Seit meinem Eintritt in den Vor-Ruhestand vor ein paar Monaten habe ich festgestellt, dass sich mein früher sehr klar strukturierter Tagesablauf innerhalb kürzester Zeit drastisch geändert hat. Ich will jetzt nicht unbedingt von „Müßiggang“ sprechen, aber die Tendenz kommt doch schon irgendwie hin.

Das beginnt bei dem bedeutend späteren Aufstehen, dem drastischen Reduzieren des „Frühsports“ (habe ich wirklich all die Jahre im Berufsleben praktiziert, trotz des Zeitdrucks am sehr frühen Morgen) und setzt sich dann fort mit einer sehr ausgedehnten Zeitungsschau, Lesen/Beantworten von E-Mails und neuerdings sogar ziemlich ziellosem Surfen im Netz.

Mit anderen Worten, es dauert immer länger, bis ich so in die Gänge komme. Das hat jetzt nicht unbedingt etwas mit dem Wetter zu tun, ich führe das eher auf den immensen Zeitgewinn (bei mir über 10 Stunden/Tag) zurück und damit auf das Gefühl, für alles andere ja genug Zeit zu haben. Also keine depressive Verstimmung oder gar Depression, eher eine Art Lethargie oder etwas in der Art.

Ich überlege mir nun, ob ich – ähnlich wie zu Zeiten der Berufstätigkeit – meine Freizeit inhaltlich und zeitlich klar strukturieren und auch wieder effektiv nutzen sollte oder ob diese Gemächlichkeit einfach zu diesem Lebensabschnitt dazugehört und das Leben erst angenehm macht.

Wie gestaltet ihr eure Tagesabläufe - voll durchgeplant oder eher nach dem Motto „Mal sehen, was der Tag so bringt“?

Interessant sind auch die Erfahrungen, die andere Vor-Ruheständler/innen oder diejenigen, die jetzt bereits Rentner/Ruheständler/Pensionäre sind, gemacht haben.

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Ich lebe seit Jahren eine feste Tagesstruktur mit viel Zwischenräumen für Spontanes. Eine andere Lebensweise würde mir nicht gut bekommen und so behalte ich das bei.
Da ich seit der Geburt des ersten Kindes nicht mehr berufstätig war (also schon ewig her), kann ich dazu nichts sagen.
Aber es ist ja ähnlich, wenn die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind. Man hat dann viel Zeit, weil die Herumfahrerei zu Terminen fehlt.

Ich freue mich darüber, dass ich meine Zeit meist frei planen kann. Allerdings gibt ein Hund dem Tag doch eine gewisse Struktur. Und auch mal das Haus sauber machen (bin allerdings keine Sauberkeitsfanatikerin, geht auch gar nicht mit Hund), Arzt-/Kosmetiktermine, einmal wöchentlich Sportgruppe, der Freund, der Aufmerksamkeit möchte :D (die Reihenfolge kann variieren :mrgreen: ).....irgendwas ist immer. Aber ich kanns mir einteilen! Und das ist mir wichtig. Früher gab es genug Stress, daher genieße ich jetzt die Ruhe. Habe auch kein Radio an.

Das lange Schlafen hab ich genossen, jetzt allerdings mit jungem Hund ist es weniger.

Patriarch, du könntest dir doch was Ehrenamtliches vornehmen, wenn dir eine gewisse Struktur fehlt.
Ich hab z.B. Grundschulkindern in der Schule nachmittags Nachhilfe gegeben.
Und war auch Gassigängerin im Tierheim.
bei mir ist der Ruhestand jetzt 3 Jahre her.....

ich lese nachts manchmal ziemlich lange, weil ich wach geworden bin - und stehe morgens später auf .....guck zweimal am Tag Börse.....

früher - in meinen "aktivsten" Zeigen - hab morgens ganz früh den Wecker gestellt und die Zeitung ausgetragen - bin danach am Stall vorbeigefahren, hab die Pferde gefüttert - schnell heim was gegessen und danach ab ins Büro.....und danach gings dann weiter.... :wink:

heute hab ich für alles mehr Zeit......das ist u.a. gut für meine Aktien ..... :wink:

@Rotkappe
da hast Du recht mit diesem "einteilen" können - das ist ein super-Bonus !
Ich durfte zum Glück noch ein wenig über den 65. Geburtstag hinaus arbeiten, aber dann kam ich mir wohl 2 Jahre lang wie fristlos gekündigt vor. Ich sah keinen Grund mehr, abends schlafen zu gehen, denn ich war ja nie müde...

Dann entschied ich mich für einen 4-beinigen 'Lebensgefährten' und die Welt wurde langsam wieder besser.

Natürlich gibt es Tage, die nach Struktur verlangen, aber dann genieße ich auch wieder die fast grenzenlosen Freiheiten. Gartenarbeit und Hausarbeit z.B. finden nur noch bei entsprechendem Wetter statt. Garten bei Sonne und Hausarbeit bei Ungemütlichkeit draußen. Und, wenn mir danach ist, wird der Koffer und die Hunde-Utensilientasche gepackt, wir steigen ins Auto und sind dann mal fort!
Hallo!

Ich bin nun mittlerweile Rentner im 14. Ausbildungsjahr. :roll:

Vieles könnte ich mir vorstellen, aber nie und nimmer mehr würde ich irgendeine Verpflichtung annehmen, die mich zwingen würde irgendwann irgendwo sein zu müssen. Die terminlichen Zwänge, die sich nicht vermeiden lassen, wie Geburtstage, Steuererklärung, sonst. Familienfeiern u.s.w. genügen mir vollkommen. Ich fühle mich wie ein freier Mann in einer freien Welt. Und dies soll auch so bleiben!

Strukturiert habe ich meinen Tagesablauf nicht. Und dennoch frage ich mich manchmal, wo ich früher nur die Zeit her hatte, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. :roll: :wink: :lol:

Gruß vom Camper1955
Wenn man nicht mehr arbeitet verschieben sich auch die Prioritäten.
Die selbstgesetzten und die von außen auferlegten.
Ebenso verändert sich die Wahrnehmung von Abläufen und Geschehnissen.

Früher musste ich immer rechtzeitig ins Bett, da ich sehr früh aufstehen musste.
Das hat dazu geführt, daß ich jetzt seit einigen Jahren alles Serien angeschaut habe, die ich damals versäumt habe.

Einige Zeit des Lotterlebens sollte man sich schon gönnen. Einfach dann aufstehen, wann man mag, dann schlafen, wenn man müde ist, ein paar Sachen, die man immer eilig erledigt hat, genießen, z.B. bei mir das Frühstücken samt Zeitungslesen, manches Aushäusige nicht zu den Stoßzeiten erledigen müssen,
auch andere, günstigere Zeiten für Urlaube haben...


Wichtig ist mir, und da bin ich unerbittlich, auch alles zu erledigen. Aber meistens ist eben die Tageszeit dafür egal. Ich mag keine Aufschieberitis. Da fühl ich mich nicht wohl. Das hat den Vorteil, daß man bei Extremwetterlagen wie der Hitze im letzten Sommer oder dem Schnee jetzt auch mal alle Viere gerade sein lassen kann. Man muß dann nicht Unerledigtes um jeden Preis auf den letzten Drücker erledigen, wenn alles so einigermaßen im Fluß ist.


Beibehalten habe ich meine Essenszeiten. Sonst wird das Kuddelmuddel groß.
Ebenso mache ich abends ab einem gewissen Zeitpunkt gar nichts mehr.


Allerdings blicke ich schon manchmal ein bißchen neidisch auf die Rentner, die regelmäßig früh aufstehen, Sport treiben, Semmeln holen usw.,
allerdings sind die abends auch früher kaputt und gehen früh ins Bett. Das würde mir jetzt nicht gefallen.


Ich habe mich letztes Jahr für ein Studium immatrikuliert. Letztendlich habe ich mich entschieden, es doch nicht zu machen. Es hätte mich zuviel Lebenszeit gekostet, die ich doch lieber für etwas anderes nutze.



Lustig - manchmal auch ärgerlich - fand ich, daß man es als Rentner nie allen Recht machen kann. Man fährt zur falschen Zeit mit den Öffentlichen, weil ja Berufsverkehr sein könnte, man ist zur falschen Zeit im Supermarkt, weil ja die Berufstätigen einkaufen müssen :-)
und wann die richtige Zeit für Arztbesuche ist, habe ich auch noch nicht herausbekommen, das ist eine Wissenschaft für sich :-)))))

Ja, und dann die Vorwürfe, daß man zuviel im Internet abhängt.

Ja, da siehst du mal, Rentner sein muß man richtig lernen :-)))
Deinem letzten Satz kann ich voll zustimmen, Melissa.

Den Rest deines Postings sehe ich jedoch etwas anders. Besonders der Absatz

. . . Lustig - manchmal auch ärgerlich - fand ich, daß man es als Rentner nie allen Recht machen kann . . .

sehe ich ganz anders. Selbst dann, wenn er von dir nicht so ganz ernst gemeint sein sollte. Mir ist es vollkommen egal, ob ich es mit meinem Rentnerleben irgend jemanden, oder sogar allen, recht mache. Für solche Gedanken ist mir meine wertvolle Rentnerzeit viel zu schade.

Wie gesagt, das Rentnerleben will gelernt sein! :wink: :lol:
Solche Gedanken mache ich mir gar nicht erst, ob ich es irgend jemandem recht mache. Es gnügt doch, wenn ich es mir recht mache und einfach mein Leben lebe und geniesse.
Ich habe schon ein/zwei Jahre vor Beginn meines Ruhestandes nach Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht
und habe dabei 50plus entdeckt und unzählige Angebote gefunden,
die mir zusagten.

Fest stand für mich, dass ich weiterhin auch etwas Nützliches tun wollte und bin bis heute mit geringer Stundenzahl im sozialen Bereich tätig.

Das hat eine ganz besondere Wertigkeit –
ich muss nicht arbeiten, ich darf es!
Damit bin ich absolut zufrieden.

Da ich aus beruflichen Gründen schon immer strukturiert war, halte ich das auch jetzt noch so und spontane Sachen kommen dabei auch nicht zu kurz.

Allerdings habe ich das, was ich heute unternehme, früher zusätzlich zu meiner Arbeit gemacht...
Ich bin also deutlich langsamer geworden.

Das scheint wohl der Lauf der Dinge zu sein.
Zumindest bestätigen mir das Bekannte und Freunde ( ich schließe die weibliche Form mit ein... )

Mir geht es gut und das ist wichtig.
@Anne
Du schreibst u.a.:
Mir geht es gut und das ist wichtig.

und dieser Satz von Dir gefällt mir am besten ..... :wink:
ich muss nicht arbeiten, ich darf es!

da sage ich aus vollem Herzen ja - obwohl diese Erkenntnis bei mir etwas gedauert hat..... :wink:
Bin seit November 2018 im Ruhestand.

Einerseits hab ich jetzt dieses Gefühl mal so richtig Zeit zu haben, andererseits ist da der Gedanke, dass diese Zeit unter Umständen auch sehr begrenzt sein könnte und daher möchte ich sie nicht verdaddeln.

Es gibt Tage, die sind durchgeplant und dann gibt es aber auch diese Tage, an denen ich spontan das mache, worauf ich Lust habe.

Eine gewisse Struktur ist mir aber wichtig. Daher hab ich mir meine eigenen Regeln aufgestellt, damit ich nicht irgendwann mittags ungeduscht, im Bademantel, in einer unaufgeräumten Wohnung vor dem PC sitze :lol:

Aufstehen, Katze füttern, Duschen, anziehen. Kaffee brühen, ein halbes Stündchen PC.

Dann Hausarbeit und entweder das Geplante oder das, von dem ich meine, dass es mit gut tut.

Die Sporteinheit hab ich mir auf den frühen Nachmittag gelegt. Passt für mich besser als morgens.

Bin mir ziemlich sicher, dass ich mich irgendwann nach einer stundenweise Beschäftigung umsehen werde. Aber erst einmal freue ich mich auf Frühjahr und Sommer , mit viel Bewegung in der Natur und dem Luxuxgefühl, diese Jahreszeiten nicht nur vom Bürofenster aus genießen zu können.
Patriarch.

bei mir war es so, daß ich trotz Rente, an den Vormittagen meine Selbständigkeit weiter machte, natürlich in dem Verdienstrahmen.
Seit 4Jahren in Rente und die ersten beiden Monate, habe ich all diese Zeit genossen und in den Tag gelebt.
Danach brauchte ich wieder meinen strukturierten Tag, in einer gewissen Ordnung, weil ich es so mag und es für mich gut ist.
Ich plane jeden Tag, wenn Termine sind und meine sportlichen Zeiten fest sind, alles andere schiebe ich spontan dazwischen oder ich faulenze auch mal, wenn ich auf nichts Lust habe.
Bin seit kurzem auch im sozialen Bereich angaschiert, ist frei wählbar, wann ich was machen möchte.
Vielen Dank für Eure tollen Beiträge! Ich finde wirklich alle Hinweise und Ratschläge auf ihre Weise echt gut, aber jeder Mensch ist halt verschieden und so passt eben nicht alles in mein derzeitiges Lebenskonzept. Das ist ja gerade heftig im Wandel begriffen.

Also, totale Freiheit ohne jegliche Verantwortung/Verpflichtung ist sicherlich nicht das richtige für mich. Andererseits genieße ich es schon sehr, dass ich nicht mehr so „fremdbestimmt“ bin, was die Organisation des größten Teils meines Tagesablaufes bzw. die Teilnahme an diversen Veranstaltungen betrifft.

Ehrenamtliches Engagement ist eine Option, die ich bereits für mich gewählt habe (Pflege). Ob das aber langfristig wirklich das Richtige ist, wird erst die Zeit beweisen. Man sieht und erlebt dabei ja auch Dinge, die man vielleicht nicht zu oft mitmachen möchte. Bis jetzt passt es aber noch für mich ganz gut.

Diese völlig neue Freiheit des „Einteilen-Dürfens“ ist für mich eine ganz tolle Erfahrung. Endlich kann ich wieder die halbe Nacht ein Buch lesen, wenn man denn zwischendurch einmal munter wird. Die Erinnerung an die Arbeit (positive und negative Aspekte) verblasst im Lauf der Zeit doch etwas und ich bin mir schon klar darüber, dass die Zeit absolut vorbei ist. Und ich würde – auch da bin ich mir klar darüber – gar nicht wieder ein vergleichbares Arbeitsverhältnis bei entsprechend reduzierter Stundenzahl aufnehmen wollen.

Übrigens, Medianne, beneidenswert, dass Du abends niemals müde wurdest – ich werde früh erst gar nicht richtig munter ;-)

Camper1955, Dein beschriebenes Lebensgefühl kann ich gut nachvollziehen. Was Du schreibst „ aber nie und nimmer mehr würde ich irgendeine Verpflichtung annehmen, die mich zwingen würde irgendwann irgendwo sein zu müssen.“ trifft es ganz gut. Nicht etwa, weil ich ungesellig bin, aber ich habe mich selbst immer als „zuverlässig“ betrachtet und wenn ich einmal eine derartige „Verpflichtung“ eingehen würde, würde ich mich schon deshalb („Pflichterfüllung“) massiv eingeschränkt sehen. Das will ich jedenfalls jetzt doch noch nicht.

Deinen Standpunkt „Mir ist es vollkommen egal, ob ich es mit meinem Rentnerleben irgend jemanden, oder sogar allen, recht mache.“ könnte ich persönlich für mich nicht umsetzen, da fühle ich mich einfach zu sehr der „Gesellschaft“ (mir fällt im Moment kein besserer Begriff ein) verpflichtet. Klar ist aber auch, dass man es eh‘ nicht allen recht machen kann. Das war auch nie mein Anspruch.

Ich glaube, seit meinem Vor-Ruhestand leide ich an „Aufschieberitis“ wie Du es so schön nennst, Melissa56. Bis zu besagtem Eintritt in den Vor-Ruhestand hatte ich mein Leben zwar nicht „projektmäßig gemanagt“, aber doch sehr viel klarer strukturiert. Rentner sein muss gelernt sein, schreibst Du – das würde ja bedeuten, dass ich für die Lehre noch fast drei Jahre Zeit hätte.

Wie gesagt, jeder einzelne Beitrag hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich freue und bedanke mich, dass ihr mir auf diese Art den Start in Vorruhestand erleichtert!
das stimmt !
man braucht auch als Rentner einen Terminplan - sonst vertrödelt man den Tag.....

gleichzeitig ist man zeitlich "freier".....
das fängt bei den Erledigungen an.....
ich vermeide es, mit dem Fahrrad durch unsere Einkaufsstraße zu fahren - wenn morgens und abends alle hektisch unterwegs sind (Überlebensinstinkt ?)..... 8)

und auch beim Lebensmittel-Einkaufen vermeide ich morgens und abends die Stoßzeiten der Berufstätigen .....