Tierische Verantwortung: Der Hund als „Lebenspartner“ im Alter

Tierische Verantwortung: Der Hund als „Lebenspartner“ im Alter

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Sich im Alter einen treuen Vierbeiner für mehr Aktivität und als Sozialpartner anschaffen, oder Hunde nur ehrenamtlich im Park spazieren führen? Wer mit dem Gedanken spielt, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, sollte Vorsorge tragen und die Erfüllung der tierischen Bedürfnisse noch im hohen Alter gewährleisten können.

 

 

Der Hund ist in der heutigen Gesellschaft mehr als nur ein Haustier: Er ist Familienmitglied, Seelentröster und Freizeitkumpan. Gerade im Alter, wird oft über einen vierbeinigen Freund nachgedacht, der das Leben bereichert und für Bewegung sorgt. Doch welche Vorteile bietet der Hund im Alter und worauf ist bei Anschaffung und Vorsorge zu achten?

 

 

Die altersunabhängigen Wirkungen von Hund auf Mensch

 

Tiere haben nachgewiesene positive Effekte auf den Menschen. Sie strukturieren den Tag (z.B. durch Gassi gehen und Fütterungszeiten), geben sozialen Halt, sind emotionale Stütze und sorgen für Bewegung. Durch ihre positive Wirkung auf Menschen kommen Hunde schon seit längerem auch in Altenheimen zum Einsatz, wo sie für Begeisterung unter den Bewohnern sorgen. Sie tragen Studien zufolge zur Verbesserung der sozialen Interaktion und dem Wohlbefinden bei, wie die Forscherin Dr.Beetz zu berichten weiss. Viele Heime ermöglichen es ihren Bewohnern bereits, eigene Tiere zu halten.

 

 

Rassenwahl und spezielle Bedürfnisse der Vierbeiner

 

Generell eignen sich im Alter kleine oder mittelgroße Hunde, die eine Widerristhöhe (Maß zwischen dem Boden und dem Übergang zwischen Hals und Rücken) von bis zu 30 Zentimetern haben, sind körperlich einfach zu handhaben. Große Hunde (ab einer Widerristhöhe von 50 Zentimetern) mit Jagdtrieb können sich trotz erlernter Leinenführigkeit schnell auf plötzliche Entenjagd begeben – dann ist für das Halten der Leine Körperkraft gefordert, die oft unterschätzt wird.

Kleine Hunde sind zudem oft flexibler in ihrer Haltung und können auch in einer kleinen Mietwohnung ihr Eckchen finden. Außerdem werden kleinere Hunde von Vermietern eher erlaubt als große. Der zierliche Yorkshire Terrier wird laut diesem Artikel von einigen Landgerichten sogar als Kleintier eingestuft, sodass er mitunter trotz Hundeverbots im Mietvertrag gehalten werden darf.

 

 

Drei Tipps zur Hundewahl

 

  • Die Rassenansprüche sollten vor der Anschaffung genau recherchiert werden. Die Erfüllung rassetypischer Bedürfnisse muss auch im hohen Alter leistbar sein. Rassen, die als Hüte-, oder Jagdhunde gezüchtet wurden, benötigen etwa sehr viel Beschäftigung, andere Rassen haben besondere Ansprüche bei der Fellpflege.
  • Ein Tierheimbesuch hilft herauszufinden, welche Rasse zu den eigenen Lebensumständen passt. Zudem sind hier auch ältere Hunde zu finden, die deutlich ruhiger sind als junge Tiere.
  • Tierschutzorganisationen und Pflegestellen bieten oft an, Tiere zunächst probeweise in Haushalten unterzubringen, bevor sie endgültig vermittelt werden. So lässt sich feststellen, ob das Tier zum künftigen Besitzer passt.

 

Abgesehen von Rasse und Größe gilt für jeden Hundebesitzer: Bewegung und Auslauf gehören zum täglichen Pflichtprogramm. Und Bewegung gefällt nicht nur dem Tier, sondern auch der Gesundheit des Besitzers. Der Hund ist Motivation und Antrieb, sich durch regelmäßige Spaziergänge fit zu halten.

Aber Vorsicht, wenn der Hund zu lange aus dem Blickfeld verschwindet, denn in Parks oder Wäldern können sich hinter Bäumen oder im hohen Gras gefährliche Giftköder befinden.

 

 

Alternativen zum eigenen Vierbeiner: Der Hund als Sozialpartner auf Zeit

 

Wer sich im Alter keinen eigenen Hund mehr anschaffen möchte, kann sich auch bei örtlichen Tierheimen melden. Diese bieten immer die Möglichkeit, ehrenamtlich Tierheimbewohner auszuführen, so erhält der Hundeliebhaber auch ohne eigenen Hund Kontakt zum Tier. Darüber hinaus gibt es bestimmte Pflegestellen, die Hunde auf Zeit an ältere Menschen abgeben. Ist der Halter später gesundheitlich nicht mehr in der Lage, den Vierbeiner zu versorgen, kommt der Hund wieder in die Obhut der Pflegestelle:

 

 

Vorsorge für den Hund und der Hund als Versorger

 

Ist jedoch kein Abkommen mit einer Pflegestelle getroffen und der Halter verstirbt, kommt plötzlich ins Krankenhaus oder ist aus anderen Gründen nicht mehr in der Lage, für seinen Hund zu sorgen, muss das Tier meist ins Tierheim. So ergeht es etwa 70 Prozent der Haustiere. Für die Zukunft des eigenen Hundes können Halter jedoch frühzeitig mit einer speziellen Vollmacht Vorsorge treffen. Zur Erstellung kann der Hundebesitzer zum Beispiel eine Vorsorgevollmacht-Vorlage nutzen, welche als offizielle Vereinbarung zwischen Halter und Bevollmächtigtem dient. In der Vollmacht sind unter anderem die Kontaktdaten des Bevollmächtigten, Handlungsanweisungen im Falle einer schweren Erkrankung, Vorstellungen zur Beerdigung sowie Informationen über Krankheiten, Charakter und Vorlieben des Tieres enthalten. Soll eine Pflegestelle als bevollmächtigte Instanz auftreten, ist vorab zu besprechen, ob der Hund beispielsweise noch einmal an einen anderen Besitzer abgegeben werden soll.

 

 

Helfende Spürnasen im Alltag – Die Assistenzhunde

 

Aber auch der Hund kann für seinen Besitzer sorgen, nicht nur als seelische Stütze. Speziell ausgebildete Assistenzhunde können Leben retten, indem sie Gefahrensituationen anzeigen. So gibt es Diabetikerwarnhunde, die auf die Symptome der Krankheit reagieren und Betroffene z.B. bei Unterzuckerung warnen.

 

 

 

Foto: © WavebreakmediaMicro / fotolia.com

Redaktion, 06.06.2016

Runyve
0 | 14.02.2018, 21:47

Toller Artikel. Für mich sind meine Hunde eine große Bereicherung. Die Monate der Trauer waren schrecklich, aber ohne geht es einfach nicht. Da fehlt etwas.
Wenn ich mal nach dem Weg fragen muss und es heisst, das sei noch weit. Das ziehe sich. Dann sind wir beide in null komma nix da. Für uns zieht sich nichts.
Es gibt Tierheime, die gezielt ältere Tiere an Senioren vermitteln und damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben, z.B, das Bonner Tierheim. Ich bin zwar noch nicht so alt, aber nehme trotzdem nur ältere Hunde auf, die keine Chance mehr auf eine Vermittlung haben.
Im letzten Abschnitt stimme ich Flockifrauchen zu.

flockifrauchen
1 | 29.07.2016, 14:08

Als ich auf die Welt hatte meine Mutter einen Hund, sie wäre nie auf die Idee gekommen ihn wegzugeben nur weil ich jetzt da war.
Immer wenn der jeweilige Hund verstarb kam der nächste. Als ich mit meinem Mann zusammen kam, hatte er einen Hund, so dass auch weiterhin ein Hund zu meinem Leben gehörte. Als ich 2013 unsere Daisy, die wir 2000 aus dem Tierheim übernommen hatten, einschläfern lassen musste, habe ich nach gründlicher Überlegung im März 2014 Flocki vom Tierschutz Porz übernommen. Die Wochen ohne Hund waren schlimm.
Für Menschen, die viele Jahre Hunde hatten ist es sicherlich gut und wichtig auch im Alter einen zu haben.
Ich warne aber davor, dass Menschen die ihr ganzes Leben lang nie einen Hund hatten und absolut keinen Bezug zum Hund hatten im Alter sich einen Hund als Zeitvertreib/Therapie anzuschaffen. Ein Hund ist kein Modeartikel, den man bei nicht gefallen umtauschen oder in die Schublade legen kann.
Hund (Tier) heißt Verantwortung übernehmen und Rücksicht nehmen.

Fridi86
2 | 24.06.2016, 16:48

Ein schöner Artikel. Auch ich durfte mir sogar in meiner Seniorenresidenz (http://www.augustinum.de/) einen Hund anschaffen und er sieht fast genau so aus wie der am Foto, ein Golden Retriever ist meiner. Nicht überall darf man Hunde halten. Bin sehr glücklich, der Hund tut mir gut.

Sternchen0805
1 | 07.06.2016, 13:40

Ein ganz toller Beitrag, und ich freue mich, dass es soviele vernünftige, Hunde Liebhaber gibt.
Und alle Beiträge freundlich verfasst.
Meine Oma sagte immer " Wer Hunde liebt, und die Musik, kann nur ein guter Mensch sein".
Damit hatte sie recht, wie mit so vielem!!
Liebe Grüße an alle Tierfreunde, und die es werden wollen. 

schorses
3 | 07.06.2016, 11:08

Noch sind wir fit, Herrchen wie Hund, sogar das Bergwandern klappt noch. Was wird aber in 3 oder 4 Jahren sein? Wird mein Hund noch da sein?
Dann ein neuer junger Hund sicherlich nicht aber ohne werde ich auch nicht mögen. Vielleicht ein wenig Hundesitting als Alternative denn einen selbst älteren Hund komplett zu übernehmen wäre nicht gut für beide.

Moira1
1 | 07.06.2016, 06:28

Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang der 2010 ins Leben gerufene Verein Omihunde-Netzwerk mit seinem Motto „Wir helfen alten Hunden und ihren Menschen“.
Der Verein übernimmt alte Hunde, die herrenlos geworden sind, in Pflegestellen und vermittelt sie bevorzugt an Senioren bzw. übergibt sie auch als Dauerpflegehunde bis zu ihrem Lebensende bei Abdeckung der Tierarztkosten, die ein höheres Alter verursachen kann.
Nachzulesen auf deren Homepage:
http://www.omihunde-netzwerk.de/dauerpflegis/
Der Zulauf ist sehr groß, so dass es derzeit einen Aufnahmestop für neue Hunde gibt, da die vorhandenen Pflegestellen nicht ausreichen.

Tierheime hingegen sind oft nicht bereit, Hunde an Senioren zu vermitteln.

Toypudel
3 | 06.06.2016, 18:47

Ja, Tournaline 16:41, diese Gedanken bewegen mich durchaus, einem alten Hund bei mir im Altersheim für kurze Zeit nochmal Wärme schenken...
Noch lebt mein kleiner Jason und ich hoffe, er bleibt noch ein Weilchen bei mir...
Wer weiß, was morgen ist?

Tournaline
5 | 06.06.2016, 16:41

Das mit der Rasse ist so eine Sache.
Mein Schäfer-Collie-Sonstwas-Mix aus dem Tierheim konnte bequem seinen Kopf auf dem Küchentisch ablegen, war aber eine Seele von Hund, ruhig, umgänglich, gut handhabbar drinnen wie draußen.
Hingegen mein 30 cm Pudel-Terrier-Sonstwas-Mix auch Secondhand, hat gelegentlich doch arge Hummeln im ... kann auch ruhig, aber auch so ganz anders,vor allem die Terrierseele :-)
Zu bedenken ist auch, dass kleinere Rassen eher länger leben als große. 

Wie Toy schon schrieb, eine gewisse Alternative sind ältere Hunde, die es in der Regel schwer haben vermittelt zu werden oder behindert bzw krank sind. Und bevor sie ihr gesamtes restliches Leben im Tierheim fristen, ist auch, ein unter Umständen zeitlich befristetes Zuhause, besser als keines.

All dies betrifft nicht nur Hunde, alle Tiere, die viele Jahre leben können wie Katzen, Papageien und Sittiche, manche Reptilienarten, etc, überleben nicht selten ihren Besitzer. 

Toypudel
11 | 06.06.2016, 15:54

Als Toypudelbesitzer habe ich mich aus Altersgründen entschlossen in eine Seniorenresidenz zu ziehen, in die ich meinen Hund mitnehmen durfte.
Idealfall!
Mit dem Laufen ist es nicht mehr so gut bestellt.
Ich durfte ein Stück zur Terrasse mit einem leichten Kaninchen-Zaun einfrieden und der 14-jährige Hund, ebenfalls altersbedingt lädiert, genießt es...
Sein Ende zeichnet sich ab, - (meins auch) - ich habe die Option, mir wieder ein älteres Tier aus dem Heim zu holen...
Nein, ich werde nächsten Monat 80 Jahre alt! -
Und nochmals nein, - das kann ich einem Heimtier nicht antun, wenn es wieder aus zwingenden Gründen zurück müßte...
Ich muß und werde verzichten...
Alle Hunde, die ich kennenlernen durfte und meine eigenen, - alle sind und waren sehr empfindsame Wesen.

ninanachteule
9 | 06.06.2016, 12:33

Das war doch mal ein richtig interessanter Artikel!
Ich hab mir vor 1 1/2 Jahren auch so´n kleinen Zausel aus´m Tierheim geholt,
der mir viel Freude macht.
...und ich glaube, er ist mit mir auch hochzufrieden!

Vorhin - nach der ausgiebigeb Feld - Wald - und Wiesenrunde hat er draußen in seiner Hunde-Wanne gebadet, dann gefressen - und jetzt macht er ein Nickerchen im Gras in einer schattigen Garten-Ecke.

Was will Hund mehr?...*schmunzel