Die Entstehung von Glück im persönlichen Alltag

Die Entstehung von Glück im persönlichen Alltag

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Die Frage nach der Entstehung von Glück stellen sich die Menschen seit jeher. Glücksforscher befassen sich mit den Indikatoren, die für das Glückserleben bedeutsam sind und vergleichen dabei nicht nur Bevölkerungen, sondern auch Länder. Relevant sind nicht allein übereinstimmende Faktoren von Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, sondern zusätzlich individuelle Aspekte und der Bezug zu einem Gegenüber. Letzten Endes ist Glück sogar in Teilen erlernbar. Es geht nicht um ein kurzfristiges positives Gefühl, sondern vielmehr um ein langfristiges Erleben von Zufriedenheit und die dazu erforderlichen Ressourcen. 

 

Die glücklichen Menschen von Bhutan

Im kleinen Königreich Bhutan, zwischen Indien und China am Himalaja gelegen, steht das Glück der Menschen in einem eindrucksvollen Zusammenhang mit ihrer Sicht auf die Welt. Das wirtschaftlich arme Land, dem die Teilhabe an finanziellen Reichtümern und entsprechendem materiellen Aufschwung nur wenig vergönnt ist, änderte vor einigen Jahrzehnten seine Verfassung. Der König beschloss im Jahr 1979 nicht mehr länger das Wirtschaftswachstum als oberste Priorität festzulegen, sondern das sogenannte Bruttonationalglück. Dessen Definition beruht auf dem Erhalt der Kultur, dem Schutz der Umwelt, einer guten Regierungsführung und einer sozial gerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung. Auch die Werte, die ein glückliches Leben ausmachen, sind benannt. Frieden und Empathie zählen ebenso dazu, wie ein tolerantes und harmonisches Miteinander. Das betrifft nicht nur den Umgang der Menschen untereinander, sondern auch das Zusammenleben mit Tieren und die Wertschätzung der Natur. Regelmäßige komplexe Umfragen in der Bevölkerung zu den Themen Wohlbefinden, Bildung, Werte und ökologische Vielfalt spiegeln die positive Entwicklung des Glückserlebens wieder.

 

Glück aus Sicht der Wissenschaft

Studien zum Thema Glück erheben in der Regel vor allem die Lebenszufriedenheit der Menschen. Hierzu zählen die emotionale Befindlichkeit im Alltag und auch die Abweichung zwischen den Bedürfnissen und den tatsächlichen Gegebenheiten. Die einzelnen Glücksfaktoren werden im internationalen Vergleich ähnlich definiert. Sie umfassen Zugehörigkeit und Bindung, ein finanzielles Auskommen, die Freiheit zur eigenen Entscheidungsfindung, Gesundheit in körperlicher und seelischer Hinsicht und soziale Anerkennung. Während in Deutschland einerseits seit den 1980er Jahren eine sukzessive Steigerung des so erhobenen Zufriedenheitsparameters zu verzeichnen ist, liegen zahlreiche Länder im Ranking auf weitaus besseren Plätzen. Hier sind beispielsweise die skandinavischen Länder und auch die Schweiz auf den vorderen Rängen mit dabei.Glück lässt sich zwar mit einheitlichen Paramatern definieren, ist aber im Wesentlichen auch ein eigenes Erleben. Um glücklich zu sein, müssen zunächst entsprechende Ressourcen verfügbar sein. Die Teilhabe an Arbeit setzt voraus, dass es genügend Stellen gibt. Das Zugehörigkeitsgefühl in einer stabilen Beziehung oder in Freundschaften erfordert die Fähigkeit, sich Menschen zuzuwenden. Die Befähigung zum Erleben von Zufriedenheit ist entsprechend nur mit einer persönlichen Offenheit für Chancen, Begegnungen und positive Gefühle möglich. 

 

Geld und Glück

Die Annahme, finanzieller Reichtum könne zum persönlichen Glück beitragen, liegt nahe. Ein reichhaltiges Angebot an Geld bietet einen äußeren Sicherheitsrahmen und eröffnet den Zugang zur Teilhabe an vielfältigen Bereichen des Alltags. Zahlreiche Menschen sind der Ansicht, je höher der Reichtum beziehungsweise das Gehalt, desto größer das Glück und umso perfekter das Leben.Studienergebnisse zeigen, dass Geld tatsächlich eine nennenswerte Rolle spielt, aber eine weitaus geringere, als weithin angenommen. Als Richtwert gilt eine Grenze von etwa 5000 Euro Bruttoeinkommen pro Monat. Wer mehr verdient, ist nicht etwa glücklicher, sondern vor allem im Beruf erheblich gestresster. Die Lebenszufriedenheit beginnt bei einem höheren Verdienst wieder zu sinken. Ein sehr geringes Einkommen hingegen führt ebenfalls zu einem hohen Maß an Stress, verbunden mit Sorgen und daraus resultierend einer Abwesenheit von Glück.

 

Die Relevanz eines eigenen Glückserlebens

Glück ist ein Zustand, der ein aktives eigenes Zutun erfordert. Zwei Harvard-Langzeitstudien, die über 75 Jahre hinweg das persönliche Glückserleben erfragten, konnten vor allem die Bedeutung von guten und nahen Beziehungen sowie Liebe als wesentliches Merkmal von Glück benennen. Aus dieser Perspektive heraus hängt das Glückserleben stark von Bindungen ab. Diese Erkenntnis kann dazu führen, dass Menschen auch ihre eigene Alltagsgestaltung überdenken und sich anderen gezielt zuwenden. Soziale Kontakte, die in der persönlichen Zusammenkunft mit anderen stattfinden und gepflegt werden, tragen wesentlich zum Erleben von Zugehörigkeit und zum Eingebundensein in eine Gemeinschaft bei. Die Entstehung von Glück wird maßgeblich von bereichernden Begegnungen geprägt, die in jeder Phase des Lebens möglich sind.

 

 

 

 

Foto: © goodluz/fotolia.de

 

 

 

Redaktion , 14.02.2018

macorg
1 | 14.02.2018, 21:02

„Das Glück ist das einzige,
das sich verdoppelt,
wenn man es teilt.“

Albert Schweitzer