dick01 hat geschrieben: Erst Yimas und dann Schwyzerdütsch, traurig aber wahr.

Yimas ist eine Sprache in Papua-Neuguinea. Sie wird noch von etwa 300 Personen in einem Seitental des Karawari gesprochen.

Das steht in dem Link, und es macht mich nachdenklich.

So hatte ich 2018 in zwei Seitentälern des Rhein (genauer: Seitentälern des Neckar-Seitentales) Gelegenheit zu ausgiebigen Sprachstudien des indigenen Hohenlohischen, einer Abart des Fränkischen (und eben nicht des Schwäbischen, wie von oberflächlichen Touristen gerne behauptet). Die Eingeborenen nennen ihre Heimat selbstbewusst „Region der Weltmarktführer“ (u.a. nach ihrer Schraubenfabrikation) und wirken auch gar nicht so hinterwäldlerisch, zumal sie einen der Ihren letztes Jahr tatsächlich für mehrere Monate auf die Umlaufbahn geschossen haben.

Sie reden (das Schwätzen überlassen sie den Schwaben) in ihrer eigentümlichen Sprache (die bei näherem Hinhören natürlich ein Gemisch –aber eben ein eigentümliches- darstellt), und es klingt nicht so, als hätten sie vor, in absehbarer Zeit davon abzulassen. Es sei nicht unerwähnt, dass die Bewohner des gesamten Bundeslandes von sich behaupten, sie könnten alles – außer eben Hochdeutsch. Und wenn man sich nur mal den von der Umlaufbahn (als pars pro toto) so anschaut, dann ist man geneigt ihnen Recht zu geben.

Natürlich ist Sprache an Menschen gekoppelt, und sowohl sie als auch sie können sich innert weniger Generationen gewaltig ändern. Im Verlauf meiner Wanderungen in den deutschen Gefilden hat sich in mir aber der Eindruck verfestigt, dass Deutschland sehr viele Seitentäler hat, um nicht zu sagen: abseits der urbanen Metropolen (d.h. abseits von dort, wo Wissenschaftler und andere "Denk-Tanks" ihre Thesen aufstellen) besteht Deutschland eigentlich nur aus Seitentälern.

Und bereits ein kleiner Wochenendausflug kann zeigen, dass diese Seitentäler voller Leben sind. Wie gesagt: kann, nicht muss. Aber „Region“ ist nicht nur das, was der Bürger, anstatt im Supermarkt, pflichtschuldig auf dem Wochenmarkt einkauft. „Region“ ist ebenso Rückzugsraum von Menschen, die sich zwar in ihrem Broterwerb dem Zeitgeist, auch dem sprachlichen, ergeben. Die aber abseits davon sich ihrer kulturellen Wurzeln bewusst sind, und diese pflegen.

Auch das kann eine Zeiterscheinung sein. Wenn ich noch mal auf die Welt komme, dann möchte ich gerne Sprachstudien im ansässigen Nährstand machen. Kann sein, dass sie es dann Pidgin nennen.
Aber es wird ein ausgesprochen regionales Pidgin sein.
Marzipanchilli hat geschrieben: @Shekinah
Hier ist vor allem der Genitiv sehr unbeliebt, der oft durch den Dativ ersetzt wird. ( Siehe Buch: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod")
Traurig, dass auch "Muttersprachler", diese Fälle verwechseln. Aber auch in Presse und TV wird der Genitiv stiefmütterlich verunglimpft

Stimmt genau, kaum ein "deutscher" Film ohne Sprachvergewaltigung.

Es regt mich auf, wenn "Professionelle", deren wichtigstes Handwerkszeug die Sprache ist, zu blöd sind, diese aufs Gröbste und voller Wurstigkeit verwenden.
Zeigt es doch, dass sie ihren Job nicht ernst nehmen und einfach nur ihren Dienst irgendwie erledigen.

Besonders unser Radiosender NDR 1, Welle Nord, ist da ein Glanzlicht, bzw.
mehrere Moderatoren des Senders. Dativ/Genitiv .... wie unkreativ. Da gibt es in den Verkehrsnachrichten "Liegenbleiber", "kaputte Autos", "einzigste Baustelle auf der Strecke" usw..

Unfähig und unwillig!
Es graust einen. Und ärgert doppelt, wenn die nächste GEZ-Rechnung bezahlt werden muss.

Marzipanchilli hat geschrieben: (…)irgendwann sogar aus der Grammatik verschwindet ...vielleicht sogar offiziell verbannt wird, per Reform

Ds wird nicht mehr lange dauern.
So, wie vor ein paar Jahren das "zu" beim "brauchen" weggewischt wurde.
Wir erinnern uns sicherlich an den alten Schüler-Merksatz: "Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen überhaupt nicht zu gebrauchen."

Und nicht nur das! Es gibt neben, Twitter- und anderen netzwerkverdorbenen (jungen) Menschen sehr, sehr viele Lehrer, die meinen, Rechtschreibung würde maßlos überschätzt. Die Botschaft würde doch zählen, alles andere sei Nebensache und entbehrlich.
Nachtrag:

ich sehe gerade, dass ich beim Ändern einer Textzeile einen Fehler gemacht habe.
Da jedoch abgesandte Texte nicht mehr korrigiert werden können (warum eigentlich nicht?), radiert bitte den Fehler aus. Danke
Marzipanchilli@! Ich hab bemerkt, daß man nach der neuen Rechtschreibung oft beides: den Genitiv oder den Dativ -verwenden darf.

Prinzipiell bin ich gegen unnötige Anglizismen.
Werbung verwendet gern englische Worte, um einen modernen Bezug anzudeuten.

Aber ansonsten wird der Horizont durch Fremdsprachen sehr stark erweitert:
Es machte mir Spaß, in Rom mit einer Italienerin zu plaudern und in London mit Engländern!

Auch in Wien gehe ich auf Fremde zu, die den Weg suchen. Nur bei Russen und Gästen aus dem Osten muß Englisch weiterhelfen....

Im Kindergarten meines Enkels sind Kinder aus verschiedenen Ländern:
Sie verständigen einand - unerwartet gut- mit Englisch!
Ich hoffe, daß er auch gut genug Deutsch lernt - und Wienerisch! :-)
Im weltweiten Flugverkehr ist Englisch auch unverzichtbar.
Zu den De-englischen Ausdrücken im Freizeitbereich habe ich mir bei Dies + Das (Reimerei, selbst erdacht.... Seite 115) schon Gedanken gemacht, (3-tlg.)
Vielleicht erheitert sich jemand. :wink:
So Handgelenk mal Pi in absehbaren Jährchen kann es doch allen hier ziemlich Conchita sein, wie mit der deutschen Sprache umgegangen wird oder will jemand die Sprache mit ins Grab nehmen. Naja, Problemchen kann man sich natürlich selber machen, damit es nicht zu langweilig wird.
Après nous le déluge - nach uns die Sintflut.

Kann man sich als Weltanschauung vielleicht leisten, gerade in der Schweiz:
Das klassische Land der Seitentäler (mit paar Bergen dazwischen), jedes ein eigener Kanton mit eigener Käsesorte und eigenem Dialekt.
Und hoch wie der Ararat.

Ist mir trotzdem zu fatalistisch.
"Problemchen", hoffentlich würgt Shekinah den Starter für ihren Hexenbesen in diesem Leben nicht ab!
Es hat mir SPASS gemacht, über den Thread-Titel zu dichten. :wink:
Ok wir können ja dann im Jenseits nochmals darüber reden, was letzendlich wirklich so schützenswert an der Sprache war. Vielleicht spricht bis dann ja längst keiner mehr deutsch, vor allem jene, welche diese Sprache gar nicht kennen. Ich habe ja nichts gegen ein möglichst gutes Deutsch, aber nicht als Gipfelkreuz des Ararat, dort läuft nämlich die deutsche Sprache ohnehin unter ferner liefen.
genau so ist es, und das Schwyzerdütsch läuft noch fernerer
..........müßt ja eigentlich auch ganz interessant klingen, so ein verdenglischtes Schwyzerdütsch :wink:
Schwyzerdütsch gibt es nur im Kanton Schwyz. Schwizerdütsch gibt es ja im Grunde gar nicht, denn es gibt so viele Dialekte wie Regionen. Die einzige gemeinsame deutsche Sprache der Schweizer ist Hauchdeutsch (kein Tippfehler, Absicht). "Mein" Germanistiker hat das so genannt und der beherrschte (genau wie seine beiden Söhne als Germanistiker) die deutsche Sprache bestimmt wesentlich besser als alle hier, die dauernd um den Zerfall ihrer ach so schönen Sprache jammern. Jeder soll halt für sich das Beste geben diesbezüglich und was die andern machen ist dann derer Ding.

Auch mit dem allerschönsten Deutsch ist die Welt gerade dabei, zu Grunde zu gehen. Schönes Deutsch hilft dann vielleicht, sich davon abzulenken...
ich frag mich ja nur, warum du ausgerechnet hier herumstänkern mußt, wenn die Welt doch grad dabei ist, zugrunde zu gehen.

Meinst du es hat großen Einfluß auf den Fortbestand der Welt, ob (oder nicht) sich hier ein paar Menschen Gedanken über ihre Sprache machen?
Ezerdla! Das ist doch nur Rhetorik.
Aber recht gut in diesen Kontext passt die aktuelle Meldung des Statistischen Bundesamtes: Seit 1992/93 hat die Zahl der Privatschulen um 81 % zugenommen!!
https://www.welt.de/newsticker/news2/ar ... iegen.html
Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der öffentlichen Schulen ganz massiv, vom Lehrermangel einmal abgesehen.
Es besuchen ca. 9% der Kinder Privatschulen, es sind sogar 20% mit Akademikern als Eltern. Bei dem notwendigen monatlichen Obolus ist die Frage nach dem Durchschnittseinkommen auch schnell beantwortet; die 50% der Haushalte in Deutschland, deren Gesamtvermögen unter 51.000 € liegt, sind nicht besonders stark vertreten. Aber dafür lernen sie Rechtschreibung nach Gehör! Beim Kiezdeutsch vielleicht sogar ein Vorteil. Und die Deutsche Sprache? Die ist sowieso bald weg. Und im Berufsleben? Da suchen die Privatschüler sich dann ihre hochqualifizierten Mitarbeiter im Ausland.
Was will ich damit ausdrücken: Erziehung heißt "fordern und fördern"! Dazu gehört auch ein korrektes Deutsch. Ohne die Anforderung ist auch keine Förderung notwendig und die vorhandenen Benachteiligungen werden zementiert, ja sogar noch verstärkt.
Seltsam, ich habe nicht in der Schule deutsch gelernt, das habe ich durch sehr viel Druckenschwärze schon vor meiner Einschulung gelernt. Lesen, lesen, lesen und schon brauchts keine Deutschlehrer mehr, die Deutsch selber nicht beherrschen. Ja darf auch der Nebelspalter sein.
dein dauerndes Gequatsche über den Nebelspalter hat mir jetzt doch noch einen angenehmen Tagesausklang beschert
https://www.nebelspalter.ch/artikel/201 ... zone!.html

Danke Shekinah!
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