Windbraut...

Komm heraus mein Kind— du bist doch frei—
komm geschwind ..
Wir wollen fliegen... in das Land, das unbekannt
komm mein Kind, wirst meine Frau
Und du weißt genau.. es ist so schön, mit mir zu gehn,
so leicht, so sanft, ich nehm dich an die Hand,
du bist so schön, so wunderschön.
Schau, wie dein Mantel fliegt und dein Tuch..
Du bist meine Braut, ich lass dich frei, lass dich dorthin gehn, wo Sonn und Mond und all die Sterne sind, mein Kind..
Ich bin zärtlich zu dir- so wunderschön,
nur einen Hauch...

ich schenk ihn dir
und willst du mehr, ich geb es dir im Sturmgebraus-
schau, um dein Haus.
schau am Tag und in der Nacht— du bist dafür gemacht...
lass uns flüstern, lass uns kosen... in Berg und Tal, Busch und Tann...
Mit allem Getier, rings um dich herum-

Sieh.. meine Geliebte
Das Leben ist schön und lebenswert.
Komm wir sausen durch die Welt und schauen, wo es uns gefällt und dann bleiben wir ein wenig dort- in meinem Arm. Du hast es warm.
bis wir dann weiterziehn-

Ich bin dein Wind und du bist meine Braut-
Lass die Schleier fallen- lass mich auf deine nackte Haut— so zart und fein, so mag es sein..

;;;;; Oh Wind, oh Wind, was machst du mit mir?

Es ist so schön, so wunderschön,. Deine Zartheit zu spürn-
-
Lass uns tanzen, lass uns lachen und ganz verrückte Sachen machen.

Oh Wind du mein Geliebter- Geliebte auch- alles in einem Hauch


copy.. von mir...
Heimat
Flimmernde Hitze
Pieksende Strohhalme
Frösche in Kuhstapfen,
Störche auf den Koppeln,
Libellen, die sich im Haar verfangen,
eiternde Mückenstiche…..

Die Luft riecht nach Chlor,
Ammoniak quillt aus dem Pferdestall,
trächtige Hündinnen,
Eier im Gelege,
Streusel auf dem Kuchen,
stibitzen in der Speisekammer….

Der Zug fährt 7.02
Vier Fahrschüler,
geflochtene Handarbeitskörbchen,
Feldblumensträuße für Oma,
Angst vor dem Puter, der angreift,
Pferde, die durchgehen…

Volksempfänger
und verbotene Sender,
Ratten in der Futterkammer,
Dreschflegel, die hämmern,
Schlossgeister,
Spukgeschichten……


Eine Kindheit in Schlesien,
das war meine Heimat,
heute fahre ich nach Polen,
herzblatt

es flattert im wind
am tag beschienen von der sonne

und nachts,

der mond und die sterne
sehen es
dort
mitten in der blühenden wiese
umgeben von feinen zarten düften

so herzig, liebenswert

ein wanderer kam des wegs
mitten in der zeit
auf die blühende wiese

und hat es gefühlt
das herzblatt

setzte sich zu ihm
ganz leis, ganz sacht

und blieb die ganze nacht

das blatt war nicht mehr allein

es lachte und sang

den gesang der weisen frau, denn es wußte genau

nun ist es nicht mehr allein...

>>>von mir <<<
Der Abschied
Wir umarmen uns.
Ich fasse reichen Stoff
Du fassest armen.
Die Umarmung ist schnell
Du gehst zu einem Mahl
Hinter mir sind die Schergen.
Wir sprechen vom Wetter und von unserer
Dauernden Freundschaft. Alles andere
Wäre zu bitter.


Brecht
Gelebt
voll Licht und Sonne
ist
jeder Tag,
jede Stunde,
Minute, Sekunde
mit Dir

Verloren, finster und schattig
ist jeder Tag
ohne
Deine Augen,
Deine Stimme,
Deine Nähe und Wärme.
Für mich
ein nie gelebter Tag.

Ich wünsche mit,
viele gelebte Tage,
nur so gelebte Tage,
vielleicht
sogar,
ewig
so zu leben ...


© ValentinAK
Gar besonders wunderbar wie mir zumute,
wenn ich allein in der Dämmerung an dem Strande wandle,
hinter mir flache Dünen ,
vor mir das wogende, unermessliche Meer,
über mir der Himmel wie eine riesige Kristallkuppel-
ich erscheine mir dann selbst sehr ameisenklein
und dennoch dehnt sich meine  Seele so weltenweit.

Heinrich Heine 
Das Ideal

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast du's nicht weit.

Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve –
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.

Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad – alles lenkste
natürlich selber – das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche – erstes Essen –
alte Weine aus schönem Pokal –
und egal weg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehl'n dir Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.
Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Dass einer alles hat:
das ist selten.

Kurt Tucholsky
Einsam oder Allein?

Kennst du den Unterschied
zwischen einsam und Allein?
Der Grad dazwischen
ist oft nur sehr klein.
Bevor die Einsamkeit dich
am Schopfe packt
und dein verletztes Herz
ganz gewaltig dann knackt,
tritt hinaus ins pralle Leben,
denn Einsamkeit ist vergebens.

Menschen, die gerne alleine sind,
werden oft für die Liebe blind.
Sie sehen nicht,
wer es gut mit ihnen meint,
weil es nichts gibt,
was sie vereint.
Diesen Irrglauben
vermittelt ihnen der Verstand,
weil keine Liebe
sie anscheinend verband.

Jeder sucht nur
einen Partner im Andern,
doch auch Freunde können
gemeinsam wandern.
Damit sie nicht länger
in Einsamkeit fristen,
weil sie eine Freundschaft
doch sehr vermissten.

Such dir Freunde fürs ganze Leben,
dann wird es dein Herz neu beleben.

© Susan Melville
Anständiges Sonett von Ulla Hahn

Schreib doch mal
ein anständiges Sonett
St. H.

Komm beiß dich fest ich halte nichts
vom Nippen. Dreimal am Anfang küss
mich wo's gut tut. Miss
mich von Mund zu Mund. Mal angesichts

der Augen mir Ringe um
und lass mich springen unter
der Hand in deine. Zeig mir wie's drunter
geht und drüber. Ich schreie ich bin stumm.

Bleib bei mir. Warte. Ich komm wieder
zu mir zu dir dann auch
»ganz wie ein Kehrreim schöner alter Lieder«
Verreib die Sonnenkringel auf dem Bauch
mir ein und allemal. Die Lider
halt mir offen. Die Lippen auch.
Maikäfermalen

Setze Maikäfer in Tinte. (Es geht auch mit Fliegen.)
Zweierlei Tinte ist noch besser, schwarz und rot.
Laß sie aber nicht zu lange darin liegen,
Sonst werden sie tot.

Flügel brauchst du nicht erst rauszureißen.
Dann mußt du sie alle schnell aufs Bett schmeißen
Und mit einem Bleistift so herumtreiben,
Daß sie lauter komische Bilder und Worte schreiben.

Bei mir schrieben sie einmal ein ganzes Gedicht.
Wenn deine Mutter kommt, mache ein dummes Gesicht,
Sage ganz einfach: "Ich war es nicht!"


Joachim Ringelnatz, 1884-1934

aus "Geheimes Kinderspielbuch"
und noch ein "tierisches" Gedicht, jedoch absolut nicht tierisch ernst:

Der Laubfrosch

Ich hab einmal einen Laubfrosch besessen,
der wollte nur Würmer und Fliegen fressen,
nur kein Laub.

Ich servierte ihm Blätter von Ahorn und Reben
und habe ihm freundliche Worte gegeben.
Er tat wie taub.

Dann hat er mich eines Tages verlassen.
Nun hüpft er wohl heimatlos über die Gassen
in Regen und Staub.

Vielleicht wurde er wegen der Schenkel gebraten
oder in Hagelwetter geraten,
das ihn zerdrosch.

Vielleicht aber hat er nur Urlaub genommen
für einige Wochen, um wiederzukommen
als Urlaubsfrosch.
Leben

Tanze inmitten
des kreisenden Taumels,
umringt von vielerlei Figuren,
löst sich eine aus der Reihe,
tanzt mit mir,
löst sich wieder und verschwindet -
kehrt nicht zurück
zum Kreise der Tänzer
und keine Spur mehr -
nur das Erinnern,
ach!

Mila
Hier ein Gedicht von Herrmann Hesse selbst vorgetragen

Im Nebel

https://youtu.be/cYNgf61iD9M


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
zum schönsten Bundesland der Welt:

"Oben nass und unten trocken,
oben flach und unten Brocken,
riechst nach Kuhstall statt nach Puder -
Niedersachsen, altes Luder!

(Uwe Janssen)
Kartoffellied

Herbei, herbei zu meinem Sang!
Hans, Jörgel, Michel, Stoffel!
Und singt mit mir das Ehrenlied
Dem Stifter der Kartoffel.

Franz Drake hieß der brave Mann,
Der vor zweihundert Jahren
Von England nach Amerika
Als Kapitän gefahren.

Europa sollte diesem Mann
Auf allen seinen Auen,
Wo es nur je Kartoffeln pflanzt,
Ein goldnes Denkmal bauen.

Salat davon, gut angemacht,
Mit Feldsalat durchschossen,
Der wird mit großem Appetit
Von Jedermann genossen.

Gebrätelt schmecken sie auch gut,
In saurer Brüh' nicht minder,
Erdbirnenknöpfe essen gern
Die Eltern und die Kinder.

Hat Jemand sich die Haut verbrannt
Und hilft kein Feuersegen,
So darf er auf die Wunde nur
Kartoffelschabsig legen.

Und welche Wohlthat sind sie uns
Das Vieh damit zu mästen!
Und wie viel Sorten gibt's! Jedoch
Die gutsten sind die besten.
etc. etc.

Ein allgemeines Lob verdient
Der würdige Franz Drake
Vom Fürsten bis zum Bauersmann
Ob seinem Wohlgeschmacke.

Ludwig Eichrodt