelner nur hoffen, dass immer wieder eine gemeinsame Not die Menschen zusammenschweißt und erkennen lässt, dass sie im selben Boot sitzen und zusammen halten müssen, wenns ums nackte Überleben oder Sterben geht.

….Grundsätzlich weiss der gesunde Mensch, der schon von Anbeginn seines Lebens seine Erfahrungen hat machen können oder dürfen, selbst, wo seine Grenzen sind, so er nicht durch Umstände in welchen er lebt genötigt oder durch überängstliche Eltern daran gehindert wird. ….

Seine Grenzen werden ihm u.a. durch seine Mitmenschen erst gesetzt, damit er deren Grenze nicht ständig überschreitet, denn sonst würde er auch nicht merken, wo sie tatsächlich gerade sind.

Da grenzenlose Freiheit nicht nur das völlige Ungeborgen-Sein bedeutet, sondern auch das Chaos darstellt,in dem es keine Orientierung gibt, weil man nicht weiß, wo der Anfang und das Ende ist, sind Grenzen unverzichtbar, um den tatsächlichen Freiraum auch erkennen und optimal für seine Zwecke nutzen zu können.

Indem man Leitlinien nicht als zwangsverordnete Scheuklappen betrachten, können sie auch sehr gut zukunftsweisend sein, sodass man nicht vor jedem Schritt die Welt erst völlig neu erfinden und dabei das Risiko eingehen muss, ständig über die eigenen Füße zu fallen, wie es bei einem Kleinkind der Fall ist, was erst noch laufen lernen muss.

….Kinder sollten in einem angemessenen Spielraum ausprobieren, experimentieren und eben über Grenzsituationen ihre Überschätzungen auch mal schmerzhaft erfahren dürfen. ….

So ist es, und den Spielraum legen dabei noch die Eltern fest und nicht das Kind selber!


@ Verdandi

….…..Aber schon könnte einen die Sorge überkommen, dass nichts mehr, was wir bisher aufzuweisen haben und noch planen können, ausreicht, die näher rückende Tatsache unserer Endlichkeit noch auszublenden. …...….

Warum sollte man die Erkenntnis, dass nicht nur die eigene Leistungsfähigkeit, sondern auch die Lebensdauer begrenzt ist, ausblenden? Man könnte sie doch auch genau so gut zum Ansporn dafür nehmen, jederzeit das Beste draus zu machen, um damit seinem Leben einen Sinn zu geben, den es ohne dies nicht hätte? In dem Falle müsste der Leitspruch heißen: „Mach dir keine unnötigen Sorgen, sondern sorge vor!“

.....Vielleicht haben wir auch nichts Besonderes aufzuweisen und wissen, dass da auch nichts mehr von Bedeutung erreicht werden kann? Im Extremfall existiert tatsächlich nur die Möglichkeit, diesen Moment jetzt bewusst zu erfahren und mit Leben zu füllen. Wenn es so sein sollte: Was fangen wir mit diesem Moment an?......

Diese Frage lässt sich leicht mit der Notwendigkeit beantworten, mit der die Dinge getan werden müssen, um das Überleben zu sichern. Da gibt es keine Qual der Wahl oder eine vergebliche Suche mehr nach dem, was irgendwann mal bedeutsam werden könnte, sobald das Überleben das Einzige darstellt, was tatsächlich im Moment von Bedeutung ist.

….…..Das ist das Szenario, dass seit einiger Zeit immer mal wieder in meinem Kopf herumschwirrt, wenn ich daran denke, dass ich irgendwann in nicht mehr allzu ferner Zukunft ein Pflegefall werden könnte. …..….
Als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft sind wir mit unseren Eigenarten, die Andere täglich ertragen müssen, immer ein Stück weit Pflegefall, können aber auch sogar noch bettlägrig bestimmen, ob wir bei Denen, die uns pflegen, wohlgelitten sind, oder nicht, indem wir so in den Wald reinrufen, wie es auch wieder rausrufen soll.

….…...Ich bin überzeugt davon, dass die Würde eines Menschen nicht davon abhängt, ob er sich entwürdigenden Situationen erfolgreich entziehen kann – auf welche Weise auch immer –, sondern, dass er sich seine Würde selbst in jeder noch so einschränkenden Situation zu bewahren versteht. Und das geschieht hauptsächlich über seine bewusste Einstellung......….

Genau so sehe ich das auch, denn die Einstellung zu seinen Mitmenschen, die einen Menschen der Ehre würdig macht – ganz gleich, ob sie von Anderen auch tatsächlich so gewürdigt wird, wie es dem Würdigen zusteht, oder nicht, wird von ihm bereits schon in Gedanken und nicht erst durch Handlungen entweder unbewusst spontan oder bewusst geplant zum Ausdruck gebracht.
@ verdandi @filofaxi

Leere ist die Abwesenheit bzw. das Nichtvorhanden sein von jemanden oder etwas, den oder das ich vermisse.

Ich meinte mit dieser „Leere“ eine gewisse Sinnlosigkeit von der Jemand betroffen ist, ein in dieser „Dreieinigkeit“ von Seele Körper Geist entstandener Mangel, eine Lücke oder auch eine Behinderung, was auch nicht nur eine vorübergehende Stimmung ist, sondern zum Dauerzustand und auch zur Depression und Geisteskrankheit führen kann.
Um etwas zu vermissen, muss man unbedingt auch wissen WAS das Vermisste ist. Nicht jeder Mensch hat Zugang zu Bildung oder hat die Möglichkeit sich aus seinem Lebensumfeld und Elend zu befreien um das Vermisste auch durch Vergleich erkennen zu können.

Ja - aber in der Hand habe ich nur mein eigenes Verhalten. Mit dem ich zwar versuchen kann, auch auf andere zuzugehen, sie zu bewegen und zu beeinflussen. Aber ihre Bereitschaft dazu, sich selbst und mir mit Würde zu begegnen, kann ich nicht erzwingen.

Aber unabhängig davon, wie problematisch solche Verhältnisse mit anderen dann auch sein mögen, so kann ich doch zumindest auf eine Person immer zählen: auf mich selbst und auf das, was ich mir selbst zu geben habe - bis hin zur Anerkennung meiner Würde. Je stärker mein Selbstwertgefühl ausgeprägt ist, desto weniger tief werden mich würdelose Behandlungen durch andere wirklich treffen können.

Genau so sehe ich das auch, denn die Einstellung zu seinen Mitmenschen, die einen Menschen der Ehre würdig macht – ganz gleich, ob sie von Anderen auch tatsächlich so gewürdigt wird, wie es dem Würdigen zusteht, oder nicht, wird von ihm bereits schon in Gedanken und nicht erst durch Handlungen entweder unbewusst spontan oder bewusst geplant zum Ausdruck gebracht.

Wenn also nun ein Mensch innerhalb seines Lebensraumes von Beginn seiner Existenz an erfährt, dass er es nicht wert ist zu leben, weil er scheinbar nicht würdig ist ausreichend Nahrung, Bildung und Arbeit zu bekommen, prägt sich ihm, mit wenigen Ausnahmen, das Grundempfinden verschmäht, nutzlos und nicht würdig zu sein auf eine irreversible Art ein, dementsprechend formt sich auch sein Denken und Handeln.

Sich auf diese Weise zu äussern, dass es immer an jedem Einzelnen läge, ist schon ziemlich suspekt und lässt die Frage ausser acht, was der betroffene Mensch denn tun kann, um in diesem würdelosen Dasein mit dem eigenen so Gewordensein Würde dennoch empfinden zu können.

Wie kann Jemand der dies nie erlebt hat überhaupt erfassen, ermessen, erahnen, was dies für ein in Krieg, Vertreibung und ein im Slum Aufgewachsener bedeutet?

Ich meine damit nicht, dass es Keiner schaffen könnte dennoch seinen tat-sächlichen Selbstwert, und nicht den Wert den ihm Andere zynischerweise
nicht zugestehen wollen, richtig einzuschätzen wüsste.
Wenn die Basis zum Leben fehlt, bleibt jedoch Würde für Viele nur ein Fremdwort.

@ filofaxi


>>Warum sollte man die Erkenntnis, dass nicht nur die eigene Leistungsfähigkeit, sondern auch die Lebensdauer begrenzt ist, ausblenden? Man könnte sie doch auch genau so gut zum Ansporn dafür nehmen, jederzeit das Beste draus zu machen, um damit seinem Leben einen Sinn zu geben, den es ohne dies nicht hätte? In dem Falle müsste der Leitspruch heißen: „Mach dir keine unnötigen Sorgen, sondern sorge vor!“<<

Ich sprach aber nicht vom Idealfall, in dem ein Mensch dazu fähig wäre, von Anfang an und jederzeit die optimale Lebenshaltung einzunehmen. Ich sprach von mir selbst als Beispiel für einen Menschen, der sich zunächst mit seinen inneren Widersprüchlichkeiten und Widerständen auseinander zu setzen - mit ihnen gar zu kämpfen hat, z.B. mit seinen der Sinneslust geschuldeten hedonistischen Bedürfnissen versus einer umzusetzenden Erkenntnis bezüglich gewisser asketischer Einschränkungen, die längerfristig vernünftig und besser für ihn wären und ihm sicher zu einem gesünderen und damit längeren Leben verhelfen würden. Die Frage sollte also nicht lauten "Warum sollten wir etwas ausblenden..., mit dem man auch eine positive Sicht einnehmen könnte?" - sondern: "Wie können wir uns dahin bringen, etwas nicht mehr auszublenden und die damit zunächst verbundene negative durch eine positive Sicht zu ersetzen?"

Hinzukommt, dass speziell dem Faktum individueller Endlichkeit an sich keine adäquate Lösung entgegenzusetzen ist. Es sei denn, man flüchtet in religiöse bzw. esoterische Fantasien vom (Über-) Leben des Individuums nach seinem Tod oder von seiner Wiedergeburt.

Wer sich allerdings jeder Fluchtperspektive entzieht, muss sich seiner eigenen Endlichkeit direkt, ohne Wenn und Aber stellen und eingestehen: Es ist wie es ist! Aber nur so nimmt er zugleich die Chance wahr, sein Ego überwinden zu können. Wenn der Schmerz der notwendigen Selbstentsagung erst einmal überwunden ist, öffnen sich ganz neue und sehr viel weitere Räume der Erkenntnis - hin zum Menschlichen an sich. Ist die Vorstellung, dass unsere Nachkommen leben werden, und danach deren Nachkommen usw... nicht ein wahrlich adäquater Trost?


>>Als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft sind wir mit unseren Eigenarten, die Andere täglich ertragen müssen, immer ein Stück weit Pflegefall, können aber auch sogar noch bettlägrig bestimmen, ob wir bei Denen, die uns pflegen, wohlgelitten sind, oder nicht, indem wir so in den Wald reinrufen, wie es auch wieder rausrufen soll.<<

Nein, so allgemein möchte ich das, was ich schrieb, nicht verstanden bzw. ausgeweitet wissen. Es ging mir konkret um die physisch absolut hilflose Situation, für die nötigsten alltäglichen Verrichtungen völlig abhängig von fremder Hilfe zu sein. Unter dieser Bedingung haben wir zwar evtl. (nicht in jedem Fall!) noch die eingeschränkte Möglichkeit, grundsätzlich Widerstand zu leisten durch Schweigen, Schimpfen, Schreien und Starrsein. Aber als geistig noch fitter Mensch würde mir das nicht sinnvoll erscheinen. Ich würde also in jedem Fall gute Miene zum ggf. bösen Spiel machen, um den Stress, mich ausgeliefert zu fühlen, so gering wie möglich zu halten. Mit einem guten Selbstwertgefühl wäre ich allerdings psychisch nicht ausgeliefert, so dass ich mir durch einen taktisch möglichst klugen Umgang mit respektlosen oder gar unsympathischen Pflegepersonen bewusst das Leben erleichtern kann, ohne zu viel von ihnen erwarten zu müssen - und enttäuscht zu werden.

>> ...denn die Einstellung zu seinen Mitmenschen, die einen Menschen der Ehre würdig macht – ganz gleich, ob sie von Anderen auch tatsächlich so gewürdigt wird, wie es dem Würdigen zusteht, oder nicht, wird von ihm bereits schon in Gedanken und nicht erst durch Handlungen entweder unbewusst spontan oder bewusst geplant zum Ausdruck gebracht.<<

In der Pflegefall-Situation wird es natürlich enorm wichtig, die Personen, die mir physisch sehr nahe kommen, die ich mir aber höchstwahrscheinlich (zumindest als Kassenpatient) nicht mehr aussuchen kann, von vornherein richtig einzuschätzen und mich auf sie so einzustellen dass der Umgang möglich stressfrei vonstattengehen kann.

Für die psychische Anregung und Zuwendung vertraue ich auf die mehr oder weniger häufigen Besuche (jüngerer) Angehöriger und Freunde, denen ich auf jeden Fall auch noch etwas zu geben haben möchte, damit sie nicht nur aus einem Pflichtgefühl heraus, sondern tatsächlich noch gerne zu mir kommen werden. Ich meine natürlich immaterielle Gaben wie Dankbarkeit, Freude und anregende Gespräche. Vorspielen kann man das sicher nicht, wenn einem eher verzweifelt zumute ist. Mit einem guten Selbstwertgefühl lässt sich das sicher besser bewerkstelligen als ohne; darauf hoffe ich jedenfalls.





@ mehusae

Du schreibst:


>>Wenn also nun ein Mensch innerhalb seines Lebensraumes von Beginn seiner Existenz an erfährt, dass er es nicht wert ist zu leben, weil er scheinbar nicht würdig ist ausreichend Nahrung, Bildung und Arbeit zu bekommen, prägt sich ihm, mit wenigen Ausnahmen, das Grundempfinden verschmäht, nutzlos und nicht würdig zu sein auf eine irreversible Art ein, dementsprechend formt sich auch sein Denken und Handeln.

Sich auf diese Weise zu äussern, dass es immer an jedem Einzelnen läge, ist schon ziemlich suspekt und lässt die Frage ausser acht, was der betroffene Mensch denn tun kann, um in diesem würdelosen Dasein mit dem eigenen so Gewordensein Würde dennoch empfinden zu können.

Wie kann Jemand der dies nie erlebt hat überhaupt erfassen, ermessen, erahnen, was dies für ein in Krieg, Vertreibung und ein im Slum Aufgewachsener bedeutet?

Ich meine damit nicht, dass es Keiner schaffen könnte dennoch seinen tat-sächlichen Selbstwert, und nicht den Wert den ihm Andere zynischerweise
nicht zugestehen wollen, richtig einzuschätzen wüsste.
Wenn die Basis zum Leben fehlt, bleibt jedoch Würde für Viele nur ein Fremdwort.<<

Mein Argument bezüglich der vorrangigen Bedeutung eines gutentwickelten Selbstwertgefühls hat in allen denkbaren Fällen durchaus Bestand - denn: Wer von Anfang an gebrochen wurde durch absolut hoffnungslos erscheinende Lebenssituationen und der dauerhaften und völligen Abwesenheit helfender Wohlmeinender, begonnen bei völlig unfähigen bis böswilligen Erzeugern und Erziehungspersonen und ggf. endend unter dem Einfluss eines gleichgültigen bis tyrannischen und menschenverachtenden Herrschaftssystems, der kann und wird vermutlich ein Selbstwertgefühl erst gar nicht entwickeln und sich daher selbst nicht helfen können (...obwohl es auch da schon Ausnahmen, d.h. von Natur aus starke Charaktere gegeben hat, denen das trotzdem gelungen ist).

Du hast insofern Recht, dass man jemanden, der aufgrund ungünstiger äußerer Bedingungen ein Selbstwertgefühl auch nur im Ansatz nicht hat entwickeln können, schlecht raten kann, es einzusetzen. Es würde sicher auch nicht viel nutzen, wenn es schlicht darum geht, den Hunger nach Nahrung zu stillen. Man muss in diesen Fällen erst einmal dem Betreffenden Hilfestellung dazu anbieten, das Lebensnotwendige erlangen zu können.

Aber diese Fälle und die damit einhergehenden gesellschaftlich relevanten komplexen Problematiken, deren Existenz ich in keiner Weise bezweifele, stellen doch jeweils ein besonderes Thema dar, bei dem ich mich selbst als Interessierte engagieren kann, ohne persönlich betroffen zu sein.

Aber: Nicht auf die politische Notwendigkeit einer Befreiung von Menschen aus einschränkenden Lebensverhältnissen oder einer Verbesserung der sozialen Hilfen für Menschen, die sich selbst nicht helfen können, ist mein Fokus in diesem Forum gerichtet – das würde ich eher im Politikforum behandeln wollen –, sondern darauf, was ein Mensch grundsätzlich tun kann, um den philosophischen Lebensfragen adäquat zu begegnen und sein Leben so zu gestalten, dass er mit allen denkbaren Situationen und möglichen Einbußen zurecht kommen kann. Das ist natürlich nur dann relevant, wenn er dazu von den Voraussetzungen her fähig und bereit ist und seine Grundbedürfnisse bereits gestillt sind.

Meine Frage an Dich: Wenn das von mir in meinen vorherigen Beiträgen geschilderte Anliegen relevant und wichtig für mich und möglicherweise für viele andere ist, die durchaus die Voraussetzungen dafür mitbringen, weshalb sollten sie und ich uns dennoch verbieten, es öffentlich zu thematisieren, nur weil es andere gibt, denen sich diese Fragen (noch) nicht stellen, weil für sie zunächst anderes, was die menschlichen Grundbedürfnisse betrifft, wichtiger wäre, um ihre Lebenssituation zu verbessern?

Dann wäre es ja so, dass wir uns niemals öffentlich mit Kunst, Literatur, Philosophie(!), Theater, Reisen, Mode und Kulinarischem – also mit kulturellen Themen, die über sozialpolitische Fragen hinausgehen, beschäftigen und darüber austauschen dürften: Weil es so viele Menschen auf Erden gibt, die daran nicht teilhaben könnten, weil sie im Elend leben!

Diese Frage taucht ja immer mal wieder auf. Das eigentliche Problem damit besteht darin, dass sich diejenigen, die sich selbst ein höher entwickeltes Verantwortungsbewusstsein für das Elend in der Welt zugestehen als anderen, sich gerne mal über diese anderen, vermeintlichen und als solche geschmähten "Egoisten" und "Zyniker" moralisch erheben. – Ich ziehe mir diesen Schuh allerdings nicht an.



@ verdandi

Aber diese Fälle und die damit einhergehenden gesellschaftlich relevanten komplexen Problematiken, deren Existenz ich in keiner Weise bezweifele, stellen doch jeweils ein besonderes Thema dar, bei dem ich mich selbst als Interessierte engagieren kann, ohne persönlich betroffen zu sein.
Aber: Nicht auf die politische Notwendigkeit einer Befreiung von Menschen aus einschränkenden Lebensverhältnissen oder einer Verbesserung der sozialen Hilfen für Menschen, die sich selbst nicht helfen können, ist mein Fokus in diesem Forum gerichtet – das würde ich eher im Politikforum behandeln wollen
-,

Die Frage dieses Threads lautet:
Was kann der Mensch tun, was können die Menschen von heute tun, damit zum Beispiel alle Menschen, an jedem Tag ihres Lebens ein Stückchen Brot, etwas Gemüse, Früchte und Wasser zu sich nehmen können, ohne dabei ihr Lebe zu riskieren?

... sondern darauf, was ein Mensch grundsätzlich tun kann, um den philosophischen Lebensfragen adäquat zu begegnen und sein Leben so zu gestalten, dass er mit allen denkbaren Situationen und möglichen Einbußen zurecht kommen kann. Das ist natürlich nur dann relevant, wenn er dazu von den Voraussetzungen her fähig und bereit ist und seine Grundbedürfnisse bereits gestillt sind.

Nein, das denke ich gar nicht so. Die ersten philosophischen Fragen eines Hungernden, Durstenden sind ziemlich sicher:
Was kann ich tun, damit ich nicht mehr hungrig und durstig bin?
Wie komme ich zu Wasser und zu Nahrung?
Danach wenn er weiss wie er dies bewirken kann, kommt die nächste Frage ganz bestimmt.
Kann ich dies auf Dauer sichern?
Er wird, so gut er kann, nicht aufhören sich dafür einzusetzen seinen Hunger und Durst zu stillen.

http://www.the-congo-tribunal.com/film.html#synopsis

Ganz aktuell wird in
Milo Rau's Kunstwerk „Das Kongo Tribunal“ gezeigt, was es konkret heisst, seine Nächsten, seine Habe, sein Heim auf grausamste Art und Weise zu verlieren.

https://www.srf.ch/play/radio/kontext/a ... bb56facdb6


>>Die Frage dieses Threads lautet:
Was kann der Mensch tun, was können die Menschen von heute tun, damit zum Beispiel alle Menschen, an jedem Tag ihres Lebens ein Stückchen Brot, etwas Gemüse, Früchte und Wasser zu sich nehmen können, ohne dabei ihr Lebe zu riskieren?<<


Nein, die Frage dieses Threads lautet ganz allgemein und keineswegs so speziell, wie Du es jetzt anführst:
"Der Mensch, was soll er tun, was darf er hoffen?"


Wenn Du so apodiktisch bist in Deiner Auslese, wer sich hier in Deinem Thread beteiligen dürfe (nämlich nur jemand, der das Thema so eng auffasst, wie Du), wundert es mich sehr, dass Du Dich selbst überhaupt hier in einem Forum aktiv beteiligst, in dem es ringsherum um "Luxusthemen" und vorrangig eben nicht um die von Dir bevorzugte spezielle Frage geht, was wir gegen den Hunger in der Welt tun können!

Bei mir ist es die Liebe zur Philosophie, zur Kunst und zur Literatur, die mich in diesen Foren schreiben lässt, obwohl anderswo Kinder verhungern. Verwerflich in Deinen Augen? Dann haben wir uns wohl nichts mehr zu sagen.



Bin leider immer noch gehandicapt und hinke zeitlich etwas hinterher:

@mehusae

….Ich meinte mit dieser „Leere“ eine gewisse Sinnlosigkeit von der Jemand betroffen ist, ein in dieser „Dreieinigkeit“ von Seele Körper Geist entstandener Mangel, eine Lücke oder auch eine Behinderung, was auch nicht nur eine vorübergehende Stimmung ist, sondern zum Dauerzustand und auch zur Depression und Geisteskrankheit führen kann.
Um etwas zu vermissen, muss man unbedingt auch wissen WAS das Vermisste ist. Nicht jeder Mensch hat Zugang zu Bildung oder hat die Möglichkeit sich aus seinem Lebensumfeld und Elend zu befreien um das Vermisste auch durch Vergleich erkennen zu können. …..


@ Verdandi

…..Leere ist die Abwesenheit bzw. das Nichtvorhanden sein von jemanden oder etwas, den oder das ich vermisse. …..

Leere ist zunächst nur die Abwesenheit von Fülle. Die spontane, unbewusste positive oder negative Bewertung, die durch eine dadurch ausgelöste Stimmung sogar körperlich fühlbar wird, bezieht sich auf das subjektive, situationsabhängige Empfinden des Mehr oder Weniger, bzw des Zuwenig oder Zuviel davon, denn zu viel Fülle/Leere durch das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von etwas konkret Bestimmbarem kann genauso unangenehm sein, wie zu wenig.

Je nach Zielsetzung spielt es bei der positiven oder negativen Bewertung des noch halb vollen/leeren oder schon halb vollen/leeren Glases auch eine Rolle, aus welcher Richtung man selber mit seiner Bedürftigkeit kommt, und wohin man gehen will oder muss, sodass ein halbes Glas dem Einen ziemlich voll und dem Anderen ziemlich leer vorkommt.

Als 3. Faktor spielt bei der Bewertung eine Rolle, wie es dazu kam, dass die partielle Leere oder Fülle entstand, und ob dies dem entsprach, was man für „normal“ oder aber „natürlich“ in Bezug auf einen allgemein oder selber gesetzten Maßstab geschah, sodass man sie als Belohnung oder Bestrafung eigenen Verhaltens betrachten kann, oder aber als unverdiente und unverschuldete Fügung glücklichmachender oder unglücklichmachder Umstände, denen es mit einer jeweils unterschiedlichen Reaktionsweise zu begegnen gilt.

Das betrifft dann den Mangel durch Verlust von Etwas, was man mal besessen und verloren hat, sodass man es schmerzlich vermisst, bis man einen gleichwertigen Ersatz dafür gefunden hat, und den Mangel von Etwas, das Andere haben, aber man selber noch nie hatte, und von dem man meint, dass es Einem auch zustünde, um sich seines Lebens erfreuen zu können, gleichermaßen.

…..Ja - aber in der Hand habe ich nur mein eigenes Verhalten. Mit dem ich zwar versuchen kann, auch auf andere zuzugehen, sie zu bewegen und zu beeinflussen. Aber ihre Bereitschaft dazu, sich selbst und mir mit Würde zu begegnen, kann ich nicht erzwingen. ….

Doch, kann man, indem man zB dem Arbeitgeber, der Einem die Würdigung der durch vereinbarte Leistung erbrachten Verdienste durch einen ebenso vertraglich vereinbarten Lohn verweigern könnte, von vorneherein drauf aufmerksam macht, dass man ihn auch per Gericht dazu zwingen kann, seiner Lohnzahlungspflicht nachzukommen, was ihn dann wegen des Strafbestandes des vorsätzlichen Betruges noch teurer zu stehen käme, als wenn er dieser Pflicht freiwillig nachkäme.

…..Aber unabhängig davon, wie problematisch solche Verhältnisse mit anderen dann auch sein mögen, so kann ich doch zumindest auf eine Person immer zählen: auf mich selbst und auf das, was ich mir selbst zu geben habe - bis hin zur Anerkennung meiner Würde. …..

Würde kann man als Person nur im Ansehen anderer Personen erlangen, die Einen dann wegen der für sie erbrachten Leistung für wertvoll halten, aber nicht bei und für sich selbst, und auch nicht für leblose Gegenstände oder (Hirn-)Gespenster.

Ebenso kann man auch nur Anderen Etwas geben oder wegnehmen, aber nicht sich selber.

Wenn ich sage: „Ich nehme mir Etwas!“ macht dieses Reflexivpronomen gar keinen Sinn, denn wenn man es wegließe, käme dies aufs Selbe raus. Erst wenn ich es als Personalpronomen verwende, macht es in Verbindung mit anderen Personen Sinn, indem ich sage: „Ich nehme dir oder euch Etwas weg!“ oder „Du nimmst mir Etwas weg!“

….Je stärker mein Selbstwertgefühl ausgeprägt ist, desto weniger tief werden mich würdelose Behandlungen durch andere wirklich treffen können. …..

Gefühle sagen noch gar nichts über ihre Herkunft aus, und auch nichts über die Richtigkeit einer unbewusst empfundenen oder bewusst vorgenommene Bewertung.

Wenn es um die Empfindungsfähigkeit oder die bewusste Bewertungsfähigkeit geht, sind also keine Gefühle maßgeblich, sondern die Erfahrung mit den Wertvorstellungen Anderer, denen man genügen muss, um im Gegenzug bei ihnen als dessen würdig zu erscheinen, was man von ihnen dafür haben will.

Ist man wertlos für Jemanden, der das, was man zu bieten hat, bereits besitzt, so ist das keine Frage des eigenen Dafürhaltens, sondern eine umständebedingte Tatsache, die es zu akzeptieren gilt, wenn man sonst nichts Anderes hat, was man in die Waagschale werfen könnte, um seinen Wert beim Anderen zu steigern.

Wer sich hingegen lieber im Spiegel der Eitelkeiten betrachtet, und sein schönes aber unrealistisches Selbstbild weiterhin pflegt, um aufgrund seines Mehrwertkomplexes seinen partiellen Minderwert nicht einsehen zu müssen, spinnt sich was zurecht und wird nie begreifen, wo sein tatsächlicher Wert für Andere liegt, solange er sich für den Größten hält.

Das Selbe gilt auch für Denjenigen, der aufgrund eines echten Minderwertigkeitskomplexes (anders, als nach der Definition der Fühlologen) meint, er habe nicht so viel verdient für seine Leistung, wie man es ihm gerade anbietet, weil die noch nie in dieser Weise gewürdigt (entlohnt) wurde, sodass er sie lieber unter Wert verkauft, um sich nicht unnötig über die Maßen zu noch mehr Arbeit dafür verpflichten zu lassen.

Es macht also nicht nur einen begrifflichen, sondern auch einen tatsächlichen Unterschied zwischen „empfundener Selbstsicherheit“ und der „Sicherheit aufgrund eines bewussten Abschätzens“ des Wertes aus, den man für Andere hat, und der abgekürzt auch „vorgestellter Selbstwert“ heißt, weil selbst damit noch nicht garantiert ist, ob die eigenen Vermutungen auch tatsächlich der sozialen Realität entspricht, oder nicht, denn das erfährt man meistens erst von dem Bewertenden selber oder von Anderen, die es besser wissen.


@mehusae

…....Wenn also nun ein Mensch innerhalb seines Lebensraumes von Beginn seiner Existenz an erfährt, dass er es nicht wert ist zu leben, weil er scheinbar nicht würdig ist ausreichend Nahrung, Bildung und Arbeit zu bekommen, prägt sich ihm, mit wenigen Ausnahmen, das Grundempfinden verschmäht, nutzlos und nicht würdig zu sein auf eine irreversible Art ein, dementsprechend formt sich auch sein Denken und Handeln......

Wenn der Mensch nur Verachtung und keine Hochachtung in seiner Kindheit erfahren hätte, könnte es zutreffen, dass er dies als Norm verinnerlicht und als einen Minderwertigkeitskomplex im oben beschriebenen Sinne der vorgestellten eigenen Wertlosigkeit ein Leben lang mit sich herumträgt.

Da aber jeder Mensch auch andere, positive Erfahrungen macht, weiß er auch recht früh, dass und auch weswegen er von den Einen geliebt und von den Anderen gehasst wird, und braucht sich dann nur noch darum zu kümmern, von Denjenigen geliebt und vor allem begehrt zu werden, die ihm als Lohn für seine Leistung, die sie ebenfalls benötigen, das geben können und sollen, was er selber zum Leben braucht.

…..Sich auf diese Weise zu äussern, dass es immer an jedem Einzelnen läge, ist schon ziemlich suspekt und lässt die Frage ausser acht, was der betroffene Mensch denn tun kann, um in diesem würdelosen Dasein mit dem eigenen so Gewordensein Würde dennoch empfinden zu können.....

Die Lebensumstände oder die erbrachte Leistung können niemals „WÜRDIG“ sein, sondern immer nur die Person, die sich damit um eine entsprechende Gegenleistung verdient gemacht hat. Daher wäre der Ausdruck „Entlohnung“ besser geeignet, als „Würdigung“. Sie können jedoch den Erwartungen entsprechen, die man als Gegenleistung für seine Eigenleistung an sie stellt, oder eben nicht. Dann sind sie den Aufwand dafür „WERT“ oder eben nicht.

…..Wie kann Jemand der dies nie erlebt hat überhaupt erfassen, ermessen, erahnen, was dies für ein in Krieg, Vertreibung und ein im Slum Aufgewachsener bedeutet?

Ich meine damit nicht, dass es Keiner schaffen könnte dennoch seinen tatsächlichen Selbstwert, und nicht den Wert den ihm Andere zynischerweise nicht zugestehen wollen, richtig einzuschätzen wüsste. Wenn die Basis zum Leben fehlt, bleibt jedoch Würde für Viele nur ein Fremdwort. ….


Das Nachvollziehen der narzisstischen Kränkung durch Abwertung der eigenen Person von Anderen aufgrund von unzulänglichen Eigenleistungen, die man für sie erbracht hat, um einer entsprechenden Gegenleistüng würdig zu sein, fällt sicherlich Jedem leicht, der sie selber schon mal erleben musste, auch wenn es nicht um den Verlust der ganzen wirtschaftlichen Existenzgrundlage oder der körperlichen Funktionsfähigkeit dabei ging.

Dennoch ist für Denjenigen, der sich für würdiger hielt, als er es tatsächlich für einen Anderen war, die Relativierung hilfreich, mit der er sein falsches Selbstbild in Bezug zu der speziellen Person korrigiert, um sich besser damit abfinden zu können, dass er eben nicht für Jeden unentbehrlich sein kann.

Am Besten ist es, sich von Vorneherein gar nicht erst mit Menschen abzugeben, die Einen nicht brauchen und daher die eigene Leistung minder bewerten, sodass sie auch nicht bereit sind, sie entsprechend zu entlohnen, sondern nur mit denen, sie sich als faire, gleichstarke und damit auch gleichwertige Handelspartner anbieten, weil sie Einen genau so brauchen, wie man sie, sodass auch die vertragsgemäß vereinbarte Entlohnung wunschgemäß ausfällt.

@ filofaxi

Verdandi: >>Ja - aber in der Hand habe ich nur mein eigenes Verhalten. Mit dem ich zwar versuchen kann, auch auf andere zuzugehen, sie zu bewegen und zu beeinflussen. Aber ihre Bereitschaft dazu, sich selbst und mir mit Würde zu begegnen, kann ich nicht erzwingen.<<


filofaxi: >>Doch, kann man, indem man zB dem Arbeitgeber, der Einem die Würdigung der durch vereinbarte Leistung erbrachten Verdienste durch einen ebenso vertraglich vereinbarten Lohn verweigern könnte, von vorneherein drauf aufmerksam macht, dass man ihn auch per Gericht dazu zwingen kann, seiner Lohnzahlungspflicht nachzukommen, was ihn dann wegen des Strafbestandes des vorsätzlichen Betruges noch teurer zu stehen käme, als wenn er dieser Pflicht freiwillig nachkäme.<<

Wovon Du sprichst, ist etwas anderes: Eine offizielle Haltung, die man gerichtlich erzwingen kann. Ich dagegen sprach von der inneren Bereitschaft eines anderen, die niemand erzwingen kann!

Es existieren viele Möglichkeiten, jemanden, den man ablehnt, so zu schmähen, dass es der Öffentlichkeit kaum oder nicht auffällt, der Zielperson aber schon, vor allem sicher dann, wenn sie schon einschlägige Erfahrungen mit ihrem Gegner hat machen müssen, was besonders schlimm ist, wenn es sich um einen Vorgesetzten handelt, von dem sie beruflich abhängig ist. („Bossing“ nennt man dieses Äquivalent zum Mobbing.)

Wenn der Schädiger es geschickt genug anstellt, stellt er den Mitarbeiter, den er nicht respektieren und würdigen will, auf eine subtile Weise ins Abseits, die ihm niemand nachweisen kann. Das Opfer kann sich dann nur noch eine dicke Haut zulegen und stur nach Vorschrift arbeiten oder die Flucht nach vorn antreten, zum Beispiel in einem großen Betrieb den Betriebsrat einschalten, sich notfalls in eine andere Abteilung versetzen lassen.

In einer kleinen Werbeagentur zum Beispiel ist das aber nicht möglich, so dass nur die Kündigung übrig bleibt. Jedenfalls ist der Betroffene besser dran, wenn er es schafft, sich sein Selbstwertgefühl nicht auch noch beschädigen zu lassen und dafür sorgt, dass er diese Situation selbst beeinflusst, notfalls durch Kündigung – was zwar nicht wirtschaftlich, aber sicher psychisch die bessere Lösung wäre, als auszuharren, auch wenn er sich absolut im Recht fühlt. Den evtl. zustehenden Schadensersatz kann er auf jeden Fall besser von außen einfordern.


>>…kann man auch nur Anderen Etwas geben oder wegnehmen, aber nicht sich selber.<<

Sei nicht immer so kleinlich mit der Sprache, wir sind hier keine Sprachwissenschaftler oder Juristen. Natürlich kann ich mir selbst etwas geben und nehmen! Ich verstehe darunter folgendes:

Ich kann mich selbst lieben und dafür sorgen, dass ich etwas erhalte, was ich brauche. Wenn ich mich selbst nicht liebe, mich vielleicht sogar selbst (meist unbewusst) hasse und bestrafen will, entsage ich vielem, was mir gut tun würde, usw. Insofern kann ich ein gutes oder schlechtes Selbstwertgefühl aufweisen und mir dementsprechend etwas geben oder nehmen. Zumindest weißt Du nun, was ich meine, auch wenn ich meine Formulierungen nicht an Deiner Sprachregelung ausrichte.

>>Wer sich … im Spiegel der Eitelkeiten betrachtet, und sein schönes aber unrealistisches Selbstbild weiterhin pflegt, um aufgrund seines Mehrwertkomplexes seinen partiellen Minderwert nicht einsehen zu müssen, spinnt sich was zurecht und wird nie begreifen, wo sein tatsächlicher Wert für Andere liegt, solange er sich für den Größten hält.<<

Leider hast Du vorschnell etwas vorausgesetzt, was eher als üble Nachrede und Verleumdung herüberkommt, als wie eine sachliche Replik zu meinen von Dir zitierten Aussagen, indem Du schreibst: „Solange er sich für den Größten hält.“? Worauf beziehst Du Dich damit? Jedenfalls habe ich von einem solchen Fall von Größenwahn gar nicht gesprochen, so dass Dein Argument völlig ins Leere zielt – es sei denn, Du wolltest mich damit treffen. Wenn Du mich allerdings nicht meintest, ist dieser Abschnitt Deines Beitrage für mich völlig irrelevant. Das betrifft auch die von Dir benutzten Begriffe wie „Eitelkeit“, „Minderwert“ usw. Worauf, eigentlich, zielst Du damit? Ich habe jedenfalls nicht das Bedürfnis, mich mit den Problemen von eitlen, von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Größenwahnsinnigen zu beschäftigen. :wink:

Also nochmals: Jemand, der nicht eitel ist, kein unrealistisches Selbstbild pflegt und keine Komplexe hat und nicht größenwahnsinnig ist, ist auch keineswegs darauf angewiesen, seinen Wert durch andere zugesprochen zu erhalten! Vielleicht empfindest Du das anders, aber dann externalisiere diese persönliche Wahrnehmung nicht auf andere und spreche anderen nicht ab, ihre eigenen Erfahrungen gemacht zu haben, die von Deinen abzuweichen scheinen.

>>Es macht also nicht nur einen begrifflichen, sondern auch einen tatsächlichen Unterschied zwischen „empfundener Selbstsicherheit“ und der „Sicherheit aufgrund eines bewussten Abschätzens“ des Wertes aus, den man für Andere hat, und der abgekürzt auch „vorgestellter Selbstwert“ heißt, weil selbst damit noch nicht garantiert ist, ob die eigenen Vermutungen auch tatsächlich der sozialen Realität entspricht, oder nicht, denn das erfährt man meistens erst von dem Bewertenden selber oder von Anderen, die es besser wissen.<<

Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinen Wert nicht von der Ein- oder Abschätzung anderer abhängig mache, sondern hauptsächlich von meiner eigenen Selbsterfahrung und -einschätzung, die natürlich flexibel bleiben müssen, um nicht einzurosten. Was sonst noch alles dafür erforderlich ist, weiß ich inzwischen sehr gut – und dass es sich auch richtig „anfühlt“ belegt mir, dass Herz und Verstand hier gut zusammenarbeiten.

Alle Belange die mich selbst betreffen, werden auf keinen Fall von anderen besser gewusst – solange ich nicht an mir selbst leide, was in früheren Zeiten, als ich noch sehr jung war, natürlich noch anders war. Aber nun ruhe ich in mir selbst, auch wenn ich bereits altersbedingte Einbußen meiner Möglichkeiten in Kauf nehmen muss. Dennoch bleibe ich stets offen für konstruktive Kritik, die ich gern aufnehmen, um noch weiter mit mir selbst zu kommen; das hört nie auf und soll auch nie aufhören. Dennoch bin und bleibe ich die wichtigste Person in Sachen Kompetenz für die eigene Sache in meinem Leben.



@ Verdandi

…..Ich sprach aber nicht vom Idealfall, in dem ein Mensch dazu fähig wäre, von Anfang an und jederzeit die optimale Lebenshaltung einzunehmen. Ich sprach von mir selbst als Beispiel für einen Menschen, der sich zunächst mit seinen inneren Widersprüchlichkeiten und Widerständen auseinander zu setzen - mit ihnen gar zu kämpfen hat, …..

Der Widerspruch zwischen Idealvorstellung und Realität ist vor Allem ein geistiger, der dadurch zustande kommt, dass beide nicht miteinander übereinstimmen. Hierbei kann die menschengemachte Vorstellung falsch sein, weil sie nicht zur Realität passt, die nur zu einem geringen Teil vom Menschen bewirkt worden ist, und an der Stelle richtigerweise auch Wirklichkeit genannt werden, aber nicht die Realität, weil sie nicht zur Idealvorstellung des Menschen passt.

Hier wäre es sinnvoller, sein Ideal nur als richtungsweisend für eigene Handlungen zu benutzen, anstatt es zum Vorbild für eine zu bewirkende Realität zu nehmen, die mit den Voraussetzungen, die man dafür mitbringt, unter den jeweils aktuellen Begleitumständen gar nicht zu bewirken ist.

…...z.B. mit seinen der Sinneslust geschuldeten hedonistischen Bedürfnissen versus einer umzusetzenden Erkenntnis bezüglich gewisser asketischer Einschränkungen, die längerfristig vernünftig und besser für ihn wären und ihm sicher zu einem gesünderen und damit längeren Leben verhelfen würden. …..

Der eigenen Sinneslust oder der Erkenntnis kann man nichts schulden, weil sie keine Personen sind. Sich selber kann man auch nichts schulden, weil man nur einer anderen Person Etwas schulden kann.

Man selber ist aber keine andere Person, sondern man ist immer dieselbe, denn Etwas oder Jemand kann nicht so und gleichzeitig nicht so sein, wie es oder er es gerade ist, sondern er kann nur mehreren anderen Personen jeweils anders erscheinen, sodass es oder er FÜR sie jeweils unterschiedlich zu sein scheint und damit anders vorkommt, was aber ausschließlich mit der Bewertung der betrachtenden Person zusammenhängt und nicht mit der des Erscheinenden.

Hier rechtfertigt der Bedürftige und nach Befriedigung seiner vorgestellten Bedürfnisse Gierende gerne sein unverhältnismäßiges Streben nach Mehr, als er notwendigerweise zum Leben braucht, mit dem Gezwungen-Werden durch eine Macht, der er angeblich hilflos ausgeliefert ist, sodass er nicht zum Schadensausgleich verpflichtet werden kann, weil ers ja angeblich gar nicht selber war, sondern seine Gier, die einen eventuell damit verbundenen Schaden bei Anderen damit bewirkt und daher auch an seiner Statt die Schuld des Schadensausgleich zu tilgen hat.

…..Die Frage sollte also nicht lauten "Warum sollten wir etwas ausblenden..., mit dem man auch eine positive Sicht einnehmen könnte?" - sondern: "Wie können wir uns dahin bringen, etwas nicht mehr auszublenden und die damit zunächst verbundene negative durch eine positive Sicht zu ersetzen?"......

Da das Ausblenden oft unbewusst geschieht, um das Maß der bewirkten Schuld nicht (an-)erkennen zu müssen - was man auch Verdrängung nennt, während der bewusste Akt des Nicht-Anerkennens als Leugnung bezeichnet wird - , ist im ersteren Falle dem Menschen die bewusste Kontrolle über diese Entscheidung nicht möglich.

Insofern kann der Mensch auch Nichts bewusst ignorieren, sondern höchstens eine Rückmeldung an Andere verweigern, um sie im Unklaren darüber zu lassen, ob er Etwas vernommen und auch richtig verstanden hat, oder nicht.

Was nun nicht nur die bewusste Kenntnisnahme, sondern auch die Akzeptanz des Erkannten bzw. die Verweigerung derselben betrifft, so dient diese nicht nur rein kognitiven sondern auch sozialen Zwecken in der Weise, dass man bei einem als vertrauenswürdig Eingestuften bereit ist, ihm bedenkenlos zu glauben, dass das, was er sagt, auch das ist, was er denkt und dass er Einem darüber hinaus auch nicht vorsätzlich damit schaden würde.

Beim nicht Vertrauenswürdigen hingegen wehrt man von Vorneherein jede Einflussnahme ab, um sich vor ihm zu schützen, anstatt lediglich die kritische Distanz zu wahren, wie es auch gegenüber dem bislang Vertrauenswürdigen angemessen wäre, weil man ja nie wissen kann, ob er es jetzt immer noch ist.

Da die mit den eigenen Bewertungsmaßstäben zu bewertenden Lebensumstände immer einen Mix zwischen guten, weil den eigenen Bestrebungen und Zielsetzungen förderlichen, und negativen, weil hinderlichen Aspekten bestehen, wäre es unklug, nur jeweils die einen oder nur die anderen sehen zu wollen, weil man meist dann mit den Folgen der geleugneten Aspekte der Realität konfrontiert wird, wenn man am Wenigsten mit ihnen rechnet und dementsprechend unvorbereitet darauf ist.

Die negativen Folgen sind dann für den Zweckoptimisten, der sich dadurch berauscht, indem er sich die Welt schön denkt, um ewig in der angenehmen Stimmung der Fröhlichkeit zu schwelgen, ganz besonders verheerend, während der Zweckpessimist nur positiv enttäuscht werden kann, was allerdings an seinen negativen Weltbild grundsätzlich auch nichts ändern dürfte, solange er nicht begreift, dass er es selber ist, der seine Vorstellung von der Welt bewertend selber mitgestaltet und damit geistig immer aufs Neue mitverwirklicht.

….Hinzukommt, dass speziell dem Faktum individueller Endlichkeit an sich keine adäquate Lösung entgegenzusetzen ist. Es sei denn, man flüchtet in religiöse bzw. esoterische Fantasien vom (Über-) Leben des Individuums nach seinem Tod oder von seiner Wiedergeburt. ….

Grundsätzlich ist Nichts gegen eine derartige Hypothese einzuwänden, solange sie ihren Zweck erfüllt. Nur sollte man sie auch immer als solche betrachten für den Fall, dass sie sich doch als falsch herausstellt, nachdem man einen Moment lang weggeschaut und das Gegenteil von dem als richtig erkannt hat, was da eigentlich hätte sein müssen, wenn die Hypothese mit der Realität übereingestimmt hätte.

Insofern ist die Erfindung eines göttlichen Vaters im Himmel, der dem Wunsch-Vater entspricht, den man auf Erden nie hatte, und der Einen am Ende des irdischen Lebens in einem geistigen Paradiese empfängt, in dem man ewig weiterlebt, eine außerordentlich tröstende und damit zweckmäßige Erfindung, weil man weder beweisen kann, dass es so ist, noch, dass es nicht so ist.

Ebenfalls genial ist die Hypothese - besonders für den Rachedurst der Enterbten - , dass den Bösewichtern die ewige Hölle droht, und zumindest nach ihrem Leben im Himmel Gerechtigkeit durch einen höchsten, gerechten Strafrichter herrscht, wenns schon nicht auf Erden der Fall war. Das lässt sie ihre tatsächliche Machtlosigkeit zur Selbstbestimmung dessen, was als richtig und falsch zu gelten hat, bis zu ihrem Tode hin klaglos ertragen, in der guten Hoffnung auf das dann fällige, letzte Gericht, wo die Gütigen belohnt und die Bösen bestraft werden.

….Wer sich allerdings jeder Fluchtperspektive entzieht, muss sich seiner eigenen Endlichkeit direkt, ohne Wenn und Aber stellen und eingestehen: Es ist wie es ist! Aber nur so nimmt er zugleich die Chance wahr, sein Ego überwinden zu können. …..

Nein, er muss sein Ego (sein wesenhaftes Selbst) nicht überwinden, weil man das nicht überwinden kann, indem man Jemand Anderer wird, als man ist, sondern nur seinen Egoismus, mit dem man seine eigenen Interessen konsequent und rücksichtslos über die seiner Mitmenschen stellt, ohne im Geringsten auf Etwas verzichten zu wollen, wie es zB für einen Kompromiss zum gemeinsamen Nutzen nötig wäre.

Ansonsten liegt auch ein Trost darin, den Tagen, die man noch zum Leben hat, wenigstens mehr Lebendigkeit zu verleihen, wenn man schon dem Leben keine zusätzlichen Tage hinzufügen kann.

…..Wenn der Schmerz der notwendigen Selbstentsagung erst einmal überwunden ist, öffnen sich ganz neue und sehr viel weitere Räume der Erkenntnis - hin zum Menschlichen an sich. Ist die Vorstellung, dass unsere Nachkommen leben werden, und danach deren Nachkommen usw... nicht ein wahrlich adäquater Trost?....

Das Allzumenschliche ist nicht nur das Allerschönste, sondern u.A. auch das Allergruseligste, was man sich unter dem Menschsein vorstellen kann, und man ist häufig am meisten darüber überrascht, zu welchem Monster man sogar selber unter den jeweiligen Umständen werden kann, nur um zu überleben – selbst wenn die Krise nur eingebildet war und diese unverhältnismäßige Entscheidung für das Leben und gegen den Tod gar nicht notwendig war.

Dass es den Nachkommen, für die man sich das Leben lang krumm gemacht hat, mal besser geht, als Einem selber, ist dann ein Trost, wenn man sich damit im Vorhinein bereits von der Schuld der Dankbarkeit für ihre Verdienste befreit hat, die vielleicht darin bestehen, dass sie Einen im Alter dafür pflegen und damit ihrerseits eine Dankesschuld einlösen, sodass das Schuldenkonto am Ende ausgeglichen ist und man in Ruhe sterben kann.

….Nein, so allgemein möchte ich das, was ich schrieb, nicht verstanden bzw. ausgeweitet wissen. Es ging mir konkret um die physisch absolut hilflose Situation, für die nötigsten alltäglichen Verrichtungen völlig abhängig von fremder Hilfe zu sein. Unter dieser Bedingung haben wir zwar evtl. (nicht in jedem Fall!) noch die eingeschränkte Möglichkeit, grundsätzlich Widerstand zu leisten durch Schweigen, Schimpfen, Schreien und Starrsein. Aber als geistig noch fitter Mensch würde mir das nicht sinnvoll erscheinen. Ich würde also in jedem Fall gute Miene zum ggf. bösen Spiel machen, um den Stress, mich ausgeliefert zu fühlen, so gering wie möglich zu halten. …..

Es geht dabei vor Allem um den Stress, den man als unleidlicher Patient seinen Pflegern verschafft, indem man sich aufführt wie ein Despot, der Alle rumkommandiert, nur weil er meint, einer unentgeltlichen Hilfe aufgrund seiner Bedürftigkeit alleine bereits würdig zu sein, was definitiv nicht der Fall ist, denn das ist man erst, wenn man selber seinen Teil dazu beigesteuert hat, indem man vorher und auch währenddessen ein freundschaftliches Miteinander mit seinen potenziellen und vor Allem auch realen Helfern pflegt – und sei es nur mit einem Lächeln, anstatt eines zwanghaft auf Unabhängigkeit bedachtes Verweigern jeglichen Entgegenkommens.

…..Mit einem guten Selbstwertgefühl wäre ich allerdings psychisch nicht ausgeliefert, so dass ich mir durch einen taktisch möglichst klugen Umgang mit respektlosen oder gar unsympathischen Pflegepersonen bewusst das Leben erleichtern kann, ohne zu viel von ihnen erwarten zu müssen - und enttäuscht zu werden.....

Sich einzubilden, man sei nicht auf Andere angewiesen, ist genauso eine (Selbst-)Täuschung, - dh Vertauschung von Wunschvorstellungen und sozialer Realität - , wie die irrige Vorstellung, Jemandem Etwas wert zu sein, ohne dass der Einen überhaupt braucht, damit man ihm von Nutzen sein kann. Der einzige Nutzen bei dieser Täuschung besteht tatsächlich darin, dass man sich dabei solange prima fühlt, bis die ebenso falschen Erwartungen, die man auf den falschen Vermutungen aufgebaut hat, von den Hoffnungsträgern selber enttäuscht werden.

….In der Pflegefall-Situation wird es natürlich enorm wichtig, die Personen, die mir physisch sehr nahe kommen, die ich mir aber höchstwahrscheinlich (zumindest als Kassenpatient) nicht mehr aussuchen kann, von vornherein richtig einzuschätzen und mich auf sie so einzustellen dass der Umgang möglich stressfrei vonstattengehen kann. Für die psychische Anregung und Zuwendung vertraue ich auf die mehr oder weniger häufigen Besuche (jüngerer) Angehöriger und Freunde, denen ich auf jeden Fall auch noch etwas zu geben haben möchte, damit sie nicht nur aus einem Pflichtgefühl heraus, sondern tatsächlich noch gerne zu mir kommen werden….

Du klammerst bei einer derart solipsistischen Betrachtungsweise die soziale Situation der Anderen völlig aus, wodurch du dich selber zum Opfer der gerechtfertigten Verärgerung der Pfleger über dein rücksichtsloses Verhalten machst. Kein Wunder, dass es dabei bald keine Freunde oder wohlmeinende Verwandten mehr gibt, die dich dann im Altenheim noch gerne besuchen, sondern höchstens noch bezahlte Pfleger, die nicht mehr als ihre Pflicht für ihr klägliches Gehalt tun.

….. Ich meine natürlich immaterielle Gaben wie Dankbarkeit, Freude und anregende Gespräche. Vorspielen kann man das sicher nicht, wenn einem eher verzweifelt zumute ist. Mit einem guten Selbstwertgefühl lässt sich das sicher besser bewerkstelligen als ohne; darauf hoffe ich jedenfalls....

Dankbarkeit selber ist noch keine Gabe, sondern sie wird erst durch materielle oder immaterielle Gaben zum Ausdruck gebracht. Wer nur „Danke“ murmelt und meint, damit bereits tatsächlich seine Dankesschuld beglichen zu haben, der irrt sich, denn diese Floskel dient – ähnlich wie das schnoddrig hingeworfene „Schulligung“ - lediglich als Bekundung der Absicht, sich bei Gelegenheit mit einer angemessenen Gegenleistung entschuldigen oder bedanken zu wollen.

@ Verdandi

…...Wovon Du sprichst, ist etwas anderes: Eine offizielle Haltung, die man gerichtlich erzwingen kann. Ich dagegen sprach von der inneren Bereitschaft eines anderen, die niemand erzwingen kann! …..

Es gibt keine innere oder äußere Bereitschaft, sondern höchstens eine einstellungsbedingte Haltung, welche als Ausgangspunkt für entsprechende Handlungen dient, mit denen man sie zum Ausdruck bringt. Hier kann man Andere sehr wohl mittels Androhung von Strafen dazu zwingen, ihre Pflicht der Rücksichtnahme oder der Würdigung zu erledigen – ganz egal, wie sie zu dem Betreffenden auch immer stehen mögen.

…..Es existieren viele Möglichkeiten, jemanden, den man ablehnt, so zu schmähen, dass es der Öffentlichkeit kaum oder nicht auffällt, der Zielperson aber schon, vor allem sicher dann, wenn sie schon einschlägige Erfahrungen mit ihrem Gegner hat machen müssen, was besonders schlimm ist, wenn es sich um einen Vorgesetzten handelt, von dem sie beruflich abhängig ist. („Bossing“ nennt man dieses Äquivalent zum Mobbing.)

Wenn der Schädiger es geschickt genug anstellt, stellt er den Mitarbeiter, den er nicht respektieren und würdigen will, auf eine subtile Weise ins Abseits, die ihm niemand nachweisen kann. Das Opfer kann sich dann nur noch eine dicke Haut zulegen und stur nach Vorschrift arbeiten oder die Flucht nach vorn antreten, zum Beispiel in einem großen Betrieb den Betriebsrat einschalten, sich notfalls in eine andere Abteilung versetzen lassen.

In einer kleinen Werbeagentur zum Beispiel ist das aber nicht möglich, so dass nur die Kündigung übrig bleibt. Jedenfalls ist der Betroffene besser dran, wenn er es schafft, sich sein Selbstwertgefühl nicht auch noch beschädigen zu lassen und dafür sorgt, dass er diese Situation selbst beeinflusst, notfalls durch Kündigung – was zwar nicht wirtschaftlich, aber sicher psychisch die bessere Lösung wäre, als auszuharren, auch wenn er sich absolut im Recht fühlt. Den evtl. zustehenden Schadensersatz kann er auf jeden Fall besser von außen einfordern.....


Natürlich gibt’s viele Möglichkeiten, noch innerhalb des Rahmens der Legalität Krieg zu führen, und die Partnerschaft zur Gegnerschaft zu machen, wenn man dem Partner beweisen will, dass man doch der Stärke ist, und in der Lage, ihm - wenn man ihn schon nicht aktiv und offen bekämpfen kann - zumindest die Gefolgschaft zu verweigern und ihn mit einer Politik der Nadelstiche dazu zu zwingen, Einem zu Willen zu sein, oder sich als Diener seines Herrn so unentbehrlich für ihn zu machen, dass die Herrschaftsverhältnisse am Ende umgekehrt werden, was man dann „Herrschen durch Dienen“ nennt.

Grundsätzlich muss man Denjenigen, auf den man als Stärkerer pflichtgemäß Rücksicht nimmt (den man respektiert) oder Denjenigen, dem man für seine Dienste vereinbarungsgemäß mit einer Gegenleistung entlohnt (indem man ihn zB mit eine Gratifikation oder einem Ehrenplatz mit Sonderrechten würdigt), nicht mögen oder gar lieben, auch wenn die Erledigung seiner Pflichten bei Jemandem, den man liebt, leichter fällt, als wenn man ihn hasst.

Umgekehrt muss Derjenige, der seinen Angestellten besonders deshalb liebt, weil er so gut und billig für ihn arbeitet, ihn aufgrund dieser (Zu-)Neigung nicht über die Maßen dafür entlohnen (würdigen), indem er ihn etwa allen Anderen gegenüber vorzieht - wie es häufig gemacht wird, um das menschliche Objekt seiner Begierde fester an sich zu binden - , wenn unter den jeweiligen Lebensumständen dem Abhängigen ohnehin keine andere Wahl bleibt, als sich in sein Schicksal der Sklaverei zu fügen, wie es zB bei Kindern der Fall ist, die von ihren Eltern gerade deshalb geliebt werden, weil sie sie nach Herzenslust für ihre Zwecke missbrauchen können, solange der Missbrauch nicht publik wird, bzw. solange es nicht mal Gesetze gibt, mit den man das als Verbrechen unter Strafe stellen kann.

…..Sei nicht immer so kleinlich mit der Sprache, wir sind hier keine Sprachwissenschaftler oder Juristen. …..

Als Linguist und Moralfilosof achte ich schon sehr auf die Bedeutung, das Zustandekommen und die Verwendung von Begriffen, was – selbst wenn die Redner sich dessen nicht voll bewusst sind – weitreichendere Folgen für das allgemein verbreitete und damit auch für das subjektive Weltbild hat, als man vielleicht meint.

Die gewohnheitsbedingten Prägungen mit den damit verbundenen blinden Flecken fallen mir im Alter sogar noch viel mehr auf, als in der Jugend, weil ich heute die Muße habe, mich intensiver und kritischer damit zu beschäftigen - ohne dabei finanzielle Einbußen befürchten zu müssen, weil ich nicht mehr nach der Pfeife eines Auftraggebers tanzen muss.

…...Natürlich kann ich mir selbst etwas geben und nehmen! Ich verstehe darunter folgendes:

Ich kann mich selbst lieben und dafür sorgen, dass ich etwas erhalte, was ich brauche. …


Ja, von Anderen. Ansonsten gilt deine Vorliebe deinen Eigenschaften oder Leistungen, um deretwillen dich vielleicht auch Andere lieben oder geliebt haben, sodass das Selbstgespräch lediglich einen vorgestellten Dialog mit verteilten Rollen darstellt, bei denen die Ahnen eine fröhliche Wiederauferstehung zu feiern scheinen, obwohls tatsächlich doch nur ein Monolog ist, weil der echte, lebendige Gesprächspartner jeweils dabei fehlt.

…..Wenn ich mich selbst nicht liebe, mich vielleicht sogar selbst (meist unbewusst) hasse und bestrafen will, entsage ich vielem, was mir gut tun würde, usw. …

Dass Jemand sich in Unkosten stürzt, um die Bußschuld für einen angerichteten Schaden zu tilgen, damit er mit dem Geschädigten wieder auf einen grünen Zweig kommt, dient ja nicht nur dem Anderen, sondern vor Allem der guten Partnerschaft mit dem Anderen, und damit auch Einem selber.

Wenn man sich darüber hinaus auch noch mit körperlichen Schmerzen bestraft, um die vorgestellte Rachsucht des Anderen zu befriedigen, ohne dass der es mitbekommt, ist die ganze Mühe natürlich vergebens, weil das weder den Schaden ausgleicht, noch dazu beiträgt, dass mans selber nicht wieder tut, was ja der eigentliche Sinn einer Bestrafung ist, die gar nicht mehr nötig ist, wenn man sein Unrecht bereits eingesehen hat, ohne extra dafür bestraft werden zu müssen.

…..Insofern kann ich ein gutes oder schlechtes Selbstwertgefühl aufweisen und mir dementsprechend etwas geben oder nehmen. Zumindest weißt Du nun, was ich meine, auch wenn ich meine Formulierungen nicht an Deiner Sprachregelung ausrichte.....

Da sowohl dem zuteilenden Geben und dem Wegnehmen, als auch dem Hingeben und dem Hinnehmen entsprechende Schuldverhältnisse zugrunde liegen, sorgt man schon freiwillig dafür, dass sie ausgeglichen werden, um als fairer Partner, mit dem der Andere gerne zusammenarbeitet, geliebt, und hoffentlich auch nicht nur geachtet, sondern auch für seine Verdienste mit einem besonderen Ehrenplatz gewürdigt zu werden, der mit Sonderrechten verbunden ist, weil er sonst ja nix wert wäre.

….Leider hast Du vorschnell etwas vorausgesetzt, was eher als üble Nachrede und Verleumdung herüberkommt, als wie eine sachliche Replik zu meinen von Dir zitierten Aussagen, indem Du schreibst: „Solange er sich für den Größten hält.“? Worauf beziehst Du Dich damit? …

Nur auf die Eitlen, deren vorgestellter Selbstwert größer ist, als der reale.

….Jedenfalls habe ich von einem solchen Fall von Größenwahn gar nicht gesprochen, so dass Dein Argument völlig ins Leere zielt – es sei denn, Du wolltest mich damit treffen. Wenn Du mich allerdings nicht meintest, ist dieser Abschnitt Deines Beitrage für mich völlig irrelevant. ….

Das mag schon sein, dass das auf dich selber nicht zutrifft, und das zu beurteilen maße ich mir auch nicht an, weil ich dich dafür zu wenig kenne. Außerdem – selbst wenns so wäre - gehörte sowas auch nicht in eine filosofische Diskussion – weder öffentlich, noch privat. Also nimms einfach mal als Beitrag zum Thema, wo es nicht speziell um deine Person geht, sondern darum, was man in welchen Situationen machen sollte, sofern man überhaupt was machen kann.

…..Das betrifft auch die von Dir benutzten Begriffe wie „Eitelkeit“, „Minderwert“ usw. Worauf, eigentlich, zielst Du damit? Ich habe jedenfalls nicht das Bedürfnis, mich mit den Problemen von eitlen, von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Größenwahnsinnigen zu beschäftigen. ….

Wenn du dich nicht dafür interessieren magst, kannst du dich ja auch mit anderen Dingen beschäftigen - das ist dir unbenommen, aber reinkommen, bloß um zu sagen, dass du nicht interessiert bist, dich über das Thema zu unterhalten, finde ich ziemlich müßig, weil sich dafür nun wirklich Niemand interessiert, außer du selber.

…..Also nochmals: Jemand, der nicht eitel ist, kein unrealistisches Selbstbild pflegt und keine Komplexe hat und nicht größenwahnsinnig ist, ist auch keineswegs darauf angewiesen, seinen Wert durch andere zugesprochen zu erhalten! …...

Jeder bekommt seinen Wert von Demjenigen zugewiesen, dem er einen bestimmten Gegenwert wert ist, weil auf der gegenseitigen Bewertung die Art der Partnerschaft beruht, in der er sich mit dem Anderen befindet – ganz gleich, ob er sich dessen bewusst ist, oder nicht.

Um sich dessen bewusst zu werden, ist es am ratsamsten, den Anderen einfach zu fragen, weswegen er ihm Etwas wert ist, und vor Allem wieviel, um realistischerweise einschätzen zu können, was er seinerseits dafür von ihm erwarten oder sogar verlangen kann, und was nicht.

…..Vielleicht empfindest Du das anders, aber dann externalisiere diese persönliche Wahrnehmung nicht auf andere und spreche anderen nicht ab, ihre eigenen Erfahrungen gemacht zu haben, die von Deinen abzuweichen scheinen.....

Um meine oder um deine speziellen Erfahrungen geht’s bei der allgemeinen Erörterung der Faktoren, die bei der Ermittlung des Wertes eine Rolle spiele, den der Eine für den Anderen hat, überhaupt nicht, sodass sie – wenn überhaupt – nur zum illustrierenden Beispiel taugen.

…...Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinen Wert nicht von der Ein- oder Abschätzung anderer abhängig mache, sondern hauptsächlich von meiner eigenen Selbsterfahrung und -einschätzung, die natürlich flexibel bleiben müssen, um nicht einzurosten. Was sonst noch alles dafür erforderlich ist, weiß ich inzwischen sehr gut – und dass es sich auch richtig „anfühlt“ belegt mir, dass Herz und Verstand hier gut zusammenarbeiten.....

Na man kann sich natürlich Sonstwas zurechtspinnen bis zu dem Punkt, dass der Vater im Himmel Einem schon zu Lebzeiten seine Sünden vergibt, nachdem man ihn mit kleinen Opfergaben gnädig gestimmt hat. Leider bewahrt Einen das jedoch nicht vor dem echten Knast, wo Einem klar gemacht wird, wieviel ein nicht bußbereiter Verbrecher der Gesellschaft wirklich noch wert ist – nämlich geradezu NIX.

Das sollte man bereits schon mit 21 durch Belehrung gelernt haben, um es gar nicht erst dazu kommen zu lassen, dabei auf eine 60jährige, bittere Lebenserfahrung zurückblicken zu müssen, aus der man dann selber seine Lehre gezogen hat.

…..Alle Belange die mich selbst betreffen, werden auf keinen Fall von anderen besser gewusst – solange ich nicht an mir selbst leide, was in früheren Zeiten, als ich noch sehr jung war, natürlich noch anders war. Aber nun ruhe ich in mir selbst, auch wenn ich bereits altersbedingte Einbußen meiner Möglichkeiten in Kauf nehmen muss. Dennoch bleibe ich stets offen für konstruktive Kritik, die ich gern aufnehmen, um noch weiter mit mir selbst zu kommen; das hört nie auf und soll auch nie aufhören. Dennoch bin und bleibe ich die wichtigste Person in Sachen Kompetenz für die eigene Sache in meinem Leben.....

Durch den doppelten Widerspruch wird das von dir Behauptete leider auch nicht (folge-) richtiger (anstatt „wahrer“), schmunzel....

Ansonsten gehört die Diskussion über den Selbstwert natürlich auch eher in den thread „Menschenwürde und Menschenrechte – Was ist der Mensch (dem Menschen) wert? „ dessen Titel zu lang war, um vollständig so übernommen werden zu können.
@verdandi

>>Die Frage dieses Threads lautet:
Was kann der Mensch tun, was können die Menschen von heute tun, damit zum Beispiel alle Menschen, an jedem Tag ihres Lebens ein Stückchen Brot, etwas Gemüse, Früchte und Wasser zu sich nehmen können, ohne dabei ihr Lebe zu riskieren?<<


Nein, die Frage dieses Threads lautet ganz allgemein und keineswegs so speziell, wie Du es jetzt anführst:
"Der Mensch, was soll er tun, was darf er hoffen?"

Das ist so ja,
doch in anbetracht der unterschiedlichen Möglichkeiten die ein Jeder hat, habe ich das SOLL in ein KANN abgeschwächt.
Es bleibt einem jeden Menschen doch ein Stückchen Freiraum etwas zu tun, um Leid zu mildern, auch wenn es „nur“ im nächsten Umfeld ist.

Bei mir ist es die Liebe zur Philosophie, zur Kunst und zur Literatur, die mich in diesen Foren schreiben lässt,
obwohl anderswo Kinder verhungern. Verwerflich in Deinen Augen? Dann haben wir uns wohl nichts mehr zu sagen.


Wie du im Thread über die Menschenrechte sehen kannst, mag ich Kunst und kulturelle Darbietungen sehr.
Und wenn dabei zum Unwohl Anderer oder an der Umwelt Schaden entsteht, gehe ich einfach nicht hin.

https://www.arte.tv/de/videos/086588-00 ... -chaillot/

@mehusae


>>Wie du im Thread über die Menschenrechte sehen kannst, mag ich Kunst und kulturelle Darbietungen sehr.
Und wenn dabei zum Unwohl Anderer oder an der Umwelt Schaden entsteht, gehe ich einfach nicht hin.<<


Das wäre natürlich ein ganz klarer Fall. Eine direkt oder indirekt für andere schädliche Veranstaltung sollte man aber nicht bloß meiden, sondern sogar entschlossen bekämpfen.

Das trifft auf die von Dir verlinkte arte-Sendung natürlich nicht zu, im Gegenteil: Sie gedenkt der Menschenrechte und feiert die UN-Menschrechtscharta vom 10.12.1948, was ich ganz wunderbar finde! (Allerdings war diese nur eine allgemeine Empfehlung und juristisch unverbindlich. Verbindlich und einklagbar wurde erst die Europäische Menschenrechtskonvention, die am 03.09.1953 in Kraft trat.)

Das bedeutet aber nicht, dass ich mein eigenes Leben nicht leben dürfte, solange ich anderen damit nicht schade bzw. wenn ich weiß, dass anderswo existierendes Unrecht von mir nicht geschaffen oder auch nur verstärkt wurde.

Ich kann und sollte mein Selbstwertgefühl entwickeln und einsetzen, um nach innen Freiheit und nach außen Souveränität zu erlangen, die notwendig sind, um selbstbestimmt leben zu können gegen alle möglicherweise vorhandenen inneren und äußeren Widerstände. Nur aus dieser Stärke heraus kann ich auch für die Freiheit und Unversehrtheit anderer eintreten.

Das gilt auch für den Fall, dass ich mein Leben nicht unmittelbar und ausschließlich der Beseitigung von Unrecht in der Welt widme. Es kommt allerdings auf das Wissen darum und die Haltung dazu an, um in jedem Moment auch im eigenen Lebensalltag moralisch vertretbare Entscheidungen treffen zu können.

So habe ich mich zum Beispiel schon früh dazu entschieden, ohne Auto auskommen zu wollen und stattdessen immer öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, wenn ich von A nach B gelangen muss. Das ist für mich zugleich ein direkt wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, der indirekt auch all denen zugutekommt, die unter den von den westlichen Zivilisationen verursachten Klimaveränderungen als erste und am stärksten zu leiden haben.

Nur, wenn wir zuallererst bewusst dafür sorgen, ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln als Basis für ein selbstbestimmtes Leben, können wir uns in die Lage versetzen, unabhängige Entscheidungen darüber zu treffen, wie wir leben wollen. Und nur aus dieser Position heraus können wir die Macht erlangen, nicht nur uns selbst, sondern auch anderen zu helfen – zumindest niemanden direkt oder indirekt zu schaden.

Nichts anderes hatte ich gemeint, als ich auf die Wichtigkeit eines guten Selbstwertgefühls hinwies!

Vielleicht können wir uns darauf einigen und den Disput damit ausräumen – der, wie ich vermuten möchte, nicht auf unterschiedlichen Moralvorstellungen, sondern nur auf sprachlichen Missverständnissen beruhte.



@ mehusae

….Die Frage dieses Threads lautet:
Was kann der Mensch tun, was können die Menschen von heute tun, damit zum Beispiel alle Menschen, an jedem Tag ihres Lebens ein Stückchen Brot, etwas Gemüse, Früchte und Wasser zu sich nehmen können, ohne dabei ihr Lebe zu riskieren?.....


Die Frage nach dem Tun-Sollen wird leicht als eine Frage des dem Tun-Wollen feindlich gegenüberstehenden Tun-Müssens verstanden und nicht als eine Frage nach dem als Möglichkeit vielleicht einzig gangbaren Weg des Tun-Könnens, sofern man die dafür nötige Macht besitzt, welche eben nicht nur aus der willens(kraft)- und interessenbedingten Bereitschaft besteht, sondern auch aus allen anderen dazu nötigen Voraussetzungen plus der dafür günstigen Gelegenheit, derer es sich zu vergewissern gilt, bevor man sein Projekt in Angriff nimmt.

…...Die ersten philosophischen Fragen eines Hungernden, Durstenden sind ziemlich sicher:
Was kann ich tun, damit ich nicht mehr hungrig und durstig bin?
Wie komme ich zu Wasser und zu Nahrung?
Danach wenn er weiss wie er dies bewirken kann, kommt die nächste Frage ganz bestimmt.
Kann ich dies auf Dauer sichern?
Er wird, so gut er kann, nicht aufhören sich dafür einzusetzen seinen Hunger und Durst zu stillen.....


Dass Jeder zunächst ein Interesse an der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse hat – ganz gleich, ob er in den Augen dessen, der es ihm befriedigen kann, dieser Speisung würdig ist, weil er ihm auch mal in der Not geholfen hat, sodass der ihm seinerseits noch einen Gefallen schuldet, um sein Schuldenkonto auszugleichen, oder ob er auf dessen Barmherzigkeit angewiesen ist, für die er sich erst nachträglich dankbar erweisen kann – lässt ihn notfalls auch dafür über Leichen gehen, indem er es dem Verweigerer dieser Gunst mit Gewalt wegnimmt, denn bekanntlich kommt erst das Fressen und dann die Moral (nach dem Gesetz des Stärkeren).

Nach dem sozialen Gesetz, womit der Schwächere vor dem Machtmissbrauch durch Stärkere geschützt werden soll, kann ein Dieb aufgrund seiner existenziellen Notlage ein Recht auf Straffreiheit für den Mundraub in Anspruch nehmen, was aber nicht bedeutet, dass die gewaltsame Schädigung des Anderen gegen dessen Willen deshalb gesetzlich erlaubt sei, und auch nicht, dass er seinem Opfer deshalb keinen Schadensausgleich schuldete, sodass er erst dann wieder mit ihm ins Reine kommt, wenn er seine Bußschuld tilgt, welche eine Dankesschuld gewesen wäre, wenn der Andere ihm freiwillig das gegeben hätte, was er zur Stillung seines Hungers brauchte, und wozu der sogar in zumutbarer Weise gesetzlich verpflichtet ist.

Jedoch zu verlangen, dass der Wohltäter so selbstlos ist, dass er unentgeltlich (für Gottes Lohn nach seinem Tode) hilft, indem er darüber hinaus auch noch grundsätzlich auf den dafür fälligen Dank verzichtet, ist moralisch nicht gerechtfertigt, selbst wenn er dies oft trotzdem tun muss, weil sein Schuldner ihm den fälligen Dank gar nicht erweisen kann, sodass der ihm den Dank aufgrund seiner Machtlosigkeit gezwungenermaßen schuldig bleiben muss.

Dies betrifft die moralische Bewertung einer gewaltsamen Selbsthilfe der unmittelbar vom Verhungern Betroffenen. Anders ist es jedoch bei Denjenigen, die ihnen die Waffen liefern, damit sie sich von fremder Hilfe und vor Allem von deren Verweigerung unabhängig machen können, indem sie ihre pflichtvergessenen Herrscher gewaltsam entmachten, um ihrerseits die Macht zur Unabhängigkeit von ihnen und damit zur herrschaftsfreien Selbstversorgung zu erlangen.

Dies ist bei jeder Revolution der Fall, die später ihre eigenen Kinder frisst, weil die es Denjenigen, die sie zuvor entmachtet haben, gleich tun, indem sie ihre vormaligen Herren Väter unterdrücken, sodass sie das ursprünglich angestrebte Ziel der Emanzipation verfehlen, und die Zustände genau so asozial bleiben, wie zuvor.

Profiteure sind dabei vor Allem die lachenden Dritten - nämlich die Waffenlieferanten, die sich als Entgelt für ihre Hilfe in der Regel ein politisches Mitbestimmungsrecht sichern, welches – sobald die Waffen nicht mehr zur Verteidigung gegen unerwünschte Einflussnahme eingesetzt werden können - schnell zum angemaßten Recht auf diktatorische Alleinbestimmung des Helfers über Diejenigen, denen er zuvor geholfen hat, selber ausartet.

…..Ganz aktuell wird in Milo Rau's Kunstwerk „Das Kongo Tribunal“ gezeigt, was es konkret heisst, seine Nächsten, seine Habe, sein Heim auf grausamste Art und Weise zu verlieren.

https://www.srf.ch/play/radio/kontext/a ... bb56facdb6 ….


Wenn nun Jemand helfen will, der gar nicht helfen kann, indem er für Menschen, die auch nicht helfen können, ein aufklärendes Spektakel aufführt, womit er Diejenigen betroffen stimmt, die gar nicht betroffen sind, während die Verursacher der Misere nicht aufgeklärt werden müssen, weil sie genau wissen, was sie da tun, kann dieses Unterfangen bestenfalls als blinder Aktionismus zum Zwecke einträglichen Entertainments bewertet werden.

Die hyperaktiven Akteure berauschen sich dabei außerdem noch selber erfolgreich damit, indem sie irgend Etwas tun, wovon sie meinen, dass es besser sei, als gar nichts zu tun, um dabei die Gewissheit zu haben, zu den Guten zu gehören, während sie in Wirklichkeit genau so unnütz für die Betroffenen sind, wie die Zuschauer, die sich mit wohligem Schauer und gespielter Entrüstung an der Widerwärtigkeit der nachgespielten Hexenverbrennung ergötzen - in der Gewissheit, dass es ja nur im Fernseher passiert ist, bzw schon viele Jahre her ist, als es das letzte Mal real geschah.

Dass so mancher Bösewicht sich natürlich sofort besser fühlt, wenn er von Jemanden erfährt, der noch böser ist, als er selber, ist eine Tatsache, sodass mans den Gaffern nicht mal verübeln kann, wenn sie durch diese Art der Milchmädchenrechnung ihr falsches Selbstbild noch mehr künstlich aufhübschen, denn auch ein selbstgemachtes, auf falschen Vermutungen beruhendes, gutes Gewissen ist ein gutes Ruhekissen, und Nichts geht bekanntlich über eine schöne Illusion, die man niemals als solche erkennen muss.

Ist man jedoch selber von der Leere des Mangels betroffen, bleibt oft nur noch der gewaltsame, illegale Widerstand mit Hilfe eines mächtigeren Verbündeten, dem man später als Herrscher akzeptieren muss, nachdem man sich von ihm notgedrungen aufs Neue zu Dank für die Befreiung vom Tyrannen hat verpflichten lassen müssen, und die irre Hoffnung, dass der es seinem Vorgänger nicht gleich tun möge.