Corona spaltet die Meinungen: So diskutieren Sie ohne Streit

Corona spaltet die Meinungen: So diskutieren Sie ohne Streit

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Der Umgang mit der Corona-Pandemie bereitet nicht nur Politikern und Wissenschaftlern Sorge. Auch innerhalb von Familien und unter Freunden kommt es immer öfters zu Diskussionen und Debatten. Nicht selten sind diese kontrovers und spalten gar Familien und Freunde. Doch wie geht man mit herausfordernden Diskussionen um? Wie führt man eine schwierige Unterhaltung mit unterschiedlichen Meinungen? Und wie vermeidet man eine Eskalation? Denn all das muss nicht sein!

 

 

Dem Anderen zuhören

 

Eine wichtige Grundlage für ein konstruktives Gespräch ist, dem Gegenüber genau zuzuhören. So signalisiert man der Person, dass man verstehen möchte, worum es dem Gesprächspartner wirklich geht. Steigt man dagegen sofort mit Gegenargumenten in das Gespräch ein, kann das Gespräch schnell eskalieren. Wird im Gespräch nicht klar, was die Person beschäftigt, genügt oftmals schon ein einfaches nachfragen. Damit wird wirkliches Interesse gezeigt. Der Gesprächspartner merkt, dass ihm auch wirklich zugehört wird. Wird das Gesagte wiederholt und um ein vernommenes Gefühl oder Bedürfnis ergänzt, so bewegen sich beide Gesprächspartner auf Augenhöhe und sind auch offen für den Austausch gegensätzlicher Themen oder Argumenten. Im Konzept der Gewaltfreien Kommunikation wird das als aktives Zuhören bezeichnet. Die Gesprächspartner gehen über obligatorisch-oberflächliche Floskeln wie etwa okay oder ich verstehe hinaus. Hierdurch zeigt sich auch, dass es weniger um den einzelnen Streitpunkt als um zugrundeliegende Werte oder Emotionen geht.

 

 

Auf die Wortwahl achten und sich verständlich machen

 

Ein wichtiges Kriterium für eine gut geführte Diskussion ist immer auch die richtige Wortwahl. Daher ist es hilfreich, Verallgemeinerungen zu vermeiden. Wörter wie aber, nie oder auch immer sollten am besten nicht verwendet werden. Hierbei handelt es sich um sogenannte trennende Sprachmuster. Sätze mit diesen Wörtern führen oft dazu, dass sich der Gesprächspartner angegriffen fühlt. Ersetzt man beispielsweise das Wort aber mit den Wörtern und gleichzeitig, signalisiert man den Gegenüber, dass sein Gesagtes genauso viel wert ist. Denn eine Verbindung mit einer anderen Person kann nur auf Augenhöhe erfolgen. Nur so kann echtes Verständnis entstehen und Diskussionen, die sich aufschaukeln, deeskaliert werden. Für eine Diskussion ohne Streit gehört auch, sich verständlich zu machen. Die eigene Haltung und Meinung muss dem anderen genauso klar werden. Die eigene Meinung sollte auch immer begründet werden. Ist nicht klar, ob der Gegenüber einen auch versteht, sollte nachgefragt werden: “Weißt du, was ich meine und kannst du das nachvollziehen?”

 

 

Verurteilungen vermeiden und den Konsens suchen

 

Oftmals wird nicht über verschiedene Meinungen, sondern über Verurteilungen gestritten. Wenn beispielsweise dem Gegenüber gesagt wird, dass er einfach nicht richtig informiert ist, wird sich dieser höchstwahrscheinlich darüber ärgern. Das wiederum kann leicht eine Spirale der Eskalation auslösen. Daher ist es ratsam, sich selbst klarzuwerden, worum es einem selbst bei einem Gesprächsthema überhaupt geht. Nicht selten hat man selbst Vorurteile über andere. Für eine Diskussion auf Augenhöhe gehört auch, dass man einen Konsens sucht. Das bedeutet nicht, dass man zu allem ja sagen und konfliktscheu agieren soll. Man kann dem Gesprächspartner ruhig zustimmen, wo es geht. Die menschliche Natur ist an einem Konsens interessiert. Das verspricht Sicherheit und Zugehörigkeit. Durch solche Gemeinsamkeiten können auch konfliktreiche Gesprächsthemen angesprochen werden, die sich auf so einer Grundlage viel entspannter diskutieren lassen.

 

 

Grenzen setzen

 

Eine gute Diskussion erfordert auch, Fehler und Widersprüche aufzuklären. Sollte die Diskussion eskalieren, so sollten auch Grenzen gesetzt werden. Wenn der Gesprächspartner widersprüchliche Behauptungen oder schlicht falsch argumentiert, so sollte das auch klar benannt werden. Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert. Kontraproduktiv ist es, jetzt dem Gegenüber verbal anzugreifen. Es empfiehlt sich, die eigene Einschätzung neutral zu äußern. Jede Art von Kritik oder Bewertung kann in dieser Situation schnell zu einer Eskalation des Gesprächs führen. Sollte das Gespräch trotz aller Bemühungen "aus dem Ruder laufen", sollte das dem Gesprächspartner auch klar kommuniziert werden. So kann zum Beispiel gesagt werden, dass die Beziehung einem sehr wichtig ist und das Gespräch jetzt in eine unerwünschte Richtung geht. Daher ist es vielleicht ganz gut, das wir uns beide nochmal separat Gedanken machen sollten.

 

 

Wie man eine Gesprächseskalation vermeidet

 

Psychologen haben herausgefunden, was eine Diskussion schnell eskalieren lässt. Dazu gehören etwa kritisieren, vorwerfen und auch beschuldigen. Sehr oft erfolgt das mit der Verwendung der Wörter nie und immer. Hier ist es ratsam, sich zu rechtfertigen und in die Gegenoffensive zu gehen, anstatt auf die Kritik zu reagieren. Auch sollte auf Beleidigungen, Abwertungen und persönliche Angriffe verzichtet werden. Genauso wie beleidigt zu sein und zu mauern.Um eine Diskussion offen, ehrlich und auf Augenhöhe zu führen, sollte man ruhig, respektvoll und freundlich sein, dem anderen zuhören und den Gesprächspartner auch mal ausreden lassen. Oft ist es sinnvoll nach den Informationsquellen des Streitpartners zu fragen und diese zu lesen. So können oft falsche Statistiken oder Mißverständnisse ausgeräumt und Inforamtionen verifiziert werden. Damit wird ohne Streit diskutiert und man vermeidet eine Spaltung von Familie und Freunden.

 

 

 Foto: Ednurg / stock.adobe.com

Redaktion, 20.01.2022