Man kann erst Jemanden lieben, von dem man bereits Etwas hat, was ihn für Einen liebenswert macht. Solange das noch nicht der Fall ist, bleibt es beim Begehren, was natürlich mit entsprechenden Erwartungen und den dazugehörigen Stimmungen wie himmelhochjauchzend-zutodebetrübt einhergeht, solange man nicht weiß, woran man beim Anderen ist.

So wird mit dem Kompliment, wie begehrenswert der Begehrte doch sei, versucht, das „Geliebt-Werden“ mit dem „Versorgt-Werden mit dem, was man braucht“, gleichzusetzen, um dem Begehrten ebenfalls als begehrenswert zu erscheinen – auch dann, wenn man (noch) gar nicht begehrenswert für ihn ist.

Insofern ist jedes schmierige Kompliment ohne ein Angebot, was wirklich für den Anderen attraktiv ist, ein Täuschungsmanöver zugunsten des Schmeichlers und zum Nachteil des Umschmeichelten, der gierig auf Komplimente ist, weil er es offenbar schwer nötig hat, bestätigt zu bekommen, dass er aufgrund irgend einer liebenswerten Eigenschaft besonders wertvoll für den Anderen sei, um dafür seinerseits eine entsprechenden Gegenleistung von dem Schmeichler einfordern zu können, obwohl er die mit dem Kompliment verbundenen Erwartungen gar nicht erfüllen kann.

Sobald das dem Schmeichler klar wird, ist es vorbei mit den Komplimenten, und er sucht sich ein neues Opfer, in der Hoffnung, diesmal Jemanden gefunden zu haben, der sich besser damit ködern lässt, sein Bestes für Nichts zu geben, was man dann Betrug nennt, der noch unehrenhafter ist, als die Lüge aus niedrigen Beweggründen.