Der Außenseiter

 Ein Träumer bist du, sie nennen dich anders.
Sie schimpfen dich Spinner, doch du bist ein Poet.
Läufst barfuß durchs Gras, den Kopf in den Wolken.
Hast manchmal Ideen, die keiner versteht.

 Sie stempeln dich ab fällen ihr Urteil.
Für Sie bist du ein kleiner Skandal.
Du lässt dich nicht biegen, gehst eigene Wege.
Doch das passt nicht ins Gesellschaftsideal.

 Du starrst durch das Fenster auf die Welt da draußen.
Die jeden einzwängt in ihr starres Gerüst.
Die Gedanken genormt und die Träume getötet.
Und du zweifelst manchmal, weil du anders bist.

Du siehst die Welt mit eigenen Augen.
Suchst den Sinn das was sie lebenswert macht.
Mit offenem Herzen träumst du zu Sternen.
Siehst viel Schönes und wirst ausgelacht.

 Ein Spinner bist du, ein Rebell ein Träumer.
Du hältst ihnen den Spiegel der Wahrheit vors Gesicht.
Doch sie kennen nur Lügen, Gleichheit, und Normen.
Was du ihnen zeigst, sehen sie nicht.

 Mach die Augen weit auf und schau empor nach Sternen.
Mutig lebst deine Träume und nimm dein Herz in die Hand.
Lass dich niemals zerbrechen, biegen und beugen.
Und bleib der, der du bist, mit Gefühl und Verstand.

 Dann ist nicht unmöglich, diese Freunde zu finden.
Die dich einfach nehmen, so wie du bist.
Die dich verstehen und mit dir deine Träume teilen
und dich lieben, weil du ein Träumer bist.

 Thomas Brandes
 einer vom anderen Stern eben... und das ist gut so!!!
 Tja...so bin ich auch halt. Es passt absolut gut zu mir.
Weihnachten

Noch einmal ein Weihnachtsfest
Immer kleiner wird der Rest
Aber nehm ich so die Summe
Alles Gerade, alles Krumme
Alles Falsche, alles Rechte
Alles Gute, alles Schlechte -
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben heraus
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste

Theodor Fontane
Januar

Treffliche Frauen in ewiger Jugend,
Grundverschieden, doch schön allzumal,
Schlingen den Reigen der wechselnden Jahre,
Liebliche Schwestern, zwölf an der Zahl.

Flockenumtanzt auf geflügelten Sohlen,
Rosig und jung kommt das neue Jahr,
Führet die erste der Schwestern zur Erde,
Frostig und herbe – den Januar.

Pelzwerk und Stadtschuh liebt diese Schöne,
Lockt die Jugend zu kraftvollem Sport,
Macht es den Alten am Ofen behaglich,
Pflegt die Geselligkeit fort und fort.

Öffnet den Reichen zum Wohltun die Hände,
– Winter bringt manche soziale Not, –
Klopft an die Herzen mit ernster Mahnung:
Teile dem Hungrigen liebreich dein Brot.

Dreißig und einmal im Fluge der Tage
Grüßt sie die Menschen in Stadt und Land,
Dann hinter wehenden Nebeln verschwindend
Reicht ihr die folgende Schwester die Hand.

Helene Krüger (*1861), deutsche Dichterin
    Ich fürchte mich so vor der
    Menschen Wort.
    Sie sprechen alles so deutlich
    aus:
    Und dieses heißt Hund und
    jenes heißt Haus,
    und hier ist Beginn und das
    Ende ist dort.

    Mich bangt auch ihr Sinn,
    ihr Spiel mit dem Spott,
    sie wissen alles, was wird und
    war;
    kein Berg ist ihnen mehr
    wunderbar;
    ihr Garten und Gut grenzt grade
    an Gott.

    Ich will immer warnen und
    wehren: Bleibt fern.
    Die Dinge singen hör ich so
    gern.
    Ihr rührt sie an: sie sind starr
    und stumm.
    Ihr bringt mir alle die Dinge um.


    Rainer Maria Rilke

Bild
Mode

Wenn es Mode ist zu frieren
friert man, bis die Haut sich bläut.
Wenn es Mode ist zu stehlen,
stielt man, ohne dass es reut.
Wenn es Mode ist zu töten,
legt man Menschen sinnlos um.
Wenn es Mode ist zu schweigen,
bleiben alle Münder stumm.
Wenn es Mode ist zu schrein,
werden alle Münder schrein.
Wenn es Mode ist zu denken....
Niemals wird das Mode sein.

Verfasser unbekannt
Selbstliebe

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich , das nennt man
“Authentisch-Sein”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß, das nennt man
“Selbstachtung”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
“Reife”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
– von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich
“Selbstachtung”.


Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise
und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
“Ehrlichkeit”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”,
aber heute weiß ich, das ist “Selbstliebe”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man “Einfach-Sein”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute
“Herzensweisheit”.

Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
das ist das Leben

Charlie Chaplin[/quote]
Fragwürdiges

Wie soll jemand,
der keine Zeit
zum Genießen hat,
einen guten Geschmack
entwickeln können?

Wie soll jemand,
der es nicht schafft,
sich ein eigenes Urteil
zu bilden,
auf Vorurteile
verzichten können?

Wie soll jemand,
der seine Lebendigkeit
verloren hat,
den Sinn des Lebens wiederfinden?

Wie soll jemand,
der sich selbst nicht
leiden kann,
andere lieben können?

© Ernst Ferstl
Eilt euch, eil' dich, die Bäume blühen!

Eilt euch, eil' dich, die Bäume blühen!
Voll Liebesblicken die Bäume stehen;
Eh' du hingesehen, will's schon vergehen.

Komm zu den hellen verliebten Bäumen,
Die alle Wege jetzt hochzeitlich säumen!
Sollst dich ins Licht zu ihnen stellen,
Lächeln wird spielend sich zu dir gesellen,
Daß auch dir die Blicke verliebt aufglühen. –
Eilt euch, eil' dich, die Bäume blühen!


Max Dauthendey
Die kleine sündige Natur in dir
verlangt nach Genüssen
nach zärtlichen Küssen
wohlschmeckenden Speisen
und abenteuerlichen Reisen

Gibst du ihr nach
im rechten Moment
wird dir die Gnade
reinen Genusses geschenkt.

© Christa Schyboll
(*1952), Eventmanagerin, Autorin
Maria

Die Nacht ihrer ersten Geburt war
Kalt gewesen. In späteren Jahren aber
Vergaß sie gänzlich
Den Frost in den Kummerbalken und rauchenden Ofen
Und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu.
Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham
Nicht allein zu sein
Die dem Armen eigen ist.
Hauptsächlich deshalb
Ward es in späteren Jahren zum Fest, bei dem
Alles dabei war.
Das rohe Geschwätz der Hirten verstummte.
Später wurden aus ihnen Könige in der Geschichte.
Der Wind, der sehr kalt war
Wurde zum Engelsgesang.
Ja, von dem Loch im Dach, das den Frost einließ, blieb nur
Der Stern, der hineinsah.
Alles dies
Kam vom Gesicht ihres Sohnes, der leicht war
Gesang liebte
Arme zu sich lud
Und die Gewohnheit hatte, unter Königen zu leben
Und einen Stern über sich zu sehen zur Nachtzeit.

Bertolt Brecht
Mit der Liebe ist es
wie mit dem Wind.
Beide sind sie
plötzlich da,
woher, wohin,
wer weiß das schon?


Mit der Liebe ist es
wie mit dem Wind.
Beide streicheln uns,
wir genießen,
sie reißen uns mit,
stürmisch und wild,
wir lassen es zu.


Mit der Liebe ist es
wie mit dem Wind.
Woher, wohin,
was wird daraus,
wer weiß das schon?


© RR 1998
Das Schnitzel

Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
Bemerkte, daß ihm das mißriet.
Jedoch, da er es selbst gebraten,
Tut er, als wär es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Ißt er′s mit herzlichem Vergnügen.

Eugen Roth
https://www.youtube.com/watch?v=zyA1k8zkExA

Hugo von Hofmannsthal

[29]
MANCHE FREILICH...

Manche freilich müssen drunten sterben,
Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
Andre wohnen bei dem Steuer droben,
Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

5
Manche liegen immer mit schweren Gliedern
Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
Andern sind die Stühle gerichtet
Bei den Sibyllen, den Königinnen,
Und da sitzen sie wie zu Hause,
10
Leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
In die anderen Leben hinüber,
Und die leichten sind an die schweren
Wie an Luft und Erde gebunden:

15
Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen,
20
Durcheinander spielt sie alle das Dasein,
Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.
Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treibe…
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr
- und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!

Mascha Kaléko
https://www.youtube.com/watch?v=CJARnCW3oNU



Was dann? (Joachim Ringelnatz)

Wo wird es bleiben,
Was mit dem letzten Hauch entweicht?
Wie Winde werden wir treiben -
Vielleicht!?

Werden wir reinigend wehen?
Und kennen jedes Menschen Gesicht.
Und jeder darf durch uns gehen,
Erkennt aber uns nicht.

Wir werden drohen und mahnen
Als Sturm,
Und lenken die Wetterfahnen
Auf jedem Turm.

Ach, sehen wir die dann wieder,
Die vor uns gestorben sind?
Wir, dann ungreifbarer Wind?
Richten wir auf und nieder
Die andern, die nach uns leben?

Wie weit wohl Gottes Gnade reicht.
Uns alles zu vergeben?
Vielleicht? - Vielleicht!

Joachim Ringelnatz