Canto e Poesia in der südlichen Toscana
Schon zur Zeit der Etrusker wurde nicht nur das Tagwerk als einziges Lebensziel gesehen. Man traf sich zum Gesang und zum Fest, das Leben war ja hart, auf trockener Erde und den vielen Naturgewalten, die uns am Mittelmeer trafen, wie nirgends sonst. Heute redet man von Kunst und Kultur, damals war es lediglich Selbstverständnis, Überlebenssinn, Sinnlichkeit und Liebe zur Schönheit und zum Genuss. Etwa, die Tomaten werden nur im eigenen Garten süß, Papa pflanzt, Mama veredelt in der Küche, und es gedeiht das Geheimnis des Geschmackes.

Noch heute gleiches Modell, 3000 Jahre und noch nicht weiter. Doch was hilft der Fortschritt, wenn die Tomaten nicht süßer werden. Schuften tun wir ohne hin, das müsste nicht erwähnt werden. Und zum Leben braucht es keine Prosperität, nur Herz Seele und Freude an der Sonne.

Hier zählt kein Stundenlohn, wir wissen nicht was das ist, aber wir wissen was gut schmeckt, wer der/die Schönste ist und wie die Stimme klingt. Immer die erste Mainacht ziehen wir von Haus zu Haus, wecken die Schläfer und fordern sie zum Singen auf. Der Erste um 1.00 Nachts, begreift schnell, kommt mit und schon sind wir Drei, so geht das bis Morgen früh bis zu 50 Stimmen gesammelt immer fröhlicher durch die Gegend ziehen. <anda' a canta' 'l maggio“. Bei Tageslicht dann an die Arbeit. Nächstes Jahr wieder.

Il canto del maggio wird heute auch von gebildeten Stimmen zelebriert, doch eben nur am 1. Mai.

Es gibt darunter sehr berühmte Poeten, wie etwa Lio Banchi vom Pianizzoli M.ma., ein guter Freund, leider einige Zeit schon verstorben.

Diese Gesänge schöpfen alle ausnahmsweise aus dem Stegreif, kein Jahr gleich. Man führt singendes Zwiegespräch, das Gegenüber antwortet ebenfalls in Versform. Im Stegreif wirft man Verse über Hecken Sträucher und Bachläufe, auch hohe Mauern. Keiner ist gefeilt, wenn er sie vernimmt, er macht immer mit. Viele notieren sich anschließend die Poesie, wie Lio.

So hat er mir noch kurz vor seinem Tod (2003) ein Lied geschenkt.
Wir saßen damals zusammen beim Frühstück und er sang immer noch.

La Toscana che amo

Toscana sei bellissima e attreante
Da posti più lontani e sconosciuti
Vedi ogni giorno il comparir di gente
E di vederti un sono dispiaciuti.

Qui puoi gustare l'aqua di sorgente
Bagnarti al fiume dove un c'è rifiuti
Ondeggia il mare sotto il sol lecente
Dicendo a chi si reca benvenuti

. . . .


Vielleicht werde ich nächstes Mal die Fortsetzung schreiben.
Oder wer will, dem werde ich die Übersetzung liefern.
Gedichte von Lio Banchi wurden im „Tirreno“ veröffentlicht

Die Tradition lebt heute mehr denn je, denn je weniger der Mensch an materiellen Dingen hat, um so mehr freut er sich an der Schönheit und am Klang.

Vielen Dank für Dein Interesse – Dein Holahupp
ooooh, wie schööööön, das gefällt mir aber .... diesen brauch kenne ich gar nicht, wunderschön,
vielleicht, wenn du die übersetzung hast, gemacht hast .... ich hätte sie gerne

alles liebe vom see
Hallo Donna Toscana

Bevor ich weiter fahre mit dem schönen Liebesgedicht an die Toscana, hier mal die Übersetzung der ersten Strophe: dies natürlich nicht dem Wortlaut nach, sondern so wie ich es von Lio erfahren habe.

Die Toscana die ich liebe

Toscana wie verführerisch schön Du doch bist
mit deinen unbekannt versteckten Nischen.
Du siehst sie täglich die Leute, die dich besuchen
und du siehst darunter Keinen der Dir missfällt.

Hier kannst du das Wasser noch von der Quelle genießen
und in nicht verschmutzten Flüssen deine Füße baden
und auf den Wellen im Meer der leuchtende Sonne entgegen reiten

(entschuldige, im ersten Text hatte sich ein Typfehler eingeschlichen: u, statt e)
Man kann schon sagen, wer sich führen lässt ist hier stets willkommen.

Nun werde ich die zweite Strophe notieren.

La stupenda bellezza degli affreschi
Dipinti già dal tmpo medioevale
Castelli alla veduta giganteschi
Cipressi e pini adornano il viale.

Vasta campagna di uliveti e peschi
Una terra per vigni eccezionale
La meraviglia degli ortaggi freschi
Da condire con l'olio pepe e sale.

. . . . .


Wer weiter folgen möchte, erfährt das nächste Mal die Übersetzung.
Mich selbst berühren diese Verse sehr, da sie das einfache Leben eines Contadino wiedergeben, so einer wie eben Lio war. Und es gibt sie noch immer in der Toscana.

Wenn Du genügend Geduld hast, werde ich auf den tieferen Sinn dieses Maigesanges eingehen und auch, wie sich die Tradition heute hält. Es ist ein sehr interessantes Event, lebendig, musikalisch poetisch.

Vielen Dank für Dein Aufmerksamkeit – Dein Holahupp
Hallo Holahupp,
finde ich ja sehr poetisch deine Beiträge, es ist erstaunlich, was ein einfacher Mensch so an Poesie und Schönheit in sich hat.
Ich habe lange in Italien gelebt, und hatte auch viele Jahre eine Wohnung in der Maremma, in der Nähe von Saturnia, kenne die Gegend sehr gut, habe alles besichtigt, was zu besichtigen war, liebe die Menschen und ihre Kultur, aber diesen Brauch vom 1. Mai kenne ich nicht. Ist ja sehr interessant.
Lebst du dort immer?
Herzliche Grüße.
Apfelbaum
Hulahopp hat geschrieben: Hallo Donna Toscana

Bevor ich weiter fahre mit dem schönen Liebesgedicht an die Toscana, hier mal die Übersetzung der ersten Strophe: dies natürlich nicht dem Wortlaut nach, sondern so wie ich es von Lio erfahren habe.

Die Toscana die ich liebe

Toscana wie verführerisch schön Du doch bist
mit deinen unbekannt versteckten Nischen.
Du siehst sie täglich die Leute, die dich besuchen
und du siehst darunter Keinen der Dir missfällt.

Hier kannst du das Wasser noch von der Quelle genießen
und in nicht verschmutzten Flüssen deine Füße baden
und auf den Wellen im Meer der leuchtende Sonne entgegen reiten

(entschuldige, im ersten Text hatte sich ein Typfehler eingeschlichen: u, statt e)
Man kann schon sagen, wer sich führen lässt ist hier stets willkommen.

Nun werde ich die zweite Strophe notieren.

La stupenda bellezza degli affreschi
Dipinti già dal tmpo medioevale
Castelli alla veduta giganteschi
Cipressi e pini adornano il viale.

Vasta campagna di uliveti e peschi
Una terra per vigni eccezionale
La meraviglia degli ortaggi freschi
Da condire con l'olio pepe e sale.

. . . . .


Wer weiter folgen möchte, erfährt das nächste Mal die Übersetzung.
Mich selbst berühren diese Verse sehr, da sie das einfache Leben eines Contadino wiedergeben, so einer wie eben Lio war. Und es gibt sie noch immer in der Toscana.

Wenn Du genügend Geduld hast, werde ich auf den tieferen Sinn dieses Maigesanges eingehen und auch, wie sich die Tradition heute hält. Es ist ein sehr interessantes Event, lebendig, musikalisch poetisch.

Vielen Dank für Dein Aufmerksamkeit – Dein Holahupp






oooohhhhhh wie schöööön,
danke dir, das sehe ich jetzt erst, du hast geschrieben, dass du es übersetzt hast, aber ..........
sorry, tut mir leid, habe ich nicht gesehen, schäm irgendwie


wie schön, ich danke dir

aber gerne würde ich mehr davon lesen,

ich mag sie auch sehr, die noch etwas unberührtere toscana, obwohl auch die touristenorte ihren reiz haben, ich mag besonders die gegend um san vincenzo, bolgheri, den baratti, die burg populonia, obwohl da ja auch mehr tourismus ist, aber auch so einsamere ruhigere strecken, und ich hätte nochmal riesen lust, mit einem wohnmobil da durch die gegend zu kreuzen, auch weiter runter, aber auch im landesinneren die kleinen örtchen,

meine gedanken gehen gerade kreuz und quer und hin und her von vinci, nach runter follonica, oder wieder hoch in die gegend, wo die fattoria la vialla ist,
das letzte mal vor 2,5 jahren war ich da, wird wieder mal zeit, merke ich

liebe grüsse, bärbel
Hatte versprochen, die zweite Strophe zu überetzen:
Nun liegt sie vor:

Die erstaunliche Schönheit der Fresken
und Malereien aus der Zeit des Mittelalters,
die Schlösser von Weitem schon zu sehen,
Zypressen und Pinien zieren die Alleen

Die Weite der Oliven- und Pfirsichhaine (Fruchtplantagen)
Dieser fruchtbarer Boden für ausgezeichnete Weine und
zum Erstaunen Aller die Frische der Gemüsegärten.
Man schmeckt die Würze von Olivenöl und Salz und Pfeffer.

. . . . .
Und gleich gehen wir weiter zur letzten Strophe des Lobgesanges an die Toscana

Il saporoso e prelibato vino
Che merita di grazia onori e vanti
Monteregio Scansano e Montalcino
Montepulciano Sassicaia e Chianti

Se un pranzo vuoi gustare genuino
Non ti mancha di chiede ai ristoranti
Una bistecca di manzo chianino
O cacciatora di polli ruspanti

Maestra d'arte e di cotanto ingegno
Tu nsei la Toscana del mio cuore
Delle bellezze nominata il regno
E la culla chiamata dell'amore


Für die aufmerksamen Zuhörer werde ich dazu die Übersetzung nachliefern, sobald ich meinen Olivengarten fertig gepflegt habe, Schneiden, Erde lockern und Ausrichten der Zweige.

Denn die Liebe zur Natur ist das höchste Gut und wird mit edlem Fruchtertrag entlöhnt.

Die Schönheit der Natur ist von Menschenhand gemacht.

Holahupp geht nun an die Arbeit
phoooo ......dieses jahr fahr ich nochmal, garantiert !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

2 jahre war ich nicht, es wird zeit

zeit, am baratti zu sitzen, weit übers meer bis hinter den horizont schauen, den sand durch die finger rinnen lassen, eine echse beobachten, die über die steine huscht, links zu den pinien schauen, etwas weiter hoch auf die burg polulonia, auf der anderen seite auf einem hügel ein einsames haus ....wer mag dort wohnen ....

und an die zeit denken, 1994/1995 zwischen leben und tod, wo ich sehr oft diesen blick hatte, und alles so ruhig und still war, innen und aussen......ein ganz besonderer ort für mich, nicht im sommer, wenn trubel ist, nein, in der einsameren kühleren jahreszeit, oder im herbst, im frühjahr

aber auch pasqua, wenn alles voller menschentrauben ist, essen, lachen,

viele erinnerungen, über jahre,

oh, ich merke, ich mache besser schluss .......mit meinen erinnerungen


danke dir für die übersetzung, hulahupp
ein wunderschönes Video DonnaToscana, ich finde diese Landschaft auch zum Niederknien :wink:
ja, münchnerin
... leider war ich erst einmal dort, von Florenz über San Gimignano, Siena, das Chiantigebiet, die Maremma, aber immer noch unvergesslich ....
ja, vielleicht hast du ja nochmal die möglichkeit, münchnerin


hier habe ich gerade noch etwas von dem baratti gefunden



http://youtu.be/LIUcoToWjqU
hulahopp, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich jetzt deinen thread über den maigesang in der maremma weiter "bewirtschafte" mit anderen schönen gedanken, landschaften, dingen aus der toscana

http://youtu.be/Krt5U_NEfV4
Natürlich ist das sehr schön Donna Toscana, dass Du etwas weiter machst, denn ich bin einfach zu stark beschäftigt in meinem Olivenhain, die vielen Bäume schneiden, dass es guter Öl gibt im November. Ein Olivenbauer ist halt nur ein kleiner Poet, so wie Lio Banchi. Dein Video ist sehr schön, nur kann der Boccelli einfach nicht singen, nur lispeln; schade, ist ja nur ein Italienischer Exportartikel, hier, im Lande eher weniger beachtet.
Versprochen, wenn ein freies Fenster in meiner Arbeitswut eintritt, werde ich wieder mehr bei 50Plus sein. Herzlichst an Dich und Alle !!
Hulahopp
hulahopp, dann wünsche ich dir, dass deine arbeit eine gute ernte einbringt, wie es denn ja auch so sein sollte ......

gerne halte ich die Toscana "hoch" und den thread auch, ist doch die toscana auch so ein stückchen "herz" von mir, einmal so und auch noch aus besonderen gründen, der baratti


auch wenn der bocelli "lispelt" .... mir fällt es nicht auf und ich höre auch kein lispeln, aber die geschmäcker sind ja nunmal auch verschieden,

das "miserere" muss ich nun auch gerade nochmal hören ........http://youtu.be/0CforXzkoRs

auch als "vorbereitung" oder innere einstimmung, naja, brauch i eigentlich net........für einen toscanischen abend heute, zu dem ich heute bin, zwar in münchen, aber auch mit "toscanesen" oder "toscanern" , vielleicht auch mit "toscanini" oder denjenigen, die die toscana schätzen, und ihr nahestehen.

dann, schau, dass es ein gutes olio gibt ..............buonagiornata a te
cron