Von Verdandi » 10.10.2018, 12:50h aus dem Thread
"Ich-Illusion", Forum Philosophie



@ acul


Lieber Felix,

wunderbar: Du hast das Beispiel weiter ausgeführt und noch anschaulicher beschrieben als ich. Und einen Unterschied der Auffassungen sehe ich dabei gar nicht mehr. :D

Das heißt: Rückbesinnung auf den Titel dieses Threads mit dem Augenmerk auf "Illusion".

Vielleicht könnten wir uns diesbezüglich darauf einigen:

Du machst Abstriche insofern, dass das "Joint Venture" der höheren Hirnfunktionen das Ich-Bewusstsein gebildet hat, um sich adäquat, nämlich in Freiheit, und zwar auch gegen die bislang determinierenden Vorgaben von Körperprozessen inkl. Emotionen, weiter zu entwickeln, weil die Anpassungen an die sich rasend schnell veränderten Lebensbedingungen der menschlichen Zivilisation nur noch mit kognitiven Höchstleistungen zu stemmen sind.

Und ich mache Abstriche insofern, dass ich von meiner absoluten Vorstellung eines stets über alle Determiniertheit erhabenen Geistes, von dessen Einsicht und Entscheidungsfreude es allein abhängt, diese Errungenschaft des Menschen voll zu nutzen, abrücke - weil ich einräumen muss, dass diese absolute Freiheit tatsächlich den allerwenigsten vorbehalten sein dürfte.

Früher wurde der unbewusste oder nur rudimentär bewusste Mensch wie alle Kreaturen von Trieben gesteuert, während der bewusste, durch das Bewusstsein zwangsläufig der Natur entfremdete Mensch, in seinen neuen Entscheidungsspielräumen noch weitgehend unschlüssig herumirrt und oft genug den scheinbar einfacheren Ausweg einer Ersatznatur wählt: die Sucht nach irgendetwas (vieles davon dient der symbolischen Rückkehr in den Mutterschoß).

Also ich räume ein, dass der Mensch zwar schon weit gekommen ist mit seinem Bewusstsein (ohne wäre er schon lange ausgestorben), aber er ist noch weit davon entfernt, es sich vollkommen zu Nutze zu machen. (KEN WILBER* nannte das in seinem berühmte gewordenen Buch gleichen Titels „Halbzeit der Evolution“.) - Dazu würde und muss in Zukunft auch gehören, dass er sozialer, frustrationstoleranter, friedlicher und altruistischer - also selbstloser in seinen Plänen, Bewertungen, Urteilen und Entscheidungen und Handlungen - kurz, in seinem ganzen Denken und Handeln - wird. Dafür muss er sich bewusst weiter in diese Richtung entwickeln wollen und bewusst einräumen, dass alle anderen Richtungen letztlich Sackgassen sind!

Eine bloße Illusion seiner selbst als entscheidende Instanz wäre dazu nie im Stande. Und vielleicht scheiden sich genau an diesem Punkt die Geister: Ich bin da nämlich ganz und gar optimistisch und überzeugt davon, dass wir uns mit einem als Realitätsbewusstsein getarnten Pessimismus nur selbst in unseren Möglichkeiten beschneiden würden. Das Gegenteil dazu wäre: Visionen und Utopien immer in sein Denken mit aufzunehmen. Das erwarte ich insbesondere auch von den Politikern, die uns in eine gute Zukunft führen sollen.

Liebe Grüße,
Verdandi


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* Hier ist der Link zu einem interessanten ZEIT-Artikel über Ken Wilber! – Auch wenn dessen Überzeugungen nicht in allen Punkten mit meinen übereinstimmen, ist es m.E. doch sehr lesenswert, was er seinerzeit zu sagen hatte (als er noch gar nichts über die heutigen Erkenntisse der Hirnforschung wissen konnte):

>>Die Wandlungen des Bewußtseins
Ken Wilber – Vordenker der transpersonalen Psychologie<<
vom 28. November 1986, von Edith Zundel


https://www.zeit.de/1986/49/die-wandlun ... wusstseins

Auszug / Schluss des Artikels:

>>Jedoch, so meint er, gibt es eine wachsende Minderheit, die sich ehrlich ein neues Bewußtsein zu erarbeiten versucht. Aber er ist keineswegs der Meinung, daß innerhalb des nächsten Jahrzehnts der wahre Geist über uns kommen wird. „Am gegenwärtigen Punkt der Geschichte würde eine radikale, durchdringende und die Welt erschütternde Transformation schon darin bestehen, daß jedermann sich zu einem wahrhaft reifen, rationalen und bewußten Ego entwickeln würde, einem Ego, das imstande wäre, frei am offenen Austausch gegenseitiger Achtung teilzunehmen ... Damit würden wir ein wirkliches neues Zeitalter erleben ... Sollte der Holocaust uns alle verschlingen, dann wird das nicht beweisen, daß die Vernunft versagt hat, sondern hauptsächlich, daß sie noch nicht voll und ganz ausprobiert wurde.“<<




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von 41acul » 11.10.2018, 5:43 aus "Ich-Illusion" Forum Philosophie


@Verdandi,
ich genieße Deine Antwort sehr. Sie ist so kraftvoll und fest gegründet, sie verdient ein Verweilen. Mehrmals werde ich sie noch lesen und sie mir herauskopieren. Wir sind sehr fleißig, wir haben dadurch auch Verdienste: "Das Leben ist schön!"

Liebe Grüße
Felix
aus "Ich-Illusion" bei Philosophie von acul

Trifft ein Mensch einen Freund und reicht ihm lächelnd die Hand und spricht:
" "Ich" war das nicht, das war mein Bereitschaftspotential."
"Wie jetzt, willst Du mich nicht begrüßen?", erwidert der Freund verwundert und lässt die Hand los.
"Felix hat gepredigt, es herrscht der Zustand dieses Bereitschaftspotentials und wenn ich lächele und ein freundliches Gesicht mache, dann haben die Emotionen diese Körperzeichen aufgelegt. Ich fühle (Gefühle bewusst) aber im Bewusstsein, dass ich lächele und ich mit Dir eine schöne Begegnung habe.
Jetzt glaub mir es doch, jetzt freut sich auch "Ich"."


Ich bin überzeugt, dieses Szenario war der Evolution zu kompliziert, sie hat es vereinfacht mit einer Illusion. Bei Gefahr war so etwas zwischen "Ich" und "Du" lebensgefährlich.


Felix
Die Ich-Illusion in der Achtsamkeit

Achtsamkeit, ein gelernter Bewusstseinszustand durch Meditation. Ich liege da, entspannt, Arme und Beine schwer, Hände und Füße warm. Mein Bewusstsein ist nicht durch unangenehme Gedanken aus der Vergangenheit (z.B. Ärger) oder mit Vorstellungen in die Zukunft (z.B. Angst) getrübt. Der Spiegel ist unverzerrt, das „Fernrohr“ durch Emotionen mit körperlichen Reaktionen sauber. Deshalb auch Entspannung und Wärme, kein Adrenalinüberschuss durch Aufregung pulst durch meinen Körper. In diesen schönen Zustand habe ich mich durch Atembeobachtung, Bodycheck und die Aufmerksamkeit auf das „Jetzt und Hier“ gebracht. Diese Vorstellungen haben den Flaschenhals des Bewusstseins benutzt, dadurch die Gedanken, die üblen, rausgeschmissen. Wunderbar. Das wurde hier aber schon oft erzählt! Langweilig? Nein. Denn jetzt kommt es:

Nach Ansage soll jetzt der zweite Schritt der Meditation erfolgen, die Dressur der andrängenden Gedanken. Im bin ja in der Achtsamkeit, in der Habachtstellung und erkenne das Anschleichen und wer da schleicht. In der Achtsamkeit habe ich eine kleine Distanz, deshalb kann sortiert werden. Manche Gedankenphänomene landen auf Wolken und ziehen zunächst unbeachtet weiter, morgen ist auch noch ein Tag. Den Interessanten widme ich mich aber sorgfältig. Z.B., ist die Wut berechtigt? Falle ich wieder auf meine Destruktivität rein. Wenn es mir so nicht gefällt, dann starte ich bewusst mit Vorstellungen im Bewusstsein ein vernünftiges Gegenprogramm. Die tibetischen Mönche erarbeiten sich hier über Meditation eine Verstärkung von Liebe und Empathie. Alles speichert sich natürlich sofort in den jeweiligen Gehirnarealen ab. Verhalten, Vorurteile und Erinnerungen ändern sich durch neue "Verdrahtung", das ist aus der Dritten-Personen-Perspektive, also durch wissenschaftliche Untersuchungen nachweisbar.

Jetzt kommt die entscheidende Frage. Mein „Ich“ ist ja ständig im Bewusstseinsstrom als phänomenales Selbstmodell dabei. Werden diese Entscheidungen beim Sortieren der Gedanken auch durch vorherige Bereitschaftspotentiale entschieden? Oder ist hier das Selbst, das „Ich“ endlich einmal König und ändert sein Verhalten in Freiheit mit Verstand. Ich gehe z.B. freiwillig Emotionsforderungen aus dem Weg. Dann würde Folgendes passieren: Freier Wille wäre in Sichtweite. "Ich" hat als Freier nach eigener "Ich-Idee" sein Verhalten geändert. Das wird sich bei der nächsten Handlung bemerkbar machen.

Felix
von acul vom 19.10.18 aus "Ich - Illusion" Philosophie

Liebe Verdandi,

jetzt hast Du mir eine große Freude gemacht. Deshalb den Kern einmal zuerst, In Ausführlichkeit antworte ich später:

Moderne Meditation hat keinesfalls das Ziel, das Denken oder das Bewusstsein zu überwinden. Schon gar nicht eine Bewusstseinserweiterung - Flaschenhals. Die ist gar nicht möglich und wird nur scheinbar unter Drogen oder religiösen Meditationsstufen subjektiv so empfunden. Ganz richtig, bis zur Achtsamkeit ist der Weg von Autogenem Training und Meditation sehr ähnlich. Wo ist der Unterschied? Autogenes Training macht einen Bodycheck - linken Arm ganz schwer usw. - und leert damit passiv durch die Aufmerksamkeit auf das "Hier und Jetzt" das Bewusstsein von drängenden Gedanken - Vergangenheit, Zukunft. Und damit sind auch die fest damit verankerten Emotionen weg: Ruhe und Entspannung. Das war der westliche Weg. Meditation kümmert sich aber schon von Anfang an um die andrängenden Gedanken, sie wollen ins Bewusstsein, wollen ablenken. Meditation empfiehlt aktiv, aber locker und heiter, die Gedankeninhalte kommen zu lassen, sie aber nicht mit Kampf (Adrenalin) wegzustoßen sondern sie ziehen zu lassen. Mit der Verabschiedung, ich kümmere mich später darum. Hier wurde einfach die Metapher, ich setze sie auf verbeiziehende Wolken und lasse sie weiterreisen, verwendet. Das schreibt sich so leicht dahin, ist aber richtiges Lernen, deshalb hier die Wortwahl "Fahrradfahren lernen". Es ist eine Lernarbeit mit dem prozeduralen Gedächtnis. Zur Vereinfachung schaltet das Gehirn diesen Vorgang später ins Subcortikale ab. Beispiel gelerntes Autofahren: Ich kann mich mit meinem Nebenmann über komplizierte Dinge unterhalten und trotzdem sicher subcortikal das Auto steuern. Schlüsselwort ist das Üben.

Wow, schon wieder ganz schön viel. Doch jetzt das Wichtigste: Du warst durch Dein Verhalten der Anstoß zu meinem Beitrag: Die "Ich-Illusion" in der Achtsamkeit". Wir ringen ja gemeinsam um Freiheit. Und hier könnte ein Schlüssel sein. In der Achtsamkeit - sauberer, unverzerrter Spiegel - bewerte ich meine Gedanken und Emotionen und bemühe mich um vernünftige Lösungen. Dir waren die unproduktiven, emotionalen Gegenschläge sinnlos geworden. Heureka! Danke.


Grüße

Felix
Verdandi hat uns einen Videobeitrag zur Meditation eingestellt:

https://www.arte.tv/de/videos/069099-00 ... editation/

Es ist eine wunderbare Werbung für unser "Drittes Medikament". Es gibt nur wenige Aussagen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Wir wollen nicht gleich Gutes bemeckern. Aber das erkennt man gleich, wir sind mit unserer Arbeit hochaktuell, an der Front argumentieren wir sozusagen mit. Und diese Front ist in der Tat extrem vielfältig und macher Ausgang noch unbestimmt. Das liegt auch an der buddhistischen Tradition von 2500 Jahren Meditationspraxis, die viele Millionen von Menschen durchführten.


Danke für diese Hilfe Verdandi, selbst unser Wachhund Amygdalo - heißt natürlich Amygdala = Mandelkern - hat etwas zu bellen, Wow!

Das war unser Ausgangspunkt: "Schulmedizin als Ganzheitsmedizin", unter dieser Fahne marschieren wir hier. Et voilà, Körper und Geist als "Einheitsbetreuung"!

Und damit alles etwas leichter fällt, ein Passodoble. Er tanzt sich sehr schwungvoll und man ist voll im "Hier und Jetzt". Voll die Achtsamkeit, nicht auf Füße treten. Für Gedankenkontrolle reicht es aber nicht mehr. Und außerdem, die schönen Emotionen sind herzlich eingeladen, Amygdalo schläft. Bei der Musik? Ja, das ist kurios, es beruhigt ihn, komischer Hund!

https://www.youtube.com/watch?v=NSvKGEy7mVs

Felix
von 41acul » 23.10.2018, 16:47 aus "Schreiben wir?"


@Milafranzi,
dann hätte ich mich missverständlich ausgedrückt: Wut ist eine wichtige Emotion für den Menschen, es macht ihn kampfbereit, mutig, stark. Doch wenn sie es übertreibt, die Wut und man wird blind. dann kann sie einem sehr schaden. Wut ist ein mentales Produkt von uns selbst. Dann wird es zur Selbstbeschädigung.
Um nichts Anderes geht es in der Achtsamkeit, Die Waffe Wut führe ich wie ein Ritter, geübt.
Grüße
Felix
Doch wo ist der Unterschied: aktuellen Neurobiologie und buddhistische Meditation?

Der Buddhismus geht von einer Plattform der reinen Bewusstheit aus, welcher die Eigenschaften eines reinen Spiegels hat, der selbst keinerlei Verzerrung der Inhalte bewirkt. Das heißt, auf der einen Seite ein unbefleckter Geist und dann die Inhalte, die in dieser reinen Bewusstheit aufscheinen.
Es gäbe dann einen unberührbaren Betrachter, ein unbeflecktes Auge, dessen Blick nicht durch Emotionen, Affekte und Fehlwahrnehmungen getrübt werden kann. Auf der anderen Seite der abgespaltene fehlbare Teil des „Ichs“, der inneren und äußeren Konflikten ausgesetzt ist, der Durstige. Das wäre eine Dissoziation der Persönlichkeit. Da macht die aktuelle Neurobiologie nicht mit. Ein von allen Inhalten entleertes Bewusstsein, diese Plattform, dieses Auge, kann nicht existieren. Ein leeres Bewusstsein kann nicht existieren, denn dann ist es nichts. Regen ist nur dann Regen, wenn es regnet.

Und jetzt stellt sich natürlich beinhart die Frage: Die Buddhisten frohlocken, die „Ich-illusion“ würden sie schon seit 2500 Jahre kennen und jetzt komme die westliche Welt daher. Welches „Ich“ meinen sie eigentlich, wenn sie doch ein „gespaltenes“ Bewusstsein annehmen? Reine Bewusstheit oder fehlbarer Teil?

Offensichtlich war ihnen der Flaschenhals des Bewusstseins nicht vertraut. Sie brauchten aber für die Achtsamkeit ein klares Bild. Zu viele Bilder im Spiegel übereinander gibt ja Chaos. So kreierten sie sich als Gedankenmodell den unberührbaren Betrachter, ein unbeflecktes Auge. Mit der Meditation machten sie aber alles richtig und reinigten den Spiegel mit Atembeobachtungen, Bodycheck usw. = tauschten im Flaschenhals die unangenehmen Gedanken und andere Phänomene dann einfach aus. Danke, können wir gut gebrauchen.

Felix
von 41acul » 24.10.2018, 4:05 "Kommunizieren im Internet..." Philosophie

@Barbera,

Die Information über eine Person, die nur über Worte vermittelt wird, macht laut Paul Watzlawick lediglich 20% aus

Das stimmt sicher, wenn die nonverbalen Kommunikationsformen zusätzlich präsent sind. Doch jetzt kommt das Internet:

Faktenwissen, das für Denken und Entscheidungen erforderlich ist, wird in Form von Vorstellungen geliefert. Jeder Gedanke setzt sich aus Bildern zusammen.Was sind diese mentalen Vorstellungsbilder? Durch gerichtete Aufmerksamkeit nach außen, hier nur Text und Foto, erzeuge ich Wahrnehmungsbilder. Ist die ganze Person vorhanden, dann von ihm und Umgebung, kommt auf den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit an.
Gleichzeitig kann ich abschweifen, wenn ich an vergangene Dinge denke oder in die Zukunft, das sind Erinnerungsbilder in mir selbst im Gegensatz jetzt zu den Wahrnehmungsbilder von außen. Erinnerungsbilder von innen "sprechen" wie schon gesagt aber nicht nur über die Vergangenheit. Vorstellungsbilder, die ich geformt habe, als ich etwas plante, was noch nicht passiert ist, das nächste Wochenende. Während ich den Planungsprozess entfalte, habe ich Bilder von Gegenständen und Bewegungen entwickelt und eine Erinnerung an diese Fiktion in meinem Geiste verankert - deklaratives Gedächtnis.

Also: Wahrnehmungsbilder von außen und Errinnerungsbilder einer realen Vergangenheit (auch Ärger über eine Person) und Erinnerungsbilder von Plänen (auch Ängste!) für die Zukunft von innen, das sind alles Konstruktionen meines eigenen Gehirns. Ich bin immer bei mir mit meinen "Gespenstern".
Und die Emotionen hängen fest geklammert an den Bildern!

Jeder kann sich jetzt die Vorstellungen davon machen, welche Vorstellungsbilder bei der Internetaktion in unsrem Bewusstsein erscheinen. Und jetzt kommt das Wichtigste: Welche "Romanfigur" wird wohl dabei in unserer Fantasie entstehen und wie verschieden wird sie doch beim "ersten Treffen" zum Gegenüber sein. Es ist wie bei der Romanverfilmung, sehr, sehr schwierig.

Über einen sehr wichtigen Punkt, die unterschiedlichen Persönlichkeiten, bei denen diese Gespenster hausen, haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen.
Der wichtigste hier: introvertiert/extrovertiert. Fast zu 100% angeboren.

Grüße

Felix

Ich bin übrigens im burmesischen Glauben ein Garuda = Sonntagskind. Dort erfolgt die Einteilung zu den Planeten nach der Geburt des Wochentages. Das wird so ernst genommen, dass unverträgliche Konstellationen wie Sonntagsgeborener (Garuda) und Samstagsgeborener (Drache) niemals, wirklich niemals, zur Hochzeit gewählt werden. Jeder Burmese oder Burmesin hat ein Büchlein bei sich, da kann er/sie sofort nachlesen, was es mit dem Gegenüber auf sich hat.
Etwas Pech hatten die Burmesen schon, sie kannten acht Planeten und hatten sieben Wochentage. Was nun? Teilen wir den Mittwoch: Vormittag Elefant mit Stoßzähnen, Nachmittag Elefant ohne Stoßzähne. Pragmatisch sind sie, die Burmesen. In letzter Zeit häufen sich die Kaiserschnittgeburten. Denn es gibt tatsächlich "unglückliche" Eintritte ins Leben: Samstag, Drache oder Elefant ohne Zähne. Garuda hat aber Glück gehabt.
von 41acul » 24.10.2018, 5:53 "Kommunikation im internet..." Philosophie




Ein bisschen Wahnsinn, diese unendliche Fülle der Erinnerungsbilder als Vorstellung und die Schnelligkeit des Zugriffs. Sie spielt aus dem deklarativen Gedächtnis und die Fertigkeiten mit der Geige hat sie aus dem prozeduralen Gedächtnis – wie Fahrrad fahren subcortikal, da kann man nichts mehr im Bewusstsein überlegen. Und das mit sechs Jahren!
Das Orchester ist die Metapher Gehirn, Parallelverarbeitung, jedes Instrument spielt gleichzeitig, sie spielen nicht seriell einer hinter dem anderen. Das ist also das Wichtigste: die Zeit, der Einsatz für jeden Ton jedes Instrumentes muss stimmen. Genau so wie im Gehirn, im Bewusstsein müssen zur rechten Zeit die richtigen Vorstellungsbilder da sein. Sonst kommt es zu Dissoziationen, wahrscheinlich Schizophrenie?

Der Dirigent ist die Metapher Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Er dirigiert die Zeit, das Tempo. Doch er ist auch Bereitschaftspotential und meldet dem Mädchen indirekt über die Melodienfolge, jetzt.

Und das Mädchen, diese unfassbare Virtuosität, ist das „Ich“. Es greift beherzt tief hinein in den Schatz der Erinnerungsbilder. Seid stolz auf Euer „Ich“. Nehmen wir die „Ich-illusion“ nicht so ernst, der Dirigent ist ja kein Trottel und gehört auch zu uns. Und wie das alles gut funktioniert mit Paganini.

Viel Spaß beim Wundern. Und jetzt:

https://www.youtube.com/watch?v=2l-3VhZ2Yik

Felix
Das kleine "Ich", die große Geigerin Anna Lee

So ein Gehirn ist ein unfassbares Werkzeug. Es ist nicht leicht, nur ein bisschen hinter seine Schliche zu kommen.
Deshalb der Hinweis auf die enorme Bedeutung der Taktgebung, die Zeit, durch die Vorführung des kleinen Mädchens als "Ich". Da steht es nun und um sie herum zwei Milliarden Verschaltungen im Gehirn gleichzeitig und ständig wechselnd in jedem Augenblick (das Orchester). Und sie fügt sich mit ihrer Virtuosität harmonisch darin ein. Synchronisation ist bei dieser Lautstärke und Vielfalt alles - das Gehirn macht es mit Schwingungen - das Orchester mit dem Blick auf den Dirigentenstab, der unablässig die Zeit einteilt. Im Gehirn ist es das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit. Das kleine "Ich" könnte sonst nicht spielen, alles würde im Getöse untergehen. Man nimmt an, dass sich so eine Schizophrenie anfühlt: aus dem Takt geraten.

Felix
Ein wohlwollender Partner und Meditation:

Wir und der Rest der Welt, für 50+ die bedeutenste "Streicheleinheit":
Und das hat einen sehr wichtigen Grund: Das „Ich“, das subjektive Mitglied des Bewusstseins ist sehr stark von den Emotionen im Untergrund (Unbewusstsein) abhängig. Diese Abhängigkeit war überlebenswichtig, „Ich“ darf keine Entscheidungen gegen die Grundregeln des Überlebenskampfes fällen, Drahtzieher passt auf, kein über die Stränge schlagen. Das kann natürlich in der kulturellen Welt jetzt Blödsinn sein. Doch was ist mit dieser anderen Person des Vertrauens, dem Partner? Da hat der Drahtzieher nichts zu ziehen, da kommt er nicht hin. Er kann seine Vernunft voll ausspielen und souveräne handeln mit Rat. Deshalb der weltberühmte Satz von Thales von Milet (400 v. Chr.) „Was ist das Leichteste, Ratschläge zu geben, was ist das Schwerste, sich selbst zu kennen.“ Wohl war, wer kennt schon das ganze Konzert seiner Emotionen im Hintergrund. Ja, Meditation, da winkt ein Fernrohr für einen kleinen Einblick.

Und soll wohlwollende Partnerschaft jetzt besser sein als Meditation? Das will Felix doch nicht etwa hier behaupten!? Na ja, es gibt Ähnlichkeiten: In der Meditation gelangen wir zur Achtsamkeit, dort prüfen wir mit unverzerrtem Spiegel - keine Emotionen, kein Affengeschrei - die neu hereinflutenden Vorstellungsbilder (Gedanken mit angehängten Emotionen) mit einem gewissen Abstand und wägen ab, beurteilen.
Und was macht der Partner? Er muss ja nicht in die Achtsamkeit zum Ablegen dieser Emotionen, die Emotionen seines Schätzchens verzerren seinen Spiegel nicht. Auch er wägt die anstehenden Fragen ab und beurteilt mit klarem Blick durchs Fernrohr. Also dem Zeitpunkt der Achtsamkeit ziemlich ähnlich, findet Ihr nicht?

Dann machen wir einen gewaltigen Sprung: Meditation ersetzt den Partner? In der Beratung schon, nur da:-). Und man bleibt frei ohne warmes Kuscheln. Jeder so wie er mag. Soll Keiner sagen, wir hätten es nicht besprochen.


Hinter einem erfolgreichen Mann steht fast immer eine kluge Frau. Und umgekehrt natürlich auch.

Felix
The Rocky Horror Picture Show in der Achtsamkeit

So aufregend kann es in der Achtsamkeit dann werden – nachdem wir jetzt genug gedrusselt haben. Manche nennen dieses „faule“ Verweilen, Drusseln, auch Gewahrsein. Das kann einem in der Achtsamkeit dann tatsächlich begegnen: eine Überraschung für die innere Wahrnehmung im unverzerrten Spiegel. Denn was herantritt sind ähnlich bunte Bilder wie in der Show.

(Bevor es weitergeht eine wichtige Frage: Sitze ich da passiv im Kino und nehme wahr, oder kann ich auch eigene Farbtupfer hinklatschen?
Jetzt kannst Du die Schauspieler erkennen, kannst ihnen Anweisungen geben und das Wichtigste: Du kannst unliebsame, abscheuliche Geschöpfe wieder hinter die Bühne schicken.)

Dann wollen wir es also beherzt angehen. Der Puls ist noch ruhig, Hände und Füße warm, der Spiegel unverzerrt – das Fernrohr klar:

Es zeigt sich die individuelle einzigartige Zusammenstellung deiner Persönlichkeit.
Geist und Verhalten: Wer mehr als ein Kind hat, wer mit Kindern zu tun hat, der sieht, dass Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Temperamenten geboren werden.

The Big Five (auch Fünf-Faktoren-Modell, FFM) handelt von einem Modell der Persönlichkeitspsychologie. Ihm zufolge existieren fünf Hauptdimensionen und jeder Mensch lässt sich auf folgenden Skalen einordnen:

- Offenheit und Erfahrung (Aufgeschlossenheit)
- Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
- Extraversion (Geselligkeit)
- Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
- Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit).


(geschätzt 70% hereditär)

Das ist natürlich nicht das ganze Programm. Es kommt noch die Prägungen durch die Umwelt, die Fülle der Erinnerungen und Vorurteile, die angeborenen mentalen Schutzprogramme als Wächter des Überlebens – A-priori-Wissen, die intensive Verflechtung von Körper und Geist durch die Übertragung von Botenstoffen über das Blut.

Genug Leinwand zum Pinseln zur Verbesserung. Manche lassen sich gar nicht überstreichen, andere besser. Jetzt versteht man auch, warum man den klaren Blick aus der Achtsamkeit braucht: „Erkenne Dich selbst.“ Und dann wird erst gemalt!

Felix

Das nächste Mal erste gemeinsame Malstunde als Zwischenschritt. Das Porträt Wut (Zorn).
Malen wir Wut und Zorn eine rote Nase

Durch mentales Training lässt sich also die Introspektion – das Richten der Aufmerksamkeit nach innen – üben und man kann besser, als ungeübte Personen, verschiedene Emotionen unterscheiden. Doch nicht nur das, wir wollen es genau wissen und feinere Unterscheidungen zwischen den emotionalen Zuständen vornehmen. Eben, wir pinseln ihnen in heiterer Gelassenheit mit ruhiger Hand Nasen rot. Das hätte noch einen Vorteil gratis dazu. Ist die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, auf eine Person gegenüber, dann können wir vielleicht auch diese Körpersignale besser differenzieren. Wir erkennen die Gestimmtheit des Gegenübers meist unbewusst durch Mimik, Gestik und Sprache. Jetzt hätten wir durch Training einen besseren Blick? Das ist aber nur eine Vermutung.

Moderne Meditation ist also nicht das übliche Klischee: Nur Entspannung und Leerwerden des Geistes.

Wut/Zorn steigt auf. Wunderbar, es gibt endlich zu tun, dieses immer zurück in die Achtsamkeit.
Wut wird von dem Wunsch begleitet, jemanden zu schaden. Wir stellen fest, es handelt sich um eine berechtigte Entrüstung über eine Ungerechtigkeit oder ein anderes nicht akzeptables Ereignis: Mit Verstand wird jetzt der Säbel gezogen. Mit Verstand wissen wir die Grenzen und die Möglichkeiten, wir schaden uns nicht selbst, wir sind auf Abstand, nicht blind.

Wut
kann auch schlicht eine Reaktion sein, um schnell ein Hindernis aus dem Weg zu räumen, das uns abhält, etwas zu bekommen, was uns wichtig ist, Dann könnte Eile mit Weile gut sein und mancher Gegenstand bliebe heil.

Oder wir stemmen uns gegen etwas, das uns bedroht. Dann verwenden wir die Vorteile der Wut, sie bringt auch Klarheit, Fokussierung und Tatkraft. Und der Gegner ist beeindruckt. Das macht er nicht noch einmal.
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Oder der Nachbar, dieser Vollidiot, hat wieder mit der Bohrmaschine Dübel versenkt. Schon allein das Vorstellungsbild bringt mich in Rage. Ähnlich die Regung in dem Thread, „Wie geht Kommunikation besser..? Dort sind es die im Profil hinterlegten Bilder der unliebsamen Gegner, die augenblicklich den Kamm schwellen lassen. Bonbonchen hatte sie angesprochen. Wie wäre es mit einer Besinnung? Wieviel trage ich denn zum Unfrieden bei, kann ich etwas ändern, etwas zur Befriedung beitragen.

Und jeder kann sich jetzt etwas ausdenken und genau beobachten und differenzieren, was geht ab. Für Erkenntnis ist es nie zu spät. Vergessen wir aber nicht die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeit, die Erregbarkeit zur Wut und Zorn ist unterschiedlich. Es ist gut, wenn ein Jähzorniger lernt, sein Verhalten zu ändern.

Felix
Der Blick von ganz unten

Das Überleben eines Organismus hängt von einer Anzahl biologischer Prozesse ab. Zellen (Gewebe) müssen mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Atmung und Ernährung müssen also als Basisprogramm funktionieren.
Das Gehirn verfügt zur Regelung über angeborene neuronale Schaltkreise – unterstützt von biochemischen Prozessen - , deren Aktivitätsmuster Reflexe, Triebe und Instinkte zuverlässig steuern. Diese angelegten Programme setzen bei Aktivierung einen komplizierten Ablauf von Reaktionen in Gang.

Doch der Organismus mag sie nicht, drohende Vernichtung durch Raubtiere und widriger Umweltverhältnisse. Auch hier laufen zur Vermeidung neuronale Schaltkreise für Triebe und Instinkte, die Kampf- oder Fluchtverhalten bewirken. Wieder andere Schaltkreise steuern Triebe und Instinkte, die ein entsprechendes Sexualverhalten und Brutpflege regeln, damit die Gene des Individuums erhalten bleiben. Das ist nicht alles, auch die Tageszeit, Kälte und Wärme benötigen eine Regelung.

Der nächste Schritt: Die Wirkung von Trieben und Instinkten veranlasst entweder ein bestimmtes Verhalten direkt, oder es werden körperliche Zustände durch Emotionen geschaffen, die das Individuum veranlassen sich unbewusst oder bewusst in einer bestimmten Weise zu verhalten – „ich habe Angst“. Gefühle, bewusste Registrierungen von diesen Emotionen – starr vor Schreck-, sind einflussreiche Phänomene im Bewusstsein zur versuchten rationalen Steuerung.

Freiheit? Es wäre sicher nicht von Vorteil, wenn diese Programme, die die beschriebenen lebenswichtigen biologischen Programme steuern, sich allzu sehr verändern ließen. Denn wir können willentlich auf diese Verhaltensweisen Einfluss nehmen. Fasten - willentlicher Verzicht auf Nahrungsaufnahme -, unter Wasser schwimmen – Atem anhalten, Herzfrequenz beeinflussen usw. Doch es bestehen auch noch andere Veränderungsmöglichkeiten durch neuronale Signale aus anderen Hirnregionen, oder chemische Unterrichtung durch Hormone und Neuropeptide. Tatsächlich haben viele Gehirnzellen in allen Teilen des Gehirns Rezeptoren für Hormone.

Felix
cron