Hilfe...Korrektur:
Augen in der Großstadt stammt natürlich von Kurt Tucholsky
Kleinstaaterei mit Regionalsheriffs, die im Orts- oder Heimatverein das Sagen haben, verhindert diktatorische Verhältnisse genauso wenig, wie ein überregionales Mehrparteiensystem, bei dem sich zwei Parteien gegen alle anderen solidarisieren, um die Stimmenmehrheit zu bekommen, die sie alleine aufgrund des Wählerwillens niemals erlangt hätten.

Diese und noch andere Schwachstellen einer realen Scheindemokratie ändern zwar Nichts an der sozialen Idealform des Systems, als das, was es dem Namen nach sein soll, nämlich eine „herrschaftsfreie Selbstverwaltung aller Bürger im Staate“, lässt sich aber bereits technisch aufgrund des enormen Aufwandes der „Entscheidungsfindung durch Volksabstimmung“ schon nicht realisieren – ganz abgesehen von der moralischen Eignung der gewählten Kandidaten, die dafür nötig wäre, um sich als Verwaltungsbeamte nicht von Interessengruppen korrumpieren zu lassen, was ja auch nie auszuschließen ist – selbst wenn man ihnen androht, sie aus ihrem Amt zu entfernen, sobald der Betrug auffällt.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich Jeder Demokrat nennen und sich zur Wahl stellen kann, nachdem er ein entsprechend positives Image aufgebaut hat, um so bekannt zu werden, dass man ihn auch als Abgeordneten ins Parlament wählt.

Das Dilemma besteht jedoch bereits bei der Namensnennung des Spitzenkandidaten und damit auch zukünftigen Anführers des jeweiligen Verwaltungsapparates auf Orts- oder Länderebene darin, dass es sich dabei vorwiegend um eine Personenwahl handelt, wobei der Wähler meint, den Charakter des Kandidaten beurteilen zu können, anstatt diejenige Partei zu wählen, die seine Interessen in ihrem Programm vertritt.

So kommt es zu den faschistoiden Aufmärschen mit Personenkult um die Führerfigur, die für alle Diktaturen typisch sind, um nicht nur an die Macht der Alleinherrschaft zu kommen, sondern sich dort auch zu behaupten – ganz gleich, aus welcher der drei Gruppen von Herrschaftseliten, wie denen der Kirche, Wirtschaft oder Militär, der umjubelte Kandidat auch stammen mag.

Dass man das Ideal einer „herrschaftsfreien, sozialen Verwaltung mit Gewaltenteilung namens Demokratie“ mit Zähnen und Klauen verteidigt, ist genauso löblich, wie die Verteidigung eines filosofischen Sozialismus oder Kommunismus, in dem es keine Ungleichheiten mehr gibt, nachdem alle Menschen im Staate gleichgemacht worden sind, damit sie bei Befolgung der gleichen Pflichten auch der Inanspruchnahme gleicher Rechte würdig sind.

Nur ist hierbei die praktische Durchsetzung das unlösbare Problem, sodass es zwar nicht akzeptabel aber dennoch verständlich ist, dass Jemand, der sein Leben lang auf friedliche Weise für die Verwirklichung des Sozialismus oder die Demokratie gekämpft hat, sich am Ende einer militanten Bewegung, wie die des italienischen Faschismus anschließt, die sich den nationalen Sozialismus auf die Fahne geschrieben hat, um sich auf populistische Weise bei allen Nationalisten und anderen heimatverbundenen Vereinsmeiern die Legitimation eines parlamentarischen Mitspracherechts in einer demokratischen Republik zu beschaffen, wie es die von Weimar war, wobei es dort nicht nur um das Recht der Redefreiheit ging, sondern um die Macht der Freiheit, über das Wohl Aller mitentscheiden zu dürfen.

Die rein psychologische Gefahr bei Denen, die mit aller Macht nach der Gleichberechtigung (Emanzipation) streben, besteht darin, über das Ziel hinauszuschießen - nur um nie wieder abhängig von dem Willen Mächtiger zu sein - , sodass sie das Maß ihrer Freiheit, für ihren Schutz selber sorgen zu können, schnell über den Freiraum Derer hinaus erweitern, die weniger Macht haben, als sie selber, sodass sie die Diktatur, gegen die sie vorher gekämpft haben, am Ende selber ausüben.

Das liegt aber nicht am demokratischen oder sozialistischen System, sondern an der durchaus realistischen Vorstellung der Bevollmächtigten, ihre Mitmenschen seien grundsätzlich nicht vertrauenswürdig, weil sie - genauso, wie sie selber auch – ebenfalls nur nach der Vormacht strebten, um selber für ihr Eigenwohl auf Kosten des Gemeinwohls sorgen zu können, anstatt solidarisch mit Allen gemeinsam dafür zu sorgen, dass das nicht mehr nötig ist.
ich hatte ebenfalls einen deutlich negativeren Blickwinkel....

Der falsche Blick des Westens
In Osteuropa steht es besser um die Demokratie, als viele glauben

Es scheint, als hätten autoritäre Populisten leichtes Spiel in Mittel- und Osteuropa. Doch von dort kommt ein Strom guter Nachrichten.
Eine Kolumne. Harald Schumann


Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess und muss immer wieder neu erkämpft werden. Das gilt im Osten genauso wie im Westen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/der ... 02712.html
barbera hat geschrieben: Und wie seht ihr Martin Heidegger?

Frei nach @ Filippa1:
Wo sind deine Thesen zu Martin Heidegger?
Gundulabella hat geschrieben: ich hatte ebenfalls einen deutlich negativeren Blickwinkel....

Der falsche Blick des Westens
In Osteuropa steht es besser um die Demokratie, als viele glauben

Es scheint, als hätten autoritäre Populisten leichtes Spiel in Mittel- und Osteuropa. Doch von dort kommt ein Strom guter Nachrichten.
Eine Kolumne. Harald Schumann


Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess und muss immer wieder neu erkämpft werden. Das gilt im Osten genauso wie im Westen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/der ... 02712.html

Richtig!
Demokratie ist keine Erfindung des "Westens"!
-> siehe auch Beitrag CornusMas vom 14.09.2020, 23:06 Uhr!

@ Filippa (15.09.2020, 12:45h)


Es gab doch andererseits so viele Intellektuelle und Künstler, die den Faschisten widerstanden haben – die entweder direkt verfolgt wurden oder sich zumindest ihre Überzeugung, was richtig und falsch ist, bewahrt hatten und dafür in die äußere oder innere Migration fliehen mussten, wenn sie nicht als Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma oder Politische Gegner ohnehin verfolgt und umgebracht wurden, bevor sie Gelegenheit dazu bekamen.

Mir würde es so schwer fallen, für all die Mitläufer und Unterstützer und damit Mitverantwortlichen des perfiden Systems des Faschismus Ausreden gelten zu lassen, dass ich es gleich sein lasse und stattdessen lieber einmal mehr den zahllosen Opfern gedenke.

Die Künste und Wissenschaften haben für mein Verständnis zugunsten der Menschenrechte auf Leben, körperliche und geistige Unversehrtheit und Freiheit nachrangige Bedeutung. Wie kann ich die Werke von Person ehren wollen, die dazu beigetragen haben, dass das von ihnen geduldete oder gar durch Parteizugehörigkeit unterstützte System systematisch und massenhaft Menschen ohne Legitimation eingesperrt, gefoltert, ausgehungert und ermordet hat?

Den von Dir erwähnten Hermann Löns kann ich davon ausnehmen, weil sein Denken tatsächlich „nur“ von den für seine wie die meisten Zeiten „normalen“ Antisemitismus geprägt war und er als 1914 Verstorbener den staatlichen Faschismus gar nicht mehr erlebt hat. Wir wissen nicht, wie er sich angesichts des organisierten Völkermordes durch Hitler-Deutschland verhalten hätte und können daher darüber auch nicht urteilen.

Ähnliches könnte man über den allerdings erst Ende 1933 verstorbenen Stefan George sagen, obwohl er die Anfänge der Nazizeit inkl. Machtergreifung noch miterlebt hatte. Klaus Mann („Das Schweigen des Stefan George“) hielt ihn für einen Wegbereiter des Faschismus, dem dieser sich jedoch faktisch permanent entzog. Der Hitler-Attentäter Stauffenberg (der allerdings kein Demokrat war) wiederum verehrte George und sein hochtrabendes Deutschland-Bild. Marcel Reich-Ranicki erwähnte in seinem Aufsatz über Karl Kraus („Meine Geschichte der deutschen Literatur“) Georges „hochmütige[n] und größenwahnsinnige[n] Anspruch auf Unfehlbarkeit und auf totale Unterwerfung“.

Ein Grenzfall... wie viele andere, deren Orientierung zu uneindeutig war, zumindest aus späterer demokratischer und menschenrechtlicher Perspektive.

Man muss sie nicht „in die Tonne hauen“, also pauschal verurteilen, um sich von ihnen zu distanzieren. Aber für bloß „Verführte“ waren sie intellektuell zu gut bestückt, um damit durchzukommen. Die meisten konnten sich noch nicht einmal nach dieser Zeit dazu überwinden, sich zu ihrer falschen Haltung öffentlich zu bekennen und diese zu bereuen. Sie schwiegen und vermieden, eierten um den heißen Brei ihrer Schuld herum und wanden sich in halbgaren Ausreden... Ich glaube nicht, dass sie ihre Haltung wirklich geändert hatten. Sie fühlten sich nicht wirklich mit verantwortlich für all das Wirklichkeit gewordene Grauen der Nazidiktatur.

Ich denke nicht, dass Menschen an sich damals schlechter erkennen konnten als heute, ob ihre Haltung gruppenbezogen menschenfeindlich (z.B. rassistisch oder antisemitisch) war. Vielen fehlte allerdings ein amtlich legitimierbares Unrechtsbewusstsein.

Stark verwurzelt war in vielen sicher noch die Vorstellung einer gottgegebenen Über- und Unterordnung zwischen den gesellschaftlichen Klassen innerhalb des traditionell hierarchisch stark reglementierten Staates, der nach dem Ersten Weltkrieg zwar rechtlich und formell in eine demokratische Republik übergegangen, für die allerdings in den Vorstellungen der allermeisten noch gar kein echter Raum geschaffen war.

Die tapsigen ersten Schritte der Demokratie in der Weimarer Republik führten zu entscheidenden Fehlern: Zu viele miteinander und in sich zerstrittene Parteien, verstrickt in tumultartigen Debatten, beschworen Unsicherheit und den dringenden Wunsch nach einer starken Führung bei vielen herauf. Die eine oder andere Gruppierung witterte ihre Chance zu Rebellion und Umsturz, was zu Straßenkämpfen führte, die den allgemeinen Eindruck verstärkten, dass eine Demokratie bloß eine lausige Sache, eine unbefriedigende Zwischenlösung sein könne. Die Nazis verunglimpften den Reichstag als „Quasselbude“ und ließen ihn schließlich abfackeln – als weithin deutlich sichtbares Symbol für das Ende des Demokratieprojektes. Die Gegner wurden ausgeschaltet. Die anderen schauten zu oder machten gleich mit, die abgefeimte Goebbelsche Choreographie der jubelnden Massen erschuf den willigen Background ... Und so nahm das frisch gebackene „Tausendjährige Reich“ seinen verheerenden Verlauf.

Was haben denn die Geistesgrößen der Zeit damals erwartet, als sie die Macher – all die zackigen Rädelsführer, Denunzianten und Krakeeler – alles machen ließen, was die dann so machten?

Kann man wirklich davon ausgehen, dass uns das heute nicht mehr passieren wird wegen unserer inzwischen bereits 75jährigen – im Gegensatz zur Weimarer Republik stabilen – Demokratieerfahrung?

Ich glaube nicht, dass Geschichte sich wiederholt. Jede Bedrohung ist eine neue, andersartige, zu deren Bewältigung noch nicht auf große Erfahrungen zurückgegriffen werden kann. – So wie zum Beispiel die Entwicklungen zu Beginn der Coronakrise von vielen als neu und beängstigend erlebt wurden. Diese Bedrohung wurde von Seiten der Regierung unseres Landes auf demokratischen Wegen trotz (oder wegen?) unserer komplexen föderalen Strukturen, in Anbetracht der vielen Unwägbarkeiten doch sehr gut gemeistert, wie ich finde.

Unsere Demokratieerfahrung hat sich grundsätzlich bewährt!

____________________


Nun zu dem von Dir verlinkten Beitrag im Deutschlandfunk:

„Entkräftung und Widerstand / Wie Demokratien ermüden und wieder zu Kräften kommen“ von Claus Leggewie

https://www.deutschlandfunk.de/entkraeftung-und-widerstand-wie-demokratien-ermueden-und.1184.de.html?dram:article_id=392376

Vielen Dank für diesen Link!
Ich zitiere hier mal einen Abschnitt in diesem Text, den ich für sehr wichtig halte:

>>... Die populistischen Bewegungen sind so legitim wie andere soziale Bewegungen der letzten Jahrzehnte, doch müssen ihre antidemokratischen Potenziale klar benannt und bekämpft werden.

Demokraten müssen sich mit allen Mitteln wehren.

Wir hatten gefragt: Was tun? Demokratische Gesellschaften sind alles andere als hilflos und können die drei „R“ ins Feld führen: Responsivität, Resilienz und Resistenz – Begriffe, die aus den Naturwissenschaften in die Sozialforschung und die politische Rede eingewandert sind. Soll heißen:

Erstens müssen populistische Rhetorik und Mobilisierung stichhaltiger beantwortet und durch effektive Politik konterkariert werden.

Demokratien müssen zweitens normativ, institutionell und lebensweltlich gegen populistische Angriffe immun werden.

Wo aber die Dämme gebrochen sind, müssen sich Demokraten drittens mit allen gesetzlichen Mitteln zur Wehr setzen und Widerstand leisten.

Man könnte auch sagen: Demokratische Politik muss bürgernäher, selbstbewusster und wehrhafter werden. Das ist die historische Chance, die Trump, Kaczyński und Konsorten bieten. ...<<



Diesen Aussagen kann ich nur zustimmen!


____________________


Deine Frage nach meinem Humor beantworte ich mal so:

Solange Du mir durch Sperrung weiterhin signalisiert, dass Du mich als Person ablehnst (obwohl Du andererseits öffentliche Debatten mit mir führst, so wie hier), gibt es von mir keinerlei Auskünfte bzw. Signale privater Art an Dich.



Wenn populistisches, schönfärbendes Geschwätz typisch für den Faschismus ist, dann ist dieses auch ein faschistischer Bestandteil einer jeden anderen Ideologie, wie der des Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus, Demokratismus und vor Allem des Separatismus, Nationalismus, Rassismus und Chauvinismus, bei denen jeweils die eigene soziale Gruppe oder der eigene Anführer verherrlicht wird und alle anderen diskriminiert werden.

In einem echten Antifaschismus hingegen gibt es weder einen Personenkult noch eine Verherrlichung der eigenen Nation, Heimat oder Familie bei gleichzeitiger Abwertung der Nation, Heimat oder Familie Anderer, weil das nämlich sonst ebenfalls Faschismus (Verherrlichung der Strahlemänner) wäre.

Mit populistischem Geschwätz also eine neoliberale Scheindemokratie als „die einzig mögliche Form der Demokratie“ zu verteidigen, für die „keinerlei Verbesserung nötig sei“, um jede Kritik daran auf diktatorische Weise im Keime zu ersticken, bedeutet: „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“ zu wollen, und das ist – wie man ja nun weiß, ganz sicher ein Ding der Unmöglichkeit.

Insofern muss als „passive Maßnahme gegen den Faschismus“ wenigstens eine „negative, öffentliche Kritik am populistischen Geschwätz der sich selbst verherrlichenden Populisten“ toleriert werden, wenn man sich sonst schon jeder aktiven Kritik daran enthält.

Die negative Kritik als aktive Maßnahme gegen den Faschismus hingegen muss auch die Kritik an den "an ihren infantilen Herrschaftsansprüchen gescheiterten, narzisstisch gekränkten, neoliberalen Schein-Antifaschisten unter den Wohlstandsbürgern" miteinschließen, die von ihrer Existenzialistenbadewanne aus - in der sie am besten die soziale Realität ihrer eigenen Unbedeutendheit als "Kapitän ohne Passagiere" leugnen können, indem sie so tun, als gäbe es niemand Anderen auf der Welt, dem gegenüber sie verantwortlich für ihre Despotie seien, als ausschließlich sich selber - sogar den echten Antifaschisten, die der sozialen Realität mutig ins Auge zu blicken wagen, den Mund zu verbieten versuchen, um ja nicht ihre gute Laune nicht zu verlieren.
@ Verdandi 16.09.2020 06:33h

Intellektuell gut bestückt zu sein, wie Du es nennst, ist noch kein Garant, keiner Verführung zu erliegen oder einer Verblendung anheimzufallen.
Die sechs Millionen Arbeitslose und die damit verbundene Verelendung, die Staatsverschuldung, die radikalisierte parteipolitische Szene ließ auch bei nicht wenigen Intellektuellen und Künstlern den Wunsch nach einem starken Führer erwachen, und das durchaus verbunden mit opportunistischen Hoffnungen ,was die eigene Position betraf. Benn z.B. erhoffte sich unter dem neuen Regime eine Stellung als Aushängeschild einer neuen Gesellschaftsordnung, in der Kunst eine hervorragende Rolle spielen sollte. Wie naiv und gänzlich weltfremd das war, zeigt sich, wenn man bedenkt, dass er schon als „untragbar“ gelistet war.
Anders als Du, fürchte ich, dass Geschichte sich immer wiederholt, auch wenn sie äußerlich in einem neuen Gewand daher kommt. Plus ca change, plus c'est la même chose. (Je stärker oder häufiger etwas wechselt und sich verändert, umso mehr ist es doch das Gleiche) Und das, weil der Mensch dahinter eben so ist, wie er ist: entgrenzt bezgl seines Macht- und Aggressionstriebs und auch bezgl seiner Gier. Und da zitiere ich jetzt ...nicht wortwörtlich... Mausfeld: Die Demokratie ist die einzig mögliche Antwort darauf, sonst bliebe nur Barbarei.


Zum 2. Teil:
Ich zitiere noch einmal den wichtigsten Teil, dem Du ausdrücklich zugestimmt hast, in Blau:
"Wir hatten gefragt: Was tun? Demokratische Gesellschaften sind alles andere als hilflos und können die drei „R“ ins Feld führen: Responsivität, Resilienz und Resistenz – Begriffe, die aus den Naturwissenschaften in die Sozialforschung und die politische Rede eingewandert sind. Soll heißen:

Erstens müssen populistische Rhetorik und Mobilisierung stichhaltiger beantwortet und durch effektive Politik konterkariert werden.

Demokratien müssen zweitens normativ, institutionell und lebensweltlich gegen populistische Angriffe immun werden.

Wo aber die Dämme gebrochen sind, müssen sich Demokraten drittens mit allen gesetzlichen Mitteln zur Wehr setzen und Widerstand leisten."




Effektive Politik zur Konterkarierung populistischer Rhetorik und Mobilisierung kann doch nur bedeuten, dass man den Gegnern den Wind dadurch aus den Segeln nimmt, dass man die Grundsätze der Demokratie wahrt. Und überall dort, wo diese Grundsätze verletzt werden, muss Kritik erfolgen, muss der Zeigefinger hochgehen. Muss man laut werden. So wie jetzt aktuell im Falle der Lufthansa, wo Hunderttausende auf die ihnen rechtmäßig zustehende Rückzahlung der Tickets für Flüge , die ausgefallen sind, warten. „Es kann doch nicht sein, dass ein so mächtiger Konzern vom Staat Hilfen bekommt, sich aber einfach ÜBER das Gesetz stellt und die Schwächeren am langen Arm verhungern lässt.!“ hörte ich gestern von einer Betroffenen bei FRONTAL. Ja, so verteidigt man Demokratie auch.
Anderes Beispiel:
1949 Artikel 3 Abs. 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.
Was fast unbemerkt blieb: Die die Frauen benachteiligenden Gesetze der Weimarer Verfassung wurden im gleichen Zug bis 1958 verlängert. Erst 1969, also fast eine Generation später, wurde dann die Frau als voll geschäftsfähig anerkannt, endlich dem Mann gleichberechtigt, was ja eigentlich schon zwanzig Jahre hoch und heilig festgeschrieben war. Das ist nur zustandegekommen, weil es immer wieder von Frauen, die sich zusammenschlossen, angemahnt, kritisiert, angeprangert wurde. Demokratie lebt und muss gestaltet werden. Sie ist kritikWÜRDIG, weil sie mir so am Herzen liegt.

Schlecht beraten sind aufrechte Demokraten, wenn sie die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen und dabei in sehr dominierender herabsetzender Form Gleiches mit Gleichem bekämpfen und jede Kritik als ungerechtfertigt zurückweisen. Dieses Mäntelchen ist dünn und durchsichtig und bringt nicht über den Winter, aber Wasser auf die Mühlen der Gegner.
@ Filippa1 vom 16.09.2020, 20:10 Uhr

Ich möchte keiner Antwort vorweggreifen:

1) Könnte es sein, dass du die richtigen Fragen an die falsche Person stellst?

2) Aus deinem Text:

... Demokratie lebt und muss gestaltet werden. Sie ist kritikWÜRDIG, weil sie mir so am Herzen liegt. ...

Ich würde es so formulieren:

Demokratie ist kritikWÜRDIG, weil sie mir so am Herzen liegt. Sie lebt und muss gestaltet werden.

Frage: Wo sind deine @ Filippa1 Vorschläge zur Gestaltung der Demokratie?

Ich schrieb schon mehrfach - auch in deine Richtung: Kritik üben - das ist sooooooooo einfach!

3) Noch einen Beitrag zum Nachdenken zum Fenimismus - von mir ohne Kommentar. Es sind nur Überschriften:

Aufseherinnen im Frauen-KZ Ravensbrück

Frauen im Gefolge der SS

Ganz normale Frauen mit Spaß an der Macht


Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/aufseher ... obal-de-DE
CornusMas hat geschrieben: @ Filippa1 vom 16.09.2020, 20:10 Uhr

Ich möchte keiner Antwort vorweggreifen:

1) Könnte es sein, dass du die richtigen Fragen an die falsche Person stellst?

2) Aus deinem Text:

... Demokratie lebt und muss gestaltet werden. Sie ist kritikWÜRDIG, weil sie mir so am Herzen liegt. ...

Ich würde es so formulieren:

Demokratie ist kritikWÜRDIG, weil sie mir so am Herzen liegt. Sie lebt und muss gestaltet werden.

Frage: Wo sind deine @ Filippa1 Vorschläge zur Gestaltung der Demokratie?

Ich schrieb schon mehrfach - auch in deine Richtung: Kritik üben - das ist sooooooooo einfach!

3) Noch einen Beitrag zum Nachdenken zum Fenimismus - von mir ohne Kommentar. Es sind nur Überschriften:

Aufseherinnen im Frauen-KZ Ravensbrück

Frauen im Gefolge der SS

Ganz normale Frauen mit Spaß an der Macht


Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/aufseher ... obal-de-DE



@ CornusMas
Könnte es sein, dass Du Fragen siehst, wo keine sind, dafür aber Antworten nicht erfasst, sodass Fragen offen bleiben?
@ Filippa1

Genau so eine Antwort habe ich von dir erwartet:

Könnte es sein, dass du auf Fragen keine Antworten hast?

Das ist nicht das erste Mal, dass du schweigst!
Schweigen ist des Sängers Höflichkeit.
Filippa1 hat geschrieben: Schweigen ist des Sängers Höflichkeit.


Völlig Klar!

Frage: Wo sind deine @ Filippa1 Vorschläge zur Gestaltung der Demokratie?

Ich schrieb schon mehrfach - auch in deine Richtung: Kritik üben - das ist sooooooooo einfach!

Du hast keine Antworten - ABER. DU hast viel Kritik!
Kleiner Exkurs:
Informationsentnahme aus Texten lässt sich in jedem Alter sowohl erlernen als auch trainieren und vervollkommnen, beginnend bei kleineren Texten und langsam fortschreitend zu immer längeren Kontexten, wobei dabei der Zeitpunkt nicht ganz bedeutungslos ist, zu der man sich seinem neuen Hobbby widmet, ein Aspekt, der sich zugegebenermaßen von Mensch zu Mensch unterschiedlich gestalten kann, eine nicht ganz überraschende Einsicht übrigens , aber natürlich nur für den, der mit der Wesenhaftigkeit des Menschen vertraut ist und gewohnt, sich ihrer auch regelmäßig bei sich selbst zu vergewissern und einzugestehen, dass man zu manchen Zeiten nicht so ganz auf der Höhe ist.
Manchmal helfen aber auch grundlegende Techniken, …ich möchte es mal „Tricks“ nennen…, und so kann es , wenn man sich ausnahmsweise mal unfrommerweise nur der Fütterung des Schweinehundes in sich widmen möchte, um ihn dann als Wadlbeißer Gassi zu schicken, sehr nützlich sein, sich daran zu erinnern, dass es in der Regel ein visuell wahrzunehmendes Signal gibt , das im geschriebenen Text, wo ja keine Satzmelodie die Unterscheidung von Frage und Aussagesatz erleichtert, in Form des Fragezeichens ein ganz sicheres Indiz ist, von dem man sich leiten lassen kann, was ja im Sinne des Erfinders ist, dem es offenbar darum ging, allfällige Verwechslungen zu vermeiden, denen der Schwächere sonst nur allzu leicht anheim fallen könnte, was zwar verständlich , aber nicht unbedingt notwendig ist.
In der gesicherten Annahme, dass Fragen in einem geschriebenen Text auch am Fragezeichen am Ende zu erkennen sind, ist man natürlich schon einen gehörigen Schritt weiter …vermutet man deren mehrere, kann man einfach zählen…und kann sich des weiteren dann der hohen Kunst der Informationsentnahme aus Texten widmen, die darin besteht, die genügend ausgebildete Fertigkeit des Lesens...ein anderes Wort für Dechiffrieren.. anzuwenden, dabei ist allerdings unbedingt GENAUES und GEWISSENhaftes Lesen erforderlich, um dannmittels dieser Techniken im Text die Antworten auf die Fragen, die man sich selbst stellt , zu finden, wobei die Steigerung dieser Fähigkeiten immer dann möglich ist, wenn es in den Texten noch Verweise auf andere Quellen gibt, die es dann auch zu lesen gilt und der Intention dessen zuzurechnen hat, der diese Quelle angeführt hat.

Eine ganz andere Sache hingegen ist die Verwendung des Ausrufezeichens in Texten, das ja... neben der in der umgangssprachlichen Bezeichnung schon beschriebenen Funktion... in der deutschen Sprache…anders als im Französischen... auch Befehlen Nachdruck verleiht und u.a. nahelegt ,anzunehmen, der Verfasser des Textes werde sehr laut, herrisch und nachdrücklich, was ihm ja dadurch auch gelingt und so bewirkt, dass er sich auch im Schriftlichen als überlegen und stärker gerieren kann . Auch hier ist es dem Leser möglich, durch einfaches Zählen der Ausrufezeichen einen Eindruck zu gewinnen und zu HÖREN, mit wem er es zu tun hat.
@Filippa

Sorry, dass ich so reinplatze in Eure Debatte:

Gibt es denn wirklich keine Aufwärtsentwicklung innerhalb der Demokratien seit der Franz. Revolution, frage ich mich gerade.
Aus meiner Sicht gibt es diese durchaus, ich bin da also optimistischer als Du.
Es lohnt sich, sich zu bemühen, das Ideal der 3 R, worauf von Dir bzw. Euch hingewiesen wurde (Responsivität, Resilienz und Resistenz), zu verwirklichen.
Ich glaube, dass trotz Aggressions- und Machttrieb wir Menschen im Laufe der Zeit im allgemeinen feinfühliger und rücksichtsvoller geworden sind bezüglich der Bedürfnisse anderer.
Und ich glaube auch, dass wir aus vergangenen polit. Katastrophen gelernt haben, und dass jetzt konservative Republikaner lernen können, wie unheilvoll und destruktiv sich die Politik eines skrupellosen Milliardärs auswirken kann, der nur wegen der Gier nach Machterhalt Präsident werden konnte, obwohl man ihn zunächst wegen seiner mangelnden Bildung eher verachtete.