Jedes Jahr um diese Zeit ist großer Besuch angesagt.
Alles, was nur ein wenig Biene Maya ähnlich schaut landet im "Wilden Wein"
der mein Haus mit allen Seitenwänden und dem Dach - eingewickelt hat.
Siehe Foto in meiner Profil-Galerie.

Schon aus der Entfernung hört man es rund um's Haus summen und die Luft ist voll mit Bienen. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig aber bald ist klar die Brummer sind da wegen Blütenstaub und Nektar . Alles andere ist uninteressant.

Das haben gleich die Kinder bemerkt. Die erste Mutprobe , sie gehen ganz nahe zum Haus und lassen sich mit großen Augen umschwirren. Die besonders mutigen stecken die Hände ins Blätterdickicht , direkt unter die Bienen , Hummeln und lassen sich die Pollensammler über die Hände krabbeln. Besonders lustig ist es , das den schockierten Eltern vorzuführen.
Und noch nie wurde jemand gestochen , und nie kommen Die Bienen ins Haus.
( Ausser einem Jemand , meinem Kater Maxi ,wie er klein war. Aber jetzt weiß er Bescheid.)

Sogar meine Eichkätzchen , die unter dem Dach wohnen betrachten die Invasion eher gelassen. Ist ja auch nicht neu für sie.
Und plötzlich , ein paar Tage später, ist der ganze Zirkus vorbei und das Haus summt nicht mehr.
Nur ein dicker grüner Teppich aus Samenkapseln liegt rund ums Haus und wartet auf's entfernen.
Aber Maya und Freunde kommen sicher wieder. Nächstes Jahr an einem schönen warmen Sommertag....... . Sie haben ja meine Adresse im grossen Bienenbuch fix notiert.

Leider werde ich nie erfahren ob ich Honig aus meinem Wilden Wein Pollen jemals gekostet habe. Die Herkunft des Honigs in den Supermarkt Honiggläsern ist ja entweder ungenau oder erfunden.
Oder wird echter Blütenhonig heute ohnehin nur mehr aus resycleten Petflaschen hergestellt ?

Der Ursprung meiner Hausbepflanzung war der Wunsch " eine " Hauswand etwas zu behübschen. Dem Rat eines Gärtners folgend , der meine gärtnerischen Fähigkeiten kannte folgend, holte ich mir 3 kleine Pflanzen direkt aus dem Wald. Schon nach den paar Metern vom Wald zum Haus sahen sie mehr welk als wild aus.
Aber den gärtnerischen Pflegeanweisungen folgend, " je weniger umso besser " besichtigte ich erst ein paar Tage später meine Pflanzversuche. Das zeug war noch da und eigentlich sogar grün. Na gut , dann wachs mal schön.

Was er dann auch tat. Unauffällig und diskret. Aber nach 2 Jahren meinte meine Frau - es wäre nett das Gemüse vor dem Küchenfesnster ein wenig zu entfernen. Damit man wieder mal den Himmel sieht...........
Von da an kam zur üblichen Gartenarbeit ,die Fensterkosmetik. Betreff Himmelschauen.
Gleichzeitig , so im Unterbewusstsein kam sich die Frage : Brauchen wir das Gemüse überhaupt?
Die Beantwortung dieser Frage dauert jetzt bereits 30 Jahre und ich habe mich entschlossen die Beantwortung , dem nächsten Bewohner dieses Hauses zu überlassen.
Auch sind die Mietvertäge mit meinen vierbeinigen und geflügelten Mitbewohnern , nicht kündbar.
Wie da wären, die Eichkätzchenbande mit fast jährlichem , sehr possierlichem Nachwuchs. Sie machen großen Spaß und sorgen bei meinen Katzen auch für einen gewissen Nervenkitzel. Dann gibt es einige Vogelnester , teilweise mit langjährigen Bekannten . Dass sie bei Sonnenaufgang ein wenig randalieren ist halt unvermeidlich.
Dann gibt es noch den Dschungel am Dach.Eine wunderbarer Kindergarten für zu früh ausgeflogene Jungvögel.Auch eine verletzte Krähe konnte nach 2 Monaten plötzlich wieder fliegen und verzog sich. ( Nach Sibirien ? )
Nicht zu vergessen , jedes Jahr sind die viele Beeren des Wilden Weines
ein gedeckter Tisch für viele Vögel über den Winter.
( Übrigends , Vogelkacke kann auch blau sein ........)

Erfreulicherweise zieht der Wilde Wein kaum andere Insekten als Bienen an.
Trotz gekippter und offener Fenster gibt es kaum Ungeziefer im Haus .
Nur ab und zu schlängelt sich eine zarte kleine grüne Ranke bei einem offenen Fenster herein. Aber den Kerl kenn ich . Vor vielen Jahren hat er auch so bescheiden begonnen.

Zum Schluss noch. Im allwissenden Internet hab ich ein paar Neuigkeiten über den Wilden Wein gelesen.
Diese Pflanze zerstört Verputz und Mauern . Zieht Schimmel an und Ungeziefer
verstopft Kamine ( und frißt auch kleine Kinder )
Aber mit ein paar Litern umweltfreundlichen Pflazengift und einer Prise Napalm ist er leicht zu entfernen .

Aber das erzähle ich meinem Wilden Hausurwald nicht...........
ich beneide Dich !
hab leider kein Haus, an dem ich den wilden Wein ranken lassen kann.....

meine Clematis-Hybriden haben meine hohen Kübel und die Rankhilfen geliebt -
leider haben sie weder Pollen noch Nektar für die Bienen......

habs dieses Jahr mit Wicken probiert - da geht dieser riesige schwarze Brummer dran und beißt sie auf - scheint eine Holzbiene zu sein....

dieses Jahr wurde wegen der Trockenheit alles früher abgemäht - die Bienen und Hummeln sind auf die Gärten und Balkone angewiesen, weil da gegossen wird....
Hallo Roberto,
ein schöner Beitrag. Danke.

Und dann das zugewachsene Haus in Deiner Galerie, sooo schööön.

Ich frage mich allerdings, wie das Dach den Bewuchs verkraftet. Werden nicht die Ziegel angehoben und dadurch das Dach undicht?
Müssen die Pflanzen oben auch mal geschnitten werden, damit das Gewicht nicht zu groß wird? Im Winter kann der Schnee ja auch nicht richtig abfallen.
Mich interessiert dieses Thema sehr, obwohl das ja hier nicht so reinpasst.

Mein großes Gartenhaus ist an 2 Seiten mit wildem Wein und Efeu bewachsen. Dadurch ist es immergrün. Deshalb brüten hier nicht nur die Vögel, sie können sich dort auch im Winter verstecken.
An Futter gibt es durch den Doppelbewuchs nicht nur zwei Pollenarten, sondern natürlich auch zweierlei Beeren.

So ein Hausbewuchs ist jedenfalls ein Oase, besonders für Vögel und Insekten!!!
Hallo Weidenzweig,

bitte meine botanischen Kenntnisse über den Wilden Wein als Laienmeinung zu betrachten.

Nach meiner Erfahrung leben die Ranken und Blätter der Pflanze lieber an der Oberseite der Dachziegel . Das Gewicht sollte keine Rolle spielen und eine Anhaftung von Schnee hat bis jetzt, lebe in der Stadt , keine Rolle gespielt .

Nur bei Dachrinnen kann es problematisch werden . Da liegt dann auf einmal ein Ast mit dem Durchmesser einer Riesenschlange drinnen. Was aber auch nicht so schlimm ist . Durch die Blätter läuft das Regenwasser so langsam ab dass die Dachrinnen nie überliefen.

Aber ,obwohl meinem Wilden Wein sehr verbunden bin , eigentlich ist es die falsche Pflanze.
Im Herbst , nachdem er sich schnell noch einmal wunderbar farbenprächtig zeigt , verliert er alle Blätter. Und dann schaut das ganze Haus bis zum Frühjahr ,genauso kahl wie ein Baum ohne Blätter aus.

Immergrünen Efeu werde ich im nächsten Leben setzen...........
Hallo Robertos,
ich hatte mich vorher mit einem Gärtner abgestimmt, denn ich wollte eine möglichst schnelle Begrünung. Der riet mir dann, als erstes den wilden Wein zu setzen. Der wächst ohne Rankgitter ruck zuck hoch, hat eine wunderschöne Herbstlaubfärbung, ist aber eine laubabwerfende Pflanze. Dazwischen sollte der Efeu gepflanzt werden. Der ist immergrün, wächst ziemlich langsam (ist dadurch kompakter) und kann den Wein teilweise als Rankhilfe nutzen.
Das ist eine gute Kombination. Die Wände sind grün und haben im Herbst durch den Wein die roten Blätter.

Man muss aber wissen, dass der wilde Wein kaum zu bändigen ist. Der wächst, wie wild :roll: und ich musste den teilweise schon am Stamm wegschneiden, was allerdings nicht viel brachte.

Ich glaube, was die Begrünung meines Daches betrifft, muss ich wirklich einen Spezialisten befragen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Dach mit Dachpappe und darüber entsprechende Sperrschichten besser geeignet ist.
Da ist dann aber noch immer die Dachrinne...
Und - welcher Handwerker kümmert sich um das Dach, wenn dort mal geschnitten werden muss, der Dachdecker oder der Landschaftsgärtner? Sicherlich muss dann auch immer ein Gerüst aufgebaut werden und das ist teuer.

Ich bewundere wirklich Deinen Mut, den Bewuchs so zuzulassen. Ich glaube langsam, den habe ich nicht.
Aber mein kleines Gartenhaus aus Holz wird jetzt komplett berankt.

Auf alle Fälle - wundere Dich nicht- werde ich sicherlich öfter Deine Galerie besuchen, um mir das schöne Haus anzuschauen.

Viele Grüße
Weidenzweig