Noscetempus hat geschrieben: Ich vermute, dass Kunstmaler66 damit sagen will, dass ein Mensch auch ohne Zugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft einen für ihn stimmigen Glauben haben kann. Dogmen sind Verordnungen bzw. Erlasse von Kirchenoberen und nicht kongruent mit der Bibel.


Mir fehlt immernoch die Abgrenzung zwischen Religion und persönlichem Glauben.
Besteht die wirklich nur in der rein vertragsrechtlich wirksamen Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft?

Worin besteht bezüglich der Frage dieses Threads der Unterschied und damit Gegensatz, ob ich die Einstellungen und Handlungsweisen des aktuellen Papstes teile und gut finde, aber trotzdem nicht wieder in die Kirche eintrete oder weiter fleißig meine Kirchensteuer zahle, aber das Gedöns um Ökumene und eine liberalere Haltung zur Abtreibung ablehne?

Welche Dogmen sind gemeint, wenn selbst die Religionsführer, die diese Dogmen aufstellen, untereinander über deren Gültigkeit uneinig sind?
https://www.t-online.de/nachrichten/pan ... iskus.html

Meiner Meinung nach sind die Aspekte persönlicher Glaube und Religionszugehörigkeit weitgehend eigenständig zu betrachten und haben keine intrinsischen Abhängigkeiten.

oder mathematisch ausgedrück:
Glaube verhält sich zu Religion wie z.B. Sex zu Ehe
Man sollte der Genauigkeit halber zwischen einer Haltung der "Glaubenssuche" und einem religiösen Glauben im engeren Sinne unterscheiden, wie dies verschiedene moderne Religionswissenschaftler vorgeschlagen haben.

Man könnte und sollte also zwischen dem Glauben als einer allgemein-menschlichen Lebenshaltung oder, philosophisch ausgedrückt, einer existenziellen Haltung, und einem religiösen Glauben unterscheiden. Anders gesagt: Das Phänomen "Glaube" hätte zwei Seiten - eine Anlage zum Glauben als existenzielle Haltung und einen religiösen Kernbereich des Glaubens.

Sie eine Seite wäre ein allgemein-menschliches Phänomen und könnte als Frage-Haltung bezeichnet werden, die andere beträfe einen Sonderbereich sich religiös bekennender Menschen, die ihren Gott oder Lebenssinn gefunden haben.

Die eine Seite des Glaubens, den existenziellen Glauben, könnte man auch nach einer Begriffsschöpfung des modernen Philosophen Karl Jaspers einen "philosophischen Glauben" nennen. Die andere Seite des Glaubens, der religiöse Glaube, ist in den Traditionen der grossen Religionen verwurzelt.
Danke für den Hinweis zum Lesen.
Habe gerade den Artikel durch.
Er bestärkt mich in meiner Erkenntnis, dass die Institution Kirche, insbesondere die katholische, ein Machtgefüge ist.
Ja, ich bin katholisch. Noch immer.
Bis vor wenigen Jahren war ich regelmäßig teilnehmende Kirchenbesucherin und auch aktiv am Gemeindegeschehen beteiligt. Habe ehrliche und glaubwürdige Christen kennen gelernt. Verschiedenster Couleur.
Einige von ihnen schätze ich bis heute sehr.
Laien, Ordensleute, Priester.
Ich war sowohl mit einem evangelischen Pfarrer befreundet, als auch mit zwei katholischen Priestern. Einigen Ordensfrauen. Ich besuchte regelmäßig Schweigeexerzitien, war als Lektorin aktiv.
Somit glaube ich zu wissen, wovon ich spreche.
Mein Fazit : Ich habe wunderbare, glaubwürdige Menschen in diesen Jahren kennen lernen dürfen. Fühle mich bis heute mit ihnen verbunden. Aber Die “ Kirche“ als Institution mit ihrem Sitz im Vatikan ist mir mehr als suspekt.
Mein persönlicher Glaube hat sich in Jahrzehnten geformt, auch unter vielen Zweifeln. Ich denke, diesen ganz individuellen Weg muss jeder aufrichtig Suchende gehen.
Er gehört zu unserem Leben.
Ja, ich glaube. Ohne endgültige Gewißheit.
Aber mit einer (fast) unerschütterlichen Hoffnung.
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