„Trans*, eine Identitätserweiterung“ war der Titel einer Aufführung im Theater in Münster. Ziel dieses Stücks war eine Aufklärung über Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht mit dem seelischen übereinstimmt; also über Transvestiten, Crossdresser und Transsexuelle in beiden Richtungen – Mann zu Frau oder Frau zu Mann. Das Interesse war überwältigend. Das Stück lief ein Jahr lang vor regelmäßig ausverkauften Rängen. Der Erfolg war sicher auch den absolut authentisch wirkenden Laienschauspieler zu verdanken. Sie waren größtenteils selber „betroffen“, waren also „trans-was auch immer“.

Wegen des großen Interesses an diesem Thema – und sicher auch weil ich selber transsexuell bin – habe ich diesen Thread hier eröffnet.

Zum Verständnis hier der Hinweis, dass ich nachfolgend ganz allgemein von Transgendern, dem Oberbegriff für Crossdresser, Transvestiten und Transsexuellen spreche.

Also, los geht’s:
Die Toleranz oder gar die Akzeptanz vieler Menschen gegenüber Transgendern lässt noch manchen Wunsch offen, obwohl die meisten Transgender sich eigentlich nur ganz normale Begegnungen mit ganz normalen Menschen wünschen. Sie möchten aber ihrem Wunschgeschlecht entsprechend behandelt werden.
Sicher hat sich in letzter Zeit durch Beiträge in Presse, Rundfunk und Fernsehen schon einiges bewegt. Zwar dienen manche Publikationen eher den Einschaltquoten als der sachlichen Information, aber dennoch besser als nichts.

Es gibt in Insiderkreisen den Spruch „Du kennst keine Transgender – aber sie kennen Dich“. Diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Viele Transgender gehen ihrer Neigung nur im Verborgenen nach, aus Angst vor Spott, Diskriminierungen in Gesellschaft und Beruf oder dem Verlust von Kontakten zu Freunden oder gar Familienangehörigen. Man sieht es ihnen nicht an, aber sie tragen dennoch gegengeschlechtliche Anteile in sich, die sie durch heimliches Anziehen entsprechender Kleidung kompensieren möchten. So hat die Untersuchung einer renommierten Universität gezeigt, dass mindestens 5% aller Männer zumindest zeit- und teilweise Damenbekleidung tragen Insider schätzen den Anteil aber auf über 10%. Wieviele Frauen gerne Männerkleidung tragen, lässt sich wegen der toleranteren Damenmode kaum beziffern.

Machen wir uns doch klar, dass es zwischen Weiß und Schwarz so viele Grautöne gibt, wie es Abstufungen zwischen den Geschlechtern von Frau und Mann gibt. Jede Frau trägt männliche Anteile in sich und jeder Mann weibliche. Wenn nun aber der Anteil des anderen Geschlechtes steigt oder sogar überwiegt, kommt es zu heftigen inneren Diskrepanzen. Der Körper passt nicht mehr zur Seele. Ein Ventil wird gesucht, um die innere Zerrissenheit, die im Extremfall bis zum Suizid führen kann, auszugleichen. Manchen reicht das zeitweise Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, andere Menschen tragen dauerhaft die Kleidung des Wunschgeschlechtes oder suchen in Ihrer Verzweiflung psychologische und medizinische Hilfe. Hier helfen dann Hormontherapien oder geschlechtsanpassende operative Eingriffe. Dieser Absatz zeigt sicher schon, welchen seelischen Qualen diese Menschen ausgesetzt sind.

Ein absoluter, früher oft durch Unkenntnis und Vorurteile genährter Irrtum ist, dass Transgender meistens homosexuell sein sollen. Der Anteil schwuler Menschen ist jedoch bei Transgendern nur genau so groß oder so klein wie bei „normal“ veranlagten Menschen auch.
Viele Transgender haben Kinder. Kinder die vor ihrem Outing – oder auch danach – gezeugt wurden. Zu groß war Jahrzehnte lang die Angst vor einem Geständnis gegenüber der Umwelt oder sogar gegenüber dem eigenen Ehepartner, soweit die Veranlagung zumindest hier noch nicht bekannt war.
In früheren Jahren war es Betroffenen mangels Aufklärung zudem auch oft selber nicht bewusst, dass sie trans waren. Wenn sie es dann irgendwann ahnten, versuchten sie es zu verdrängen. Zu heftig war die Scham und die Angst vor Entdeckung.

Bemerkenswert ist sicher auch, dass viele Transgender in festen Beziehungen leben oder verheiratet sind und harmonische, glückliche Beziehungen pflegen. Identitäts- und damit auch Bewusstseinserweiterungen fördern meines Erachtens nach den Umgang mit Partnern. Letztendlich fühlen sich diese Menschen eher dem anderen Geschlecht zugehörig, haben aber meistens lange Zeit in ihrem gebürtigen Geschlecht gelebt. So kennen sie Gefühle und Empfindungen beider Seiten und haben zudem - oft geprägt durch Probleme in ihrem Umfeld – ein ausgesprochen hohes Harmoniebedürfnis.

Die fehlende Akzeptanz von Chefs und Kollegen am Arbeitsplatz oder von Kunden hat nach einem Outing in manchen Fällen zum Verlust des Arbeitsplatzes geführt. Ohne einen soliden wirtschaftlichen Hintergrund geraten Menschen mit ihren ohnehin vorhandenen seelischen Problemen leicht in ein totales Desaster.
Transgender sollten daher vor ihrem Outing sorgfältig prüfen, ob, wo oder wann sie sich outen. Es muss ja nicht immer zwangsläufig ein totales Outing in allen Lebensbereichen sein.

Selber entscheide ich von Fall zu Fall wo ich mich öffne. Im beruflichen Bereich trete ich unverändert als Mann auf. Zugegeben mit eher „unisexer“ Kleidung. Selbstverständlich passe ich meine Kleidung auch privat den Gegebenheiten an. Ich möchte niemanden in meiner Begleitung in Verlegenheit bringen. So trage ich ggf. auch hier unisex oder zumindest „straßentaugliche“ feminine
Kleidung. Als „Dragqueen“ bin ich ohnehin vollkommen ungeeignet...
Dennoch wurde ich im Beruf vereinzelt ganz vorsichtig angesprochen, da einige Dinge doch wohl „etwas gewöhnungsbedürftig“ waren. So fielen zum Beispiel die manikürten Fingernägel, die gezupften Augenbrauen oder die Ohrsticker auf. Allerdings zeigten besonders diese „neugierigen“ Menschen volles Verständnis, wenn ich Ihnen offen berichtete. Kunden habe ich jedoch bis heute nicht verloren – vielleicht habe ich sogar einige dazu gewonnen.
Ich habe meinen Weg gefunden und kann für mich selber kann ich sagen, dass ich „angekommen bin“. Fehlt einfach nach meiner Scheidung (aus ganz anderen Gründen) nur noch die richtige Partnerin an meiner Seite. Aber dafür bin ich ja bei 50plus...

Ich habe diesen Bericht bewusst einfach und verständlich gehalten.
Gerne informiere ich aber auch detaillierter über Punkte, die euch besonders interessieren.
Fragt einfach hier im Forum oder mit persönlicher Mail.
Und schreibt doch auch mal über eure Erfahrungen und Erlebnisse.

Hanna
Ich bin wie ich bin...
    Viele glauben - andere müssen so sein - wie sie es sich selbst vorstellen - wie sie ihr Weltbild sehen - und es fällt ihnen schwer, Verständnis für "Anderes" aufzubringen.

    Für mich ist es immer schon wichtig gewesen einen respektvollen Umgang mit allen Menschen zu pflegen somit habe ich auch kein Problem mit Transgender-Personen.
    Viele glauben eben nur das Zwei-Geschlechter-Modell ist zu akzeptieren - und wie du selbst bereits erwähnt hast - gibt es eben in der NATUR nicht nur SCHARZ und WEISS.
    Es ist die Farbenpracht - die das Leben bunt und schön macht und die sollte man auch akzeptieren.
    Mich begeisterte daher auch die sachliche Art von Conchita Wurst - (ESC-Gewinnerin-aus Österreich) die sich dafür auch sehr einsetzt.

    Ich habe schon immer verstanden - dass keiner dafür kann - wie er geboren wurde - und ausserdem ist es mir egal welches Geschlecht andere Menschen haben - wichtig ist mir doch der Umgang miteinander und dazu gehört Verständnis und Toleranz.
Hanna, den Weg nach dem TSG willst Du nicht gehen? Wenn nein, ist auch okay; Wünsche Dir jedenfalls Wertschätzung und Akzeptanz
Nun ja, vor gar nicht allzu langer Zeit wusste kaum noch irgend jemand, dass es außer die zwei Ausgaben von Geschlechter und gar ihre Psychologie noch weitere existent sind! Wie sollte man sich da etwa anders vorstellen wollen? Oder gar verurteilen! 

Zugegeben, ich habe schon viele sogenannte tolerante Menschen begegnet, die sich sehr bald als die intoleranteste erwiesen haben. Gut reden kann man ja schön!


Meine einzige Erfahrung war mal ein Freund, der meine BH geklaut hat.
Am nächsten Tag bekam ich das Teil zurück, war ihm zu groß. 

Und dann zerbrach die Freundschaft, weil er neidisch war. 
Es gehört schon viel Mut dazu,…, @Hanna..,

sich hier so offen zu äußern… Chapeau…!

und ich hoffe für dich, dass dieser Thread nicht wieder „abgleitet“… und du die Antworten bekommst, die du dir erhoffst…
Einfach hier schon mal:
DANKE für die ersten Zuschriften.

Zur Frage, ob ich meinen Weg im Sinne des TSGs fortsetzen möchte:
Ich befinde mich (natürlich mit ärztlicher Begleitung) in der HRT (Hormontherapie), werde mich aber nicht operieren lassen, da das Risiko dieser nicht ganz unkomplizierten OP doch ziemlich hoch ist. Ich möchte der Rentenversicherung noch viele Jahre auf der Tasche liegen...

Übrigens kann ich - wenn ich möchte - auch heute schon nach zwei Gutachten m einen Personenstand auf "weiblich" ändern lassen und meinen weiblichen Vornamen offiziell annehmen. Der Gesetzgeber verlangt seit gut einem Jahr hierfür keine OP mehr.
Aber was würde es mir bringen?
Ich weiß wer und was ich bin - auch wenn's nicht im Ausweis steht.

Hanna
Wozu dient denn die Hormontherapie? Willst Dich hormonell entmannen und Dir Brüste wachsen lassen?

Du suchst eine Liebesbeziehung, Partnerschaft, mit einer Frau..wie möchtest Du die denn gestalten, was das leibliche Miteinander angeht?
@ Leio

du Ente...wozu wohl?

Und sei nicht so neugierig. Keiner guckt bei dir unter die Bettdecke. Wie mein bester Kollege zu sagen pflegt: "Ich weiss nicht, wie das geht, ich bade im Seerosenteich."

Diesen Satz habe ich mir gemerkt..... :D :D :D
Hannaos hat geschrieben: Einfach hier schon mal:
DANKE für die ersten Zuschriften.

Zur Frage, ob ich meinen Weg im Sinne des TSGs fortsetzen möchte:
Ich befinde mich (natürlich mit ärztlicher Begleitung) in der HRT (Hormontherapie), werde mich aber nicht operieren lassen, da das Risiko dieser nicht ganz unkomplizierten OP doch ziemlich hoch ist. Ich möchte der Rentenversicherung noch viele Jahre auf der Tasche liegen...

Übrigens kann ich - wenn ich möchte - auch heute schon nach zwei Gutachten m einen Personenstand auf "weiblich" ändern lassen und meinen weiblichen Vornamen offiziell annehmen. Der Gesetzgeber verlangt seit gut einem Jahr hierfür keine OP mehr.
Aber was würde es mir bringen?
Ich weiß wer und was ich bin - auch wenn's nicht im Ausweis steht.

Hanna

du hast wirklich Mut,finde ich toll
denke du hast deinen Weg gefunden für dich,so das du damit gut leben kannst und nur das zählt.
viel Erfolg auf deinem weiteren Weg wünsche ich dir
Mit 66 noch eine Hormontherapie...na ich weiß nicht, wozu soll das gut sein :?:

Tut mir leid, aber ich kann das ganze "Problem" nicht nachvollziehen.
Verstehe auch nicht, warum Mann/Frau hier die Öffentlichkeit damit konfrontiert.
Sollte doch jeder mit sich selbst ausmachen, oder mit seinem Therapeuten...
Na ja, wenn man sich im falschen Körper gefangen fühlt, kann es durchaus ein Aspekt der Befreiung sein, da spielt dann das Alter keine Rolle
Das beste Beispiel aus der Promiwelt ist doch der Stiefvater von der Kardashian. Aus Mann wurde eine tolle Frau. Die ganze Familie stand hinter ihm. So soll es sein !!
mir ist es egal zu welchem Geschlecht sich ein Mensch zugehörig fühlt .....
entweder mir ist ein Mensch sympatisch oder halt nicht - und wenn nicht, dann halte ich Abstand....

so viel ich weiß, haben solche Menschen oft eine lange Leidenszeit hinter sich bis sie ihre Identität gefunden haben.....
Warum soll man sich nicht hier darüber unterhalten?
Vielleicht sind einige hier, denen es genauso geht, oder ging.
Und mit 66 Jahren, ist das Leben noch lange nicht vorbei (hoffendlich) um richtig glücklich zu sein?
Therapeuten sind nur Theorie,  die nicht aus eigener Erfahrung sprechen können 
und das Frankenmädle,  wünscht Hanna   besonders viel Gluck  :)
Auf einige Beiträge hier möchte ich nicht en detail reagieren, da es ganz einfach zu intim wird.

Partnerschaften sind übrigens sehr wohl möglich. Sogar ein großer Teil der mir bekannten Transgender (Mann zu Frau) ist verheitatet oder liiert. Bemerkenswert ist, dass diese Beziehungen fast alle ausgesprochen harmonisch sind. Aber darüber schrieb ich ja in meinem Eröffnungsthread schon.

Ergänzend sei gesagt, dass ich die Hormontherapie nicht erst mit 66 begonnen habe. Diese Therrapie begleitet Transexuelle das Leben lang, da in eigenem Körper kein (bzw. nur sehr wenig) Östrogen produziert wird. Die gegengeschlechtlichen Hormone führen nicht nur zu körperlichen Veränderungen , sondern vor allem zu einem Gleichgewicht zwischen Seele und Körper. Die Menschen sind wieder ausgeglichen, zufrieden und oftmals sogar glücklich.

Warum ich offen über all dies schreibe?
Natürlich weil es mich bewegt, weil ich mir selber (auch wieder) ein Lebenspartnerin wünsche.
Aber auch, weil es allgemein noch ein großes Informationsdefizit über Trans* gibt. Unbekannten Dingen stehen Menschen nun mal skeptisch oder hilflos gegenüber.
Dass Informationen und Aufklärung viel bewirken können, haben uns Homosexuelle gezeigt. Vor noch garnicht langer Zeit wurden sie nach $175 verhaftet und eingesperrt. Heute bekleiden sie hohe Ämter in Politik und Wirtschaft.

Liebe Grüße

Hanna