„Learning to Drive – Fahrstunde fürs Leben“ ist ein kleiner poetischer Film über eine Freundschaft, fast eine Liebesgeschichte, wären die Beiden nicht zu verschieden. Wendy (Patricia Clarckson) ist eine etwas chaotische Literaturkritikerin, deren Ehe gerade zerbricht und ihr Leben auf den Kopf stellt. Darwan (Ben Kingsley) war Hochschulprofessor im Punjab und arbeitet nun als Fahrlehrer in New York. Und es sind gerade diese Unterschiede, die beiden helfen, so viel voneinander zu lernen.

Wendy kommt langsam auf eigenen Füßen zu stehen und braucht dafür ihren Mann nicht mehr und andere Männer – sind vielleicht angenehm aber nicht unbedingt notwendig. Und der verschlossene Darwan, der eine von seiner Schwester ausgewählte Frau aus einem kleinen indischen Dorf heiratet, lernt seine Frau schätzen und, vielleicht, auch lieben. Und gerade weil die Beiden am Ende nicht gemeinsam in den Sonnenuntergang reite, bleibt der Film realistisch und glaubwürdig und kann so auch etwas Zuversicht weitergeben. Allein die Darstellung von Wendy und Darwan macht den Film schon sehenswert.

https://www.youtube.com/watch?v=XhG0fdxBeiI

PS. Meine Tochter arbeitete in einem Londoner First Class Hotel, das regelmäßig Hollywood-Größen, berühmte Musiker etc. beherbergte, u.a. auch Ben Kingsley. Dieser ist auch privat eher zurückhaltend und aufs Detail bedacht.
Ragwurz hat "Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein" empfohlen. Mich interessiert er, bislang fand ich ihn nur nirgends. Morgen, also Sonntag, 18.04.2021, 23:35 Uhr läuft er in der ARD. https://www.daserste.de/unterhaltung/fi ... n-104.html
Laut Sender ist er anschließend 30 Tage in der Mediathek zu sehen. :-)
Gestern zeigte der ORF einen Film, den ich vor zwei Jahren im Kino gesehen hatte.

Wir töten stella nach einem Roman von Marlen Haushofer ist ein erschütternder Bericht über die moralischen Abgründe in bürgerlichen Familien.
Martina Gedeck ist wunderbar wie immer ....

Handlung
Die Hauptfigur Anna schreibt ihre Geschichte nieder, in der sie von der neunzehnjährigen Stella erzählt. Stella verbringt zum Studium einige Zeit bei Anna und ihrer Familie in der Großstadt. Annas Mann Richard ist ein erfolgreicher und gutaussehender Rechtsanwalt, er beginnt mit Stella eine Affäre. Seine Frau beobachtet die Affäre mit kühlem Blick, die kaputte bürgerliche Familienidylle muss mit allen Mitteln aufrechterhalten werden. Richard lässt Stella daher fallen. Nachdem Stella auch noch zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen wird, begeht sie Suizid, indem sie sich vor einen Lastwagen wirft. Anna versucht durch die Niederschrift der Geschichte ihre Mitschuld an dieser Tragödie zu verarbeiten.
Wer sich für die Erfindung des Dildo interessiert, dem empfehle ich den Film nachher 20.15 Uhr im WDR : "In guten Händen". Er ist köstlich.
Heute beginnt in München das Dokumentarfilmfestival, pandemiebedingt wieder nur online. Es läuft bis 23. Mai 2021. Da gibt es immer wunderbare Filme zu sehen. Sonst muss man vor Ort sein, jetzt geht's vom heimischen Sofa aus. https://www.dokfest-muenchen.de/.
Mein Tipp: Der Film "Hinter den Schlagzeilen" beobachtet, wie das Ressort Investigative Recherche bei der SZ arbeitet. https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/25466 Einzel-Ticket kostet 6 bzw. 7 Euro.
In den letzten Wochen habe ich mir „Die Borgias“ angeschaut. Nicht die von ZDF/ORF, sondern die englische Serie von Neil Jordan. Sehr opulent ausgestattet, schöne Kostüme, Massenszenen, Kanonendonner, eigentlich ein überlanger Film.

Alle Ingredienzien enthalten: Verrat und hinterhältige Intrigen, blutige Morde, tückische Giftanschläge, Unzucht und Inzest. Und natürlich die historischen Figuren: der Papst und seine unheilige Familie, Machiavelli, Savonarola, Ludovico Sforza, französische Könige etc.. Selbstverständlich würde die Darstellung der komplexen Macht- und Familienstruktur der Zeit das Medium und den Zuschauer überfordern, weshalb es einige Anpassungen gab. Ich fand es sehr unterhaltsam und lehrreich und kann die Serie empfehlen.
Auf zwei Punkte möchte ich gesondert hinweisen:

1. Caesare Borgia wird zum „vollkommenen Fürsten“ gemacht im Sinne Machiavellis. Eine Verfolgung seines Aufstiegs ist somit ein lehrreiches Unterfangen. Zur Übung kann man sich einmal bekannte Politiker vornehmen mit dem Ziel, sie entsprechend zu kategorisieren. Tatsächlich ist die Einstufung des Herzogs durch Machiavelli sehr positiv (wenn man das so sagen darf). Er widmet seinem beispielhaften Tun fast das ganze 7. Kapitel seines Buches und führt das Scheitern zu recht auf die Tücke des Schicksals zurück.

2. Die Zeit um das Jahr 1500 einzuschätzen, ist natürlich schwierig, aber eben dabei hilft die Serie. Zur Verdeutlichung ein Zitat von Orson Welles, das er als Harry Lime im Film "Der dritte Mann" formuliert. Es stammt tatsächlich von Orson Welles und stand nicht im Drehbuch:
„In den dreißig Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance.
In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, fünfhundert Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!“