Sind Sie eine hochsensible Person?

Sind Sie eine hochsensible Person?

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Wurde Ihnen jemals von anderen gesagt, dass Sie zu ruhig, ängstlich oder introvertiert sind? Nehmen Sie Details wahr, die andere zu übersehen scheinen? Sind Sie von Lärm oder Stress stärker betroffen als Ihre Kollegen und Altersgenossen? Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen, könnten Sie als "hochsensible Person" (kurz: HSP) betrachtet werden.

 

Sensibilität: Eine Überlebensstrategie

 

Obwohl HSPs nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, scheint bis zu 1 von 5 Erwachsenen diese erhöhte Empfindlichkeit gegenüber sensorischer Verarbeitung zu haben. Forscher haben auch hochsensible Populationen bei Tieren vom Pferd bis zur Fruchtfliege entdeckt. Für HSPs und Tiere gleichermaßen funktioniert diese Empfindlichkeit als eine Art Überlebensstrategie. Einfach ausgedrückt: Hochsensible Kreaturen denken bevor sie handeln. Erhöhte Wahrnehmungsebenen helfen sensiblen Personen, Situationen zu verarbeiten, bevor sie fortfahren.

 

Bin ich hochsensibel?

 

Laut HSP-Expertin Dr. Elaine Aron reagieren die meisten hochsensiblen Personen auf Reize in ähnlicher Weise. HSPs neigen dazu, viele der gleichen Eigenschaften wie z.B. Empathen zu besitzen. Hochsensible Menschen neigen dazu, die emotionale Energie von Einzelpersonen und Gruppen aufzunehmen, bevor sie sich überhaupt mit ihnen unterhalten. Viele HSPs werden leicht von den Stimmungen anderer beeinflusst und nehmen die Gefühle ihrer Umgebung auf. Die meisten HSPs sind intuitiv und oft sehr gewissenhaft. Hochsensible Menschen entwickeln tiefe Bindungen zu den Gefühlswelten anderer, sowohl auf gute als auch auf schlechte Weise.

 

Körperlich betrachtet sind HSPs hyperbewusst und sehr empfindlich gegenüber Reizen. Viele Betroffene haben niedrige Schmerzgrenzen und werden schnell von lauten Umgebungen, gewalttätigen Fernsehprogrammen, starken Gerüchen, hellen Lichtern, störenden Stoffen und anderen überwältigenden Reizen erdrückt. Hochempfindliche Menschen sind anfällig für Koffeinempfindlichkeit; sie können auch ärgerlich werden, wenn sie hungrig sind. Aus diesen Gründen wird das Leiden hochsensibler Menschen oft als "sensorische Verarbeitungsempfindlichkeit" bezeichnet, ein alternativer Begriff zur Beschreibung der HSP-Erfahrung.

 

Hochsensible Menschen neigen dazu, durch Situationen mit übermäßigem Stress oder Hektik erschreckt und verunsichert zu werden. Die Vermeidung von Chaos und Konflikten hat für viele sensible Menschen höchste Priorität. Viele HSPs suchen Privatsphäre und Ruhe, um der Überreizung ihres Alltags zu entgehen. Die Konzentration auf eine einzelne Aufgabe kann einigen HSPs helfen, diesen Gefühlen von Spannung und Unruhe zu entkommen.

 

Die nachdenklichen, einfühlsamen Tendenzen von HSPs führen oft dazu, dass andere sie als "schüchtern" einstufen. HSPs als zurückgezogen zu sehen ist jedoch im Allgemeinen ein Missverständnis. Obwohl die meisten hochsensiblen Personen introvertiert sind, ist dies nicht immer der Fall. Etwa 30% der HSPs sind überwiegend extrovertiert. Einfach ausgedrückt, HSPs sind eine vielfältige Gruppe von Individuen. Obwohl sie ähnliche Eigenschaften besitzen, haben diese Individuen so unterschiedliche Persönlichkeiten und Bestrebungen wie jeder andere Teil der Bevölkerung.

 

Die Freuden des hochsensiblen Seins

 

Obwohl hochsensibel zu sein manchmal isolierend wirken kann, gibt es viele Vorteile dieses biologischen Merkmals. HSPs werden oft besonders von Musik, Film, Literatur und Kunst bewegt. HSPs besitzen auch reiche und faszinierende "innere Welten" voller tiefer Gedanken und starker Emotionen.

 

HSPs neigen dazu, extrem aufmerksam und einfühlsam zu sein. Ihre Loyalität, ihr Zuhören und ihre Liebe zum Detail machen sie zu hervorragenden Kollegen und Freunden. Erhöhte Wahrnehmungsebenen machen HSPs geschickter darin, durch die Fassaden anderer zu sehen und ihre Verstrickungen mit Narzissten, Lügnern und Manipulatoren zu begrenzen.

 

Wenn sie in der Lage sind, ihre Umgebung an ihre Bedürfnisse anzupassen, können sensible Menschen wirklich Erfolg haben. Tiefes Einfühlungsvermögen und Selbstreflexion machen hochsensible Menschen für pflegeorientierte Berufe geeignet. Diese Eigenschaften eignen sich auch für das Streben nach kreativen Berufen und Hobbys. Die Nutzung dieser persönlichen Stärken kann sensiblen Menschen helfen, mehr Erfolg und persönliche Erfüllung zu erfahren.

 

HSPs in Beziehungen

 

In Bezug auf romantische Beziehungen neigen HSPs dazu sehr fürsorglich, romantisch und idealistisch zu sein. Diese Menschen tendieren dazu, sinnvolle emotionale und spirituelle Verbindungen mit anderen zu suchen. Durch das Tragen ihres Herzens auf der Zunge können sich empfindliche Menschen wahrhaftig und tief verlieben. Wenn Sie sehr sensibel sind, sollten Sie es langsam angehen, wenn Sie sich mit anderen verabreden. Wenn Sie mit Vorsicht vorgehen, könnten Sie sich vor zukünftigem Herzschmerz beschützen.

 

Obwohl sich die HSP-Persönlichkeit oft zu schutzbedürftigen Personen hingezogen fühlt, vermeiden Sie es, diese auf Rettung basierenden Beziehungen zu verfolgen. In einem romantischen Kontext kann dies zu einer ungesunden Abhängigkeit führen.

 

Ob Sie nun Liebe mit einem anderen HSP finden oder nicht, es ist wichtig, einen Partner zu finden, der Ihre Grenzen und persönlichen Bedürfnisse versteht. Finden Sie einen Partner, der Ihre Sensibilität als Geschenk respektiert und schätzt.

 

Ob Sie ein hochsensibler Mensch sind oder nicht, es ist wichtig zu verstehen, wie HSPs die Welt erleben. Wenn Sie sensibel sind, arbeiten Sie daran, diesen einzigartigen und schönen Teil Ihrer Seele zu nähren. Wenn Sie nicht in das Profil eines HSP passen, sollten Sie darüber nachdenken, wie Sie mit empfindlicheren Personen umgehen. Anstatt andere als dramatisch oder überempfindlich zu belächeln, sollten Sie bedenken, dass diese Menschen einfach mehr von den Gefühlen, Worten und Taten anderer betroffen sein könnten. Indem wir danach streben, einander zu verstehen, können wir bessere und sinnvollere Beziehungen für alle aufbauen. 

 

 

Foto:  © oscar williams / fotolia.com

Redaktion , 03.05.2018

Ibinda
0 | 10.05.2018, 13:11

Ich möchte noch etwas beitragen, da ich denke, dass auf dieser Partnerplattform manche HSP´s sind, die sich schwerer tun, einen Partner zu finden. Es geht nichts über gute Strategien, mit seiner Disposition umzugehen!

Tja, da mein Kommentar noch überprüft wird, werde ich noch eine Seite nachschicken, die ich toll finde. https://www.festland-verlag.com/zart-besaitet.7082.html
Die ersten vier Kapitel des Buches kann man gratis lesen. Es ist außerordentlich fundiert.

Ibinda
0 | 10.05.2018, 12:42

Nochmals danke für den Impuls.
Ich bin auf Xing in eine Interessensgruppe gegangen, die verschwindend klein ist (48 Mitglieder) und mir hauptsächlich aus Anbietern und weniger aus Betroffenen zu bestehen scheint.
Ich habe dort einen Artikel verfasst und möchte wirklich eine Plattform anregen.
Ich stelle den Artikel auch hier zur Verfügung:
SICH AUF HOCHSENSIBILITÄT TESTEN, WAS BRINGT`Sß
Beim letzten Besuch dieser Seite gab es einen Link zu einem Zeitungsartikel.(https://www.welt.de/icon/partnerschaft/article137874821/Hochsensibilitaet-ist-keine-Krankheit.html) Den habe ich aufgesucht und fand auch diesen Test ( http://www.innerwealth.at/wp-content/uploads/2014/05/HSP-Test-E-Aron.pdf)
Er beherbergt interessante Fragen, doch hat er eine Schwäche: er bestätigt oder negiert ein Selbstbild, das man von sich hat. Und natürlich gibt er kleine eindeutige Auskunft, nach der man sich richten kann. Ich habe bis dato viel fundierte psychologische Literatur gelesen, bisher aber keine über das Thema Hochsensibilität. Ich denke aber, dass ein Test, der wie eine geschlossene Frage wirkt eben nur Ja oder Nein zulässt. Eine der Fragen ist: "Als ich ein Kind war, schienen meine Eltern und Lehrer mich für sensibel und schüchtern zu halten".
Nun finde ich kann Sensibilität mit Schüchternheit einhergehen, muss aber nicht.
Schüchternheit kann sich auf bestimmte Aspekte des Lebens beziehen, muss aber nicht generell auftreten.
Ich war als Kind und bin eher extrovertiert, es sei denn, ich fühle mich mit dem was ein Mensch oder Menschen in meiner Umgebung ausstrahlen, unwohl. Meine Schüchternheit ist also symptomatisch bzw. Wahrnehmungssache, aber kein genereller Zug.
Die Fragen beziehen sich auch auf Strategien, mit Überforderung umzugehen. Erst wenn sich daraus ein roter Faden erkennen lässt, weist ihre Beantwortung darauf hin, dass es sich um Hochsensibilität handeln könnte.
Wer im Leben schweren Belastungen durch Schicksalsschläge ausgesetzt war, könnte auch vorübergehend eine ähnliche Symptomatik aufweisen.
Interessant ist auch dann der Faktor Resilienz, also die Fähigkeit, psychische und gesundheitliche "Ausschläge" auszugleichen und zu einem Normalzustand zurückzukehren.

joblack21
0 | 05.05.2018, 10:44

Auch wenn ich offen bin, seh ich mich ebenfalls darin wieder. Tu mich auch schwer auf jemanden Fremden zuzugehen. Vor allem wenn es um ein Kennenlernen einer Beziehung geht. Möchte aber trotzdem endlich meine Liebe an meiner Seite finden und den Rest der Zeit teilen. Mfg. Siegfried

Desperado2104
0 | 05.05.2018, 08:20

Danke, ich finde mich in diesem Artikel wieder.

Kristina_Elisabetta
1 | 04.05.2018, 22:40

Danke fuer diesen Artikel! Er ist aufklären und
spricht mir aus der Seele!
Kristina, 4.5.*

Ibinda
2 | 04.05.2018, 17:32

Ja, in diesem Artikel finde ich mich auch wieder und er hat gut zusammengefasst, was Hochsensible ausmacht.
Ich denke auch, dass Hochsensible nicht wehleidig oder egozentrisch sind, im Gegenteil, denn die feinen Antennen sind nun mal schneller überlastet.
Hochsensibel zu sein ist eine neurologische Disposition, keine erworbene Verhaltensweise. Das hängt mit der Gehirntätigkeit zusammen. ( Anne Wise hat dazu Interessantes geschrieben). Die hoch sensible neuronale Aktivität hängt oft mit Stress zusammen, den wir in früher Kindheit erlebt haben, das kann sogar schon mit Schwangerschaftskomplikationen oder einer Hormonausschüttung der Mutter zusammenhängen, passiert also manchmal einfach und bleibt. Das beschert wie schon im Artikel erwähnt manchmal Stress,das Gefühl von überrollt werden, aber eben auch eine bunte, sinnliche Erfahrungswelt, die ich nicht missen möchte.

Es gibt verschiedene Meditationen, die in der Entspannungsphase vor der Meditation auch suggestiv Außenreize einbeziehen, was ganz gut helfen kann. Wenn man Meditation als Wahrhaben unserer Gefühle und Reaktionen versteht, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen, kann das auch hilfreich sein, so zumindest sind persönliche Erfahrungen damit.
Es ist für jemanden, der ein "robustes Nervenkorsett" hat, vielleicht manchmal schwer zu unterscheiden, ob jemand hochsensibel ist, oder einfach nur emotional erpressen will. Ich denke, dass sensorisch Verarbeitungsempfindliche wirklich Gefühle des Gegenübers besser lesen können. Wenn sie dann auf die Technik des Spiegelns zurückgreifen, anstatt zu behaupten (was Leute machen, die emotional gerne herumspielen), ist das für die Partnerschaft möglicherweise förderlich. Diese Zeilen sind Gedanken aus meiner langen Beschäftgung mit mentalen Themen. Wenn dies weitere Reflexion auslöst, würde ich das gut finden!
PS. Ich würde nur ungern sagen wollen, dass ich hochsensibel bin.(ich halte mich für relativ robust und habe auch kein Maß dafür) Das trage ich daher nicht auf dem Silbertablett herum. Denn das ist eben keine Krankheit, sondern eine besondere Leistung des mental-kognitiven Systems !

Gundulabella
0 | 04.05.2018, 16:37

nun ja
wenn man das mit der "Hochsensibilität" kapiert hat - dann agiert man hier vorsichtiger....

von wegen, dass man seine Hochsensibilitäts-Vorteile erhält - und deren Nachteile in Grenzen hält.... ;-)))

Austrianer
2 | 04.05.2018, 14:08

Hallo, laßt uns doch mal Treffen mit sensible Personen veranstalten,
hat wer Interesse sowas zu machen


...ich liebe "Fisch Menschen ",so wie ich...


diese sind alle sehr liebevoll und sensibel und
soziale Adern haben sie auch,
...tue Gutes und erzähle es auch

Liebe Grüße

Guenter1951
1 | 04.05.2018, 09:16

Ich habe diesen Artikel auch gelesen und finde mich auch darin wieder, lediglich trage ich mein Herz nicht mehr so sehr auf der Zunge, nach einem fürchterlichen "Crash down" in einer Beziehung.
Aber ich nehme sehr stark die Empathen in einer Gruppe wahr, das hat mir in meiner Militärzeit den Begriff eines "menschlichen Kommandeurs" eingebracht . Allerdings konnte ich auch bei Dienstverfehlungen, sehr hart durchgreifen, besonders bei bestehender Uneinsichtigkeit, Unkooperativverhalten.
Ich würde auch sagen, diesen Artikel sollten viele(Unisex) lesen!!
Herzlichen Dank!!

Barbara1109
0 | 04.05.2018, 05:44

Auch ich finde mich darin wieder, allerdings empfinde ich es oft als Belastung.

scherzkeks69
0 | 03.05.2018, 21:03

hier kann ich leider nicht mithalten, ich bin ein DMS = dauermüder Senior
i am so sorry........

leonetta
0 | 03.05.2018, 21:01

https://www.experto.de/lebensberatung/persoenlichkeitsentwicklung/gewaltfreie-kommunikation-nach-rosenberg-beobachten-ohne-zu-bewerten.html/?amp

leonetta
1 | 03.05.2018, 20:59

Eindrucksvoller Bericht!
Die Psychologie von Menschen hat mich immer schon interessiert!
Gefällt mir!

Diana_Maria
9 | 03.05.2018, 20:07

Ein Artikel, der Verständnis weckt.
Und in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf trifft.
Es wäre schön, wenn viele ihn lesen und verstehen würden.
Auch ich finde mich darin wieder.
Danke für die Veröffentlichung.