Gehen Sie doch zum Film – Ein Tag als Komparse

Gehen Sie doch zum Film – Ein Tag als Komparse

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„Ruhe bitte, wir drehen!“,

„Ton ab... Ton läuft“, „Kamera ab... Kamera läuft“, „Und bitte“ ...

„Danke aus“ - Ende der Szene -

 

Es ist spannend, einmal hinter die Kulissen einer Filmproduktion zu blicken. Zu sehen, wie viele Menschen zusammenarbeiten, damit eine einzige Szene abgeschlossen werden kann, ist faszinierend: Regisseur, Regie-Assistent, Assistent des Regie-Assistenten, Maskenbildner, Kostümbildner, Kameramaleute, Requisite, Catering, Kabelträger und nicht zu vergessen die Schauspieler und die Komparsen beziehungsweise Statisten.

 

Komparsen beleben die Kulisse: Fußgänger, die durch das Bild gehen, im Cafe sitzende Menschen, eine Menschenmenge in altertümlicher Kleidung, Partygäste, etc. Die genaue Aufgabenstellung entscheidet sich oft erst am Set. Während reine Statisten nichts zur Handlung beitragen und lediglich eine Art lebende Requisite darstellen, agieren Komparsen mit Bezug zur Szene. Das bedeutet für Letztere, dass sie etwas in einem ganz bestimmten, vorher abgesprochenen Moment tun. Heute wird zwischen den beiden Bezeichnungen allerdings kaum noch unterschieden. Oft wird nur der Begriff Komparse verwendet. Kommt auch noch ein bisschen Text hinzu, spricht man von einem Kleindarsteller. Kleindarsteller bekommen etwas mehr Gage bezahlt als Komparsen.

 

Wie sieht nun so ein Tag als Komparse aus?

Ein großer Teil der Zeit wird mit Warten verbracht. Da ergeht es denen, die das Szenenbild mit Leben füllen nicht besser als den Schauspielern. Jeder wartet auf seinen Einsatz. Die Pausen können gut dazu genutzt werden, seine Mit-Komparsen besser kennen zu lernen. Wo sonst begegnet man so vielen unterschiedlichen Typen gleichzeitig. Ist es dann soweit und man darf in seine Statistenrolle schlüpfen, wird es aufregend. Die Regie gibt Anweisungen dazu, was zu tun ist und wann genau dies erfolgen soll. Das könnte zum Beispiel exakt zu dem Zeitpunkt sein, zu dem ein Schauspieler den Raum betritt. Auch die Reihenfolge und das Tempo der besprochenen Aktionen sind relevant. Das Timing aller Beteiligten ist besonders wichtig, damit eine Szene funktioniert.

 

Auch als Statist bekommt von den Dreharbeiten einiges mit: Regieanweisungen und deren Umsetzung, das Herumalbern einiger Schauspieler, die Stimmung am Set. „Klappe, die erste...“, Klappe, die zweite...“, „Klappe, die dritte“... Nicht immer läuft alles wie am Schnürchen. Mal stimmt das Timing nicht, mal wirken die Rahmenbedingungen der Szene nicht oder das Zusammenspiel war nicht perfekt. Immer wieder müssen Schauspieler sofort präsent sein und die aktuell gefragte Stimmung und Haltung hervorrufen können. Am Ende muss alles zusammenpassen. Klingt nicht ganz einfach und ist es auch nicht. Da zahlen sich eine gute Schauspielausbildung und Erfahrung aus. Bis eine Szene für den Regisseur zufriedenstellend im Kasten ist, kann es eine Weile dauern. Stundenlanges Arbeiten für wenige Minuten oder sogar nur Sekunden Filmmaterial sind keine Seltenheit.

 

Teil solcher Szenen zu sein, macht Spaß, auch wenn man im Film möglicherweise nicht einmal zu sehen ist. Für die meisten bedeutet die Komparserie eine Gelegenheit, in eine andere Welt hineinzuschnuppern. Sicher ist, dass man hier auf eine Vielzahl interessanter Menschen trifft. Allein unter den Komparsen gibt es einige, die Spannendes zu erzählen haben. Um mitzumachen, sind keinerlei Vorkenntnisse notwendig. Man sollte aber pünktlich und zuverlässig sein. Vermitteln lassen kann man sich über Casting-Agenturen, die eine geringe Gebühr für ihre Vermittlungstätigkeit berechnen. Einmal bei einer guten Agentur gelistet, sind einem regelmäßige Anfragen für diverse Produktionen sicher. Wer also gerne ohne irgendwelche Vorkenntnisse und mit geringem Zeitaufwand etwas Neues erleben möchte, sollte die Komparserie ausprobieren.

 

 

 

Foto: © Marksym Yemelyanov/fotolia.de

Redaktion, 17.03.2016

Austrianer
0 | 01.04.2016, 14:51

Hallo, stimmt!!!, ich war mehr als 15 Jahre beim Film...

Eine Putzfrau verdient in 3 Stunden € 30,--!!!

Beim Film stehst du ungefähr 5 - 10 Stunden herum und hast 30 - 90 '
"Action" für € 30,--!!!

Sauerei , dass die so wenig Geld zahlen...

Austrianer  

monamarie
0 | 19.03.2016, 17:01

wenn man Zeit hat, und für 30 Euro am Tag gerne herumlümmelt, ist es sicher interessant.

artwork
0 | 18.03.2016, 07:07

Ja kann ich zustimmen.

Ich war vor 3 Jahren Statist beim Theater.

Aufregende, tolle Erfahrung.
Würde ich jederzeit wieder machen.
h.

ninanachteule
1 | 17.03.2016, 17:14

Das ganze Prozedere hab ich mitgekriegt,
als bei mir im Laden mal eine Szene für "Notruf Hafenkante" gedreht wurde.
10 Std. Drehtag für 3 Minuten Sendezeit...Wahnsinn - aber echt interessant, das Ganze!

Ich hab laufend Kaffee gekocht und mit den Schauspielern geklönt,
die ich vorher schon als bekennender Hafenkante-Fan aus dem Fernsehen kannte.

Taupunkt
6 | 17.03.2016, 09:48

... ja, das kann ich nur bestätigen. Als junger Mann habe ich mir mit der Komparserie den weiteren Schulbesuch finanziert. Für TV-Vorabendserien, Spielfilme und Ilja Richters "Disco" war ich engagiert. Konkret bedeutete das, Koffer auf Flughafen oder Bahnhof durch den Hintergrund der Spielszene tragen, Anhalter mimen, Iljas schiefe Sketsche beklatschen, in der Disco neben den Hauptdarstellern tanzen, die Reparatur eines Autos verkünden u.v.m.

Gesucht wurden im Casting "Typen" - z.B. junge oder ältere Passanten. Oft wurde angesagt, welche Utensilien oder Kleidung mitzubringen sind. Für kleine Sprechrollen gab es extra Gage.

Kürzlich lief im Fernsehen die Wiederholung gut 40 Jahre alter Vorabendkrimis - war das ein Spaß, meinen Kindern ihren "Alten" in jungen Jahren mit langen Haaren zu präsentieren.