Streng genommen ist meine Aussage, dass nur das Kunst sei, was aus dem Impuls eines Künstlers entsteht, objektiv falsch – weil es nicht falsifizierbar ist, außer durch den Künstler selbst. Weil das eben kein Außenstehender wissen kann!

>>Kunst ist Kunst, wenn der Künstler sagt, dass es Kunst ist.<< (Marcel Duchamp)
scheint dagegen erst einmal falsch zu sein, weil ein Mensch immer auch das als Kunst behaupten kann, was nicht seinem Impuls entsprang. Aber im Grunde ist diese Aussage zutreffender als meine, weil sie nicht den Anspruch erhebt, objektivierbar zu sein. Wenn ich dagegen direkt auf den künstlerischen Impuls abstellte, könnte ich nur spekulieren.
... Denn keiner „steckt da drin“, außer der Künstler selbst.

Es kommt hier bei dieser Frage nicht auf den Rezipienten an. Was der Rezipient als Kunst wahrnimmt, die er auf sich wirken und von der er sich zu eigenen, darüber hinausgehenden Vorstellungen inspirieren lässt, ist eben wiederum der Entscheidung jedes Rezipienten selbst unterworfen. Wer aber wollte ihm das streitig machen? Das ist nicht mein Thema.


Das mögen recht wohlklingende Worte sein, aber mir ist es völlig egal ob der Künstler seine Arbeit als Kunst bezeichnet.
Wenn sie für mich bzw für die Hörer, Leser oder Betrachter keine Reaktion hervorruft ist es l'art pour l'art. Völlig wertlos. Bestenfalls Kunsthandwerk.
Seit einigen Jahren gehe ich seltener ins Theater. Ich erlebe zunehmend, dass Regisseure, Dramatiker kein Vertrauen zu Autor, Werk und Publikum haben.
Da wird hinein interpretiert, die Inszenierung als zeitlos bezeichnet etc. Letztendlich handelt es sich nur um Gefallsucht und Feigheit. Aber sie nennen es Kunst. Aus Faust 1 wird eine Beziehungskiste ....

Wenn der Künstler sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt muss er auch mit ihrer Bewertung leben. Das Für und Wider geben ihr einen Wert. Der Preis ist etwas anderes, da gebe ich dir Recht.
Dein Zitat ist ebenfalls nur eine Meinung und keine repräsentative.

Deine Auffassung redet dem Mittelmass und der Arroganz das Wort. Z.B. Dan Brown ist nicht Literatur. Es ist Unterhaltung. Eminem könnte Kunst sein. Zornige junge Kunst einer zurück gelassenen Generation. Sie hat etwas mitzuteilen, eine Absicht.
Kunst ist Kunst..
KunstMARKT ist Kunstmarkt.

Für mich ist Kunst, was für mich Kunst ist.
Alles Andere mag gerne für andere Kunst sein.
Wie sagte meine Nachbarin letztens zu mir:"Picasso kann mich mal."
Meine Tochter will ein T-Shirt mit dem Spruch. :D

Auch gern zitiert:"Kunst ist der Stoff aus dem Kunststoff ist."
S einfach lässt sich Kunst nicht vom Kunstmarkt trennen!

Die meisten der von uns sehr hochgeschätzten Kunstwerke waren Auftragsarbeiten.
Die Sixtinische Kapelle, die wunderbaren Porträts der Renaissance, die Tryptichen von Hieronimus Bosch waren hochbezahlte Kunstwerke, die auf keinen Fall zweckfrei und nur aus Liebe zum Schönen geschaffen wurden.

Haha, Pelops - ich mag Picasso auch nicht.
Picasso kann mich mal-en ...naja, leider nicht mehr. Seine Porträts sind , wie man weiss, nicht sehr schmeichelhaft!

Wir sprechen hier vor allem von der bildnerischen Kunst - Literatur, Musik, Tanz, Schauspiel sollten wir jedoch nicht vergessen. Die Kunst ist ein weites Land.
Ja, er hat vor allem die Frauen gern auf "nützlich" reduziert. Möglicherweise ist Egoismus eine "Muss"-Eigenschaft bei Künstlern. Kann auch sein, dass es "nur" Sozialunfähigkeit ist.
Ich liebe Picasso, mein Sohn heisst Pablo.
Zurecht, als Künstler. Aber als Mensch und Mann??? Das bliebe wohl einseitig. :D
barbera hat geschrieben: » 15.05.2017, 14:47
...
Die meisten der von uns sehr hochgeschätzten Kunstwerke waren Auftragsarbeiten.
Die Sixtinische Kapelle, die wunderbaren Porträts der Renaissance, die Tryptichen von Hieronimus Bosch waren hochbezahlte Kunstwerke, die auf keinen Fall zweckfrei und nur aus Liebe zum Schönen geschaffen wurden...


Verdandi hat geschrieben: » 07.11.2016, 15:21

Moderne / Zeitgenössische Kunst – und wie ich dazu stehe

- Teil 2 -


„Kunst“, die ich hier meine, ist die Kunst der Avantgarde, der Moderne, der Postmoderne bis hin zur aktuellen zeitgenössischen Kunst (Anfang 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart).

Als ich kürzlich in Wien war, habe ich mir die alten Meister, insbesondere die niederländischen und italienischen, noch einmal im Original angeschaut. Wahnsinn! Ich konnte mich nicht sattsehen an all den wirklich wunderbaren Meisterwerken!

Aber zeitgenössische Kunst ist etwas ganz anderes.

Ich liebe beides.

...

Pelops
Caravaggio soll ein Mörder und cholerischer Verrückter gewesen sein. Sind seine Bilder deshalb keine oder schlechte Kunst?

Für Künstler ist ihre Arbeit das Wichtigst im Leben.
Ich weiss, wovon ich spreche - ich war mit einem Bildhauer verheiratet. Wenn er mit einer seiner Skulpturen "schwanger" ging, war die ganze Welt weggeschaltet, natürlich auch seine Ehefrau.
Wenn eine Skulptur vor der Fertigstellung war, stellte sich ein wahrer Rausch ein, eine Euphorie, die für unsereins schwer nachzuvollziehen ist.

Verdandi
Ich habe 20 Jahre lang Kunst, vor allem die aus dem 20.JH verkauft.
Besonders interessant sind die monografierten Bilder, von denen man nur ahnen kann, wer der Künstler ist. Bei diesen Bildern ist es gut, Qualität erkennen zu können , und das lässt sich bis zu einem gewissen Grad erlernen.
Etliche davon lagern noch in einer Mappe unter dem Gästebett und warten auf eine professionelle Beurteilung. Einige hängen auch an meinen Wänden.

Wenn du wieder einmal nach Wien kommst, schau dir die Werke in der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz an. Die Sammlung dort ist fast so umfangreich wie die der Albertina, und es gibt wunderbare, fast unbekannte Werke zu entdecken.
Dieses Gequassel hier
ist lächerlich.

Da tun sich Welten auf
und die Blinden sprechen von Farben.

Ich finde das immer spannend......
vor allen Dingen, wenn sich über Picasso und Beuys
ausgelassen wird...............

geht nach Hause und malt.
Wie die Kinder
barbera hat geschrieben: Pelops
Caravaggio soll ein Mörder und cholerischer Verrückter gewesen sein. Sind seine Bilder deshalb keine oder schlechte Kunst?

Für Künstler ist ihre Arbeit das Wichtigst im Leben.
Ich weiss, wovon ich spreche - ich war mit einem Bildhauer verheiratet. Wenn er mit einer seiner Skulpturen "schwanger" ging, war die ganze Welt weggeschaltet, natürlich auch seine Ehefrau.
Wenn eine Skulptur vor der Fertigstellung war, stellte sich ein wahrer Rausch ein, eine Euphorie, die für unsereins schwer nachzuvollziehen ist.

Verdandi
Ich habe 20 Jahre lang Kunst, vor allem die aus dem 20.JH verkauft.
Besonders interessant sind die monografierten Bilder, von denen man nur ahnen kann, wer der Künstler ist. Bei diesen Bildern ist es gut, Qualität erkennen zu können , und das lässt sich bis zu einem gewissen Grad erlernen.
Etliche davon lagern noch in einer Mappe unter dem Gästebett und warten auf eine professionelle Beurteilung. Einige hängen auch an meinen Wänden.

Wenn du wieder einmal nach Wien kommst, schau dir die Werke in der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz an. Die Sammlung dort ist fast so umfangreich wie die der Albertina, und es gibt wunderbare, fast unbekannte Werke zu entdecken.



Ja, es ist wie ein Rausch. Habe 12 Jahre an einem Theater gearbeitet. Es geht den Regisseuren und anderen Kreativen ebenso. Übertrieben gesagt entmenschlichen sie während des Schöpfungsprozesses. Vielleicht nennen die Wissenschaftler die Entstehung des Universums deshalb Urknall. :)
Und wenn ihre Arbeit fertig ist, fallen sie in eine Leere und benötigen Trost und Liebe.

PS: Verrückt bedeutet ja neben der Wirklichkeit. Vielleicht haben sie deshalb einen anderen Draufblick auf das was wir Wirklichkeit nennen.
Was ist Kunst:
- Wenn der Künstler sagt, sein Werk ist Kunst?
- Wenn ich sage, für mich ist es Kunst?
- Wenn irgendwer sagt …
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose?
Das ist für eine Diskussion nicht ausreichend.
Welche nachprüfbaren, nicht notwendig „richtigen“ Kriterien werden angelegt? Wenn die definiert sind, lässt sich sagen: Gemäß diesem Modell (und nicht Meinung) handelt es sich um Kunst. Ob diese Kriterien dann im Sinne Poppers falsifizierbar sind, ist wieder eine andere Frage.
Was das bedeutet möchte ich an einem Musikstück deutlich machen, den 4’33 von John Cage.
https://www.youtube.com/watch?v=JTEFKFiXSx4
Die Partitur:
I
TACET
II
TACET
III
TACET
Der Künstler: Cage unterscheidet „music“ und „sound“. Er bevorzugt das Zweite. „Sound“ ist nicht personengebunden, nicht analytisch, nicht emotional, er „ist“ nur (gemäß Zen). Sein Stück gibt also dem „sound“ jeder Aufführung einen Rahmen quasi ohne Künstler.
https://www.youtube.com/watch?v=pcHnL7aS64Y

Ist dies Kunst? Ist es Musik? Welche Entscheidungskriterien lassen sich nutzen? Ich orientiere mich einmal am Philosophen Julian Dodd.

Kriterien (Deduktion):
1. Ein Künstler schafft aus dem Material und den Werkzeugen seiner Kunst sein Werk (Beispiel: ein Maler platziert die Farbe auf der Leinwand und schafft so ein Bild)
2. Ein Werk ist ein „Musik-Kunstwerk“, falls es aus „Klängen“ besteht, die gemäß den Anweisungen des Komponisten erzeugt werden (dies ist eine notwendige Bedingung!)
3. Anders als ein Maler, der aus Farbe sein Werk schafft, erzeugt der Komponist sein Werk, indem er mit seiner Komposition die „Instruktionen“ zur Erzeugung der Klänge gibt
4. Somit ergibt sich
- Sind die Töne dadurch entstanden, dass die Musiker den Anweisungen des Komponisten gefolgt sind, so ist dies ein Bestandteil der Aufführung
- Andernfalls sind es nur Geräusche
5. In diesem Sinn ist 4’33 zwar ein faszinierendes und wichtiges Kunstwerk aber keine „Musik“.

Aber: ein Werk, das zufällige Prozeduren nutzt, kann durchaus ein Kunststück im obigen Sinne sein! John Cage „Imaginary Landscape No. 4“ in der Komposition für 12 Radios, 24 Ausführende und Dirigent bedienen je zwei der Ausführenden ein Radio, an dem sie Sender, Lautstärke und Tonhöhe verändern. Die Partitur entstand unter Verwendung der Zufallsfaktoren aus dem chinesischen Münzorakel I Ging.
https://www.youtube.com/watch?v=A0BNsBl ... zQII#t=158

Ein anderes Modell:
L’art pour l’art ist eine Kunstauffassung, die auf einem romantischen Ästhetizismus basierend zu Beginn des 19. Jh. entstand. Wir finden im Vorwort des „Dorian Gray“ durchaus eine Reihe von Kriterien, die es erlauben, ein Werk danach zu kategorisieren, ob es im Sinne von l’art pour l’art ein Kunstwerk ist, also ist l'art pour l'art ein "Modell" im obigen Sinne.
Ich hoffe, er zahlt auch für alle Radios GEZ. Wäre es nicht sinnvoll gewesen, sich auf das Niveau des gemeinen Users zu begeben? Dann wüsste man, ob verstanden wurde, was gepostet ist. Das ist im Grunde die Crux bei solchen Posts.
Wie sagte unser Prof.: "Sagen Sie es, als wäre ich ein 6-jähriger Knabe."

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose? - dieses Zitat von Frau Stein, wird immer gern falsch zitiert. Sie meint eben nicht, das eine Rose wie die andere ist, sondern im Gegenteil. Jede für sich ist anders, trotz gleicher Bezeichnung.

Das ist für eine Diskussion nicht ausreichend. - stimmt.