A l s o, so lange man Kompliziertes nicht einfach (mit eigenen Worten!) erklären kann, hat man es auch noch nicht verstanden.
Und von einer Dickschen Doktorarbeit muss man hier auch nicht alles verstehen :|
Tiona_ hat geschrieben: A l s o, so lange man Kompliziertes nicht einfach (mit eigenen Worten!) erklären kann, hat man es auch noch nicht verstanden.


Nähern wir uns einmal dieser Aussage in einem ersten Schritt. Da ist zunächst eine Begriffsklärung notwendig: was ist gemeint, komplex oder kompliziert? Beides sind Begriffe, die oft synonym verwendet werden aber im Grunde doch unterschiedliche Bedeutungen haben.
Komplex
Komplexität ist dann gegeben, wenn sich die Eigenschaften einer Sache oder eines Systems nicht aus den Eigenschaften der Einzelteile ergeben oder vorhersagen lassen. Bei der Analyse der Sache entsteht Komplexität, ein Vergleich mit anderen Sachen ist nicht notwendig. Die Komplexität liegt im Auge des Betrachters, d.h. ein und dieselbe Sache ist für einen Betrachter komplex, für einen anderen jedoch nicht, weil er in der Lage ist, die Eigenschaften zu erfassen bzw. vorherzusagen (Das zum Thema „Verstehen“). Beispiel: Spezielle Relativitätstheorie
Kompliziert
Kompliziertheit ist ebenfalls vom Betrachter abhängig entsteht aber nur durch den (impliziten) Vergleich mit nicht komplizierten Dingen. Dabei wird die Vergleichssache nicht genannt, jedoch stillschweigend vorausgesetzt. Beispiel: Unternehmensbilanz

Während also der Zustand der Komplexität typischerweise nicht zunimmt sondern durch Gewinn an Erkenntnis abnehmen kann, kann sich Kompliziertheit in beide Richtungen entwickeln. Ich würde also unterstellen, dass es Dir um die Reduktion der Komplexität für Dein Verständnis geht. Nun muss ich zugestehen, dass diese Aufgabe weit über meine Kräfte und Fähigkeiten hinausgeht.
Tiona_ hat geschrieben: A l s o, so lange man Kompliziertes nicht einfach (mit eigenen Worten!) erklären kann, hat man es auch noch nicht verstanden.


Es existiert noch ein anderer Kritikansatz bezüglich dieser Aussage:

Der Anspruch impliziert, dass verstehendes Lernen keineswegs zu fordern sei. Aber was wäre der Maßstab für „einfach“ unter dieser Bedingung? Vorausgesetzt, es ist auszuschließen, dass die zu erklärende Sache einen von vornherein nur vorgetäuschten hohen Grad von Komplexität eines vorauszusetzenden wissenschaftlichen Fachwissens aufweist:

Wo genau befindet sich das Level für ein einfaches Verständnis? Solange dies eine Frage der Schulpädagogik ist, mögen gesicherte Erkenntnisse für die Verständnisfähigkeit von Kindern bis jungen Erwachsenen in den verschieden Schulformen und -stufen als Maßstab dafür herangezogen werden können. Aber wo genau befände sich das gemeinsame Level für Herrn und Frau Jedermann jeden beliebigen Alters und Bildungsgrades? Rischtisch: Dat gibbet et gar nicht!

Ergo: Entweder „man“ suche sich für die einfache Erklärung ein mittelanspruchsvolles schulisches Anforderungsprofil: Vielleicht für einen 14-jährigen Realschüler? Oder gibt es gleich ganz auf ...

... Und wartet stattdessen auf ernsthafte, auf einen Lernprozess ausgerichtete Bemühungen von Wissensdurstigen, sich aktiv am Erklärungsprozess zu beteiligen, zum Beispiel mittels Formulierung von Fragen, die sich aus eigenen Denkvorgängen ergeben. In diesem Fall kann „man“ dann jeden genau dort abholen, wo er halt steht. :wink:




Mein Lieblingswitz lautet: nach 2x Hochschulstudium brauche ich alles
auf dem Bilderbuchniveau
! Der akademische Fachjargon geht mir nicht mehr ab.
Klug und einfach muss es sein. Das zeigt, dass man es versteht und das Wissen
einsetzen kann.

Wer hier fremde Texte voller mühevollen Begrifflichkeit reinstellt, versucht sich damit als gebildeter, komplizierte Zusammenhänge verstehender Mensch zu inszenieren. Das merkt man, wenn man die Beiträge liest, und, an der Folgekommunikation. Ich mag ein solches Verhalten nicht noch bestätigen.
Ein Blinder fragt einen Mann, was denn Milch sei.
Sagt der Mann: «Milch ist eine weisse Flüssigkeit.»
Sagt der Blinde: «Ich weiss, was Flüssigkeit bedeutet, aber was ist weiss?»
Sagt der Mann: «Weiss ist die Farbe der Federn eines Schwans.»
Sagt der Blinde: «Ich weiss, was Federn sind, aber was ist ein Schwan?»
Sagt der Mann: «Ein Schwan ist ein Vogel mit einem gekrümmten Hals.»
Sagt der Blinde: «Ich weiss, was Vogel bedeutet, aber was ist gekrümmt?»
Darauf nimmt der Mann etwas den Arm des Blinden, krümmt ihn am Ellbogen und sagt: «Das ist gekrümmt.»
Darauf der Blinde: «Aha! Endlich weiss ich, was Milch ist.»
Sei nicht traurig dick, irgendwann verstehst du es... mit Gravitationswellen.
stebbi hat geschrieben: Vielen Dank für diese wirklich lesbare Zusammenfassung der Forschungsgeschicht zum Thema Gravitationswellen. Ich bin zwar interessierter Laie, aber als Skandinavist nicht wirklich vom Fach. Die Veröffentlichungen zum Thema im Februar 2016 habe ich aber "Live" mitbekommen. Nobelpreisverdächtig??

Der Verdacht hat sich jetzt bewahrheitet!
Hallo!
Was macht man nun mit diesen bahnbrechenden Erkenntnissen? .....Soweit ich verstanden habe, werden jetzt genauere Berechnungen möglich. Die Abweichungen bei Einstein wurden erklärt und nachgewiesen, was sie verursacht. Das mathematische Weltbild ist in Ordnung gebracht worden.
Oder nicht ganz? Fakt ist, wo soll das alles hinführen?
Sollte man nicht ein Limit setzen und sagen, was auf unsere Welt keinen Einfluß hat ist zu vernachlässigen?
Die Neugier des forschenden Wissenschaftlers ist grenzenlos. Die Begeisterung des Eröffners dieses Themas ist groß, das spürt man aus jeder Zeile. ...
Mir geht nicht ein, warum man manche Forschungen so unendlich weit in die Ferne verlegt. .Was wir dort wahrnehmen können ist vor langer, langer Zeit passiert und nicht rückgängig zu machen!
Wenn dieses Wissen und Können, diese Begeisterung und dieser Fleiß in sagen wir unser Wetter investiert würde, wären wir ein ganzes Stück weiter.
Nichts auf dieser Welt ist nicht durch den Menschen beeinflußbar. ..
Was sollen auf unserer Erde.....Taifune, Zyklone, Hurrikans und andere Katastrophen. ...Selbst ich wüßte sofort, wo man ansetzen muß!
Astronomen, Mathematiker, Astro Physiker wendei euch wieder normalen Problemen zu. ......Die Naturgesetze sind überall gleich, auch in den entferntesten Welten. ..Das ist zweifelsfrei nun nachgewiesen. ..
Eine große Leistung!!
Jeder Wissenschaftler weiß, das er nicht alles wissen kann.
Man sollte sich damit abfinden............
Zunächst also nicht "Zurück zur Natur", also grundsätzlich ist die Forschung OK. Aber natürlich nur Forschung, die sich auch vernünftig anwenden lässt. Wie geht das? Der Bundestag beschließt: wir brauchen eine Gentherapie, dafür investieren wir 20 Milliarden in den nächsten 10 Jahren, dann haben wir die Therapie? Es funktioniert glücklicherweise nicht so.

Beispiel: Das Genom
Es war nicht der Gedanke an eine Therapie, der 1830 den deutschen Entomologen Johann Meigen dazu brachte, die Taufliege Drosophila melanogaster zu studieren und zu beschreiben – als eine von tausend anderen Arten, die Meigen beschrieben hat. War das „nutzlos“? Und als der US-amerikanische Forscher William Castle 1901 erstmals Vererbungsstudien mit der Fliege begann, war noch keine Rede von Genen oder gar Gentherapien. Und doch wissen wir heute auch wegen der scheinbar anwendungsfernen Forschungen dieser beiden Wissenschaftler sehr viel mehr darüber, wie der menschliche Körper therapiert werden kann. Die Taufliege Drosophila melanogaster dient seit jeher dem Erforschen grundlegender Prinzipien des Lebens. Erst aus der Masse der großenteils sicher völlig überflüssigen Informationen ergibt sich am Ende jenes Wissen, das neue Techniken und Therapien ermöglicht.

Was nutzt uns die ganze Relativitätstheorie?
Beispiel GPS:
a) Geschwindigkeit und Zeitdilatation
Aus der speziellen Relativitätstheorie ist bekannt, dass die Zeit für bewegte Systeme im vergleich zum ruhenden Beobachter langsamer vergeht. Die Satelliten des GPS bewegen sich immerhin mit einer Geschwindigkeit von 3,87 km/s. Das sind zwar nur 0,0013% der Lichtgeschwindigkeit, die Zeitabweichung beträgt bei dieser Geschwindigkeit aber pro Tag immerhin etwa 7 Mikrosekunden. Sie Atomuhren in den schnell bewegten Satelliten gehen also aufgrund des speziellen Relativität 7 Mikrosekunden pro Tag nach.
b) Einfluss der allgemeinen Relativitätstheorie
Noch stärker als der Einfluss der Geschwindigkeit ist der Einfluss der Schwerkraft (Gravitation) auf die Uhren der Satelliten. Eine Aussage der allgemeinen Relativitätstheorie ist, dass die Zeit um so langsamer vergeht, je tiefer man sich in einem Gravitationsfeld befindet. Da die Weltzeit aber so definiert ist, dass sie sich nach der Zeit auf der Erdoberfläche (genauer auf dem Meeresspiegel) richtet, gehen die Satelltenuhren, die sich weit außen im Schwerkraftfeld befinden gegenüber der Weltzeit vor. Die Abweichung der Satelliten aufgrund der Gravitation beträgt etwa 45 Mikrosekunden pro Tag.
c) Auswirkungen
Zusammengenommen gehen die Satellitenuhren etwa 38 Mikrosekunden pro Tag schneller als sie auf der Erde gehen würden. Die Zeitabweichung entspricht einer Laufzeit von 11,4 Kilometern pro Tag. Nach einer Woche hätte sich bereits ein Fehler von fast 80 km angesammelt. Die Abweichung lässt sich jedoch leicht beheben. Tatsächlich werden die Uhren der Satellliten so justiert, dass sie auf der Erde um etwa 38 Mikrosekunden pro Tag nachgehen würden. Dadurch wird gewährleistet, dass sie in ihrer Umlaufbahn ziemlich genau die richtige Weltzeit messen.

Und Wetter und Taifune? Geo-Engineering? Gott bewahre uns davor, dass jemand den Versuch wagt! Da benötigen wir noch Jahrzehnte an „nutzloser“ Forschung, bevor wir das nur theoretisch beherrschen.
Doppelte Schwarze Löcher
Bei vier bislang von der Detektoranlage LIGO empfangenen Gravitationswellensignale handelt es sich um Schwarze Löchern in Doppelsystemen. Eine neue Analyse der Daten zeigt nun, dass die Rotationsachsen dieser Schwarzen Löcher nicht in die gleiche Richtung weisen, sondern relativ zueinander zufällig orientiert sind. . Bisher war unklar, wie solche Doppelsysteme entstehen. Zum einen könnten sie aus einem Doppelsternsystem hervorgegangen sein, in dem beide Sterne zu Schwarzen Löchern kollabiert sind. In diesem Fall aber würden Astronomen erwarten, dass die Rotationsachsen der beiden Schwarzen Löcher etwa in die gleiche Richtung zeigen. Zum anderen könnten die beiden Schwarzen Löcher aber auch unabhängig voneinander aus Einzelsternen hervorgegangen sein und sich erst anschließend zu einem Doppelsystem vereinigt haben. In diesem Fall würden die Rotationsachsen unabhängig voneinander sein, also in beliebige Richtungen weisen. Das bedeutet also, dass die Schwarzen Löcher vermutlich getrennt entstanden und erst später durch enge Begegnungen in einem dichten Sternhaufen zu einem Doppelsystem geworden-
http://www.nature.com/articles/nature23453
Gravitationswellen bzw. schnell wechselnde gravitative Felder gab es immer bei Raumpatrouille Orion. Die Frogs konnten sowas auslösen. Mann, hatte McLane immer einen Ärger damit!
ich wäre schon froh, den "Grund" dafür zu erkennen, warum sich Massen überhaupt anziehen.
Daß sich Massen anziehen, diese Wirkung können wir beobachten, messen, Gravitationsgesetze
formulieren. Nur den Grund kann ich nicht mit meinen altmodischen Physikmodellen erkennen.
Vielleicht weiß jemand dazu etwas ?
Ich habe die Frage nicht verstanden. Vielleicht hilft ein Beispiel. Was wäre denn der "Grund", weshalb sich elektrische Ladungen anziehe (oder abstoßen)?
Was ist die Ursache für die Anziehung zweier Massen und was ist das besondere dieser Gravitationswellen?

In der Physik gibt es vier Wechselwirkungen: die starke, die schwache, die elektromagnetische Wechselwirkung und die Gravitation. Lassen wir zunächst die Gravitation beiseite. Die Wechselwirkungen werden durch die Quantenfeldtheorie beschrieben. Dabei treten virtuelle Teilchen bei jeder der drei Arten von Wechselwirkung auf, die durch die Quantenfeldtheorie beschrieben werden können. Dieses virtuelle Teilchen stellt als Austauschteilchen die Wechselwirkung eigentlich erst her, ist im virtuellen Zustand nach außen aber niemals sichtbar. So wird die elektromagnetische Wechselwirkung zweier Elektronen durch den Austausch eines virtuellen Photons vermittelt. Darstellen lässt sich das mit einem Feynman-Diagramm:
https://de.wikipedia.org/wiki/Feynman-Diagramm

Bei der Gravitation stellt es sich unterschiedlich dar. Sie widersetzt sich der Formulierung als Quantengravitation. Zurzeit gilt jedoch der Ansatz der Allgemeinen Relativitätstheorie d.h. die Einsteinschen Feldgleichungen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Einsteinsche_Feldgleichungen
Die berühmten und grundlegenden Einsteinschen Feldgleichungen stellen nun eine Beziehung zwischen den Massen und Energien im Raum einerseits und dessen Krümmung andererseits her. Sie besagen nämlich, dass Massen dem Raum (und der Zeit) sagen, wie er sich zu krümmen hat und der so gekrümmte Raum sagt anderen Massen, wie sie sich zu bewegen haben. Damit ist die Fernwirkung zwischen Massen erklärt. Schließlich konnte Einstein dann noch zeigen, dass aus dieser Raumkrümmung die Newtonschen Gravitationsgesetze folgen, womit er gezeigt hat, dass die Raumkrümmung die Ursache von Gravitation ist.
Die Raumkrümmungen werden also hervorgerufen durch einzelne Massen wie die Erde, die Sonne (oder auch schon Elementarteilchen). Die durch eine Masse hervorgerufene Krümmung wird oft veranschaulicht als eine Kugel (Erde), die auf einem Spanntuch (Raum) liegt und es eindrückt (krümmt). Kleine Bildersammlung:
https://www.google.de/search?tbm=isch&q=raumkr%C3%BCmmung+gravitation&chips=q:raumkr%C3%BCmmung+gravitation,online_chips:als+raumkr%C3%BCmmung&sa=X&ved=0ahUKEwiDqI67scbYAhWJoqQKHVEHCBUQ4lYIKSgD&biw=1280&bih=576&dpr=1.25#imgrc=WYkyb1Ltzl_2VM:&spf=1515346469720

Das Schöne an dem Spanntuch ist, es zeigt anschaulich, wie die Raumkrümmung eine gravitative Anziehung erzeugt: Ein anderer Körper (etwa ein Satellit) in Erdnähe spürt die Raumkrümmung, die ihn zur Erde hinzieht. Das Spanntuch suggeriert dies (anschaulich aber eigentlich nicht korrekt) als würde der Satellit durch die Schwerkraft im Krümmungstrichter herunterrollen wollen. Aber das stimmt nicht, denn die Krümmung selbst erzeugt die Anziehungskraft nach innen. Die Bewegung erfolgt entlang der Geodäten (die lokal kürzeste Verbindung). Die Spanntuch-Analogie ist schön und anschaulich, obwohl prinzipiell falsch. Mit diesem Bild kann man auch Gravitationswellen erläutern. Werden nämlich große Massen stark beschleunigt, etwa wenn zwei Schwarze Löcher zusammentreffen, dann beginnt die Raumkrümmung zu schwingen. Diese Raumkrümmungsvibration entspricht einer Oberflächenwelle im Spanntuch, die vom Ursprung (den Schwarzen Löchern) nach außen wegläuft. Durch den Nachweis von Gravitationswellen ist auch klar, dass der Raum selbst eine geometrische Struktur hat und diese sogar vibrieren kann. Während sich also beispielsweise elektromagnetische Wellen im Raum bewegen, bewegen Gravitationswellen den Raum selbst.