@ ups_undnu

….Bei negativen oder traurigen Erlebnissen habe ich mir oft die Frage gestellt „was macht das jetzt für einen Sinn?“ Nie kam ich nicht sofort dahinter, auch nicht nach langem Nachdenken. Irgendwann, Wochen, Monate oder Jahre später nach einem weiteren Erlebnis oder Begegnung, beantwortete sich die Frage von damals nach dem Sinn automatisch. ….

Gerade bei Erlebnissen, an denen auch jemand Anderer beteiligt war, fragt man sich, wie groß sein Anteil daran ist, ob es ein Versehen war, oder ob er durch die Umstände dazu gezwungen worden ist, oder aber ob er das vorsätzlich getan hat - und wenn ja, was er damit bezweckt hat?

Kennt man seinen Beweggrund, ist es leichter, den Verursacher zu verstehen, und sein Handeln als notwendig (weil für ihn zweckmäßig und damit auch vernünftig und sinnvoll) zu verstehen, selbst wenn es ethisch nicht akzeptabel ist, denn Jeder kann ja theoretisch zum Täter werden, wenn man ihn nur lange genug provoziert, oder wenn er umständehalber in Versuchung gerät bzw in Panik die Flucht ergreift, anstatt zu widerstehen und weiterhin seine Pflichten zu erfüllen.

Bei Ereignissen, die nicht von Jemandem bewirkt wurden, wie Naturkatastrophen, oder persönliche Missgeschicke aufgrund von eigener Unaufmerksamkeit, die sich nicht vermeiden ließen, spricht man nicht von vorsätzlicher Verursachung im Sinne eines Bewirkens, sondern von einem ungeplanten Ereignis, wobei der Sinn etwa eines gefühlten Schmerzes in der Warnfunktion steckt, denn sonst würde man ja gar nicht wissen, dass man verletzt wurde.

Hier ist man geneigt, dem eigenen Körper, den Naturkräften oder gar seinem Schöpfer (Eltern) zu unterstellen, dass das, was Einem zufällt, ohne es selber geplant zu haben, von Ihnen bewirkt worden sei, weil ja Alles, was geschieht, die Folge einer Ursache ist – ganz gleich, ob sie nun vorsätzlich oder versehentlich von Jemandem bewirkt wurde, oder aber ohne einen Willen geschah.

Es ist also die eigene Ursachenzuschreibung, mit der man sich damit beruhigt, dass Alles folgerichtig zusammenpassen musste, damit das betreffende Ereignis überhaupt stattfinden konnte, und damit auch „in der Ordnung“ sei, denn es ist schwer zu ertragen, dass man eben keine Erklärung dafür findet, und daher vor dem Weltgeschehen als eine totale Unordnung steht, in der man völlig orientierungs- und damit machtlos ist, Irgendetwas selber zu bewirken, indem man das Angenehme fördert und das Unangenehme verhindert.

….Irgendwann dachte ich mal darüber nach, warum ich immer nur nach dem Sinn eines Negativ-Erlebnisses oder Begegnung suchte, warum nicht auch mal bei positiven Erlebten ... was macht das für einen Sinn, dass ich jetzt diese Freude erleben darf“, „was macht das für einen Sinn, dass ich jetzt diesen schönen Schmetterling entdecke“ z.B. ... die Liste ist endlos lang. ….

Das Erleben-Dürfen setzt immer eine Erlaubnis von Jemandem voraus, sodass man sich im Zweifelsfalle gerne irgendeine Person ausdenkt, die das, was Einem zugefallen ist, als Lohn für eigenes Wohlverhalten oder Strafe für Fehlverhalten bewirkt oder zugelassen hat, oder aber wirft es Anderen vor, dass sie - wenn sie sich wegen eines vermeintlich „ungerechtfertigten Schicksalsschlages“ beklagen - selber der Anlass dafür gewesen seien, dass ein „gerechter Vater im Himmel“ die Sintflut oder eine andere Naturkatastrophe schickte, von der alle seine ungehorsamen Kinder hinweggespült wurden.

Das, was für Andere schlecht war, und für Einen selber gut, wird demzufolge gerne als eine Belohnung angesehen dafür, dass man sich vorher klaglos hat schädigen lassen, sodass Einem nun ein Schadensausgleich vom „Schicksal“ oder vom „Universum“ auch völlig zu Recht zusteht, und man sich auch nicht weiter deswegen bedanken muss, wenn sie Einem dann endlich durch Jemanden zuteil wird, der nun selber mal drauf verzichten muss, der alleinige, vom Schicksal Begünstigte zu sein, was sogar beim Schadenfrohen zu großem Jubel führen kann, wenn er meint, ihm stünde eine Rache zu, die „der Herr“ für ihn an seiner Stelle am Anderen verübt hat.

….Damit schloss sich der Kreis und der Sinn meines Lebens ist ...


Der Lebenskreis schließt sich natürlicherweise erst mit dem eigenen Tode, aber es gibt natürlich Lebenszyklen, die abgeschlossen werden, wobei man sich dann fragt, wieso Einem schon wieder das Gleiche widerfahren ist, wie im vorigen, was schlicht darauf zurückzuführen ist, dass man sich in einer ähnlichen Situation auch auf die gleiche Weise verhalten hat, woran nicht Mystisches ist, sondern was ganz logisch (auf Ursache und Folge beruhend) erklärbar ist.

….Die Freude über das Entdecken, nur ein klitzekleiner Teil eines großen Ganzen zu sein. Das entspannt mich. …


Mit dieser wertvollen Erkenntnis bereitet man sich natürlich selber diese Freude, welche in der Folge einen beruhigenden Einfluss auf die Nerven hat, wenn man in Zukunft davon ausgehen kann, dass Nichts ohne einen Grund geschieht - selbst wenn nicht immer die erhoffte Wirkung eintritt, die man sie sich zum Ziele seines aktivischen Strebens und passivischen Sehnens gemacht hat.

Die Entdeckung, nur ein kleiner Teil des Ganzen zu sein, lässt hingegen ebenso erfreulicherweise die Folgerung zu, dass man nicht die Ursache für ALLES gewesen sein kann, was in der Vergangenheit passiert ist, und man auch nicht zuständig sein kann für Alles, was gerade um Einen herum geschieht, bzw in der Zukunft geschehen wird - selbst wenn man trotzdem von Anderen dafür zur Verantwortung gezogen wird, die stärker sind, als man selber, und damit zum Sündenbock für deren eigene Versäumnisse herhalten muss.

Der Stress des Eitlen, der sich für unentbehrlich hält, und dabei seine Leistungsfähigkeit ständig überschätzt und bis zum Umfallen arbeitet, um die an ihn gestellten Erwartungen alle zu erfüllen, nur damit man ihn lobt und liebt, wird dem Bescheidenen damit erspart.

…..Das ist natürlich nicht für mich in Stein gemeißelt, wer weiß, was ich auf meinem Weg durchs Leben noch alles entdecke. …..


Dazu fällt mir die Geschichte von den beiden Freunden ein, die durstig durch die Wüste irrten und nur noch eine Flasche Wasser hatten, welche Einer von den Beiden aus Versehen umstieß, sodass der Andere ihn wutentbrannt dafür schlug. Da schrieb er in den Sand: „Heute hat mich mein Freund geschlagen!“

Später wurde er von einer Klapperschlange bedroht, die der Freund geistesgegenwärtig erschlug. Daraufhin ritzte er in den Felsen: Heute hat mir mein Freund das Leben gerettet!“

Fazit: schreibe das Negative in den Sand, damit es der Wind des Vergessens verweht, und meißle das Positive in den Fels, damit du es niemals vergisst!“

Das Leben lieben lernen, bedeutet, es vor Allem von seiner positiven Seite her zu beurteilen, und nicht nur von der negativen, was man auch Optimismus nennt. Das hat Nichts mit einer temperamentbedingten Begeisterungsfähigkeit zu tun, sondern mit der Bereitschaft, aus Allem das Beste zu machen, und gleichzeitig zu hoffen, dass es auch gelingen möge.
:)