Die Natur sorgt dafür, daß Mütter ihre Kinder im Regelfall* lieben, so daß "pflichtbewußte Fürsoglichkeit" keine Kopfsache für sie ist sondern selbstverständlich einem tiefen Bedürfnis entspricht. Eine solche Liebe ist selbstlos und daher nicht "launisch".

*) Sicher gibt es viele Fälle, in denen es leider nicht so ist.
Hallo Manuela55,

die frühe Mutter-Kind-Bindung (Bonding) basiert auf weit weniger romantischen Umständen, als Dir vermutlich lieb ist.
1. Wenn (aus welchen Gründen auch immer) Mutter und KInd direkt und auf längere Zeit nach der Geburt getrennt werden, dann bleiben bestimmte Hormonausschüttungen, die für die liebevollen und fürsorglichen Gefühle letztlich verantwortlich sind, aus.
2. Wenn die frischgebackene Mutter in die Depression fällt und hier nicht wirklich professionell begleitet wird, kann ebenfalls u.U. ein Bonding verhindert werden.
3. Wenn die Mutter in ihrem Selbstwertgefühl und Urvertrauen (aufgrund irgendwelcher zurückliegender traumatischer Ereignisse) zutiefst erschüttert ist, ist Bonding ebenfalls sehr schwierig.
Das gilt im übrigen auch für Tiere.

Wir Menschen sind: Menschen! Und Menschen sind hochsensible Wesen, die auf die unterschiedlichsten Ereignisse hormonell reagieren: Ärger hat etwas mit Stresshormonen zu tun, Trauer und Sorge ebenso. Aber auch das Gefühl von "satt-sein" ist nichts anderes als ein hormonelles Signal und Liebe auch. Wobei Liebe natürlich eher mit Glückshormonen einhergeht. Und auch hier kann es zu "Pannen" kommen, die auf rein körperllichen Störungen beruht.

Mit "launisch" hat das nichts zu tun.

Und die "normale Mutter" mit dem "normalen Baby", die im "Regelfall" alles richtig machen und auf die richtigen Lebensumstände treffen ... - das gibt es nicht. Alles ist individuell.
Hallo timarisu,

was ich schrieb, hat nichts mit Romantik, sondern mit Einsicht in die wunderbare Möglichkeit zu tun, unser Menschgewordensein wirklich auszufüllen.

Wenn ich von Natur sprach, meinte ich genau das: die im Laufe der menschlichen Evolution entwickelten biochemischen Grundlagen unserer regulären Funktionen - die natürlich auch gestört sein können. Der Begriff "launisch" wurde von filofaxi aufgenommen und (in Anführungszeichen) von mir hier als unpassend in Abrede gestellt.

Wir nutzen natürlich unseren Verstand, um zu erkennen, wie sinnvoll die Liebe für unser soziales Leben, ja - für unsere ganze Existenz sein kann. Wenn wir sagen "Die Chemie stimmt" offenbaren wir zwar, daß wir Bescheid wissen. Aber "Ich liebe dich" macht uns erst wirklich zu Menschen.
@lovely
..er bleibt sogar meist dann, wenn sie alles gegeben hat, was sie geben konnte, weil die Vorstellungen und Erwartungen davon abweichen..

Die Frage ist hier was mit „alles“ gemeint ist.

Was für die Mutter in ihrer Kindheit von grösster Bedeutung war, kann für das Kind nicht nur völlig bedeutungslos sondern sogar störend sein.

Ich sehe das Problem darin, dass die Bereitschaft oder auch das Vermögen fehlt, in einer vernünftigen Distanz zum Kinde sehen zu wollen/ können, wer das Wesen dem man zum Leben verholfen hat überhaupt ist.
Mütter sind in dieser Beziehung nicht begabter als die Väter.
So könnte es doch sein, dass der letzte Ruf an Mama nicht ein Sehnen nach der Mutter selbst ist, sondern ein einzger Vorwurf.

„...und vielleicht ist ja gerade deshalb der Ruf nach der Mutter, die, nach der Quelle, nach sich selbst.... „

die Quelle, die gerade durch die Mutter/ Vater oder durch Beide, nie zum sprudeln hat kommen können und dieses zu Ende gehende Leben daher auf Sparflamme gelebt wurde, was, so vermute ich mal, im Bewusstsein des Endgültigen auf diese Weise zum Ausdruck kommt.
mehusae hat geschrieben: @lovely
..er bleibt sogar meist dann, wenn sie alles gegeben hat, was sie geben konnte, weil die Vorstellungen und Erwartungen davon abweichen..

Die Frage ist hier was mit „alles“ gemeint ist.

Was für die Mutter in ihrer Kindheit von grösster Bedeutung war, kann für das Kind nicht nur völlig bedeutungslos sondern sogar störend sein.

@mehusae, das "alles" war nicht als messbare Größe gemeint, sondern als das(alles), was die Mutter aufgrund ihrer genetischen Programmierung, Erfahrung, Überzeugung geben konnte...und die Vorstellungen des Kindes von: Richtig und Falsch, durchaus davon abweichen können.

Ich sehe das Problem darin, dass die Bereitschaft oder auch das Vermögen fehlt, in einer vernünftigen Distanz zum Kinde sehen zu wollen/ können, wer das Wesen dem man zum Leben verholfen hat überhaupt ist.
Mütter sind in dieser Beziehung nicht begabter als die Väter.
So könnte es doch sein, dass der letzte Ruf an Mama nicht ein Sehnen nach der Mutter selbst ist, sondern ein einzger Vorwurf.

Das - wie alles - was daraus interpretiert wird, gehört in den Bereich Spekulation...und deshalb halte ich mich meist, ausser wenn eine spontane Reaktion erfolgt, bei solchen Diskussionen zurück.
Das könnte nur derjenige beantworten, der nach seiner Mutter ruft, insofern er sich dessen bewusst ist.
Interessanter wäre es doch - herauszufinden - wozu das Thema auf den Nägeln brennt!


„...und vielleicht ist ja gerade deshalb der Ruf nach der Mutter, die, nach der Quelle, nach sich selbst.... „

die Quelle, die gerade durch die Mutter/ Vater oder durch Beide, nie zum sprudeln hat kommen können und dieses zu Ende gehende Leben daher auf Sparflamme gelebt wurde, was, so vermute ich mal, im Bewusstsein des Endgültigen auf diese Weise zum Ausdruck kommt.
Interessanter wäre es doch - herauszufinden - wozu das Thema auf den Nägeln brennt!

Sosehr brennt es scheinbar gar nicht, wie man unschwer erkennen kann.
Dieses heisse Eisen ist unantastbar.
Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht die so gut Behüteten sind, die nach der Mutter rufen. Warum sollten sie, sie stehen oder standen doch immer unter dem großen Rettungsschirm der Mutter, sie war und ist immer zu Stelle in der Not, so dann auch im Sterbenvorgang?

Sind es nicht doch eher die Menschen, die vielleicht keine Mutter hatten, oder eine, die sich nicht um ihren Nachwuchs gekümmert hat? Die als Kind keine Mutterliebe erfahren haben?

Die ewige Suche nach der Liebe der Mutter bis in den Tod?

Und warum nur der Ruf nach der Mutter, nicht nach dem Vater?
Letztlich kommen wir alle aus dem Schoß der Mutter. Für mich hat der Ruf nach ihr zum Zeitpunkt des Todes eine gewisse Logik.
monty1 hat geschrieben: Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht die so gut Behüteten sind, die nach der Mutter rufen. Warum sollten sie, sie stehen oder standen doch immer unter dem großen Rettungsschirm der Mutter, sie war und ist immer zu Stelle in der Not, so dann auch im Sterbenvorgang?

Sind es nicht doch eher die Menschen, die vielleicht keine Mutter hatten, oder eine, die sich nicht um ihren Nachwuchs gekümmert hat? Die als Kind keine Mutterliebe erfahren haben?

Die ewige Suche nach der Liebe der Mutter bis in den Tod?

Und warum nur der Ruf nach der Mutter, nicht nach dem Vater?



Monty, mir fällt auf, dass Du einen Fragethread nach dem anderen eröffnest und Fragen stellst, die zumeist mit Erfahrungen "anderer" zu tun haben?
Was hat das mit DIR zu tun?
Die gestellte Frage : "Und warum nur der Ruf nach der Mutter, nicht nach dem Vater?" gefällt mir.
Grundsätzlich jeder Mensch tut seinen ersten Atemzug in Anwesenheit seiner Mutter. Mit dem Ruf nach der Mutter beim letzten Atemzug schliesst sich somit der Kreis und die Welt kann verlassen werden.
@ Loveley,
zu Deiner Frage die Antwort: mich interessiert das Thema.
Dich nicht? Warum liest Du dann hier?
Shekinah hat geschrieben: Grundsätzlich jeder Mensch tut seinen ersten Atemzug in Anwesenheit seiner Mutter. Mit dem Ruf nach der Mutter beim letzten Atemzug schliesst sich somit der Kreis und die Welt kann verlassen werden.


Das ist mir zu einfach, und es stimmt ja auch nicht. Da sind Hebammen, Schwestern und Ärzte......sie alle sind dabei, wenn der erste Atemzug getan wird. Meist sind es die Schwestern, die dem Neugeborenen den Klaps verpassen, damit es atmet und schreit.
So war es jedenfalls bei mir. Bis auf den Jüngsten, das war eine Hausgeburt.
Leider war keiner von unserer Großfamilie dabei.
Meine Mutter soll, so sagten es die Krankenschwestern, nach ihrem "Papa" gerufen haben, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte.
Im Pflegeheim, in dem ich oft besuchsweise bin, gibt es eine Bewohnerin, ich habe sie nur gehört, nicht gesehen, die sehr oft sehr laut Mutti, Mutti ruft, dann wieder Ulrike, Ulrike, vermutlich weil Mutti nicht kommt.
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