Ich lache gern, aber eine gewisse Fallhöhe muss schon sein. Vielleicht fällt noch jemand etwas Lustiges ein. Als ein starckdeutsches Beispiel von Köppel (zumindest ich hab damals schon gelacht)

Arr, di Arr; di Arrckitucktn –
jarr, di sünd tautul pfarrucktn.
Pauhn onz euburoll Quaduren,
vo se gurrnücht henngehuren.
Vn demm Hurz büsz ze denn Ullpn
snd di Häusur steitz di sullpn.
Duch di Arrckitucktn tschumpfn:
Onzre Pauhörrn snd di Tumpfn!
Olle zullte mon kastruren,
düßße auff ze pauhin huren;
odur stott ünn rachtn Winkuln
se dönn pauhin, wi se pinkuln

http://www.youtube.com/watch?v=lvFV2dNF2aM

Dick
Leider habe ich Gerd Fröbe mit diesem Programm nur im Fernsehen gesehen und auf DVD. Gar zu gern wäre ich live dabei gewesen.

Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst

Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nit raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nit raus?
Hausenitraus –
Hauseraus
Hauseritraus
Hausenaus
Rauserauserauserause ...

(Die Schnecke verfängt sich in ihren eigenen Gedanken oder vielmehr diese gehen mit ihr dermaßen durch, daß sie die weitere Entscheidung der Frage verschieben muß.)

http://www.youtube.com/watch?v=5oeWdr-1W-E
:lol: :lol: :lol:
Ich kannte das Gedicht, aber nicht diese Interpretation.
Und gerade komm ich aus dem Kichern nicht mehr raus :D
Das folgende Gedicht ist sehr amüsant, nicht aber für einen lauten Lacher geeignet. Im Gegenteil. Aus heutiger Sicht zurückgeblickt macht es Angst. Denn wir wissen, dass man eben nicht unter sich blieb. Die Faschisten kamen an die Macht und zerstörten die Idylle..


Wie sind wir beide vornehm

Gräfin, dazu bin ich zu vornehm,
ich bin so schrecklich vornehm,
o Gott, wie bin ich fein,
es ist nicht auszuhalten!

Herzog, die hat ja keine Chance,
bei uns’rer Contenance
kommt die ja gar nicht hoch!

Ach, ist das schön,
sich verstanden zu sehn,
man braucht sich nur
in die Augen zu sehn!

Gräfin/Herzog:
Wie sind wir beide vornehm,
o Gott, wie sind wir vornehm,
wir bleiben unter uns.

Die Manieren, die Allüren
meiner Gattin machen mich nervös!
Nervös!
Für die Plumpheit,
für die Tumbheit
dieser Deutschen bin ich zu preziös,
und kapriziös!
Immer gibt sie an
schlimmer als ein Mann!

Wir charmanten,
eleganten
Edelmenschen bleiben separat!
Separat!
Die Usancen, die Nuancen unserer Liebe
sind zu delikat, zu delikat!
Unser stiller Charme ist nicht für Alarm.

(beide) Doch wir lassen uns
von gar nichts irritieren, nein! uns!

http://www.youtube.com/watch?v=qjM4lOI00KE
hi dick1,
ich danke dir für die tollen gedicht-geschenke, die du gefunden hast. schreibst du selbst auch?
ich schreibe auch und gebe schreibkurse im kreativen schreiben, d.h. ausdrucksschreiben, was in einem ist.
deine gedicht-geschenke nehme ich gerne als nächsten kurseinstieg zum schreibanlass und bin gespannt, was die tn an schreib-schätzen entstehen lassen.
lg
ps: von wem ist das vornehm-gedicht?
Das freut mich sehr, dass Dir die Beiträge gefallen. Ein Witz muss erzählt werden. Deshalb versuche ich, vertonte Gedichte zu finden.
Ich schreibe nicht. Vielleicht demnächst ein erstes (philosophisches) Gedicht, mal schauen.
"Wie sind wir vornehm" stammt aus der Operette "Liselott", Musik von Eduard Künneke, Libretto von Richard Keßler.
Ein schönes Beispiel für Schwarzen Humor von Ringelnatz. Schwarzer Humor ist bekanntlich nicht unbedingt jedermanns Sache.


Silvester bei den Kannibalen

Am Silvesterabend setzen
Sich die nackten Menschenfresser
Um ein Feuer, und sie wetzen
Zähneklappernd lange Messer.

Trinken dabei – das schmeckt sehr gut –
Bambus-Soda mit Menschenblut.

Dann werden aus einem tiefen Schacht
Die eingefangenen Kinder gebracht
Und kaltgemacht.
Das Rückgrat geknickt,
Die Knochen zerknackt,
Die Schenkel gespickt,
Die Lebern zerhackt,
Die Bäuchlein gewalzt,
Die Bäckchen paniert,
Die Zehen gesalzt
Und die Äuglein garniert.

Man trinkt eine Runde und noch eine Runde.
Und allen läuft das Wasser im Munde
Zusammen, ausnander und wieder zusammen.
Bis über den feierlichen Flammen
Die kleinen Kinder mit Zutaten
Kochen, rösten, schmoren und braten.

Nur dem Häuptling wird eine steinalte Frau
Zubereitet als Karpfen blau.
Riecht beinah wie Borchardt-Küche, Berlin,
Nur mehr nach Kokosfett und Palmin.

Dann Höhepunkt: Zeiger der Monduhr weist
Auf Zwölf. Es entschwindet das alte Jahr.
Die Kinder und der Karpfen sind gar.
Es wird gespeist.

Und wenn die Kannibalen dann satt sind,
Besoffen und überfressen, ganz matt sind,
Dann denken sie der geschlachteten Kleinen
Mit Wehmut und fangen dann an zu weinen.


http://vimeo.com/36152440
Stets höflich und rücksichtsvoll fühlt man sich gut getroffen durch das Gedicht von Robert Gernhardt.


Ach!

Ach, noch in der letzten Stunde
werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Türe,
ruf ich geschwind: Herein!

Woran soll es gehn? Ans Sterben?
Hab ich zwar noch nie gemacht,
doch wir werd’n das Kind schon schaukeln —
na, das wäre ja gelacht!

Interessant so eine Sanduhr!
Ja, die halt ich gern mal fest.
Ach – und das ist Ihre Sense?
Und die gibt mir dann den Rest?

Wohin soll ich mich jetzt wenden?
Links? Von Ihnen aus gesehn?
Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
Und wie soll es weitergehn?

Ja, die Uhr ist abgelaufen.
Wollen Sie die jetzt zurück?
Gibts die irgendwo zu kaufen?
Ein so ausgefall’nes Stück

Findet man nicht alle Tage,
womit ich nur sagen will
— ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
Geht in Ordnung! Bin schon


http://www.youtube.com/watch?v=4dKO866Zn-I
dick, habe diesen Thread erst jetzt entdeckt, du hast ja die gleiche Art von Humor wie ich. Es grüsst Kuddeldaddeldu, besternte Ernte und so weiter und so fort :D
Hai Dick!
Deine Wellen sind so lang wie meine... herrlich!!!
Fröbes "Morgenstern am Abend", mein innigst geliebter Robert Gernhardt,
fehlten noch Kästner, Tucholsky und Morgenstern...

Ich mach mal noch mit einem kurzen Gernhardt weiter (als er damals
schwerkrank wohl auf der Intensivstation liegen musste):

"Ich höre in mich rein ---
da muss doch etwas sein!?

Ich hör' nur gax und gix ---
ich glaub', in mir ist nix!"

Das klingt so leicht, nach oberflächlicher Witzelei ---
aber wer die Situation kennt, und erst recht, wer Gernhardt kannte
und jenes' Wellen an seinen nachmessen konnte, der spürt, dass hier
der Humor eine Herzensgabe ist, die Schweres erfahren und ertragen hilft
ohne Jammern und Hadern, sondern mit einer gewissen kindlichen
Neugier und Lust.

Schaut nicht geringschätzig und mit gekräuselten Lippen auf Menschen herab,
denen diese Gabe geschenkt ist!
Ich glaub, hier bleib ich, Morgenstern, Ringelnatz, Gernhardt, Traxler, Loriot - alles meine Kragenweite :D

Wenn hier mehr geschrieben wird, lass ich die Ameisen auswandern :wink:
Hallo Foxie,
ich auch!!!
Mir ging das Herz auf, als ich vorhin diese Seite fand. :D

Liebe Grüße nach Emmendingen (das bei Freiburg, denke ich),
Jungfossil
Noch 'n Gedicht??

Eines meiner Liebsten :wink:



Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
Still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei,
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
Gegen den Wind an den Baum,
Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler
meisenferien ist als farbenfroehlich zurück und bedankt sich bei dick01 u.a. für die humorvolle morgensternlyrik.
für den/die, wer mag:

Das Ideal von Kurt Tucholsky

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn -
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:
Neun Zimmer - nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve -
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) -
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.
Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad - alles lenkste
natürlich selber - das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.
Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche - erstes Essen -
alte Weine aus schönem Pokal -
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.
Ja, das möchste!
Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten -
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer.
Tröste dich.
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.

lg farbenfroehlich