Ich glaube dass sich die Erkenntnis, über den eigenen Tod nachzudenken, vorwiegend durch Erlebtes und nicht erst im höheren Alter einstellt.
Die meisten Menschen werden im Laufe ihres Lebens immer wieder mit Krankeit und oder Tod konfrontiert und werden durch diese Erfahrungen ganz bewusst die entsprechenden Entscheidungen treffen.
Es ist für mich ein sehr beruhigendes Gefühl zu wissen, dass ich meinen Kindern durch mein Testament, der Vorsorgevollmacht, bzw. Generalvollmacht , der Patientenverfügung und dem Beisetzungswunsch , die Verantwortung abgenommen habe, diese Entscheidungen treffen zu müssen.
Die Überschrift dieses Threads finde ich überhaupt nicht zynisch. Paulo Coelho hat sich das sicher gut überlegt und formuliert. Schon Platon hat gesagt: "MENSCHEN DIE NACH WEISHEIT STREBEN, MÜSSEN DAS STERBEN ÜBEN".
Und Jakob Böhme formulierte es so: "LERNT STERBEN, EHE IHR STERBT, DANN KÖNNT IHR STERBEN, WENN IHR STERBT.
Auch in der Bibel lesen wir bei Paulus: "ICH STERBE TÄGLICH"
Es geht hier um das weniger werden unseres Ich`s (Ego), zu lernen loszulassen.
Das tägliche sterben ist ein Prozess, bei dem das egozentrische Leben neutralisiert wird.

Gruss, Rosetta
Ich war schon zweimal klinisch tot.
Hinabgetaucht in eine andere Welt.
Nach der Reanimation , wenn du erkennst du bist wieder da, dann siehst du alles
mit anderen Augen.
Alles ist plötzlich unwichtig ,was dir vorher wichtig erschien.
All die kleinen Banalitäten des Alltags, werden unwichtig, ich empfand sie sogar lächerlich.

Rosetta schreibt :

Das tägliche sterben ist ein Prozess, bei dem das egozentrische Leben neutralisiert wird.


Das stimmt !
Ich möchte keine große Trauerfeier mit Sarg aus Eiche und Sänger.
Ich möchte so bescheiden wie möglich still und leise verabschiedet werden.
Wichtig ist nur ,das man in der Erinnerung bleibt, bei den Menschen die einen geliebt haben.

Ich spreche jeden Menschen nett und freundlich an ,denn ich weiß ,es könnte mein letztes Wort
sein ,welches ich an sie richte.
Mein 3. Herzstillstand könnte mein Letzter sein.

Ich vergesse dabei aber nicht das Leben und mein Spaß am Humor bleibt mir hoffentlich bis zum letzten Atemzug erhalten. Ich lache sehr gerne, denn das hält jung. :D
Ja Petrusch, aber vorher warst Du bestimmt auch kein Berserker, denn aus der Haut kann keine/r :D :D
Ich hätte auch auf der Strasse liegen bleiben können, aber ich war wieder zusammengekratzt worden, aber mein Wesen hat sich nicht geändert,

Ich lebe bewußter, genieße den Tag, zB. die Sonne scheint wieder herrlich heute, ein schöner Tag, der Tod ist weit weg, warum darauf vorbereiten, wenn da ist, ist da, Punktum und vorbei, so, oder so, aber 100 % :D :D :D
Ja Solist, das hört sich für mich schon sehr viel besser an... als Sterben lernen!
aber beides wirft mir ganz viele Fragen auf!
Jedes mal habe ich mich mit dem Tod auseinander gesetzt - und da kommen einige zusammen...in über vierzig Jahren! Bei meinem "ersten Todesfall" war ich ziemlich fertig. Und da kam meine Chefin und tröstete mich in guter Absicht mit " Daran wirst du dich schon gewöhnen!".
Und was soll ich euch sagen? Ich habe mich NICHT daran gewöhnt!
Dabei waren das nicht einmal nahestehende die ich begleitete...viele über Tage/Wochen hinüber...
Seit dem starb auch mein Vater und ich kann behaupten, in dem Trauen selbst steckt sehr viel Egoismus und Selbstmitleid - in jedem. Weil die meisten bedauern fast immer ihr eigenes Schmerz, und selten hört man ein Wohl wollen mit dem Toten selbst. Das ist sehr Schade...
Ich weiß gar nicht, was mich mehr beschäftigt, der Tod, oder das Sterben... beides haben für mich etwas sehr Ambivalentes... insbesondere dieses Ultima Ratio... dieses nichts mehr sagen zu können..


Ich hatte mal vor Jahren eine Serie von Narkosen erleben müssen. Genau 17 in eine Woche.
Und ich fand das damals unheimlich interessant... dieses Zack und weg, mitten im Gespräch... und dann wieder die Glückseligkeit beim Aufwachen!
Wenn ich dann bedenke, dass es irgend wann kein Erwachen mehr geben wird, dann macht mich das traurig. Und dann wird mir bewusst, dass es alles nur geliehen war...
Zum Glück habe ich aber auch noch andere Gedanken, sonst wärst ja ein Hirsch.

Alles was ich sollte liegt aber schon in der Schublade.
Und genau so unspektakulär wie ich gekommen bin, werde ich (hoffentlich) auch gehen dürfen.
An Alle,
allererst dem Eröffner dieses Themas meine Anerkennung..

weil -

es klingt merkwürdig - aber wir wenden uns alle gegen das Leben, wir wenden uns alle gegen die
Vollkommenheit des Lebens - wenn wir den Tod aus unserem Bewußtsein ausklammern/erdrängen - hinausschieben..

einst stellte ich Leo Prothmann nach einem Vortrag "über das große Loslassen" eine Frage zu Leben u Tod
die Antwort die er mir gab beschäftigt mich bis heute -
"du wirst immer in irgendeiner Form - im Universum existieren"

dazu ein Gedicht

Bruder Tod

Auch zu mir kommst du einmal
du vergißt mich nicht
und zu Ende ist das Leben,ohne Wahl
und die Kette bricht

Noch erscheinst du fremd und fern
lieber Bruder Tod
Stehest als ein kühler Stern
über meiner Not

Aber einmal wirst du nah
und voller Flammen sein
komm Geliebter, ich bin da
nimm mich, ich bin dein...

..bloß zum nachdenken - zum verweilen...sonst nichts ..

lieben Gruß - Ch.
und ich sehe es so, es ist sicherlich auch wichtig, die Dinge des Lebens geregelt zu haben, Beerdigung und so weiter .......aber, viel wichtiger ist, Klarheit darüber zu haben ........was ist danach ......in der Ewigkeit .......Unendlichkeit.

Und es kommt eine Zeit, da kein Tod mehr wird sein, kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei .......
ein Stück aus dem Lied: Ehre sei dem Vater ......
Hallo Donna Toscana
hier noch den Link von Youtube von dem eben erwähnten Lied "Ehre sei dem Vater"
Vielen Dank für diesen Hinweis :!:

http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=& ... tES3LXyCIQ
Solist3 hat geschrieben: Ein Thema, das heutzutage stark verdrängt wird. Und doch gehört es zum Leben.

Wenn man z. B. aus dem Kollegen- oder Nachbarkreis hört, dass Jemand verstorben ist, macht einen das zwar betroffen, aber ein Grund, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen, ist das meistens noch nicht.
Erst, wenn Jemand aus dem engsten Familienkreis gestorben ist, befasst man sich intensiv mit diesem Thema und setzt sich damit auseinander; so war es bei mir.

Solist3 hat geschrieben: Ich zitiere aus dem kleinen Taschenbuch von Paulo Coelho "Der Wanderer":

Für diese Zivilisationen war der Tod nur ein Schritt unter vielen auf dem Weg des Universums.

In diesem Zusammenhang beschäftigte mich auch die Frage, woran es wohl liegen mag, dass z. B. manche Menschen mit einer gleichen Krebserkrankung und Behandlung es schaffen, zu überleben und manche nicht oder manch alter kranker Mensch im Pflegeheim gerne sterben möchte, dies aber nicht geschieht und manch junger oder jüngerer Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird.
All dies hat einen Sinn, so unerklärlich das auch klingt; der Tod ist nach meiner Überzeugung noch nicht das Ende.
Tara,ich habe auch schon an Sterbebetten gesessen, das Schlimmste was ich erlebt habe,
das sich ein alter Mann gegen das Sterben gewehrt hat, mit all seiner Kraft.
Er hat um sich geschlagen,war noch recht kräftig.
Das hat mich so erschreckt, das ich nie wieder ein Sterbezimmer betreten habe.

Du sagst, die Trauer ist Selbstmitleid, selten ein Wohlwollen mit dem Toten.
Das ist aber normal, denn der Tote ist tot, er hats geschafft, ihm gehts gut.

Ich würde sagen ich trauere, indem ich mich selbst bemitleide, das ich diesen geliebten Menschen
nicht mehr an meiner Seite habe.Das ich ihn gehen lassen musste.
Nun kann ich mir im ersten Moment ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, deshalb weine ich
um mich selber.
Ich hoffe ,ich habe das verständlich ausgedrückt.Mit der richtigen Würde.
Selbstmitleid?
Möglicherweise hab ich Tarantel (mal wieder) nicht so recht verstanden.

Trauer finde ich, ist etwas, in das man "fällt" - das einen geradezu überfällt,
wie man es sich hätte vorher nicht vorstellen können.
@ Danke Dir, Solist, das habe ich jetzt noch nie gesucht.
Ich schau viel bei Hillesong ........


mir fällt gerade ......u.a. diese eine Begebenheit ein. Eine Kollegin, 50 km weiter weg, hatte einige Zeit nach meinen Krebserkrankungen auch eine. Wir haben telefoniert, und ich habe den Vorschlag gemacht, uns dochmal persönlich kennenzulernen, bevor vielleicht jemand von uns beiden sterben wird. Wir trafen uns dann auch.
Sie war so voller Hoffnung, 2 kleine Kinder.
Dann ging ihr immer schlechter, sie kam ins Krankenhaus. Ich besuchte sie. Sie war immer noch voller Hoffnung.
Dann eine Zeit später war sie nicht mehr ansprechbar, es ging kein Telefonieren mehr.
Und an einem Tag ging es ihr so, daß sie doch wieder telefonieren konnte, und ich sage ihr, daß ich am nächsten Tag kommen werde.
An dem besagten Tag fuhr ich mittags los, ca. 50 km., Unterwegs auf einmal die Gedanken.....sie lebt nicht mehr.
Als ich im Krankenhaus ankam, zur Station ging, haben mir die Schwestern nichts gesagt, mich aber in das Zimmer geführt, in dem sie lag. Ihre Schwester war anwesend und weinte.

Meine Kollegin war kurz vorher gestorben.

Ihre Stirne war noch warm .......und es drängte mich, zu beten, daß Gott ihrer Seele Flügel verleiht.
Und das habe ich dann auch gemacht.

Warum habe ich ausgerechnet jetzt das erzählt ? Ich weis es nicht.
Miniwinni hat geschrieben: Mit dem Tod der Eltern verliert man ein Stück seiner Vergangenheit, mit dem des Partners ein Teil seiner Gegenwart und dem seines Kindes ein Teil seiner Zukunft und mit dem eigenen Tod die Schmerzen dieser Verluste.

Ein wunderbarer Spruch.
nettestierfrau hat geschrieben: Die Überschrift dieses Threads finde ich recht zynisch.

Sterbende begleiten, kann man lernen.
Das Sterben selbst nicht, finde ich, da wir selbst den Zeitpunkt in der Regel nicht bestimmen.
Unfälle, Unglück und auch Diagnosen, die einen schnellen Tod prognostizieren, treffen Alte, Jüngere und Kinder.
Jeder Betroffene muss dann mit der Situation klar kommen, ob er will oder nicht.
Man kann Vorsorge treffen, seinen Nachlass regeln, sich mit dem Tod auseinander setzen und oder auch Kinder von diesem Thema nicht ausschließen.
Aber das Sterben selbst ist für jeden einmalig.


Da gebe ich dir Recht, Sterbebegleitung ist das eine, und auch das muss und kann man im Leben lernen,
aber das "selbst sterben lernen" ist m.E. ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, lediglich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen kann man sich zu Lebzeiten,
besonders wenn man weiß, dass man sehr krank ist, oder wenn man ein Alter erreicht hat wo nun irgendwann der Tod nahen wird ...
( sehr kranke und sehr alte Leute sprechen ja verständlicherweise recht oft vom Tod)
und rechtzeitig alles regeln, was in eigener Macht steht - auch als vermeintlich gesunder Mensch ist das ratsam, um den Hinterbliebenen etwas Geordnetes zu hinterlassen.

Mancheiner kommt leider nicht dazu, irgendetwas zu regeln, da der Tod ihn völlig überraschend und unerwartet trifft. Das kann dann für die Hinterbliebenen ziemlich schwierig sein mitunter, auch ich habe das schon erlebt leider.
Hallo ,
sterben lernen ,warum ?
Leben lernen ist die größere Kunst ,sich bewußt darüber zu sein das das Leben keine Generalprobe ist.
Seit ich denken kann beschäftige ich mich immer mal wieder mit dem Thema Tod .
Ich habe echt interessante Bücher gelesen und Filme gesehen .
Vier minus drei
Ein Tag mit Herrn Jules
Emmas Glück
Ein Leben ohne mich
Veronika beschließt zu sterben
Die Frau mit den neun Perücken
Zwei Frauen
Die Hütte(ein Wochenende mit Gott)
Kübler Ross ...usw.

ich erspare euch die Beschreibung der Bücher und Filme ,ich jedenfalls habe  für mich erkannt heute hier und jetzt zu leben  und immer das Beste aus der Situation zu machen in der man sich befindet.
Alle Geschichten sind für mich Mutmachgeschichten.Vorbilder ,unterschiedliche Bewältigungsstrategien ,Bereicherungen eben. 
sterben lernen hilft nicht, leben lernen hilft auch wenn die Zeit begrenzt ist dann erst Recht.

Mit dem Tod sollte sich jeder auseinander setzen .Ich persönlich glaube das unsere Seele weiterlebt.
Gibt es nicht die Weltenseele ,in meiner Phantasie sind wir eh alle EINS auch unsere Seelen.
Der Tod ist für mich der Übergang in eine neue Existenzform wie auch immer sie sein soll .
Ach ja und noch was Sterbebegleitung finde ich gut ,wenn man stark und schwach genug ist sie anzunehmen.
Lass uns alle so Leben als wäre es unser letzter Tag ob banal ,aufregend,langweilig,ruhig,panisch ,....
menschlich halt .
sonnige Grüße
scobella 
cron