Manchmal tritt es schneller ein als man denkt. Die Eltern werden älter und sind plötzlich zunehmend auf Hilfe angewiesen. Es kommt zu einem Rollentausch ... jetzt sind wir es, die gefordert sind und sich kümmern müssen. Die Selbständigkeit der Eltern geht zunehmend verloren und wir müssen ihren Alltag irgendwann komplett organisieren.
Anfangs ist das für uns völlig selbstverständlich. Aber irgendwann wird es kompliziert, den eigenen Alltag, den Beruf, Freunde und Familie mit dieser Situation in Einklang zu bringen. Es gibt Gefühle von Scham, Schuld, Wut, Hilflosigkeit und Überforderung. Wie schafft man es, sich in dieser Situation gelegentlich abzugrenzen und für sich selbst zu sorgen?
    Wenn man für die Eltern gerne da ist und helfen will - ist eines ganz wichtig - auf sich selbst dabei nicht zu vergessen, - denn, wenn es einem selbst nicht gut geht damit - wie sollte man dann anderen vernünftig helfen können.
    Man sollte natürlich helfen - man muss es aber nicht selbst tun.
    Hilfe zu holen ist wichtig - denn kein Kind sollte sich für seine Eltern aufopfern.
    Man sollte sich auch etwas abgrenzen können - sonst zerbricht man an dieser Hilfestellung - !
    Selbstverständlich ist sie nämlich nicht - aber wir lieben unsere Eltern und deswegen - wollen wir auch helfen.

    Wie man es schafft sich abzugrenzen?
    Ja - versuchen andere Hilfe anzunehmen und selbst in dieser Zeit auf Abstand zu gehen - nicht alles kontrollieren - nicht andauernd anrufen - wirklich den Abstand einhalten und wieder Kräfte sammeln zu können - für die weitere Unterstützung.
. Es gibt Gefühle von Scham, Schuld, Wut, Hilflosigkeit und Überforderung. Wie schafft man es, sich in dieser Situation gelegentlich abzugrenzen und für sich selbst zu sorgen?[/quote]

Hallo

das ist der Punkt,die aufsteigenden Gefühle,wenn aus dem SOLL ein MUSS wird

Es gibt keinen Grund für die negativen Gefühle, du willst das Beste für deine Eltern, aber du bist nicht für sie verantwortlich.
Sorge, wenn du kannst mit, dass sie gut versorgt sind und dann lebe dein Leben weiter. Schau nach Ihnen (zu Besuch) wie vorher aber ändere nicht dein komplettes Leben, denn das wirft dich in eine Gefühlsabhängigkeit zu deinen Eltern, die die nicht gut tun wird.
Wir neigen dazu, dann in die Rolle der "Überkinder"zu fallen und das schafft kaum ein Kind. Auch werden wir von der Gesellschaft evtl angegriffen"Die kümmert sich nicht" aber dass alles ist nicht dein Problem u deine Aufgabe....lass dir kein schlechtes Gewissen einreden.....du tust was du in der Lage bist zu tun zum Wohle aller und da ist deins dir am nächsten.
Eine völlig überforderte Tochter bringt keine guten liebevollen Gefühle mehr mit zu den Eltern sondern nur Pflicht......bleib bei dir, dann ist allen am besten geholfen
wünsche dir ein gutes Ankommen bei dir selber
Kann ich voll zustimmen


bei sich selber bleiben und von anderen kein schlechtes Gewissen machen lassen
Nein, meine Kinder sind nicht dafür verantwortlich, für mich zu sorgen - so es denn nötig wird!
Ich habe mir Hilfe organisiert - manchmal mehr, manchmal weniger. Und ich freue mich jedes Mal sehr, wenn eines meiner Kinder mich besucht und sich erkundigt, wie es mir geht. Ich weiss, dass ich im Notfall jederzeit anrufen darf und dass dann in Kürze Hilfe kommt. Eine meiner Töchter - so sie es möglich machen können - oder jemand, den sie mir schicken. Aber dass sie für mich sorgen - nein, das möchte ich nicht.

Sollte ich pflegebedürftig werden, würde ich selber in ein Pflegeheim eintreten. So lange ich aber mit meinen guten Hilfen daheim leben kann, werde ich das mit Freude tun. Und - wie wohl alle - hoffe ich, eines Tages hier "herauszusterben".... das wär gut.-
oldlady, so wie du denken wohl die wenigsten. Meinen Respekt hast du!

Nun bin ich ja "erst" 62, aber für mich wäre es auch ein Graus, wenn meine Kinder später für mich sorgen müssten. Sie führen doch ihr eigenes Leben.
Und aufrechnen werde ich auch nicht - so nach dem Motto, dass ich früher für sie gesorgt habe und dann sie dran wären.
Ich habe als Kind schon erfahren dürfen, wie es ist, die Oma bis zu ihrem Tod zu Hause zu pflegen. Ich durfte in ihrer letzten Stunde bei ihr sein und sie hat mich kurz vor ihrem Tod noch einmal klar angeschaut, bevor sie für immer ihre Augen geschlossen hat. Das habe ich nie vergessen und Jahre später war ich dankbar dafür.
Meine Großtante, die für mich wie eine zweite Mutter war, wollte in ein Pflegeheim. Sie hatte keine eigene Kinder und ich lebte zu diesem Zeitpunkt allein mit zwei kleinen Kindern und Berufstätig. Trotzdem habe ich sie fast täglich im Heim besucht. Was ich da erlebt habe, hat mich in nach hinein mein Leben verändert.
Sie lebte nur noch 3 Monate und davon war sie auch öfter im Krankenhaus.
Sie wurde mit Medikamenten vollgepumpt, damit sie ruhig blieb. Ihr wurde nur das Essen und Trinken hin gestellt und sie musste schaun, wie sie zu recht kam.
Da ich fast jeden Tag da war, habe ich auch viel mit bekommen, wie das Pflegepersonal mit ihr umgingen. Ich habe über 10 Jahre mir Vorwürfe gemacht, dass ich nicht mehr für sie da sein konnte. Denn sie war immer für mich dagewesen.
Ab da stand für mich fest, von meiner Familie geht keiner mehr ins Heim.
Wieder Jahre später, habe ich meine Schwiegermutter kurze Zeit zu Hause gepflegt. Und wir kamen uns nach vielen nicht so schönen Jahren, sehr nah. Sie ging, als ich an ihrem Bett saß. Das war ein gutes Gefühl für mich und ich denke auch für sie. Alle anderen aus der Familie war die Situation nur eine Belastung, die sie schnell los werden wollten.

Nach meiner Trennung, habe ich noch einmal eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht.
Ich habe fast sieben Jahre im Ambulanten Pflegedienst gearbeitet. So durfte ich erleben, wie schwierig es werden kann, wenn man die Eltern oder den Partner zu Hause pflegt. Aber in den meisten Fällen, waren die Pflegebedürftige sehr dankbar, dass sie in ihren eigenen vier Wänden leben durften. Es gibt natürlich auch Grenzen, wo es nicht mehr geht.
Dann sollte man wirklich nach einem guten Heim Ausschau halten.

Meine Situation ist jetzt, dass ich mich 2016 entschlossen habe, in die Nähe meiner Mutter zu ziehen, um für sie da zu sein.
Ende 2017 hat sie sich dann einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen.
So habe ich sie jetzt ganz zu mir genommen.
Und ich muss sagen, es geht mit der Zeit immer besser. Natürlich muss ich auf mich selbst achten, aber jetzt, wo ich sie bei mir habe, geht es leichter für mich. Ich sehe jeden Tag, wie es ihr geht und so mit habe ich dann auch die Freiheit, meine Interessen nach zugehen.
Ich muss dazu sagen, dass seit 2017 für die Pflege mehr getan wird.
So kann ich jetzt zu Hause bleiben und die Pflegekasse zahlt meine Beiträge in die Rentenkasse ein, damit ich später nicht leer aus gehe. Früher war es nicht so.
Ich muss noch dazu sagen, dass meine Geschwister und meine Kinder voll hinter mir stehen und sollte es finanziell eng werden, springen sie ein.
Aber es ist nicht leicht seine Mutter zu pflegen, meine Geschwister könnten es nicht. Und ich finde es auch nicht schlimm, wenn es einer nicht kann.
Da ich durch meine Vorgeschichte geprägt bin, ist es für mich eine schöne Aufgabe und meine Mutter ist dafür sehr dankbar.
Das sagt sie mir jeden Tag, auch wenn wir am Tag nicht immer einer Meinung sind.

Aber noch mal, was ihr schon gesagt habt, ist es ganz wichtig, sich selbst nicht zu vergessen und auf sich selbst aufzupassen.
Jetzt habe ich die Möglichkeit, da ich zu Hause bei meiner Mutter bin und somit keinen Schichtdienst und Wochenend Dienste mehr habe, kann ich wieder regelmäßig zum Sport gehen. Da schalte ich komplett ab und fühle mich gut.
In diesem Sinne grüsst euch Heidiheida
Hut ab vor Dir, @Heidiheida
Danke
Ich wollte nur mal ein Beispiel nennen, wie das Leben sein kann. Inzwischen kenne ich einige , auch Männer, die ein Elternteil Zuhause gepflegt haben.
Aber es ist auch nicht jedermanns Sache und das sollte auch jeder für sich selbst entscheiden und sich von außen nicht rein reden lassen oder sogar ein schlechtes Gewissen haben lassen.
Ich bin so geprägt und mein Leben ist so gelaufen, dass ich es auch machen kann.
Mit meinem Ex zum Beispiel, wäre es nicht möglich gewesen und deshalb bin ich auch im nach hinein froh, dass er eine neue hat.

Ich werde im Alter von meinen Töchtern nicht erwarten, dass sie mich zu sich nach Hause holen und mich pflegen. Ich weiß auch nicht, ob ich das überhaupt will.
Aber wer weiß, was das Leben noch so bringt.
Wirklich, Heidiheida, alle Achtung vor dir! Ich könnte das nicht bzw. nicht in dem vollen erforderlichen Umfang. Meine Mama ist leider seit zwei Jahren im Pflegeheim. Es ging nicht anders, sie wäre sonst den ganzen Tag allein im Haus gewesen, das wäre zu riskant. Ich besuche sie zweimal in der Woche, täglich ist nicht zu schaffen. Ich bin Vollzeit berufstätig, und zur Zeit stehen noch viele andere Sachen an. Da hilft ein strenger Zeitplan. Die Frage kann nicht sein: "Was ist wichtiger?", sondern: "Wie kriegst du alles in der verfügbaren Zeit in die Reihe....". Und wie ihr schon gesagt habt - man darf sich selbst nicht ganz aus den Augen verlieren.
Heidiheida,

ich stimme Deine Bericht voll zu. Ich selbst bin auch betroffen.

Meine Lebensgefährtin ist an Alzheimer Demenz erkrankt und lebt seit vier und halb Jahren im Pflegeheim in meine Nähe.

Das wichtigste für mich war und ist mein überleben denn nur so kann ich die nötige Kraft weiterhin meine Lebensgefährtin beizustehen. Nicht zu letzt geben mir Menschen hier bei 50 plus viel Halt.

Das Leben mit schlechten Gewissen habe ich auch lernen müssen. Sehr viel Unterstützung bekomme ich bei monatlichen Treffen von Angehörigen die von der Alzheimer Gesellschaft angeboten wird.

Es ist wirklich so das jede/er für sich sich entscheiden muss wie die Pflege zu bewältigen ist.

Ich wünsche uns allen den richtigen Weg zu finden.
Tuscany hat geschrieben: Manchmal tritt es schneller ein als man denkt. Die Eltern werden älter und sind plötzlich zunehmend auf Hilfe angewiesen. Es kommt zu einem Rollentausch ... jetzt sind wir es, die gefordert sind und sich kümmern müssen. Die Selbständigkeit der Eltern geht zunehmend verloren und wir müssen ihren Alltag irgendwann komplett organisieren.
Anfangs ist das für uns völlig selbstverständlich. Aber irgendwann wird es kompliziert, den eigenen Alltag, den Beruf, Freunde und Familie mit dieser Situation in Einklang zu bringen. Es gibt Gefühle von Scham, Schuld, Wut, Hilflosigkeit und Überforderung. Wie schafft man es, sich in dieser Situation gelegentlich abzugrenzen und für sich selbst zu sorgen?


EinThema, was eigentlich alle angehen sollte.Niemand ist davor gewappnet.
Hier geht es bei mir nicht um meine Eltern, nein, die sind schon lange verstorben, aber ich bin Betreuerin meines Bruders geworden, der 11 Jahre älter ist als ich und auch noch 650km von mir entfernt wohnt. Leider ist seine Frau vor 2 Jahren gestorben, er selbst hatte keine Kinder und keinerlei Verwandtschaft in seiner Nähe. Ich bin seit 3 Jahren quasi sein Vormund, obwohl ich wahrlich seit der Zeit mit mir selbst genug zu tun habe, aber, er ist mein Bruder. Er wird in diesem Jahr 79 und hinterlässt mir ein Chaos, welches schwer zu bewältigen ist. Doch ich liebe ihn trotz allem und hoffe, bald eine Lösung gefunden zu haben. Er war für mich mmer ein toller Bruder und ich habe schöne Erinnerungen an früher mit ihm. Demenz ist heute "fast" eine Volkskrankheit und ich versuche mich damit auseinander zu setzen. Noch nicht lange her, als ich bei ihm war, Jetzt steht wieder eine Fahrt zu ihm an, um vor Ort einige Dinge zu regeln.
@Goldsternchen, deine Situation habe ich ähnlich erlebt. Meine Mutter wohnte in Mittelfranken, ich im Raum Wien. Als sie zum Betreuungsfall wurde, kam täglich zweimal die Diakonie. Im Juni war ich noch ein Wochenende bei ihr, aber zwei Tage vor meinem Juli-Besuch ist sie gestorben. Das tat weh, ließ sich aber nicht vermeiden, denn ich hatte hier auch betagte Schwiegereltern zu versorgen.
Du wirst sicher jede nur mögliche Hilfe organisieren.
Ich wünsche dir viel Kraft und schau auch auf dich!
@Hawaii...ja, Du hast recht, es ist ein schwieriges Problem. aber ich habe soweit alles organisiert, dass mein Bruder nicht alleine davor steht. Die Diakonie, wie Du sie erwähnt hast, ist auch 2x am Tag bei ihm und sorgt dafür, dass er seine Tabl.nimmt. Eine Putzfrau ist auch 1 x wöchentlich im Haus und und und...Doch inzwischen habe ich bei Gericht einen Betreuer beantragt, der sich künftig um meinen Bruder vor Ort kümmern muss. Auf Dauer ist es mir einfach nicht möglich mit der Situation umzugehen. Z.Zt. habe ich durch ihn hier wieder einen Fulltime Job im Büro. Telefonate und Schreibereien gehören zur täglichen Arbeit. ich muss schon aufpassen, dass ich meine Dinge nicht vernachlässige, obwohl ich einen sehr verständigen Mann an meiner Seite habe, der mir hier viele Dinge abnimmt.
Ob Pflege im Heim oder Zuhause stattfinden soll, ist eine Entscheidung, die jeder ausschließlich vorort treffen kann.
Da nützen auch keine noch so wertvollen Ratschläge von anderen, weil die Lebensituationen viel zu individuell sind
Maßgebend sind m.E. die Schwere einer Erkrankung sowie die Fähigkeiten und möglichen Einsatzzeiten der Angehörigen.

Ambulante Dienste sind meistens eine wunderbare Hilfe, seine Liebsten zu Hause adäquat und fachgerecht versorgen zu lassen.
Waschen, Essen zubereiten, Medikamentenversorgung, Lagerungen etc. alles machbar.
Aber diese Hilfen reichen bei etlichen Krankheiten oftmals nicht, da ist eine 24 Stunden Betreuung durch Fachkräfte das Mindeste.

Komatöse Menschen mit Atemproblemen, Schmerzpatienten, schwere Demenzerkrankungen erfordern nicht selten eine halbstündliche Überwachung., manche gar kann man gar nicht aus den Augen lassen, bedürfen einer 1 zu 1 Betreuung.

Besonders belastend wird es für Angehörige, wenn die Hilfebedürftigkeit sich über Jahre gar Jahrzehnte hinzieht.

Heimaufenthalt wünschen sich die Wenigsten, aber wenn es nicht anders geht....