Haben sich Freundschaften in der heutigen Gesellschaft gegenüber früher verändert? Gibt es sie noch - die "richtige", dicke Freundschaft?
Im Gespräch mit einer engen Verwandten kam diese Frage auf. Sie behauptet - nein, wahre Freunde findet man heute nicht mehr. Jeder möchte nur Spaß haben, die Freizeit angenehm gestalten, aber füreinander da sein - das gäbe es nicht mehr und das würde ja eigentlich erst eine wahre Freundschaft ausmachen. Hinzufügen muss ich, dass die Verwandte m. E. extrem viel Aufmerksamkeit fordert und ebenso umsorgt werden möchte. Das ist sehr anstrengend. Sie hat auch keinen Partner. (In einem anderen Thread habe ich dieses unter dem Stichwort "Nörgeln" näher thematisiert.)
Für mich ist der Grundpfeiler einer Freundschaft eine ähnliche Schwingung, einen Draht zueinander zu haben, ein instinktives Verstehen. Meist entsteht das durch gleiche Betätigungsfelder - man studiert oder arbeitet zusammen. Ich habe sehr gute Freunde und Freundinnen, die nicht immer für mich da sind, weil sie es gar nicht können - sie wohnen zu weit weg. Das macht der Freundschaft aber keinerlei Abbruch. Auch wenn wir uns monatelang nicht gesehen haben, ist das Wiedersehen so, als hätte man sich erst gestern verabschiedet.
Was versteht Ihr unter Freundschaft und was ist Euch dabei besonders wichtig?  
"Freundschaft"bedeutet mir viel
füreinander da zu sein ist selbstverständlich
gute Gespräche führen ..Rat einholen immer ehrlich sein auch wenn die Wahrheit manchmal schmerzt..Zeit haben für eine Freundin/Freund.das ist wichtig
Freundschaften müßen gepflegt werden ..im Alter mehr als in jungen Jahren
Freundschaft braucht Zeit um zu wachsen.....

meine Freundin ist tot - durch einen Unfall gestorben.....

bei den Bekanntschaften, die ich die letzten Jahre hier gemacht habe - habe ich gemerkt, dass wir alle älter geworden sind ....und uns irgendwie nicht mehr so leicht anpassen können an andere Menschen....

jeder von uns hat die letzten Jahrzehnte sein Leben gelebt und seine Erfahrunge gemacht - jeder von andere Erfahrungen und jeder hat sich aus diesen Erfahrungen heraus seine Meinung gebildet.....

und auch eine neue Partnerschaft braucht Zeit, um zu wachsen.....
dagegen steht unser Alter....... :wink:

(sapperlot - bis wir endlich mal kapieren wie der Hase läuft - dann sind wir alt)........ :lol:
Nochnicht50 hat geschrieben: Hinzufügen muss ich, dass die Verwandte m. E. extrem viel Aufmerksamkeit fordert und ebenso umsorgt werden möchte. Das ist sehr anstrengend. Sie hat auch keinen Partner. (In einem anderen Thread habe ich dieses unter dem Stichwort "Nörgeln" näher thematisiert.)

@Nochnicht50, ich denke, deine Verwandte sucht eher Pausenclowns, die sie für ihre Zwecke ausnutzen kann. Für eine Freundschaft fehlt da die Gegenseitigkeit.
Nochnicht50 hat geschrieben:
Für mich ist der Grundpfeiler einer Freundschaft eine ähnliche Schwingung, einen Draht zueinander zu haben, ein instinktives Verstehen.

Man braucht irgendeine Gemeinsamkeit, ein gemeinsames Hobby oder Interesse. Die generelle Lebenseinstellung muss passen, man muss eine ähnliche Sicht der Dinge haben, mal ganz einfach ausgedrückt, die Chemie muss auch stimmen.

Für mich ist für eine Freundschaft gegenseitiger Respekt unabdingbar. Dieser Respekt beinhaltet auch, dass man den anderen nicht für sich vereinnahmt. Man hilft sich gegenseitig, ist füreinander da, aber immer nur im Rahmen der Möglichkeiten, nicht zum Preis der Selbstaufgabe des einzelnen.

Es gibt ein Leben außerhalb einer Freundschaft und der andere muss respektieren, dass man ihm nicht die gesamte Freizeit widmen kann und es Momente gibt, die man eben nicht zur Verfügung stehen kann oder will. Dann ist Freundschaft eine Bereicherung und fühlt sich leicht und angenehm an.

Es ist schwierig. Freundschaften, die sich in jungen Jahren gebildet haben, halten häufig ein Leben lang. In reifen Jahren ist es eher schwierig, Freundschaften, also nicht nur lose Bekanntschaften, zu schließen. Man hat schon zu viel hinter sich, ein Leben gelebt und es ist schwer, eine gemeinsame Basis zu finden.

lg Mambo
Nochnicht50 hat geschrieben: Haben sich Freundschaften in der heutigen Gesellschaft gegenüber früher verändert? Gibt es sie noch - die "richtige", dicke Freundschaft?

Freundschaften, die diese Bezeichnung verdienen, gibt es auch in der heutigen Gesellschaft noch! Doch jetzt mit 50+ damit anzufangen, ist m. E. eindeutig zu spät!

Freundschaften wachsen langsam, schließlich muss Zeit da sein, um Vertrauen entstehen zu lassen. Außerdem sind Freundschaften keine Einbahnstraßen, sondern eine Wechselbeziehung!
Man kann keine Freundschaft erwarten, wenn man nicht bereit ist, sich selbst auch einzubringen.

In den letzen Jahren habe ich gute Bekannte gefunden, aber keine neuen Freunde! Zwei wirklich gute Freundschaften bestehen schon seit Jahrzehnten und verdienen diese Bezeichnung auch! Der Faden ist zwischen uns nie abgerissen, obwohl einige km dazwischen liegen und wir sind nicht nur freundschaftlich verbunden in Notsituationen oder wenn es brennt, sondern auch bei positiven Ereignissen!
Mambo2013 hat geschrieben: Für mich ist für eine Freundschaft gegenseitiger Respekt unabdingbar. Dieser Respekt beinhaltet auch, dass man den anderen nicht für sich vereinnahmt. Man hilft sich gegenseitig, ist füreinander da, aber immer nur im Rahmen der Möglichkeiten, nicht zum Preis der Selbstaufgabe des einzelnen.

Es gibt ein Leben außerhalb einer Freundschaft und der andere muss respektieren, dass man ihm nicht die gesamte Freizeit widmen kann und es Momente gibt, die man eben nicht zur Verfügung stehen kann oder will. Dann ist Freundschaft eine Bereicherung und fühlt sich leicht und angenehm an.
lg Mambo


@Mambo

Habe hier 2 Absätze herausgepickt, die ich besonders treffend finde. Dein gesamtes Statement kann ich zu 100% unterschreiben, dem hätte ich nichts mehr zuzufügen! Genauso sehe ich das auch. Und habe es mehrfach erlebt.

Ich kann auch meinerseits bestätigen - so, wie wir in der Jugend Freundschaften geschlossen haben, klappt das jetzt leider nicht mehr. Diese völlige Hingabe und Formbarkeit verliert sich im Laufe des Lebens.
 
(Den "Pausenclown" würde ich als eine Art Amme spezifizieren. Sie möchte ver- und umsorgt sein, spielt Prinzessin und benimmt sich gleichzeitig wie ein unmündiges Kind. An auftretenden Probleme sind andere schuld, hat sie diese "Amme", dann lässt sie diese die Probleme für sie lösen, und sie muss auch ständig springen und zur Stelle sein.
Ich denke auch - DAS ist keine Basis für eine Freundschaft, denn das überfordert so gut wie jeden Menschen.) 
Freundschaft ist etwas sehr Wertvolles. Ja, natürlich hat sich die Gestaltung verändert.
So wie vieles in dieser Zeit und jeder Zeit. Aber Veränderungen sind immer die Begleiter jeder Zeit.
Alle die sollte sich glücklich schätzen, die sagen können, dass sie Freundschaften oder eine(n) Freundin, Freund haben.
Meine Meinung ist aber, das es immer möglich ist Freundschaft zu schließen. 
Offen dafür bleiben ist aber der wichtige Grundstein dafür.
Nicht umsonst bin ich in dieser Rubrik unterwegs.  
Wahrscheinlich sollte man eben doch unterscheiden zwischen einer echten Freundschaft ("durch Dick und Dünn") und einer guten, aber unverbindlichen Bekanntschaft. Um aus Letzterer eine Freundschaft entstehen zu lassen, dazu bedarf er wohl mehr als gelegentliche Freizeitaktivitäten.
Ich möchte mich aber der Meinung eben nicht anschließen wollen (wie im Eingangsthread fragend erwähnt), dass es in der heutigen Zeit solche Freundschaften gar nicht mehr gibt, dass die Menschen einfach zu egoistisch geworden sind und nur Spaß, aber nicht zu tief in das Leben eines anderen Menschen hineingezogen werden wollen - mit allem drum und dran, auch wenn es diesem mal schlecht geht...
Es kommt immer darauf an, von welchem Alter gerade die Rede ist. Die heute 10 - 20 Jährige können gar bis zu 500 und mehr Freunde haben. Andere Zeiten...

Im späterem Alter wird man schon mal wählerisch und will nicht auf jeden Zug aufspringen.
Und nicht zu vergessen: eine Freundschaft ist eine große Verpflichtung.
Oft sind sogar gute Bekannte eine Wohltat und reichen .
 Na ja - gerade diese Hundertschaften würde ich nun nicht gerade als "Freunde" bezeichnen. Da wird das Wort Freund m. E. völlig beliebig.
Etwas alter, aber noch immer guter Artikel ... 

"Das Geheimnis der Freundschaft!", ZEIT ONLINE

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/01/Freundschaft
Nochnicht50 hat geschrieben:  Na ja - gerade diese Hundertschaften würde ich nun nicht gerade als "Freunde" bezeichnen. Da wird das Wort Freund m. E. völlig beliebig.




Du bist auch nicht 10-20

Aber wir befinden uns alle in eine große Beliebigkeit. 

Es kommt nur darauf an, die Umstände für sich positiv zu nutzen! 
Nochnicht50 hat geschrieben: Sie möchte ver- und umsorgt sein, spielt Prinzessin und benimmt sich gleichzeitig wie ein unmündiges Kind. 

Ja, meine Nörglerin ist auch Prinzessin, legte die Beine hoch und ließ sich bedienen. Leider hat sie ihren kompletten Hofstaat verloren. So ist das.

lg Mambo
Niemand wählt sich Freunde, die mehr nehmen als sie geben wollen und können. Temporär kann das vorkommen, aber ein sensibler Mensch spürt, was Sache ist, wo der andere sein Herz hat. Vielleicht funktioniert das in der Freundschaft noch viel besser als in der Beziehung: gleich und gleich gesellt sich gerne.
@fragola
das sehe ich nicht so ........eine Freundschaft anzufangen - auch mit 50plus - ist nie zu spät.....

ich hab immer noch die Worte meiner Mutter im Ohr - wie sie sagte:
"als wir umgezogen sind, war ich so froh, dass ich Nachbarn hatte, die jünger waren als ich .....und dass ich in unserem Chor Freundschaften mit jüngeren Menschen schließen konnte - denn fast alle meine Freundinnen sind inzwischen tot....."