So frei bist du

Du hast mir niemals

Freiheit gegeben.

Du hast mir niemals
Freiheit genommen.

Du hast mir immer
die Freiheit gelassen
die ich hatte.

So frei bist du.



auch von Jörn Pfennig

.....ich mag seine Gedichte !!!!!!!!!
Flieder

Die Nacht ist gar zu dunkel. Durch mein Zimmer zieht

der Fliederduft wie ein süßes trauriges Liebeslied.

Ich hab das Beten vergessen, die Bitten weiß ich nicht.

Immer schmeichelt der weiche Duft um mein Gesicht.

Ich sitze wach im Dunklen und weine vor mich hin;

zitternd und ganz verstohlen, weil ich so einsam bin.


von Agnes Miegel
War das die Liebe?

War das die Liebe, die mich gestern streifte,
wie eines seidenen Gewandes Atem
im Dunkel, wie ein windvertragner Duft,
wie Harmonien aus der blauen Nacht,
woher, du weißt es nicht, doch stockt dein Blut
und horcht in die Geheimnisse der Dinge...
und all dein Wesen flutet zögernd aus,
du fühlst dich wie ein Strom die Welt durchrinnen
und ahnst doch noch ein Mehr-als-diese-Welt,
wie hinter feiner Schleier Wehr noch wartend,
ein Himmelreich voll Blüten, Früchten, Sonnen,
und lächelnd winkt, die dich so sehr gerührt.

Christian Morgenstern
Mein Einkaufsnetz muß Löcher haben...

Im Supermarkt kaufte ich
Zahnpasta, Zigaretten, Brot,
Seife, Weinbrand, Parfum,
Haushaltstücher, Badezusätze,
Kekse und noch allerlei.....

Zuhause suchte ich
zwischen Verpackungen und Produkten
nach der Freiheit, der Frische,
nach den Abenteuern und der Liebe
und all den anderen Stimmungen und Gefühlen,
die man mir (nach Erwerb dieser Dinge) versprochen hatte.

Als ich dann den Sekt für Verliebte alleine trank,
abenteuerduftende Zigaretten vor'm TV-Western rauchte,
als sich niemand sofort in mich verliebte,
obwohl ich das betörendste Parfum trug
(so stand es auf der Packung),
und als ich feststellte,
daß die Haushaltstücher und die Putzmittel
die Arbeit doch nicht von allein machten,
sagte ich mir:
Mein Einkaufsnetz muß Löcher haben

.
© Kristiane Allert-Wybranietz,
Freundschaft

Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,
So können sie sich freudig Freunde nennen,
Das Leben ist den Menschen so bekannter,
Sie finden es im Geist interessanter.

Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,
Die Menschen sind den Harmonien gerne
Und der Vertrautheit hold, dass sie der Bildung leben,
Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.

Friedrich Hölderlin
Heute Nacht
ist, was schön ist, auch erlaubt
heute Nacht

Heute Nacht
wird die Sicherung rausgeschraubt.

Ich lad Sie ein zu mir
denken Sie, was Sie wollen
ich hab sie ziemlich satt
diese einstudierten Rollen
ich will nicht warten, bis Sie sich bequemen
ich will selbst den Angriff übernehmen.

Heute Nacht ...
Ich will einfach nicht drauf warten
bis jemand sagt: Damenwahl
ich fühl mich nicht als Dame
begreifen Sie das einmal
halten Sie meinen Standpunkt ruhig für übertrieben
ich habe die Lust und das Recht, Sie zu lieben.

Heute Nacht ... 

(unbekannt) 
November

Solchen Monat muß man loben;
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdrießlich sein,
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie naß er alles macht!
Ja, es ist ´ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und die durcheinanderwirbelt
und sie hetzt ohn´ Unterlaß;
Ja, das ist Novemberspaß!

Heinrich Seidel
Vorläufiger Abschied

Sich umarmen,
einander festhalten
für Minuten

--Dann bist du gegangen,

und doch immer noch hier.

v.Kristiane Allert Wiebranietz
Du bist wie eine Blume, so hold und schön und rein;
ich schau dich an und Wehmut schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die Hände aufs Haupt dir legen wollt',
betend dass Gott dich erhalte, so schön, so rein, so hold.

Heinrich Heine
Poetenzeit
Wenn andre schlafen fest und tief
Werden Poeten+ Dichter erst aktiv.

Gardinen sind dann Nebelschleier
Zugige Fenster – der Abendwind vom nahen Weiher,
Das defuse Autolicht,
Das sich im Regen bricht
Und in dein Fenster fällt
Ist eine Sternschnuppe aus der fernen Welt.

Der Regen, der durch die Gosse rinnt
Sagt dir, hier ein Wildbach seinen Lauf beginnt.
Schatten huschen am Fenster vorbei.
Die nahe Turmuhr schlägt halb drei.
Du löschst des Kerzenstummels flackerndes Licht
Es erhellt deine Dunkelheit nun nicht.

In drei Stunden wird es hell.
Die Müdigkeit ergreift dich schnell.
Ruhig werden Herz und Sinn,
Du gehst zu Bett , legst still dich hin.
Du zählst nicht lange mehr die Schafe
Weil dir dein Genius rät : nun schlafe, schlafe.

So entstehen Gedichte und spannende Geschichten
Des Nachts beim Dichten.

(Eveline Dächer)
Der Tauchenichts ( frei nach Schillers "Taucher" )

"Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt,
zu schlunden in diesen Tauch?
Einen güldenen Becher habe ich mit,
den werf ich jetzt in des Meeres Bauch!
Wer ihn mir bringt, ihr Mannen und Knaben,
der soll meine Tochter zum Weibe haben."
DerBecher flog.
Der Strudel zog
ihn hinab ins greuliche Tief.
Die Männer schauten,
weil sie sich grauten,
weg. - Und abermals der König rief:
"Wer wagt es, Knippersmann oder Ratt,
zu schlauchen in diesen Tund?
Wer's wagt - das erklär ich an Eidesstatt -
darf küssen mein's Töchterleins Mund!
Darf heiraten sie und mein Land verwalten!
Und auch den Becher darf er behalten!"
Da schlichen die Mannen
und Knappen von dannen.
Bald waren sie alle verschwunden - - -
Sie wußten verläßlich:
die Tochter ist gräßlich! --
Der Becher liegt heute noch unten......

Gedicht von Heinz Erhardt :)
Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
lass es still geschehen.
Lass vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse 
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
sind Schlüssel aller Kreaturen,
wenn die, so singen oder küssen
mehr als die Tiefgelehrten wissen,
wenn sich die Welt ins freie Leben
und in die Welt wird zurückbegeben,
wenn dann sich wieder Licht und Schatten
zu echter Klarheit werden gatten
und man in Märchen und Gedichten
erkennt die wahren Weltgeschichten,
dann fliegt vor einem geheimen Wort
das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis
(eigentl. Friedrich Freiherr von Hardenberg)
Überlass es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Fontane, Theodor (1819-1898)
Menschen - nebenan

Verklebte Gesichter, die Herzen auch.
Die Not, sie schreit ihnen aus dem Bauch.
Der Hoffnung entwurzelt,
die Blicke zerstört,
keine Kraft mehr im Herzen,
die ihnen gehört.
So eilen sie hilflos durch die Welt,
sehen nur den Reichtum und das Geld.
Die Freunde haben sie ganz vergessen,
das wäre doch wohl zu vermessen.
Das Materielle war ihr Lebensziel,
egal wie viele Tränen dabei zu Boden fielen.
Schaut in die Augen der Kinder und achtet darauf,
sie brauchen Eure Liebe, freut Euch darauf!

Ursula Polaczek
cron