Die Lust am Schreiben, Erzählen. Die Lust am Wort.
Erst wenige Tausend Jahre ist das Lesen und Schreiben alt. Die größte kulturelle Leistung des Menschen. Sprache ist ihm von der Evolution mitgegeben und lernt sich spontan. Lesen und Schreiben ist da ganz anders: In emsiger Lernarbeit mühen sich die Schulklassen über Jahre. Im Gehirn muss dafür gewaltig viel umgestellt werden, denn dafür ist es nicht vorgesehen. Doch der Lohn ist gewaltig: Mit 26 Buchstaben beschreiben wir die ganze Welt. Nur dreimal ist das der Menschheit unabhängig voneinander gelungen.
Also schreiben wir!
Machen wir eine Begrenzung ohne Wertung: Dichtkunst gibt es als Lyrik (Gedicht), Prosa (Erzählkunst) und Dramaturgie (Theaterstück).
Sind wir nicht übermütig, versuchen wir es mit Prosa, mit Erzählen.
Felix
Ich habe hier schon viel Interessantes und Gutes gelesen. Ein neuer Anlauf löhnt sich immer wieder.
Einspruch...Schweigen ist SILBER, REDEN ist gold, nicht jeder kann es, aus unterschiedlichen Gründen.....
Es kommt darauf an, was man mit Können meint. Jeder, der Lesen und Schreiben kann, der kann auch erzählen, kann mit Worten Bilder in die Köpfe malen. und wenn es auch sein eigener Kopf ist. Eine sehr ergiebige Konzentrationsübung. Patienten mit "verwirrtem" Geist werden oft aufgefordert nicht unkontrolliert zu reden, sondern sich zu konzentrieren: zu schreiben, sich zu finden. Der Genuss der Kreativität, für sich und auch ganz groß. Groß ist viel, auch die Zahl der deutschsprachigen Bücher im Jahr: 100000.
So viel Lust am Schreiben, whow!
Felix
Nicht jeder der lesen und schreiben kann ist auch der Sprache mächtig...großer Irrtum,Sprache, das Sprechen muss oft
unter erschwerten Umständen erlernt werden.
Schriftsprache und Lese- Sinn- Verständnis bedeuten nicht, dass man sich auch artikulieren kann..ist so.

Gute Nacht....
Gepardin,
danke für Ihre Meinungen. Ich bin nicht einverstanden, es ist falsch. Wer Lesen und Schreiben gelernt hat, der hat im Gehirn Begriffe und Zusammenhänge gelernt, anders ist das nicht möglich. Vorschlag: Wir sind jetzt keine Pessimisten und zwingen außerdem niemand zum Schreiben, auch Sie nicht! Es geht mehr um Lust und Freude: Flow, wenn man Glück hat.
Felix.
Ich erwarte mit Spannung die erste Erzählung von Dr.Felix!
Denken und die Umsetzung in Worte... schreibenderweise zu verfassen ...

ist das Kunst oder Denken? oder was?
Hallo saphira12,
die Abläufe, die beim Schreiben und Lesen im Gehirn vor sich gehen, sind extrem kompliziert. Im 4. Jahrhundert, zur Zeit Augustinus, war es allgemein üblich, dass man beim Lesen es laut aussprach, was man las. Ein einziger Kardinal las stumm und war in Rom die große Sensation. Man führte zu ihm Besucher, die in staunend verfolgten. Man dachte das Geschriebene müsste abgehört werden. Innerlich passiert das auch. Deshalb ist es nicht falsch, wenn seinem Briefpartner sagt: "Nett von Dir zu hören".
Warum ist es so schwierig: Das Gehirn hat von der Evolution die Fähigkeiten für Lesen und Schreiben nicht mitbekommen - kulturelle Leistung. In einem Bereich der rechten Gehirnhälfte muss erst mühsam ein Bezirk antrainiert werden und die dortigen Informationen werden verdrängt, gelöscht. Das passt dem Gehirn gar nicht. Deshalb das mühselige Lernen über Jahre. Die Information geht dann nach links und wird verkoppelt mit Erfahrung, Bereich der Begriffe, hören, sehen, Gedächtnis, Emotionen usw. Lassen wir es zunächst gut sein.
Beim Schreiben denkt das Aufmerksamkeitszentrum sich Begriffe aus, angehängt sind Emotionen usw..
Dieses Zentrum ist aber der berühmte "Flaschenhals". Mehr als sechs bis acht Begriffe gehen nicht gleichzeitig. der Schlüssel für Kreativität und Intelligenz. Deshalb denkt man beim Schreiben und Lesen an nichts anderes. "Flaschenhals" besetzt. Oder man ist nicht richtig konzentriert.
Felix
Noch ein Nachtrag: Das bilden von Worten (Begriffen) ist keine Kunst, das ist "Handwerk" des Gehirns, eingeübt. Dichtkunst, das ist eine andere Dimension, das ist "brechen" des Handwerks.
Was ist Kunst: Niemand weiß es genau, bis heute nicht. Es ist auf jeden Fall Kommunikation. Ich kann also meine Erzählgeschichte soviel brechen mit Wortschöpfungen und konstruiertem Handlungsstrang, dass mich gerade noch einige verstehen. Wenn nicht, dann gilt es als Gebrabbel. Doch Vorsicht, versteht man es nicht. dann liegt es vielleicht auch an einem selbst.
Felix
ich liebe es, zu schreiben, meinen gedanken ausdruck zu geben, sie in ein kleid zu hüllen.
sinniges, unsinniges, blödsinniges, ernstes, heiteres, erotisches und exotisches.

real oder fantasy, am liebsten gemischt,

ich stelle etwas ein, was ich vor einigen jahren mal geschrieben habe, auch mal als blog eingestellt.

ich habe das nicht für einen bestimmten menschen geschrieben, es ist eine mischung aus erfahrungen im internet, begegnungen, fantasien, wortspielen



Zauber


der umhüllt

einhüllt, wie in eine Decke

warm, weich, wohlig, samtig,

rosarot und doch ehrlich



offen für den Anderen

bis in die Tiefen der Seele

auch bis in die dunklen Ecken der Seele

die das Licht, das Helle unterbrechen



Wissen voneinander

das Gesagte

und das Ungesagte

das zwischen den Zeilen gelesene und nicht gesagte



Zauber von unzählig schönen Worten

fantasievoll von Dir

Deinen Fantasien entsprungen

und doch ehrlich gemeint



Zauber von vielen kleinen Gedanken

Gedanken, auch nicht ausgesprochen

von mir, aber erahnt

von Dir



Zauber eines Regenbogens

wunderschön

farbig, nicht zu greifen

Brücke von Dir zu mir



Zauber beim Betreten des Regenbogens

der Brücke von mir zu Dir

vom Zauber in die Realität

bleibt der Regenbogen - Zauber ?



Worauf die Gedanken tanzen können

Worte spielen können

wie Kinder

im Zaubergarten



sich freuen wie die Kinder

lieben wie die Kinder

unbeschwert, fernab der Realität

im bunten Regenbogen - Zaubergarten



gefangen und doch frei im Regenbogen - Zaubergarten
Liebe Donna Toscana,
Dein Gedicht trifft es wundervoll: es ist der Zauber: diese Freiheit, dieses Schweben fern der Realität, dieses zarte Berühren des Anderen, diese unbegrenzte Möglichkeiten der Auswahl. Du hast die Beschreibung des Rausches noch viel besser getroffen.
Welch ein Start zum "Schreiben wir?" Wer wird da noch nein sagen können. Und so unkompliziert. Ein Stift, ein Blatt Papier, ein ganzes Königreich aus der eigenen Schatztruhe in uns. Und was steigert dieses Tun fast bis zur Euphhorie: Egal wo auf der Welt: schreiben ist möglich.
So haben wir jetzt eine lockende goldene Eingangspforte, wir genießen das Gedicht von Donna Leon und treten herein.
Also Schreiben wir. Zunächst muss sich jeder für sich ein paar Fragen beantworten:
Ist mir der Unterschied bewusst zwischen Inhalt und Form?
Schopenhauer sagte einmal zur Schriftstellerei: "Wenn man etwas zu sagen hat, dann kommt man weit." Das wäre der Inhalt. Die Form, das ist Wortwahl, Satzbau, Struktur des Erzählten, "Dramaturgie", Eleganz der Prosa usw., das ist ganz gut erlernbar. Das ist sozusagen Handwerk. Der Inhalt ist da schon schwieriger. Es gibt auch Schreibkünstler, die legen auf den Inhalt keinen großen Wert und vertrauen auf die Kunst des Wortes an sich. Ganz ehrlich, da ist die Kommunikation schwierig. Man kann aber von Ihnen lernen.
Die nächste Frage: Was für einen "Inhalt" möchte ich schreiben, Geschichten völlig neu ausgedacht - fiktional - oder mehr meine eigenen Erlebnisse berichten - autobiographisch. Die meisten der 100000 veröffentlichten Bücher sind autobiographisch.
Dritte Frage: Wie weit will ich kommen, meinen Lieben berichten oder ein Buch schreiben. Da ist der Unterschied selbstverständlich sehr groß. Gigantisch wird der Abstand zum veröffentlichten Buch.
So viele haben es ja geschafft. Und jetzt noch dazu die unveröffentlichten Manuskripte in den Schubladen dazu! Das Schreibbedürfnis ist riesengroß.
Felix
Hallo Donna Toscana,
Dein Gedicht ist so schön, wie Dein Name.

Das ist meins:

Das Wirbeltier

Einst lebte im Land der Gleichen
ein Wirbeltier.
Was dem geschah,
erzähl ich hier:

Man wollte,
um nicht schief zu liegen,
seine Wirbel nur
ein wenig verbiegen.

Doch das Wirbeltier
sagte "Nein,
mir gefällt mein Rücken
und
ich will mich nicht bücken."

Doch
das Wirbeltier hatte nicht bedacht,
was man mit
nichtverbiegbaren Menschen
macht.

digeridoo ohne d
danke dir, erstmal felix

und dir, digeridoo, ohne d ...smile

gell, nichtverbiegbare menschen sind manchmal schwer zu händeln, es gefällt mir hier deine art, , so eine körperlichkeit ins allgemeine leben zu übertragen, zu vergleichen.

ein schöner thread
Hallo,
dann noch ein Geschreibsel - Gedanke von mir:

Der Tag erwacht

Der Tag erwacht
Ich fahre
in meinem Auto
auf der Autobahn
meinem neuen Tag entgegen.

Am Horizont
zeigt die Sonne sich mit Strahlen.
Musik begleitet mich.
Autos begleiten mich -
vor mir,
hinter mir,
sie kommen mir entgegen.
In allen
sind Menschen.
Sie fahren
ihrem Tag entgegen –
mit Freude,
mit Müdigkeit
mit Angst
voller Spannung
und
Energie.
Wir alle
sind
Teil
des Ganzen.
Das
vermittelt mir
Geborgenheit.
Ich bin
Teil des Ganzen.
Ich bin
In meiner Begrenztheit
wichtig.
Ich bin
Teil des Ganzen.

digeridoo
Einst verulkte ich mit einem Gedicht ein Mitglied in einem Forum, das so verworren schrieb, dass es keiner verstehen konnte:

Der Rabe Rababa

bla, bla, bla, bla,
das ist der Rabe Rababa!
Der Rabe bard so barrend bar,
bar jeder Rabenblablabla.
Es bard die ganze Rabenschar:
Wer ist denn dieser Rababa,
der nur so blart:
barda, bardee,bard, bard, bara
und barara,rarababa,darababa,
blar, blar!

Mir hat die Spielerei großen Spaß gemacht und - ihm hat es gefallen!