@saphira,
ich mach folgenden Vorschlag: Ich beschreibe mein Wohlgefallen, wenn ich es subjektiv so empfinde, ich erkläre mein Missfallen, wenn ich es ebenfalls subjektiv so empfinde. Dabei geht es mir ausschließlich um die Sache. Es ist eine öffentliche Stellungnahme zu einem Ereignis und man gibt damit über seinen Geschmack und seine Person etwas preis. Sozusagen ein Argumentations Angebot im sokratische Sinne für das Forum. Solltest Du das Gefühl haben, ich würde mich bei Dir beliebt machen wollen - aus welchen Gründen auch immer -, dann ist das auf keinen Fall so.
In meinen Beruf hat sich diese offene Ausdrucksweise außerordentlich gut bewährt. Die Beurteilung sollte natürlich ehrlich sein. Hier im Forum habe ich manchmal den Eindruck, dass Begeisterung sehr persönlich und zweckgebunden empfunden wird = sexistische Äußerung. Gut, es ist ein Forum der Begegnung, somit verstehe ich es etwas.

Jetzt einmal eine ganz andere Ebene: Es hat mit Selbstwertgefühl zu tun, was man empfindet, wenn man öffentlich beurteilt wird. Jede eigene Äußerung hier im Forum ist ein Schritt in die Öffentlichkeit. Man sollte vorher wissen, ob man das ertragen kann.

Und die nächste Ebene: Hier malen die Teilnehmer mit Worten Bilder in die Köpfe der Leser mit erzählender Prosa und Lyrik. Das ist ein hochkomplexes Geschehen und Autor/Autorin kann sich nie sicher sein. Es ist ein mutiges Wagnis, denn es gibt ebenfalls viel preis. Deshalb wurden in diesem Thread Schreibversuche niemals destruktiv nieder gemacht. Wenn es bei der Öffentlichkeit nicht ankommt, dann ist als Gradmesser die Resonanz eben gering. Hier ist Schweigen das Gold als konstruktive Kritik, es verletzt nicht.

Also, wenn es Dich stört, dass ich Dich als etwas Besonderes beschreibe - es war übrigens nicht mein Vorschlag, ich habe mich angeschlossen - und das ausgesagt habe, dann musst Du damit leben. Es gibt Schlimmeres. Ich hoffe, die Missverständnisse sind teilweise ausgeräumt.

Gruß
Felix
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"Wie dem auch sei, gut oder schlecht, Schreiben ist etwas Köstliches, nicht mehr man selbst zu sein, sondern in der ganzen Schöpfung kreisen, von der man spricht. Heute zum Beispiel bin ich als Mann und Frau zugleich, als Liebhaber und Geliebte an einem Herbstnachmittag unter den gelben Blättern durch einen Wald geritten, uns ich war die Pferde, die Blätter, der Wind, die gesprochenen Worte und die rote Sonne, die sie ihre von Liebe getränkten Augenlider halb schließen ließ."

Gustav Flaubert, Brief an Louise Colet (23.Dezember 1853)


"Schreiben wir?" Das möchte ich doch meinen. Machen wir aus der A-Literatur (Ankündigungsliteratur) Ernst. Lauschen wir den wunderbaren Erzählungen von Carminito. Er staunte nicht schlecht, als "Sie" gebannt wortlos an seinen Lippen hing:-). Es ist beinahe Meditation, die Beherrschung der Gedankenwelt im Bewusstsein, der so oft beschriebene zweite Schritt aus der Achtsamkeit. Eigentlich war dieser Thread gedacht, nach "Fühlen, Denken, Handeln" diesen Griff nach den eigenen Gedanken und die Kontrolle über sie zu vermitteln.

Felix
Gerade, weil ich mich so sehr konzentrieren muss, um eine bestimmte Stimmung mit wenigen Wörtern ausdrücken zu können, mag ich die Gedichtform des Haikus so sehr.

Das Vogelhaus

Prasselnder Regen,
im Vogelhaus die Katze -
schläft sie wirklich...?
@Milafranzi,
da hast Du Recht. Ich habe es auch schon früher gedacht. Dieses konzentrierte Besetzen des Bewusstseins bei Haikus, das hat was Meditatives. Ich bin überzeugt, die strengen Regeln sollen jede Abkenkung vermeiden. Nur noch ein kleines Stück Weg zur Meditation, der zweite Schritt aus der Achtsamkeit. Du entscheidest über Deine Gedankenwelt selbst und wilde Gedanken machen nichts mit Dir.
Danke Milafranzi, Du hast die Brücke geschlagen.

Felix
Eine Haiku-Sammlung ist bei Unterhaltung & Spiel zu finden.
41acul hat geschrieben: @Milafranzi,
da hast Du Recht. Ich habe es auch schon früher gedacht. Dieses konzentrierte Besetzen des Bewusstseins bei Haikus, das hat was Meditatives. Ich bin überzeugt, die strengen Regeln sollen jede Abkenkung vermeiden. Nur noch ein kleines Stück Weg zur Meditation, der zweite Schritt aus der Achtsamkeit. Du entscheidest über Deine Gedankenwelt selbst und wilde Gedanken machen nichts mit Dir.
Danke Milafranzi, Du hast die Brücke geschlagen.


Felix


Einwand:
Ich dachte, dass man bei der Meditation die Gedanken schweifen lässt,
sie ziehen vorüber wie Wolken.
Bei einem Haiku ist man äüßerst konzentriert, will man doch einem Bild eine Form geben, die strengen Regeln unterworfen ist,will man doch durch wenige Wörter eine bestimmte Stimmung hervorrufen.
Ich habe an Zen- Meditation teilgenommen:
Dabei sollte der Kopf ganz gedankenfrei werden, während man stundenlang kniete.
Man erreicht einen Zustand, wie Trance
@Milafranzi,
@Leonetta,
Da muss ich natürlich antworten, diese Anregungen:-)!

Die Antwort ist: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

Unerzogen ist er, der Mensch der westlichen Welt, er beachtet die Außenwelt und nimmt die Gedankenflut im Innern als "gottgegeben" hin. Doch da ist mancher Missratene dabei und nimmt uns gefangen. Durch die moderne Meditation werden wir jetzt - mit Hilfe der engen Kapazität des Bewusstseins - in die Lage versetzt, zu wählen und zu sortieren. Gerade bei der Erschaffung von Haikus ist volle Konzentration gefragt und die Bude Bewusstsein ist voll belegt. Das Vorderhirn beim Schaffensprozess hat alle Sitzplätze geordert und die Amygdala mit ihren Gedankenkobolden liegt ruhig in der Ecke. Bei Leonetta bei den Zen-Buddhisten wurde etwas anderes zur "Reinwaschung" verwendet.

Schweifen lassen. Nun, man kann nicht ununterbrochen Haikus erschaffen um Kobolde zu verdrängen. In der Entspannung der Achtsamkeit schleichen sie sich wieder an, die Schlechten. Doch auf diesen Zug springen wir nicht mehr auf, sie sind entlarvt und dürfen weiterziehen. Mit den Guten, ja mit denen, da spielen wir. Bauen Haikus:-). Lösen emotionsarm Probleme usw. Jetzt wählen wir aus, "gottgegeben", das war!

Die Gedanken des Haikus kommen unbedingt ins Töpfchen.

Grüße

Felix

Milafranzi erlaubst Du mir Deine Frage und meine Antwort bei "Fühlen, Denken, Handeln" einzustellen?

Wie soll Leben sein: Riskant oder sicher?
(Fünf „philosophische“ Haiku)


Richtiges Leben
will Freiheiten erstreben,
ohne Garantien.

Im gold’nen Käfig
erlahmen Geist und Seele;
aber sicher ist’s.

Unwägbarkeiten
beleben alle Sinne –
und das Blut pulsiert.

Dagegen – was ist
durch und durch Geregeltes?
Sterbenslangweilig!

Also – besinn‘ Dich
und denke nicht zu viel nach.
Spüre, was Du brauchst!





Verdandi,
was ist das?
berauschender Gipfelsturm!



Felix
@Felix,
sorry, las zu spät deine Anfrage,
natürlich darfst du!

@Verdandi,
im klasisichen Sinn sind das kein Haikus!
Ein Haiku nimmt sein Thema aus der Natur,
ist etwas "hintersinnig"
und keineswegs moralisierend!
Es kann durchaus filisofisch daherkommen, nur sollte man es erspüren müssen.

@Milafranzi, ich musste jetzt doch etwas schmunzeln: weil ich genau diesen Einwand von Dir erwartet hatte! :wink:
Dann lass Dir dazu jetzt bitte folgendes von mir sagen:

Niemand ist gezwungen, sich in irgendeinem Bereich auf klassisch Typisches zu beschränken. Und ich habe auch nicht behauptet, dass ich das bei den Haiku tun wolle. Im Gegenteil: Ich nehme mir die Freiheit heraus, sogar Krimi-Haiku zu schreiben. - Eine Kostprobe gefällig? Gerne, sie folgen im nächsten Post …




Sieben Haiku-Krimis


Sturz aus dem Fenster.
Die Nachbarn hatten nichts bemerkt,
es ging ihr doch gut?

Das weiße Paket
treibt träge an das Ufer...
Der Suchhund schlägt an.

Der Schmuck ist noch da.
Was haben sie bloß gesucht?
Unbehagen wächst...

Kunstfälschers Lust ist
neben dem Mammon wohl auch
der geheime Stolz.

Risikozocker
jenseits der Legalität.
Im Hedgefond-Wahnsinn.

Die Hedgefond-Helden
trieben sich in den Ruin...
und ihr Land fast mit.

Mordende Gärtner
vernachlässigen Gärten.
Gänseblümchen freut's.




@Verdandi,
ntürlich zwingt dich keiner!
Nur: Dann ist trotzdem ein Gedicht , das du als Haiku bezeichnst, kein Haiku!
Ein Haiku ist sowohl in der Form als auch im Inhalt strengen Regeln unterworfen.
Du kannst auch ein Gänseblümchen als Rose bezeichnen, diese Freiheit hast du .
Nur: Das Gänseblümchen bleibt trotzdem ein Gänseblümchen


@ Milafranzi, Deine Bemühungen als Verfechterin der reinen Lehre in Sachen Haiku in allen Ehren - aber:

Auch die inhaltlich von der reinen Lehre abweichenden sind dennoch Haiku. Denn die strenge Form der Silbenbeschränkung auf 5/7/5 ist die Grundlage dafür. Auch andere halten es so, da bin ich nicht allein. Jedenfalls entscheidest Du nicht darüber, was allgemein gültig und akzeptabel ist. Für Gänseblümchen und Rosen gibt es jeweils einen eigenen Namen. Für Krimis in Form eines Haiku nur diesen: Haiku-Krimis (oder Krimi-Haiku). :wink: ...Das gleiche gilt für Haiku mit lustigen, hintersinnigen, philosophischen Inhalten usw.

Ein Teil meiner von der ursprünglichen Vorgabe inhaltlich abweichenden Haiku entstanden übrigens in einem Gedichte-Seminar. Unsere Dozentin war jedenfalls nicht so streng wie Du, zum Glück für die Entfaltung der Kreativität der Teilnehmer*innen. :)