Schade, jetzt hatte ich meinen Text schon geschrieben und plötzlich war er verschwunden. Verschwunden im Äther.

Deshalb noch einmal: Dir Gundulabella herzlichen Dank für die beiden links.Die Unterscheidung zwischen den Grundgefühlen und den Emotionen hat mir Anlass zum Nachdenken gegeben. Die Erkenntnis, dass unsere Grundgefühle (Trauer, Freude, Angst etc.) unsere wahren Gefühle sind und die Emotionen die Summe aus unseren Grundgefühlen und die durch unseren Verstand gesteuerten Gefühle sind, die zum Teil aus uns von unseren Eltern eingeimpften Glaubenssätzen und zum anderen aus unseren eigenen Lebenserkenntnissen (falsch oder richtig geschlussfolgert) bestehen, läßt mich mir gegenüber aufmerksamer werden.

Dieser Thread macht Spaß!
@Gundi und @digeridoo

Die Kindheit ist ja die Phase des Lebens, wo wir besonders verwundbar und abhängig sind und vieles was da geschieht, bestimmt heute unser Gefühlsleben. Daher sind die Gefühle, die wir verspüren, nicht zufällig da. Manchmal brechen die Gefühle über uns herein wie eine Flutwelle. Es ist schon merkwürdig, dass negative Emotionen, wie Traurigkeit, länger anhalten, als das Gefühl von Glück.
Emotionen kann man niemals ganz verbergen und wer Gefühle zeigt, macht sich deshalb auch leichter angreifbar. Und darum haben viele Menschen Angst Gefühle zuzulassen, sie haben Angst für schwach gehalten zu werden. Und über Gefühle reden.......... das scheint genauso schwer zu fallen.
Ich habe damit keine Probleme. Für mich sind Gefühle weder gut, noch schlecht, sie sind einfach nur menschlich. Wir lachen, weinen und wir dürfen auch mal wütend sein.
Gefühle sind Öffnungen unseres Ichs, durch die wir mit allem in Beziehung treten können. Fühlend sind wir mit der Natur und anderen Menschen verbunden.

„Emotionen sind der Strohhalm, mit dem der Drink des Lebens umgerührt wird“, Die emotionale Entwicklung von der Jugend bis ins hohe Alter ist ein Prozess, der zu jedem Zeitpunkt gleichzeitig Verluste und Gewinne umfasst. Gewinne unter der Voraussetzung, dass man seelisch und geistig gesund bleibt".
(Robert Levenson)
ja - wenn wir uns "bedeckt " halten - dann sind wir weniger angreifbar.....

dennoch brauchen wir Menschen, die unsere Gefühle verstehen und damit gleichzeitig uns verstehen - wenn das nicht der Fall ist, werden wir unsicher oder passiv in unseren Entscheidungen und Gedanken - eben weil uns halt die Resonanz anderer Menschen fehlt........
im virtuellen Raum ist es schwierig - manchmal sogar gefährlich sich zu öffnen, da kein persönlicher Kontakt da ist und man die Körpersprache der Anderen nicht sieht....
deshalb verstehe ich inzwischen die Mißverständnisse, die aus einem einfachen Beitrag entstehen können....

Gewinn entsteht dann, wenn man etwas verstanden hat und ich glaube, lernen kann man nur aus dem Verstehen heraus.....und ich glaube, dass dieses sich selber und Andere "Verstehen können" bis ins hohe Alter erhalten werden kann.....

vielleicht ist das eines der Geschenke, das uns das Alter gibt..... :wink:
@melissa 56
Nur mal als erstes, spontanes Statement fällt mir ein, dass man u.U. Emotionen unter Kontrolle haben kann, den Verstand kann man nicht ausschalten.  

Ich denke, es ist gerade umgekehrt, die Emotion kommt spontan, weil man diese Bewegung
nicht mehr halten kann, das Mass ist voll.
Das Denken über den Vorfall müsste folgen um über diese unerwartete Emotion Klarheit zu bekommen.

Wenn der Mensch seine Emotionen zu unterdrücken versucht, also den Verstand gegen die Emotion bedienen zu wollen, kann dies in einer Sache mal gut gehen aber auf die Dauer wird der Mensch zum Roboter, wenn er versucht sich eine Strategie zuzulegen, wie er Emotionen erfolgreich unterdrücken kann.

Der Mensch der dies so lebt, so leben kann, wirkt nicht authentisch, ja man könnte sagen, er lebt in seinem eigenen Kokon und bleibt ne Puppe, eine Larve.

(Eine Puppe bezeichnet in der Zoologie ein morphologisch klar abgegrenztes, meist fast oder völlig bewegungsloses Übergangsstadium zwischen der Insekten-Larve und dem geschlechtsreifen Vollinsekt (Imago). Wiki
@mehusae

Ja, ein Mensch ohne Emotionen ist ein Roboter, so sehe ich das auch.
Aber je vielseitiger seine Erfahrungen sind und je nach dem, wie bewusst er diese reflektiert hat, desto mehr Sicherheit findet der Mensch in seinen Emotionen, so dass er in der Lage ist, je nach Situation unterschiedliche Emotionen zu äußern, wie z.B. Politiker. Von denen wird erwartet, dass sie sich auf Knopfdruck begeistern oder betroffen zeigen können, ob sie das auch so fühlen,
ist eine andere Sache. Oder bei einem Verkaufsgespräch sind positive Emotionen ein
elementarer Bestandteil jeder guten Verkaufsshow.
Ich kann also meine Emotionen erfolgreich (eine gewisse Zeit) managen.

Die aktuelle Gehirnforschung belegt, dass Gefühle unser Leben häufiger dominieren, als unserem Verstand das lieb ist. Über 95% unserer Entscheidungen und Handlungen sind emotional gesteuert, ein Leben ganz ohne Emotionen oder Gefühle ist also gar nicht möglich – wer würde das
auch wollen.

@Gundi

Ich halte eine gelungene Kommunikation für eine hohe Kunst und sie gelingt nicht immer, denn das Internet ist keine benimmfreie Zone.

Man braucht schon Vertrauen, um tiefer gehende Gefühle überhaupt erst zulassen zu können und das ist auf der rein virtuellen Ebene schwierig. Besonders, wenn es um Beziehungen geht. Denn im Grunde genommen ist man sich fremd, auch wenn der andere einem schon viele intime Geheimnisse offenbart hat. Mit diesem Wissen umzugehen und sich dann unbefangen zu begegnen, dürfte eher eine Katastrophe werden.
Kennenlernen im Internet ist wunderbar, wenn sie dem Informationsaustausch und der
Freundschaft diene.
das ist richtig.....
und dennoch sage ich:
lieber ab und zu mit dem Schäufelchen eines drauf bekommen als sich ganz abzugrenzen.....

bei mir ist es so, dass ich mich jeden Tag freue, mich hier unterhalten zu können - auch wenn es in diesem virtuellen Raum immer wieder Mißverständnisse gibt.....
und nach einem Internet-Austausch kommt dann doch ab und zu die Realität dazu.....da war ich manchmal schon verblüfft, wie verschieden sich die Leute in der Realität zeigen..... :wink:
mehusae hat geschrieben: @melissa 56
Nur mal als erstes, spontanes Statement fällt mir ein, dass man u.U. Emotionen unter Kontrolle haben kann, den Verstand kann man nicht ausschalten.  

Ich denke, es ist gerade umgekehrt, die Emotion kommt spontan, weil man diese Bewegung
nicht mehr halten kann, das Mass ist voll.
Das Denken über den Vorfall müsste folgen um über diese unerwartete Emotion Klarheit zu bekommen.

Wenn der Mensch seine Emotionen zu unterdrücken versucht, also den Verstand gegen die Emotion bedienen zu wollen, kann dies in einer Sache mal gut gehen aber auf die Dauer wird der Mensch zum Roboter, wenn er versucht sich eine Strategie zuzulegen, wie er Emotionen erfolgreich unterdrücken kann.

Der Mensch der dies so lebt, so leben kann, wirkt nicht authentisch, ja man könnte sagen, er lebt in seinem eigenen Kokon und bleibt ne Puppe, eine Larve.

(Eine Puppe bezeichnet in der Zoologie ein morphologisch klar abgegrenztes, meist fast oder völlig bewegungsloses Übergangsstadium zwischen der Insekten-Larve und dem geschlechtsreifen Vollinsekt (Imago). Wiki




 Das mag vielleicht zeitweise zutreffen, aber ich behaupte nach wie vor, daß einem in Grenzsituationen oder bei Lebensgefahr nur der Verstand hilft, und die Gefühle unterdrückt werden müssen. 


Ein persönliches Beispiel:  
3 Frauen (darunter auch ich), mit wegen längerer , schwerer Krankheiten zum Tode geweihten Ehemännern:  
Über einen einen Zeitraum von ein paar Jahren war es der Verstand, der uns zusammenhielt.
Wir haben uns gegenseitig täglich geschrieben und uns aufgebaut, sehen ging ja wegen der Pflege nicht,  aber wir mussten auch wegen der Angehörigen die Gefühle abschalten, sonst steht man so ein Grauen, wie es oft war, nicht über einen längeren Zeitraum durch. Danach war ich allerdings wie versteinert und es dauerte länger, bis sich die Gefühle wieder Platz machen konnten. 



Oder bei Krisenmanagement: Da nutzen dir Gefühle herzlich wenig
da heißt es, zu funktionieren

 

 
Und wer oder was re- agiert, wenn Menschen anderen, die in einer Unglückssituation sind oder angegriffen/überfallen werden, ohne nachzudenken - ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit, spontan einfach - helfen?

Immer wenn mir die Worte Emotion und Gefühl über den Weg kamen, hab ich schon mal geforscht nach der eigentlichen Bedeutung. Dass Emotion also mehr oder etwas anderes meint als das Fach- bzw. Fremdwort für Gefühl - schon länger verstanden. Und -
Wiki meint, Gefühl ist eine Funkton der Psyche - ich kann fühlen, okay
und Emotion oder auch Affekt beschreibt ein Phänomen (?) :roll:, also das Wie / wenn ich emotional reagiere? Also gefühlsmässig meint - emotional?
Oder geht da alles ein bisschen durcheinander?
Der Groschen ist wohl immer noch nicht gefallen.
Aber es (der Verstand?) arbeitet. :)

Und zu Verstand und Gefühl muss ich noch einwenden, dass es da für mich kein
"der Mensch" gibt. Ich beobachte immer wieder dass bei vielen das eine oder das andere überwiegt - siehe unsere Bundeskanzlerin - ziemlich sicher - eher verstandesorientiert, A.M. und in erster Linie "so" regierend. Vielleicht würden die Gehirnforscher bei ihr ganz andere Ströme fliessen sehen (besonders in der linken Hirnhälfte :wink: ) als bei einem mit einem "grossen Herzen" wie man so sagt, also Nelson Mandela wohl einer war z.B., oder einem der grossen Künstler.
Nur schnell auf die Kürze:
Nelson Mandela hätte die lange Haft sicher nicht durchgestanden, wenn er sich von seinen Gefühlen hätte leiten lassen.  
das glaube ich nicht, denn sein stärkstes Gefühl war, dass er den Menschen in seinem Land helfen wollte.....
wenn er sich mit seinem Verstand gesagt hätte:
"ich werde bis zum Ende meines Lebens im Gefängnis bleiben - ohne Hoffnung herauszukommen - ohne Hoffnung meinem Land helfen zu können" - dann hätte er wahrscheinlich diese langen Jahre nicht überstanden.......

Gefühle sind der Anstoß - erst danach versucht unser Verstand, Wege zu finden, unsere gefühlsbedingten Wahrnehmungen/Pläne/Ziele zu verwirklichen.......
Ich sehe das genauso, wie @Gundi
Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt es. Wir brauchen Hoffnung, um uns in der Welt nicht
ausgeliefert zu fühlen. Wenn das Gute und Sinnvolle zum Leben verführen, so verführen sie auch zum kraftvollen Hoffen. Hoffnung beruhigt Zukunftsängste, wenn wir der Hoffnung vertrauen, entwickeln wir Optimismus. Mandela war eine starke Persönlichkeit mit unzerstörbaren Lebenswillen und einem außergewöhnlichen Selbstvertrauen. 

Politik ist ja so ein Thema für sich. Man bringt sie vor allem mit der Vernunft in Zusammenhang.
Emotionen in der Politik, das hat einen schlechten Klang.
Denken wir mal an die Bankenkrise, sie wurde überführt in eine Furcht vor der Gier von Bankmanagern oder Hedgefonds-Managern. Das ist die Form von emotionaler Politik, abstrakte Probleme werden sicherheitstechnisch überführt in sehr konkrete Furcht vor etwas, und häufig in Bezug auf Personalisierung.
Natürlich werden Emotionen auch kalkuliert eingesetzt. In den Augenblicken, in denen Politiker emotional und bürgerverbunden rüberkommen wollen, da wird dann eine andere Sprache genutzt.
es ist nicht nur die "Hoffnung"
wenn "Gefühle" sehr stark sind, dann sucht der Verstand Lösungen ....und er sucht - und sucht - und sucht - und sucht.....solange bis er eine Lösung gefunden hat....

und das gilt meiner Meinung nach für alle Gefühle.....egal in welchem Bereich wir sie haben.....
wenn Gefühle stark sind und wir sie umsetzen wollen - egal wo - auch im Geschäftsleben - dann werden wir Erfolg haben....
wenn wir aber "etwas nicht gerne machen wollen" - d.h. wenn wir weder Gefühle noch Gedanken an eine Sache verschwenden wollen, weil sie uns zuwider ist - dann werden wir auf diesem Gebiet KEINEN Erfolg haben.....
erinnert euch - das war schon in der Schule so !..... :wink:
Ich erinnere mich, es war schon in der Schule so, dass dort viele erfolglos waren, weil sie überfordert waren und viele erfolglos waren, weil sie unterfordert waren. Starke Gefühle waren dann eher die Folge der Erfolglosigkeit als die Erfolglosigkeit die Folge von fehlen den Gefühlen.

Aber vielleicht sieht Hüther das ja anders...
@Sheki , ich sage mal körperliche oder seelische Beschwerden werden sich dann einstellen,
Wut und Aggressivität kommt dazu und man wird die Schule immer mit negativen Gefühlen in Zusammenhang bringen, wie Versagensangst und Verzweiflung.
Bin kein Pädagoge, auch der Name Hüther sagt mir nichts, und auch als Mutter bin ich mit solchen Problemen nicht konfrontiert worden, ich schrieb das einfach nach Gefühl. :wink:
Du kannst da sicher mehr zu sagen.

Gefühle zu unterdrücken ist möglich und für manche Lebensphasen eine wichtige Überlebensstrategie.  (Ich denke da an den Kommentar von Melissa)
Gefühle steuern viele unserer Handlungen.
Man kann sich bestimmt noch an seine Prüfungsangst erinnern. Das Herz klopft, die Hände
werden feucht, man wird zappelig oder ist wie gelähmt und ein Unbeteiligter würde unseren
Zustand wahrnehmen. Daran sieht man, eine Emotion ist also auch etwas sehr Weitreichendes, es erlangt unsere Aufmerksamkeit, beeinflusst unser Denkvermögen und unsere Selbsteinschätzung.
Allerdings können sie auch vernünftige Abwägungen durcheinander bringen und Menschen unberechenbar machen............ein hitziger Streit wird wenig zur Problemlösung beitragen oder
die Prüfungsangst, sie kann eher verhindern das Gelernte zur Geltung zu bringen.
Hier meine Gedanken zum Thema.

Verstand oder Emotionen, für mich eher Verstand mit Emotionen, aber gerne auch umgekehrt. Ich denke, es ist eine präzise, nennenswerte Trennung nicht möglich. Keines ohne das andere.
Nun mein Vorschlag. Wenn beides nun ein und dasselbe ist?

Das was wir über unsere Ratio verarbeiten, das nenne ich Verstand und das, was stark gefühlsmäßig empfunden wird, nenne ich Emotionen. Doch wir leben das Konglomerat aus beiden Bereichen.

Zwei Äpfel aus der Obsttheke entnehmen sind zunächst ein ziemlich rationeller Vorgang, 2 Äpfel, ganz einfach.
Doch nach dem 1. Apfel mit der Armbrust vom Kopf des Sohnes Walter geschossen wäre ein 2. Apfel ganz bestimmt in einer unermesslichen Emotion gelandet.

Deshalb meine ich, dass unser gesamter bewusster Zustand immer beides in sich birgt und wir entscheiden von Fall zu Fall, in welche Rubrik die Situation, das Geschehen jeweils einzuordnen sind.
Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass der größte Teil des Lebens zwischen diesen beiden Bereichen stattfindet, also bei der schwarz - weiß Metapher sich im Grau Bereich befindet. Wir switschen sogar in einer Sache mehrmals hin und her.
Wie wir es im Ergebnis einordnen hängt bestimmt jeweils von der gegebenen Lastigkeit ab.